|
Wer hat denn diese fucking
Aufstellung gemacht? So und nicht anders lautete im gestrigen Heimspiel
der Begrüßungskommentar des Stadionsprechers, der sein Mikro
wohl etwas voreilig angeschaltet hatte.
Ede Geyer wird sich wohl zuerst im falschen Film gewähnt, später
mit Sicherheit innerlich gekocht haben. Seine Meinung und besonders Aufstellung
ist schließlich nichts geringeres als Religion, und der Stadionsprecher
höchswahrscheinlich seinen Job los...
Nur eine von vielen Anekdoten, die sich im Laufe einer Saison so ansammeln.
Fußball gespielt wurde nebenbei auch. Tabellenachter gegen Tabellendritten,
oder anders formuliert: Ligakrösus Leipzig gegen die graue Maus aus
Eilenburg.
Wie man sich doch täuschen kann. Leipzig und seine Startruppe haben
seit drei Spielen kein Tor mehr geschossen, rangieren mit zwölf Punkten
aus acht Spielen glanzlos im Niemandsland, während Nachbarkaff Eilenburg
mit 15 Punkten oben an der Spitze schnuppert.
Nach dem 0:0 im Auswärtsspiel bei Dresden-Nord hatte man eindeutig
den allertiefsten aller Tiefpunkte erreicht. Das, was 400 mitgereisten
Fans in 90 Minuten angeboten wurde, spottete jeder Beschreibung. Ganze
zwei Torschüsse, dafür aber geschätzte 537 Fehlpässe
und mindestens fünfzig Abseitsstellungen gab es von der teuersten
Oberligamannschaft aller Zeiten zu bewundern.
Nicht ganz das, was man sich vorgestellt hatte aber kein Thema,
wo doch gegen Eilenburg alles besser werden sollte.
Das Spiel selbst kann als abwechslungsreich, teilweise fast spannend beschrieben
werden. Nach zwei Aluminiumtreffern unsererseits geht der Gast mit 1:0
in Führung. Leipzig gleicht zwar aus, muss aber in der 85. Minute
nach einem Konter das 1:2 hinnehmen. Daraufhin scheint der Ofen aus, Chemie
aber kämpft wie ein Löwe und erzielt doch noch das nicht mehr
für möglich gehaltene, absolut hochverdiente 2:2. Ein gutes
Spiel endet in einer gerechten Punkteteilung, die über Leutzsch die
Sonne strahlen lässt.
Nur einige Unbelehrbare suchten das berühmte Haar in der Suppe. Kritisieren
kann jeder, bitte, macht es doch besser.
Mal ehrlich Kollegen, was habt Ihr denn erwartet? Dass der Dritte mal
einfach so aus dem Stadion geschossen wird? Immerhin haben wir zwei Tore
geschossen, nach zweimaligem Rückstand eine Riesen-Moral bewiesen
und uns den Punkt leidenschaftlich erkämpft.
Dass Bundesligaspieler Racanel für einen A-Jugendspieler weichen
muss und gar nicht zum Einsatz kommt, ist einzig und allein Beweis einer
fantastischen Jugendförderung, für die wir bundesweit berühmt
sind, und die Mannschaft wächst trotz aller Unkenrufe schrittweise
und für jedermann sichtbar zu einer Einheit zusammen.
Star-Stürmer Ivanovic höchstpersönlich war es schließlich,
der 30 Meter vor dem Tor den Sonntagsschuß von Talent Lee-Gandaa
auflegte, und Giue-Mien war auch irgendwie mit einem Querpass am zweiten
Tor beteiligt.
Mit Gegentoren muss man gegen Eilenburg sowieso immer rechnen. Aber hey,
das erste Tor schießen die so auch nie wieder, und dem zweiten ist
ganz klar ein Regelverstoß an der gegenüberliegenden Eckfahne
vorausgegangen. Kein Grund zur Panik also auch weil die Konkurrenz
schwächelt, und der Abstand zur Spitze lächerliche sechs Punkte
beträgt.
Wenn das kein Startschuss war, dann weiß ich auch nicht. Zwei
Tore geschossen, so viel wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Jetzt geht es
los... und die Liga zittert schon... wenns denn so wäre...
Nur mit einem ganz dicken Fell und einer ganz großen Portion Sarkasmus
lässt sich das, was eigentlich an diesem Sonntag passierte einigermaßen
optimistisch wiedergeben.
Immerhin ein Punkt, so das eigentliche Fazit eines Spieles, das uns endgültig
zum Gespött der Liga degradiert. Die Konkurrenz rutscht aus und was
macht Chemie? Spielt unentschieden gegen den Dresden-Nord und schafft
es in einem Spiel gegen Eilenburg nicht, drei Punkte im eigenem Stadion
zu behalten.
Die Leistungen der Neueinkäufe sind grottenschlecht, teilweise unterirdisch.
Ivanovic steht völlig neben sich, Giue-Mien ist nur ein Schatten
seiner selbst. Racanel spielt gar nicht erst mit. Tore werden wenn überhaupt
von Talenten aus der zweiten Mannschaft erzielt, Leute, die das zehnfache
verdienen sind hingegen überfordert und ein Abbild völliger
Hilflosigkeit.
Die Gegentore fallen jeweils aus Kontern, bei denen die komplette Hintermannschaft
irgendwo auf dem Feld verteilt, jedoch meilenweit entfernt von ihren Gegenspielern
steht. Das erste Tor nach drei Spielen ist Resultat eines Verzweiflungsschusses,
der sich hinter dem Torwart ins Netz senkt, das zweite ein Kopfball, der
normalerweise gehalten wird.
Die Mannschaft mit Coach Geyer vorneweg wirkt ratlos, und harmoniert in
keinster Weise. Das Team hat eine Entwicklung genommen, die das Ergebnis
eines viel zu großen Gehaltsgefüges ist. Lange kann es eben
nicht gut gehen, wenn die Unterschichtendebatte auch innerhalb der eigenen
Elf geführt werden kann und Ivanovic für Abseitsstehen monatlich
fast mehr bekommt, als Torschütze Lee-Gandaa im Jahr verdienen kann.
Wenn es überhaupt etwas positives gibt, dann sind das die erwähnten
sechs Punkte nach oben. Nächsten Sonntag ist spielfrei, weil man
in Cottbus erst jetzt gemerkt zu haben scheint, dass die erste Mannschaft
am Samstag ja gegen Hertha ein Heimspiel hat.
Zwei Wochen. Zwei Wochen Zeit um endlich etwas zu ändern. Zu geschätzten
29 reinigenden Gewittern könnten sich langsam auch mal ein paar Fortschritte
gesellen. Ansonsten wird es ganz düster in Leutzsch wer weiß,
wie lange Dr. Kölmel Millionensponsor eines biederen Oberligisten
bleiben möchte.
Grün-weiße, sprachlose Grüße von Chemie, Aushängeschild
und Stolz der Sportstadt Leipzig.
|