Fritten - Fussball - Funkenmariechen
 

31. März 2004, Rheinenergiestadion Köln

Was ist also das Besondere am heutigen Länderspiel? Die Eröffnung des neuen Stadions zu Köln, die Präsentation des neuen Trikots oder die Herausforderung, in der EM-Vorbereitung gegen den Angstgegner Belgien anzutreten? Nun, für den fröhlichen Kölner war ersteres sicher der Höhepunkt des Abends: Das neu umgebaute, sogar sehr gut gelungene Rheinenergie-Stadion, auf das er mächtig stolz ist. Und dafür hat er sich auch etwas besonderes einfallen lassen. Neben Feuerwerk, Trommeln, Fackeln und Turnern traten nämlich auch die Funkenmariechen auf. Das gefällt ihm, dem Kölnner, der ja nicht nur zur Karnevalszeit gerne mal Karneval feiert. Das neue Trikot sieht eigentlich so aus, als hätte es das schon immer gegeben. Nun ja, ich spare mir an dieser Stelle mal mein übliches Plädoyer für figurbetontere Leibchen... (Ich spüre schon die Langeweile des Lesers!)

Einen Spitzenplatz hatten wir dieses Mal! Vorn in der Ecke, direkt über der Ecke sozusagen, Nordkurve. Direkt vor dem Belgienblock. Den zu erkennen war gar nicht so einfach. Denn trotz unterschiedlicher Reihenfolge sind ja schliesslich die Farben der Gesichtsbemalung und der originellen Kopfbedeckung des Belgiers dieselben wie die der Gesichtsbemalung und originellen Kopfbedeckung des gemeinen Fans in unserem DFB-Fanclub Block. Daher irritierte mich auch zunächst die erst verbale, dann doch recht handfesten Auseinandersetzung hinter uns. Hatte doch jemand versucht, eine schwarz-gold-rote Fahne mit einer schwarz-rot-goldenen zu bedecken! Da hiess es flugs nach einem Fluchtweg Ausschau halten, denn die 1/4 Hundertschaft brauchte doch eine Sekunde länger, um wieder für Oednung zu sorgen. Dafür wurde unser Block von ihr für den Rest des Spieles umstellt.

Die eigentlichen Auseinandersetzungen äusserten sich jedoch in rivalisierenden Gesängen konkurrierender rheinischer Kulturen. Ging doch das Spiel zumindest bis zum Ende der 1. Halbzeit etwas schleppend voran, so gab sich der lebensbejahende Kölner die grösste Mühe, kurzweilige Aktivitäten zu veranstalten. 1.FC Köln Gesänge wurden angestimmt, beantwortet von Fortuna-Fans mit etwas, was für mich klang wie: "Colohn, Colohn, die Scheisse vom Dom". Daraufhin konterten die Kälner mit Leverkusen-Hassliedern, und so weiter und so weiter.

Schliesslich sorgt mit der Nr. 22 Kevin Kurahnyi für einen Stimmungswechsel. Denn kaum führen Rudis Jungs mit 1:0, stimmt der Kölner lustige Karnevalslieder an, von denen ich Fragmente wie "Viva Colonia", "Durst", oder so verstehe (übrigens stimmen plötzlich die Düsseldorfer in den Gesang ein) und ich wundere mich, ob der Kölner gar nicht weiss, dass von ihrem FC gar niemand auf dem Rasen zu bejubeln ist. Aber das ist schnuppe, wie gesagt, er singt eben einfach gerne sein kölsches Liedgut.

In der 2. Halbzeit bleibt die Stimmung spitze, die La Ola geht fünf mal rundrum, was langsam anstrengend wird und mich das 2:0 durch Hamann verpassen lässt. Damit ist auch mein Tipp bestätigt, hurra! Hätte nicht Herr Ballack noch mit einem schönen 3:0 noch eins draufgesetzt hätte. Darübe habe ich mich natürlich besonders gefreut, nicht nur, weil ich seit Island ein großer Fan von ihm bin (nein, NICHT wegen seiner herausragenden spielerischen Leistung...), sondern weil mir schon seit langem das allgemeine Ballack-Genöle ordentlich auf die Nerven geht. Da stimme ich doch Hernn Völler zu, der neulich sagte, freilich ist Ballack kein Zidane, aber dafür schießt er mehr Tore. Und mal ehrlich: Wird nicht der "schöne Fussball" sowieso schon seit langem gnadenlos überbewertet??? Und der "schöne Fussballer" im Gegenzug dazu masslos unterschätzt???

Apropos schön: Schade, dass Timo Hildebrand nicht mitspielen durfte. Wo er doch für sein jugendliches Alter so verdammt sexy Augenringe hat. Verschiedene Meinungen habe ich zum jungen Stuttgarter aufgeschnappt: während eine Frau eine gewisse Ähnlichkeit mit Leonardo di Caprio feststellen konnte, erinnerte er einen herumstehenden Mann beim Training (denn dort war er ja freilich dabei!) an den jungen Klaus Kinski. Und eine Fotografin rief ihm sogar ein nicht wirklich schüchternes "Timo, ich will ein Kind von Dir!" hinterher. Tatsächlich könnte er wahrscheinlich fast ihr Sohn sein...

Jaja, der schöne Fussball... Sicher wird man sich morgen in den Zeitungen wieder einig sein, klar freut man sich über das 3:0, die spielerische Leistung jedoch liess doch sehr zu wünschen übrig... Gähn!

Die Kölner zumindest hatten ihren Spass! Sollen sie ja auch haben. Solange sie 2006 nicht bei der Ausrichtung der Eröffnungsfeier beteiligt werden. Denn da haben FUnkenmariechen nichts zu suchen. Finde ich.

Mehr schöne Bilder von schönen Spielern, Fans und Stadien findet ihr >>HIER