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Ja, es tat sich
viel in den letzten drei Wochen, sowohl Positives wie auch Negatives.
Sportlich überwiegt jedoch das Plus. Trotzdem ist dies keine wirklich
heitere Zusammenfassung der letzten vier Spiele. Von Leuchtspur, Krabbenbrötchen,
Boykott, selektiver Wahrnehmung und schlechten Verlierern. Und natürlich
von einem roten Licht, das nie verglüht...
Mal wieder ein Punkt im Tal
Business as usual: ebenso, wie Fortuna mit schöner Regelmäßigkeit
im Niederrhein-Pokal in der 3. Runde in Wuppertal ausscheidet, genauso
regelmäßig spielt man bei den Meisterschaftsspielen am Zoo
unentschieden. Das 1:1 im Spiel vom 08.09.2006 war im dritten Aufeinandertreffen
der beiden Teams in Wuppertal nach Fortunas Wiederaufstieg auch das dritte
Remis. Auch scheint man sich auf dieses spezielle Unentschieden eingeschworen
zu haben, beide Partien gegen den WSV in der letzten Saison endeten ebenfalls
1:1. Während man allerdings beim letzten Heimspiel gegen die Bergischen
über diesen Punkt noch froh sein konnte, wurde er doch noch kurz
vor Schluss in Unterzahl eingefahren, so war dieses erneute Unentschieden
aus Fortuna-Sicht eher ärgerlich.
Vor der stattlichen Freitagabend-Kulisse von 11.100 Zuschauern (das Spiel
wurde aufgrund des Zuschauerandrangs mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen)
war Fortuna in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft und ging
verdient durch einen Flachschuss aus 12 Metern von Ahmet Cebe kurz vor
der Pause in Führung. Den Wuppis fiel in der ersten Halbzeit außer
langen Bällen nach vorne überhaupt nichts ein, sie spielten
keine Torchance heraus, man konnte mit der Leistung der Fortuna absolut
zufrieden sein. Und so ging es in der 2. Halbzeit auch zunächst weiter.
Die Wuppertaler erspielten sich zwar ein Übergewicht, ohne jedoch
zu nennenswerten Torchancen zu kommen. Fortuna hingegen versäumte
es, den entscheidenden Konter zu setzen und gab das Spiel quasi schleichend
aus der Hand, weil man nur noch versuchte, den knappen Vorsprung über
die Zeit zu schaukeln. Und dass wir gerade das nicht können, ist
dem Kenner der Materie ja schon hinlänglich bekannt. Natürlich
ging es schief, und Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn man nicht nur
den Ausgleich kassiert hätte, sondern dabei wieder zwei alte Traditionen
gepflegt hätte: als die Zuschauer des Gastgebers schon scharenweise
die Haupttribüne verließen, weil die 90 Minuten rum waren,
spielte Siberie am Strafraum auf Policella, der drehte sich um Gegenspieler
und eigene Achse und zimmerte die Kugel links oben ins Eck: Ausgleich
mal wieder in der letzten Sekunde und mal wieder durch einen
Ex-Fortunen. Torwart Deuß schaute dem Ball äußerst interessiert,
aber völlig regungslos hinterher, und auch wenn ich der Ansicht bin,
dass er den selbst mit einer Flugeinlage à la Higuita nicht mehr
bekommen hätte, es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass
er durch das gänzliche Fehlen jedweder Reaktion beeindruckte. Damit
muss man leben, aber ich stelle mir immer wieder gerne vor, wie das Fan-Echo
auf dieses Gegentor ausgefallen wäre, hätte es zu Beginn der
letzten bzw. vorletzten Saison eingeschlagen, als der Torwart noch Carsten
Nulle hieß. Insgesamt natürlich ein hochverdienter Punkt für
die Landeshauptstädter beim damaligen Tabellen-2., ärgerlich
nur, dass der Sieg kurz vor Schluss noch verspielt wurde.
Und doppelt ärgerlich, dass es auch im Umfeld mal wieder einen Aussetzer
gab: da kommen über 4.000 Fortuna-Fans nach Wuppertal, haben das
Stadion stimmungstechnisch voll in der Hand, was selbst die Heim-Fans
nach dem Spiel neidlos anerkannten, und dann schießt ein Idiot kurz
vor Ende des Spiels Leuchtspur in einen anderen Fan-Block (in dem überwiegend
Wuppertaler standen, aber auch ein paar Fortuna-Fans saßen). Verletzt
wurde glücklicherweise niemand, ermittelt wurde der Kriminelle aber
natürlich bislang auch wieder nicht. Und wer im letzten Bericht noch
wortreich (und wie ich immer noch finde, zurecht) über das Kroppzeuch
hergezogen ist, was sich in Dresden im Stadion und davor so rumtreibt,
der darf vor dem eigenen Pack natürlich nicht die Augen verschließen:
diese Aktion war das Allerletzte, und es ist mittlerweile auch schon mehr
als eine Mail an den WSV gegangen, in der sich die Fans und auch der Verein
für diesen Anschlag entschuldigt haben. Ich persönlich wünsche
diesem Deppen neben einem lebenslangen Stadionverbot etwas, das ich hier
nicht unbedingt explizit ausführen möchte. Nur soviel: es hätte
unmittelbar etwas mit dem von ihm verwendeten Signalmittel und seinem
eigenen Gesäß zu tun...
Blamage im voraus
Am 13.09.2006 spielte Fortuna bei Kickers Emden. Dies war ein vorgezogenes
Spiel des 15. Spieltags. Dieser findet unter der Woche am 08.11.2006 statt,
einer derjenigen zusätzlichen Spieltage, die ins Rahmenprogramm eingepuzzelt
werden müssen, weil die Regionalliga Nord eine Mannschaft mehr hat
als die Konkurrenz im Süden oder die 1. und 2. Liga. Der DFB setzte
diese Partie allen Ernstes für den 08.11. (Mittwoch), 14.00 Uhr an,
weil Emden nicht über fernsehtaugliches Flutlicht verfügt! Eins
von vielen Beispielen, die immer wieder sehr schön zeigen, wer beim
Fußball bei der Spielplanerstellung am meisten berücksichtigt
wird. Die jeweiligen Vereine sind es auf alle Fälle nicht. Da dieser
Spieltermin auch für die Gastgeber eher ein Schlag ins Gesicht denn
eine vernünftige Ansetzung war, wurden unmittelbar nach der Spielplanerstellung
die Verhandlungen aufgenommen, und der DFB stimmte einer Vorverlegung
auf den 13.09.06 (ebenfalls Mittwoch), 17.30 Uhr, zu. Nicht viel besser,
aber immerhin war mit besserem Wetter zu rechnen. Und so kam es auch,
es wurde ein strahlend schöner und warmer Spätsommertag, wie
geschaffen für einen Ausflug an die Nordsee. Wetter toll, Gastgeber
wieder gut drauf, wie schon bei unserem ersten Spiel dort im März,
die Krabbenbrötchen zu 2,60 Euro, direkt aus dem Emder Hafen ans
Stadion gekarrt, wieder mal unvergleichlich ein perfekter Tag also.
Vielleicht hätte man noch kurzfristig dieses Fußballspiel absagen
sollen, dann wäre es wirklich perfekt gewesen. Fortuna unterlag beim
BSV Kickers Emden mit 0:1 und bot die mit Abstand schlechteste Saisonleistung.
Am frühen Abend auf irgendwelchen Dorfplätzen anzutreten, scheint
nicht unser Ding zu sein, Bremen II oder Lüneburg sind noch gut bekannte
Beispiele aus der jüngeren Historie. Wie man sich allerdings als
Spieler hinterher an den Zaun stellen und genau diese Erklärung für
den zuvor 90 Minuten lang zelebrierten Anti-Fußball bieten kann,
ist wirklich schon ein starkes Stück. Das war fast so peinlich wie
das Spiel zuvor.
Das Tor des Tages erzielte mit Rudi Zedi in der 31. Minute natürlich
wieder mal ein ehemaliger Fortuna-Spieler. Ich schwöre, in den sechs
Jahren, in denen er für uns gespielt hat (bis 2002), hat der kein
Scheunentor getroffen, noch nicht mal, wenn man ihn in einem Meter Entfernung
davor mit Fußrichtung nach vorne festgekettet hätte. Hier wummste
er die Kugel aus 9 Metern unter die Latte, nachdem die Fortuna-Abwehr
den Ball nach einem Freistoß nicht wegbekam. Man kennt es ja langsam
und ärgert sich trotzdem. Noch mehr konnte man sich über das
Spiel ärgern, das über weite Strecken ein lauer Sommerkick bei
ebensolchem Wetter war, und zwar durchaus von beiden Mannschaften. Da
Emden wenigstens kämpferisch alles in die Waagschale warf, war der
Sieg nicht unverdient, obwohl sie in der gesamten 2. Halbzeit nur eine
einzige Torchance hatten. Die vergab zum Glück Falk Schindler, dessen
unerlaubter Haarwuchsmitteleinsatz uns im letzten Jahr in der Hinrunde
noch drei Punkte bescherte. Ich schätze mal, diesmal hatte er besser
aufgepasst. Ca. 400 mitgereiste Fortunen sahen eine enttäuschende
Fortuna, die zwar besonders in Hälfte 2 ständig feldüberlegen
war, allerdings nur Gefahr vor dem Kickers-Tor verbreitete, wenn Markus
Anfang mal zum Freistoß antrat. Somit war vor 2.500 Zuschauern das
kleine Zwischenhoch nach den beiden Auftaktniederlagen bereits wieder
endgültig beendet.
Und um mal eins klarzustellen: natürlich kann man in Emden verlieren.
Deren ständiges Understatement sollte man durchaus auch mal kritisch
hinterfragen. Vom Dorfklub-Image bleibt da höchstens
noch der Name. Zum Beispiel steht im Emder Kader ein Herr namens Sebastian
Schoof. Schon mal gehört? Richtig, der hat vor noch nicht allzu vielen
Jahren unter anderem mal für Bayer Leverkusen in der Champions League
gespielt und getroffen. So jemanden setzt man in Emden beim Spiel gegen
Fortuna Düsseldorf auf die Bank Wie überhaupt die Emder Reservisten
mehr Zweit- und Regionalliga-Spiele aufzuweisen hatte als ein Großteil
des Fortuna-Kaders. Für die Namen in ihrer Mannschaft stehen die
auch erstaunlich schlecht in der Tabelle. Aber wir hatten natürlich
auch einen Anfang oder einen Feinbier oder einen Podszus dabei. Deshalb
darf man auch bei einer Niederlage eine einigermaßen engagierte
Leistung erwarten. War aber nicht. Für das, was da auf beiden Seiten
auf dem Platz stand (der übrigens in einem grauenvollen Zustand war,
da stimmt das Klischee vom Dorfbolzplatz wieder), war dieses uninspirierte
Gebolze am Mittwochnachmittag eine Beleidigung fürs Auge. Aber
wie gesagt, die Emder mühten sich wenigstens, das reichte dann schon.
Das war das, was besonders weh tat. Und natürlich die Tatsache, dass
man jetzt am 15. Spieltag frei, aber keine Punkte hat.
PS. Ich musste auch eine persönliche Niederlage einstecken: ich verlor
gegen den Fortuna-Pressesprecher 3:4 im Verzehr von Fischbrötchen.
Das muss am Urlaub liegen, den ich zu diesem Zeitpunkt immer noch genoss,
der macht einen so träge...
Das schlechteste 4:0 aller Zeiten
Okay, eine reißerische Überschrift, Marke Zeitung mit den vier
großen Buchstaben. Hauptsache, einen Superlativ drin unterbringen,
einen Augenfänger...das reicht dann schon. Umwelteinflüsse,
you know. Aber mal ehrlich: wenn es jemals ein schlechteres 4:0 gegeben
haben sollte, dann bin ich froh, dass ich das nicht sehen musste. Was
Fortuna am 16.09.2006 gegen Borussia Dortmund II bot, war über weite
Strecken nur wenig besser als die Arbeitsverweigerung in Emden. Immerhin,
diesmal war es die Fortuna, die sich wenigstens bemühte, die Scharte
wieder auszuwetzen. Und da der Gegner zwar flott mitspielte, aber so was
von harmlos vor dem Düsseldorfer Kasten war, gab es diesen deutlichen
Erfolg, der erst in der Schlussphase herausgespielt wurde.
Positiv war, dass in den letzten 10 Minuten alle Stürmer trafen,
nachdem ein Verteidiger mal wieder vorgemacht hatte, wie es geht: Jens
Langeneke verlängerte kurz vor der Pause einen Freistoß mit
dem Hinterkopf ins lange Eck, vom Innenpfosten trudelte die Kugel ins
Tor, ein schöner Treffer. Dann plätscherte das Spiel weiter
vor sich hin, kaum Chancen auf beiden Seiten, bis die Dortmunder, die
laut Aussage ihres Trainer ohne sieben Stammspieler angereist waren (was
ich bei diesen Truppen immer etwas misstrauisch sehe, denn wenn sie die
entsprechende Anzahl von Profis für ein Spiel geschenkt bekommen,
sitzen diese Stammkräfte ja auch draußen), in den
letzten zehn Minuten zusammenbrachen. Feinbier mit hübschem Heber
aus 16 Metern, Adewunmi mit Kopfball nach Ecke, und Podszus, ebenfalls
mit dem Kopf nach Flanke von Wolf, schraubten das Ergebnis noch in ungeahnte
und unverdiente Höhen. Andererseits setzte die Mannschaft auch endlich
mal nach und machte die Tore, anstatt zu versuchen, das 1:0 mal wieder
über die Zeit zu schaukeln, als man merkte, dass die Gäste nicht
mehr konnten. Somit ein kleiner Hoffnungsschimmer und eine wenigstens
dem Ergebnis nach eine gelungene Wiedergutmachung für das Emden-Gekicke.
Aber eigentlich interessierte dies nur noch am Rande. Denn in der Woche
zuvor hatte es etwas noch nie Dagewesenes gegeben, das die Fan-Szene nachhaltig
erschütterte: da die Selbstreinigung der Kurve mal wieder
aus Solidarität ausfiel, sprich, der Heckenschütze vom Wuppertal-Spiel
mal wieder nicht gemeldet wurde, reagierte der Verein und setzte erstmals
in der Geschichte eine Belohnung von 500 Euro für sachdienliche Hinweise
aus, die zur Ergreifung des Täters führen würden. Dies
geschah wohl auch, um dem DFB mal zu demonstrieren, dass man zumindest
versucht, solche Leute aus dem Verkehr zu ziehen. Und es kam, wie es kommen
musste, unmittelbar vor dem Dortmund-Spiel wurde ein Fan von einem Ordner
als möglicher Täter gemeldet. Natürlich stammte dieser
Fan aus der Ultra-Szene. Natürlich deswegen,
weil diese Fans stets sofort im Fokus stehen, wenn es um den Einsatz von
Leuchtmitteln geht, da es für sie ja wohl einen Teil ihrer Fan-Kultur
darstellt, Strafen für den Verein inklusive. Da vor dem Abschuss
der Leuchtspur im Fan-Block auch Pyro abgebrannt worden war, lag der Verdacht
nahe, dass einer der Herrschaften es dort mit seiner persönlichen
Pyro-Show etwas übertrieben hatte, zumindest jedoch,
dass der ein oder andere aus der Szene den Täter gesehen hatte, allerdings
bis heute schweigt, aus den bekannten Gründen: weil man gegen das
große, böse System zusammenstehen müsse, weil
man nicht als Denunziant gelten will, und überhaupt,
es war ja wieder mal nichts passiert. Ich erinnere mich ungern an eine
ähnliche Szene aus dem ARAG-Pokal-Endspiel 2004 gegen RW Essen, als
in der Krefelder Grotenburg eine Leuchtkugel quer über den Platz
auf die Haupttribüne gefeuert worden war, was anschließend
von einem Mitglied der Ultra-Szene (wohlgemerkt, von einem!) im offiziellen
Fortuna-Forum als Kollateralschaden bezeichnet wurde. Anderer
Leute Gesundheit scheint für einige wirklich Nebensache zu sein,
egal ob aus dem Ultra-Dunstkreis oder nicht.
Der Knackpunkt an der Erklärung des Vereins war aber sicherlich auch,
dass die Belohnung für sachdienliche Hinweise nicht nur den Vorfall
beim Wuppertal-Spiel betraf, sondern auf sämtliche Verstöße
gegen die Stadionordnung ausgeweitet wurde, was ja nun auch den Einsatz
von Pyro und Rauch im Block betrifft. Als dann natürlich
ein Ultra als erste Person von dieser Maßnahme getroffen wurde,
der natürlich unschuldig ist (das wiederum haben natürlich
alle gesehen, die sonst nichts sehen), gab dies den Ausschlag: die Ultras
Düsseldorf verhängten noch während des Spiels gegen Dortmund
einen Stimmungsboykott und veröffentlichten anschließend eine
offizielle Erklärung, in der sie gegen die Maßnahmen des Vereins
protestierten und schrieben, man werde Gestapo-Methoden in
der Kurve nicht dulden. Ja, wir haben echte Kenner in der Szene, die auch
nicht davor zurückschrecken, dem Verein Folter und Erschießung
in vereinseigenen Kellern vorzuwerfen, oder wie darf ich das mit den Gestapo-Methoden
jetzt verstehen? Ich warte seitdem auf die ersten Vermisstenlisten plötzlich
verschwundener UD-Mitglieder. Da war man dermaßen weit über
das Ziel hinausgeschossen, dass zumindest ich persönlich bis heute
in solchen Äußerungen nur erkennen kann, wie gut es doch manchen
Leuten im großen, bösen System zu gehen scheint.
Und wenn man auf der einen Seite überzieht, kann man auf der anderen
ja ein bisschen einsparen: es erfolgte keinerlei Abgrenzung der Ultras
zum Täter von Wuppertal, sodass nun erst recht bei dem ein oder anderen
der Verdacht hochkam, in Ultra-Kreisen könne zumindest der Täter
nicht ganz unbekannt sein, wenn es von ihnen selbst schon keiner gewesen
sei. Ein ziemliches Eigentor. Man beschwerte sich, vielleicht nicht zu
Unrecht, darüber, dass hier nach dem ersten Anschein
ein bestimmter Kreis von Fans verdächtigt wird, weil diese dafür
bekannt sind, pyrotechnischen Mitteln nicht ablehnend gegenüber zu
stehen. Okay. Dann muss man aber um der Glaubwürdigkeit willen im
selben Atemzug erklären, damit auch nichts zu tun zu haben. Unschuldsvermutung
hin oder her, ansonsten sagt man mit solch einer Erklärung nur eines:
es ist eine Frechheit, uns zu verdächtigen selbst wenn wir
es gewesen wären. Und genau so wurde es auch von einigen verstanden.
Über die Maßnahme des Vereins, eine Belohnung für jeden
Verstoß gegen die Stadionordnung auszusetzen, ohne eine Differenzierung
der Delikte vorzunehmen, und somit eventuell einer anonymen Massenmeldung
all derjenigen Vorschub zu leisten, die sich mal schnell 500 Euro verdienen
wollen, kann man in der Tat geteilter Meinung sein. Auch über das
Verbot der Choreo, welches wohl vor dem Spiel gegen Dortmund erfolgte.
Leider wurde bis heute nicht gesagt, warum die Choreo verboten wurde.
Aber wie gesagt, man muss sich wahrlich nicht alles bieten lassen. Wenn
man dann allerdings der Paranoia erliegt, der Verein nutze die Gelegenheit
aus dem WSV-Spiel, die ganze aktive Fan-Szene platt zu machen,
dann nimmt man sich selbst zwangsläufig etwas zu wichtig und schießt
über das Ziel hinaus. Wer im Internet dagegen sprach, wurde teilweise
übelst abgebügelt, sodass mal wieder klar wurde, dass sich Selbstkritik
bei den aktiven Fans nicht gerade großer Beliebtheit
erfreut und dass sich einige (einige!) Ultras stimmungs- und fantechnisch
mal wieder für den Nabel der Welt hielten.
In der Woche nach dem Dortmund-Spiel schoben die Ultras einen weiteren
offiziellen Aufruf nach: Stimmungsboykott in der ersten Halbzeit des anstehenden
Spiels in Lübeck aufgrund der vom Verein verhängten Maßnahmen.
Weiter bürgte man für die Unschuld des unter Verdacht stehenden
Mitglieds, eine sehr schöne und keineswegs selbstverständliche
Äußerung, wie ich finde, und distanzierte sich endlich von
der Blitzbirne, die im Wuppertal-Spiel in den gegnerischen Block geballert
hatte. Das ist somit hinzunehmen, bis etwas anderes bewiesen ist. Für
mich heißt dies, dass von UD niemand für diese Attacke (denn
was anderes sollte es ja wohl nicht sein) verantwortlich ist. Ob der ein
oder andere nicht doch weiß, wer es gewesen ist, und weiter schweigt,
oder ob der ein oder andere das Ganze nicht doch gar nicht mal so uncool
fand, steht auf einem anderen Blatt, und trifft sicherlich nicht nur bei
den Ultras zu.
Leider vergaß man in dieser Erklärung, sich auch für den
unglaublichen Gestapo-Vergleich aus dem vorherigen Memorandum zu entschuldigen,
und ja, ich reite darauf herum, weil es sich extra um eine offizielle
Erklärung der Fan-Vereinigung gehandelt hatte, und nicht um irgendein
Geschmiere eines Einzelnen, der es dem Verein mal so richtig geben wollte.
Außerdem bat man erst um Solidarität der anderen Fans beim
Stimmungsboykott, verkündete aber vollmundig am Ende der Erklärung,
die Kurve (d.h., die gesamte Kurve) werde in Lübeck in der ersten
Halbzeit schweigen. Was der Rest der Kurve davon hielt, konnte man in
den folgenden Tagen ausführlich nachlesen, ich beschränke es
auf zwei Worte: nicht viel.
Wir wollen hoffen, dass sich diese Konflikte innerhalb der Fan-Szene und
von Teilen der Fan-Szene mit dem Verein in nächster Zeit entschärfen.
Natürlich ist eine Belohnung für die Meldung von Delikten gleich
welcher Art eine heikle Sache. Andererseits: was soll der Verein noch
machen? Seit Jahren muss man ohnmächtig zusehen, wie Teile der Kurve
eine Geldstrafe nach der anderen produzieren (und damit sind beileibe
nicht nur die Ultras gemeint), in der letzten Saison waren es wieder gepflegte
35.000 Euro, für Wuppertal steht die Rechnung noch aus. Die von den
Fans immer wieder gern propagierte Selbstbestimmung der Kurve
verhindert eine Täterermittlung, weil solche Sachen für diese
Leute zum Fußball gehören, oder sie nicht in der Lage sind,
anders Stimmung zu machen oder aus welchen Gründen auch sonst. Also
werden die Täter stets gedeckt, weil man ja gemeinsam gegen das System
und den bösen Fußball-Kommerz zusammensteht. Der Verein wird
hier von seinen Fans im Stich gelassen, muss aber gegenüber den Instanzen
deutlich machen, dass er gewillt ist, dagegen vorzugehen, denn soll der
Verein beim DFB vielleicht bei der nächsten Verhandlung Strafaussetzung
beantragen, weil Fans halt nur das zelebrieren, was sie unter Fan-Kultur
verstehen? Ich habe irgendwie Verständnis dafür, wenn beim Verein
jetzt reagiert wurde. Ob das teilweise nicht doch etwas von Mit
Kanonen auf Spatzen schießen hat, sollte aber auch dort möglichst
schnell überprüft werden. Nur: verstehen kann ich es. Das Maß
ist voll.
Lustigerweise steht genau dieser Satz auch in der Erklärung der Ultras
Düsseldorf. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass beide Seiten
ein wenig abschöpfen, bevor das Maß überläuft...
Ein großer Abend
Am 22.09.2006 reiste der Fortuna-Tross gen Schleswig-Holstein, zum Auswärtsspiel
beim VfB Lübeck. Ein ziemlicher Streifen, gewiss, aber Lübeck
ist immer eine Reise wert. Und auch die Mannschaft bemüht sich stets,
dort ein spektakuläres Spiel abzuliefern. Beim vorletzten Mal (Mai
2005) gewann man 1:0 und verdarb dem Gastgeber bei deren letztem Heimspiel
der Saison den Aufstieg Beim letzten Mal, fast auf den Tag genau ein Jahr
vor dem diesjährigen Spiel, verlor man erst in der 93. Minute mit
0:1. Das Spiel des 9. Spieltages der Saison 2006/07 sollte alles übertreffen.
Dies begann bereits mit der Anfahrt. Mittags um 12 machte man sich aus
Düsseldorf auf in Richtung Marzipan. Ich war Beifahrer, mein Fahrer
war allerdings auch nicht der Wagenbesitzer, er hatte ihn sich nur geliehen.
Wir fuhren grad auf der Autobahn nach Wuppertal hinein, da schien am Armaturenbrett
ein rotes Lichtlein auf, welches ein Symbol, bestehend aus einem Auto
und einem Schraubenschlüssel, beleuchtete. Dann ging es wieder weg,
ging wieder an, ging wieder weg...spätestens in Höhe Münster
blieb es dauerhaft an. Beim tapferen Nachblättern in der im Handschuhfach
beheimateten Bedienungsanleitung fand ich nicht nur eine Erklärung
für das Lämpchen, nämlich eine schadhafte Motorenelektronik
sowie die Tatsache, dass beim Leuchten der Lampe ein Elektronik-Notprogramm
liefe, sondern auch den sicherlich gut gemeinten Hinweis: bitte möglichst
sofort die nächste xxx-Vertragswerkstatt ansteuern. Na, großartig,
und das mit noch ca. 1.000 km hin und zurück vor der Brust. Egal,
einmal in die Brieftasche geschaut, jawohl, Kundenkarte des ADAC mit entsprechender
Telefonnummer am Mann, also: weiterfahren, bis die Kiste den Geist aufgibt.
An einem Freitagnachmittag in eine Service-Werkstatt und dann die Elektronik
checken lassen, haha. Da hätten wir auch gleich wieder nach Hause
fahren können. So nicht!
Nun, der Wagen brachte uns brav und sicher (nur allzu schnell fahren war
nicht angesagt, ab Tempo 130 begannen die Ventile zu klappern) bis nach
Hamburg. Hier wiederum hatte man rechtzeitig zur Fußball-WM sämtliche
Baustellen vom Erdboden getilgt, denn die Welt war ja zu Gast bei Freunden.
Und wenn die Welt wieder weg ist, muss man ja auch geheuchelte Freundschaft
nicht länger aufrechterhalten. Alle Baustellen wurden wieder ausgebuddelt,
noch ein paar dazu erfunden sämtliche Hamburger Kreuze und
Dreiecke verschwinden derzeit unter rot-weißen Absperrbaken, Fahrbahnverengungen
und Sperrungen kompletter Autobahnabschnitte. Und damit auch wirklich
jeder etwas davon hat, war dem Radio zu entnehmen, dass an einem Hamburger
Kreuz gar ein Fahrstreifen über mehrere Kilometer Länge gesperrt
war, weil der Standstreifen neu bemalt wurde! An einem Freitagnachmittag!
Es ist natürlich sonnenklar, bei wem diese Planer einst in die Lehre
gegangen sein müssen: bei der Deutschen Bahn. Andererseits musste
man den Standstreifenmalern schon fast ein Lob aussprechen, da wurde wenigstens
noch gearbeitet. Bei sämtlichen anderen Baustellen, an denen wir
vorbeikrochen, war natürlich nicht mal ansatzweise jemand zu sehen.
Rund um Hamburg herrschten an jenem Nachmittag 40 km Stau, drei davon
verursacht durch einen Unfall, der Rest einzig und allein auf Baustellen
zurückzuführen. Sollte noch irgendjemand einen Beweis benötigen,
dass Deutschland bei der Verkehrsplanung völlig überfordert
ist (was ja bei der Deutschen Bahn unter Hand schon hier und da zugegeben
wird), der sollte in den nächsten Woche mal einen kleinen Abstecher
auf der Autobahn nach Hamburg machen. Möglichst freitags nachmittags.
Ich kann auch dafür bürgen, dass etwas geboten wird, gleichgültig,
welche Strecke man nimmt.
Wenn man die A1 weiter nach Lübeck fährt, bekommt man sogar
noch richtig etwas geboten. Nämlich einen 14 km langen Stau zwischen
Bargteheide und Reinfeld (die letzte Ausfahrt vor dem Stadtgebiet Lübeck!),
verursacht von einer ungelogen 10 km langen Baustelle. Mein persönlicher
Rekord, aber vielleicht kennt ja jemand noch etwas Längeres. Wobei,
wir wollen nicht meckern: die ganzen Staus hinderten uns am schnellen
Fahren, was ja wiederum unserem leicht angeschlagenen Fahrzeug zu Gute
kam. So erreichte man mit permanent leuchtender Signallampe und reichlich
genervt doch noch Lübeck und die Lohmühle. Wir hatten auch noch
reichlich Zeit, das schöne Wetter zu genießen, und die Fan-Fete,
die ein Sponsor angekündigt hatte, und die vor dem Spiel dem Aufwärmen
dienen, aber erst richtig nach der Partie losgehen sollte. Fan-Fete
war da nicht mal was? Ja, genau, bei unserem vorletzten Spiel an der Lohmühle
stand das Freibier und lagen die Aufstiegs-T-Shirts vor dem Spiel auch
schon bereit. Da wollten wir doch mal sehen, ob wir diesmal nicht auch
einen bescheidenen Anteil zu den Fan-Feierlichkeiten liefern konnten.
Und wir konnten. In der ersten halben Stunde war Fortuna klar die bessere
Elf, Lübeck fand bis auf einen Kopfball von Heun, den Deuß
großartig parierte, überhaupt nicht statt. Fortuna ging dann
auch folgerichtig durch eine schöne Einzelleistung von Lambertz völlig
verdient in Führung. In der 25 Minute schoss Kullig an der Mittellinie
versehentlich Andy Lambertz an. Der Ball prallte weit in die Lübecker
Hälfte, Lambertz setzte nach, überlief auch noch den letzten
Mann der aufgerückten Lübecker und schlenzte die Kugel über
Frech unter die Latte. Ein prima Tor. Bis dahin war auch noch alles gut.
In den 20 Minuten vor der Pause eskalierte die Partie allerdings, und
Schiri Thomas Frank, der Collina-Verschnitt, verlor mal wieder den Überblick.
Das ist der Mann, der vor zwei Jahren in Münster ein glasklares Handspiel
eines Münsteraners auf der Torlinie übersah und statt Elfmeter
einfach das Spiel abpfiff. Das ist auch der Mann, der im letzten Jahr
(aber noch vorletzte Saison) beim Spiel in Köln beide Mannschaften
20 Minuten in die Kabine schickte, weil Rauch und Bengalen im Kölner
Block gezündet worden waren. Ich will damit wirklich nicht sagen,
dass der Mann Fortuna benachteiligt, nur, dass er wirklich des Öfteren
den Überblick verliert, genau wie ein Herr Gräfe. Da beim DFB
aber nicht sein kann, was nicht sein darf, pfeift er mittlerweile 2. Liga.
Wahrscheinlich gehts bei Koblenz gegen Unterhaching wirklich friedlicher
zu. Fakt ist, dass das Spiel härter wurde, und zwar von beiden Seiten.
Für die Lübecker war die Sache klar: die Fortunen liefen Amok,
und wenn sie selbst gefoult wurden, war das Schauspielerei. Der Journalist
neben mir auf der Pressetribüne ereiferte sich, das sei ja genau
wie letztes Jahr eine einzige Schauspiel-Truppe. Nun, zum letzten Jahr
habe ich damals auch schon Entsprechendes geschrieben: damals war in den
Lübecker Nachrichten von üblen Schauspieleinlagen der Fortunen
die Rede. Das ging anscheinend damals so weit, dass sich Cebe selbst das
Nasenbein gebrochen und Barth sich ebenfalls selbst einen Augenbrauen.Cut
zugefügt hatte, um glaubwürdiger zu wirken. Wir haben aber auch
ein paar Masochisten im Team. Und dieses Jahr schon wieder! Wurde hingegen
ein Lübecker gefoult und blieb liegen, waren das Düsseldorfer,
die Amok liefen, wie es der offizielle Live-Ticker des VfB
tatsächlich verkündete. Vereinsbrille, schön und gut. Aber
so weit darf es meiner Meinung nach nicht führen. Obwohl, es wurde
ja noch besser.
In der 36. Minute das 1:1 durch Dustin Heun, ebenso wie Benny Baltes ein
Ex-Uerdinger im Team, und ein großer Freund des ungestraften Ellenbogeneinsatzes
gegen seine schauspielernden Gegenspieler. Bei einem Freistoß von
Lübecks Routinier Dietmar Hirsch war Torwart Deuß nicht aus
dem Tor gekommen, und in der Spielertraube am 5-m-Raum war es Heun, der
die Kugel über die Linie drückte. Deuß schlug den Ball
zwar noch weg, aber eindeutig hinter der Linie, es gab auch keine Proteste
von Düsseldorfer Seite. Interessanter war da schon, dass der Schiri
wieder mal nicht Herr der Lage war, er ließ nämlich zunächst
einige Sekunden weiterspielen, bis der Assistent Tor anzeigte.
Aber der Ball war drin, keine Frage. Der Ausgleich hatte sich abgezeichnet,
denn wenn beide Teams sich nicht grad gegenseitig beharkten, dann war
Lübeck nach dem Rückstand deutlich offensiver geworden und hatte
Fortuna hinten rein gedrängt.
In der 44. Minute wieder eine Flanke von rechts in den Fortuna-Strafraum,
und Krecidlo drückte den einköpfbereiten Heun von hinten weg
- Foulelfmeter, berechtigt, keine Frage, auch keine Proteste. Kullig verwandelte
links unten, 2:1, Deuß wäre fast dran gewesen. So richtig verdient
war das jetzt nicht, ein Unentschieden wäre okay gewesen. Das war
aber nichts im Vergleich zu dem, was dann folgte.
Nachspielzeit der ersten Hälfte: links neben dem Fortuna-Strafraum
Zweikampf Langeneke/Heun, beide gehen zu Boden. Langeneke steht auf und
will Heun wohl noch ein paar nette Worte sagen. Aber da kommt die Uerdingen-Connection:
Baltes kommt von hinten, hält Langeneke mehrere Sekunden fest und
beschwert sich nach dem Spiel allen Ernstes, der habe ihm dann noch mehrmals
auf den Fuß getreten. Was für ein guter Samariter, der Baltes!
Er wartet bis Heun sich auf Kernschussweite genähert hat, schubst
Langeneke dann gegen diesen, und der kleine Dustin macht einen auf Tätlichkeit,
während Herr Baltes sich geschwind vom Acker macht. Eigentlich schon
großer Sport. Noch größer allerdings, dass der Schiri
drauf reinfällt und Langeneke die Rote Karte wegen Tätlichkeit
zeigt. Beide Provinz-Provokateure kommen ohne auch nur eine Ermahnung
davon, im Gegenteil, Baltes gelingt es, zehn Sekunden später am Mittelkreis
noch eine weitere Rudelbildung anzuzetteln, an der sich dann fast alle
Spieler beteiligen, sodass der Schiri nun wirklich niemanden mehr bestrafen
kann, ohne gleich das Spiel wegen 10 Feldverweisen abzubrechen. Pause.
Natürlich ist es blöd von Langeneke, sich so provozieren zu
lassen. Eine Mitschuld trägt auch der Assistent, der keine fünf
Meter von der Szene entfernt stand und alles gesehen haben muss, es ist
physikalisch unmöglich, dass dies nicht der Fall war, es sei denn,
er habe unter einer Spontan-Erblindung gelitten, er aber dem Schiri kein
Wort sagte. Und Herr Frank fällte mal wieder routiniert die falsche
Entscheidung. Vor allem, dass die beiden Schmierenkomödianten, aus
Uerdinger Zeiten schon diesbezüglich bestens bekannt, ungeschoren
davon kamen, kann eigentlich nicht sein. Und Fakt ist, was auch die Fernsehbilder
belegen, dass Langeneke in keinster Weise eine Tätlichkeit begangen
hat. Schon unglaublich, wie Herr Frank darauf hereinfallen konnte.
Die beiden Schnuckelchen Baltes und Heun gaben übrigens dem NDR nach
dem Spiel ein Interview zu diesem Vorfall. Das muss man eigentlich gesehen
haben, um es zu glauben. Inhalt, Sprachstil, Ausdrucksweise beide
zusammen ergeben IQ-technisch etwa einen halben Podolski. Außerdem
waren ihre Aussagen, so sie denn zu verstehen waren, dermaßen daneben,
dass der berichterstattende NDR, eigentlich von Haus aus mit einem Herz
für Nordvereine ausgestattet, besonders wenn es gegen Teams aus nichtnordischen
Bundesländern geht, die Darstellung dieser Schmierenkomödianten
ausdrücklich und wortwörtlich als Die Lübeck-Lüge
des Abends würdigte. Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Traurig,
wenn solche Bengel derart ein Fußballspiel beeinflussen dürfen...Langeneke
erhielt natürlich ein Spiel Sperre, weil es so sein muss, aber dieses
Strafmaß bei einer Tätlichkeit zeigt recht deutlich,
wie sehr der Schiri sich verarschen ließ. Schade, dass man sich
beim DFB die Aussagen der beiden Schaumschläger nicht mal beeiden
ließ. Die sind auf jeden Fall ein warnendes Beispiel dafür,
dass manche Spieler nach dem Spiel einem Mikrofon tunlichst aus dem Weg
gehen sollten.
Aber es war ja noch mehr los mit dem Pausenpfiff. Der Lübecker Journalist
neben mir belegte mich angesichts dieser Szene mit einigen Schimpfwörtern,
die ich hier nicht wiedergeben werde, um diesen Herrn nicht noch aufzuwerten.
Sagen wir mal so: wenn ich dem einen reinwürgen will, schenke ich
ihm demnächst mal ein Wochenende in Düsseldorf, das scheint
seinen Äußerungen nach für ihn die Höchststrafe zu
sein. Die Lübecker Spieler, soeben 2:1 in Führung gegangen und
mit einem Mann mehr auf de Platz, stürmten im Kabinengang wahrhaftig
zum Schiri und beklagten sich über die Düsseldorfer Amokläufer!
So lächerlich muss man sich auch erst mal machen, das gelingt nicht
jedem! Allerdings wurde es locker übertrumpft vom Lübecker Publikum,
die die Fortunen, die soeben nachweislich vom Schiri benachteiligt worden
waren, mit höhnischen Scheiß-Verlierer!-Rufen verabschiedeten
zur Pause! Dies finde ich, auch wenn es bei den eigenen Fans vorkommt,
derart arrogant, dass es einfach bestraft werden muss. Meistens passiert
dies leider nicht.
Als jedoch nach Wiederanpfiff eigentlich jeder die Fortuna schon abgeschrieben
hatte, kam diese noch einmal zurück, weil Lübeck das Spiel anscheinend
locker nach Hause schaukeln wollte und so gut wie nichts mehr tat. Die
hatten wohl die Rufe ihres eigenen Publikums gehört und sich gesagt:
Ach, ist ja schön, dass die Sache entschieden ist, dann können
wir uns in der zweiten Halbzeit schön ausruhen. So spielten sie jedenfalls.
Und die Fortunen merkten, dass hier noch was ging, weil der Gegner trotz
Überzahl keine Chance herausspielte und erschreckend harmlos blieb.
Also griff man halt selbst an, bevor es ganz langweilig wurde. Nach Foul
von Schröder an Lambertz verwandelte Henri Heeren den fälligen
Elfmeter zum Ausgleich in der 62. Minute. Der Elfer war ebenso berechtigt
wie der für Lübeck, es gab auch hier keinerlei Proteste. Torwart
Frech war noch dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Und als
Heeren - wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Fußballkarriere
in der 69. Minute gleich vier Mann auf der linken Seite stehen
ließ (begonnen hatte er dieses Solo eigentlich nur deswegen, weil
es keine Anspielstation gab), und Pusic seine Hereingabe zum 3:2 verwertete,
war der Sieg perfekt, denn Lübeck spielte nur noch eine Chance heraus,
die Deuß großartig parieren konnte. Erfreulich auch das Saisondebüt
von Robert Palikuca, der in der Pause nach seiner Meniskus-OP erstmals
eingewechselt wurde und den kleinen Giftzwerg Heun zum Statisten degradierte.
Insgesamt ging es in der 2. Halbzeit fairer zu, wenn es auch Ausnahmen
gab, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Ein schönes
Beispiel gab es in folgender Szene: Marcus Feinbier checkte Lübecks
Kapitän Rouven Schröder beim Kopfball weg und erhielt Gelb.
Dies las sich im offiziellen Spielbericht auf der Lübecker Homepage
anschließend so:
Höhepunkt war ein Foul von Marcus Feinbier in Höhe der
Mittellinie, als er in brutalster Art und Weise Rouven Schröder niederstreckte,
mit dunkelgelb war der Übeltäter hierbei noch sehr
gut bedient.
Und jetzt kommt das, was mich bei solchen Berichten immer so anekelt.
Wie gesagt, Vereinsbrille, schön und gut, aber es muss trotzdem möglich
sein, Fakten auch als solche darzustellen. Denn was dieser Schmierfink
bei Schilderung dieser Szene routiniert vergaß, war
Folgendes: der auf brutalste Art und Weise niedergestreckte
Rouven Schröder wälzte sich zehn Sekunden lang am Boden, sprang
dann wundergeheilt (ohne behandelt worden zu sein!) auf und wollte auf
Feinbier los, der sich glücklicherweise schon entfernt hatte! Wahrscheinlich
nur, um ihm zu sagen: Du, das war nicht nett, darüber müssen
wir mal reden, du! Und dann fällt so was bei der Berichterstattung
natürlich schon mal unter den Tisch. Drei Mitspieler mussten ihn
zurückhalten, den brutalstmöglich Niedergestreckten, der so
richtig, richtig schwer verletzt war. Sanktion vom Schiedsrichter: natürlich
gar keine, noch nicht mal eine Ermahnung. Einfach traurig, was hierzulande
manchmal unter Berichterstattung läuft, aber das wird
natürlich jeder anders sehen.
Ein unvergesslicher Abend an der Ostsee bei Gastgebern, die zur Pause
schon Scheiß Verlierer! brüllten, und sich anschließend
zumindest verbal als genau solche erwiesen. Eigentlich mag ich sie ganz
gerne, hätte ihnen auch schon des Öfteren den Aufstieg gegönnt,
aber durch ihre Jammerei disqualifizieren sie sich selbst. Übrigens,
als die Lübecker beim letzten Spiel in der LTU-Arena alles wegtraten,
was nicht niet- und nagelfest war, eine Tatsache, die damals auch von
den eigenen Journalisten kopfschüttelnd bewertet wurde und die selbst
der damalige Trainer in der Pressekonferenz nicht so ganz verstand, da
haben sie uns noch als Jammerlappen bezeichnet, obwohl sie
damals gleich zwei Fortuna-Spieler aus dem Spiel traten, was uns bis heute
bei ihnen noch nicht gelungen ist (nein, ich schreibe nicht leider).
Vielleicht sollte man wirklich erst vor der eigenen Haustür kehren,
bevor man mit voller Absicht Fakten ignoriert, denn das fällt dummerweise
auf und macht es dann noch etwas lächerlicher.
Aber zum Trost hatten sie bestimmt noch eine schöne Fan-Fete nach
dem Spiel, auch wenn das vom Stadionsprecher in der Pause lässig
getippte 4:1 für sein Team nicht ganz hinkam. Ein verdienter Erfolg
der Fortuna, die schon vor dem 1:1 die bessere Mannschaft war und sich
auch in Unterzahl nie aufgab. Und da es auch unser Auto mit roter Dauerbeleuchtung
und klappernden Ventilen bis nach Hause schaffte, waren wir eigentlich
alle Sieger.
Dieser denkwürdige Abend hievte uns auf Platz sechs der Tabelle mit
14 Punkten, also mit Kontakt nach oben, aber nur 4 Punkte vom ersten Abstiegsplatz
entfernt. Die Liga ist also immer noch sehr ausgeglichen. Wäre schön,
wenn man sich jetzt so langsam oben festbeißen könnte.
Davor hat der liebe Gott allerdings den Spielplan gestellt. Denn ausgerechnet
jetzt kommt am kommenden Samstag, 30.09.2006, der fleischgewordenen Fortuna-Alptraum
in die LTU-Arena: Werder Bremen II, das Team, gegen das Fortuna noch nie
gewonnen hat. Also auf zum nächsten, mittlerweile neunten Versuch!
Erschwerend kommt hinzu, dass die derzeit einen Lauf haben und auf Platz
2 stehen, was für die Tabelle natürlich völlig uninteressant
ist, aufsteigen dürfen sie eh nicht, aber doch zeigt, dass ihre Spielkultur
derzeit funktioniert. Aber das interessiert mich nicht. Mich interessiert
nur, ob Björn Schierenbeck spielt, der Mann, der bei allen acht Versuchen,
die kleinen Werderaner zu putzen, auf dem Platz stand und dies verhinderte.
Drei Spiele hat er diese Saison erst gemacht. Ich werde Thomas Schaaf
noch schnell faxen und den Mann als unersetzlich für
das zeitgleich stattfindende Erstligaspiel der Bremer gegen Mönchengladbach
anpreisen. Ich will den nicht mehr sehen! Aber einen Sieg der Fortuna,
den will ich sehen. Damit diese alberne Serie zu Ende ist, und wir uns
oben festsetzen können. Das wäre dann mal ein ganz neues Gefühl
in einer Hinrunde. Aber man muss ja immer offen sein für Neues im
Leben. In diesem Sinne:
Keiner lässt den Schierenbeck ran! fordert: janus
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