| Der
schon vor Saisonbeginn verspielte Aufstieg
Die Fans des TSV 1860
München haben es in dieser Saison nicht einfach. Zuerst müssen
sie ihr geliebtes Stadion an der Grünwalder Straße in Richtung
Allianz Arena verlassen. Die Unterschiede zwischen dem baufälligen
Sechzger-Stadion einerseits und dem topmodernen Superdome andererseits
hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Betrachtet man
allerdings das Spektrum zwischen Pommesbude und Edelrestaurant, so läßt
sich der gewaltige Unterschied dieser beiden Stadien am besten darstellen.
Mit dieser gigantischen
Arena im Rücken sollten die Gegner an die Wand gespielt werden.
Gerade die Spieler kleinerer Klubs wie Burghausen, Siegen oder Ahlen sollten
hier vor Ehrfurcht erstarren. Selbst bei den Buchmachern wurde 1860 sogar
noch vor Bochum als Aufstiegsfavorit Nr. 1 gehandelt. Der sportliche Erfolg
schien nur noch Formsache zu sein. Die Fans träumten von der Bundesliga
und es gab nicht wenige Optimisten, die sich bereits jetzt schon Chancen
für einen internationalen Wettbewerb ausmalten und Benny Lauth erneut
im Löwen-Trikot auflaufen sahen. Die
Wirklichkeit holte die weiß-blauen Fans recht unsanft auf den Boden
der Tatsachen zurück: In der Hinrunde konnten die Sechzger unter
Coach Rainer Maurer zumindest noch einige Heimspiele glücklich gewinnen
und eine ansehnliche Auswärtsbilanz vorweisen. In der Rückrunde
allerdings brachen alle Dämme: Auswärts schon längst keine
Macht mehr, mußte sich 1860 gerade in den Heimspielen gegen Ahlen
und Offenbach aufgrund katastrophaler Mannschaftsleistungen jeweils mit
einem mickrigen Remis zufrieden geben. Und das ausgerechnet gegen Teams,
die in dieser Saison nicht gerade um die Aufstiegsplätze mitspielen.
Die Verpflichtung von
Walter "Schoko" Schachner und Stefan Reuter brachten keine Besserung.
Im Gegenteil, daß Team wirkt seitdem völlig verunsichert und
ganz ohne Selbstvertrauen. Hätte man doch endlich einen bekannten
Trainer vom Schlage eines Ewald Lienen, eines Klaus Toppmöller oder
auch Peter Neururer (der zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich
für DSF moderierte) verpflichten sollen?
Schon seit Saisonbeginn
versucht man an der Grünwalder Straße ganz ohne echte Stürmer
auszukommen: Paul Agostino ist aufgrund seines Alters nur noch als Joker
einsetzbar und diese Rolle füllt er recht ordentlich aus. Stefan
Reisinger ist vermutlich der einzigste Stürmer im
deutschen Profifußball, der als Null-Tore-Goalgetter während
der ganzen Saison Woche für Woche seine Chance bekommt. Vermutlich
würde er aber nicht mal im Hasseröder-Pils-Cup der örtlichen
D-Jugend treffen. Das Experiment, Mittelfeldmann Shao als Stürmer
umzufunktionieren, blieb ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Bleiben noch
die Dauerreservisten Krontiris und Kolomaznik, die zuletzt ohne Esprit
und Feuer aufliefen. Wer also soll die bitter benötigten Tore schießen?
So bleibt also festzuhalten,
daß 1860 München bereits während der Sommerpause den Aufstieg
verspielt hat. Trainer und Präsidium waren damals der festen Überzeugung,
es seien keinen großartigen Verstärkungen notwendig. Hatte
man dabei übersehen, wie erfahrene Zweitligaaufsteiger wie Bochum
und Freiburg ihre Kader zusammenstellen?
Anstatt sich Aufstiegsträumereien hinzugeben, müssen die Löwen
nun also aufpassen, nicht vom Abstiegsstrudel erfaßt zu werden.
Nicht Bochum und Aachen, sondern Dresden und Saarbrücken heißen
ab jetzt die unmittelbaren Konkurrenten.
Bei der Vielzahl arbeitsloser
Fußballprofis erstaunt es aber doch, mit welch gleichgültiger
Arbeitseinstellung die Herren Löwen-Profis zu Werke gehen und so
der Regionalliga entgegenschlittern. Und nicht wenige Fans erinnern sich
dabei wieder an graue Bayernliga-Jahre.
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