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Spieltag 12 bis 16
Advent, Advent, ein Lichtlein
brennt
wird man bald auch bei uns sagen. Bevor ich also auf den nächsten
Weihnachtsmarkt verschwinde, hier noch die Zusammenfassung der letzten
fünf Spiele der Fortuna. Es sieht erstaunlich gut aus. Was die Tabelle
anbelangt, meine ich. Was das bunte Treiben auf dem Rasen betrifft, so
habe ich den Eindruck, das war schon mal besser. Aber ich will mich nicht
beschweren, denn wenn man in der Vergangenheit für so manch gutes
Spiel nicht belohnt wurde, so war es bis auf eine Ausnahme
in den Partien, die Bestandteil dieser Zusammenfassung sind, meist umgekehrt.
Und man will ja nicht hartherzig sein in diesen Zeiten! Es waren auch
Spiele großer Traditionsvereine gegeneinander in den letzten Wochen.
Ich bitte vorab um Nachsicht, dass ich hierzu keine einzige Zeile geschrieben
habe. Aber wenn ich nur die interessanteren Spiele dieser Vereine gegeneinander
aus der Vergangenheit würdigen würde, wär ich zu Nikolaus
noch dran. Also, kein großes Geschwafel los geht`s
Nach 19 Jahren mal wieder ein Sieg
Ja, die Überschrift klingt mal wieder nach dem Ende einer schwarzen
Serie. Stimmt aber nicht. Sie wurden nur gewählt, weil wir erstmalig
nach 19 Jahren mal wieder gegen die Offenbacher Kickers spielten. Da gab
es einige tolle Duelle in der Vergangenheit, sowohl in der 1. wie auch
in der 2. Liga. Nun also erstmal im Premiumprodukt gegeneinander. Am 29.10.08
kamen die Offenbacher Kickers zum Mittwochsspiel in die Arena, im Gepäck
sechs Spiele in Folge ohne Niederlage. Und so spielten sie dann auch.
Dennoch reichte es für Fortuna zu einem knappen 1:0-Sieg vor 10.100
Zuschauern. Ein letztlich verdienter Erfolg der Fortuna gegen einen ebenbürtigen
Gegner, der vor allem im Mittelfeld viel Platz hatte, aber zum Glück
im Sechzehner nicht mehr allzu viel zustande brachte.
Zunächst einmal gab es wieder eine beschwerliche Anreise, wie immer,
wenn man das Pech hat, nachmittags über Köln fahren zu müssen.
Da ging natürlich wieder nix mehr. Ich fuhr um 17 Uhr aus Bonn los
und erreichte die Arena exakt eine Minute vor Spielbeginn. Es war aber
auch wichtig, nicht zu spät gekommen zu sein, denn die Fortuna legte
wieder los wie die Feuerwehr, in der ersten Viertelstunde stand Jovanovic
dreimal frei vor Wulnikowski. Beim ersten Mal traf er den Ball nicht voll,
der zweite, nach einem Zucker-Doppelpass mit Lawaree in der 11. Minute
war per Lupfer drin, beim dritten kurz darauf scheiterte er am Keeper.
Da hätte die Partie schon entschieden sein können. Aber danach
gab Fortuna das Spiel unerklärlicherweise aus der Hand, der OFC nutzte
sein deutliches Übergewicht im Mittelfeld und drängte die Fortunen
bis zur Pause hinten rein. Glücklicherweise vergaben sie die wenigen
Chancen, zweimal stand in der Mitte niemand, um die Flachpässe von
rechts reinzumachen, einen Flachschuss von Zinnow konnte Melka mit dem
Fuß parieren. Die Führung zur Pause doch etwas schmeichelhaft.
Direkt nach dem Wechsel zunächst noch eine dicke Chance für
Offenbach, Haas wurde im Strafraum angespielt, schon am kurzem Pfosten
stehend zog er den Ball mittig an Melka vorbei, und wieder stand niemand
von den Gästen in der Nähe, um ins leere Tor abzustauben. Eigentlich
hätte man sich an fünf Fingern abzählen können, wie
lange das noch gut gehen würde. Dass es anders kam, war zu meiner
Überraschung einem grandiosen Fehlschlag zu verdanken: Nach ziemlich
genau einer Stunde ein Traumtor von Cebe, nach Flanke von links durch
Caillas hatte er die Kugel am rechten Strafraumeck volley genommen und
links unten versenkt. Der Schiri gab den Treffer jedoch nicht, weil angeblich
Lawaree im Abseits und gleichzeitig im Weg gestanden und den Torwart (sicht-)behindert
haben soll. Von meiner Warte aus schwer zu sagen, allerdings auch nicht
auszuschließen. Und als ich dachte, dass dies die doch leicht schwächelnde
Mannschaft noch mehr verunsichern und die Offenbacher motivieren könnte,
noch einmal richtig loszulegen, gab diese umstrittene Entscheidung im
Gegenteil anscheinend den Auftrieb, sich wieder richtig reinzuknien und
das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Zum Schluss nervte der Herr Cebe
allerdings noch gewaltig. Hatte er bei diesem Hammer nach einer Stunde
wirklich einfach nur Pech gehabt, so scheiterte er kurz vor Spielende
gleich zweimal völlig frei vor dem Torwart, bei der ersten Gelegenheit
schoss er am Tor vorbei, beim zweiten Anlauf versuchte er eine etwas dümmliche
Schwalbe. Wenn der doch nicht immer so auf unseren Nerven herumtrampeln
würde! Heidinger hatte auch noch eine gute Schusschance, traf den
Ball allerdings nicht voll. Aufgrund dieser ganzen Möglichkeiten
zum Schluss ging der Sieg insgesamt wohl auch in Ordnung. Fortuna kletterte
durch den Sieg auf Platz 3.
An jenem Spieltag gab es übrigens den ersten Spielabbruch der Saison,
die Partie Werder II gegen Dynamo Dresden wurde zur Pause beim Stande
von 1:1 abgebrochen, weil man im Nebel völlig den Durchblick verloren
hätte, die Sichtweite betrug unter 30 Meter. Das Wiederholungsspiel
gewann Dynamo dann mit 1:0. Aber was für ein profaner Grund für
eine (im weitesten Sinne) Spielabsage von denen auf diesem Gebiet so versierten
Bremern! Ich war tatsächlich ein wenig enttäuscht. Naja, es
kann der beste Einfallsreichtum halt nicht gegen die Natur anstinken.
Da darf man gespannt sein, was die Bremer sich demnächst ausdenken,
um mal wieder ein Spiel zu verlegen
aber meine diesbezüglichen
Ideen werde ich hier nicht preisgeben, schließlich sollen wir am
14.12.2008 dort noch antreten
Am folgenden Wochenende hatten direkt das nächste Spitzenspiel, beim
Tabellen-2. Union Berlin. Dort würde man sich allerdings erheblich
steigern müssen, wollte man eine Chance haben.
Keine Baustelle, keine Punkte
Man hatte keine. Wobei die Vorzeichen an jenem Sonntag, den 02.11.2008,
gar nicht schlecht standen. Union baut ja derzeit ein neues Stadion. Schön
für sie, möchte man sagen. Allerdings bauen sie ihr altes nur
um. Dies erledigen übrigens zu einem gewissen Teil die Fans, die
unentgeltlich auf der Baustelle arbeiten und sich dafür sogar Urlaub
nehmen. Einem Interview mit einem Beteiligten zufolge hat ein anderes
Mitglied dieser Arbeitsbrigade dort sogar sein berufliches Seelenheil
gefunden und seinen eigentlichen Job gekündigt. Das ist alles sehr
löblich, und wenn sie fertig sind, sollte man sie vielleicht mal
an den Wuppertaler SV Borussia ausleihen, damit die mit ihrem Umbau in
diesem Jahrtausend auch noch fertig werden.
Einerlei, zur Konsequenz hat dies, dass Union seine Heimspiele bis zur
Fertigstellung eben nicht auf der Baustelle an der Alten Försterei
austrägt, sondern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Gut, das Ding
ist uns auch nicht neu. Dort traten wir in der Vergangenheit bereits dreimal
gegen Hertha BSC II an, und dreimal gewann die Fortuna. Dies schien uns
also durchaus entgegen zu kommen.
Leider hatten die Spieler das mit dem Schonmalgesehen wohl
irgendwie missverstanden bzw. auf den falschen Verein bezogen. Denn was
sie dann vor 9.200 Zuschauer in der 1. Halbzeit hinlegten, erinnerte doch
sehr an das Spiel in Emden. Man ließ sich, genau wie einen Monat
zuvor in Ostfriesland, vom Gastgeber, der nun wirklich auch nicht zu den
spielerisch überragenden Highlights der Liga gezählt werden
muss, förmlich überrollen. Kleine Auswahl gefällig? In
der 11. Minute stürmte Bemben über die rechte Seite und passte
auf Patschinski, dessen scharfer Schuss auf das lange Eck sein Ziel nur
knapp verfehlte. In der 15. Minute reagierte Melka bei einem Schuss aus
dem Rückraum mit einem tollen Reflex und den Abpraller entschärfte
Langeneke zur Ecke. Wiederum zwei Minuten später prüfte Gebhardt
unseren Keeper, der den Ball allerdings sicher zur Ecke lenkte.
Die größte Chance auf die Führung hatten die Berliner
in der 23. Minute: Da flog Melka an einer scharf in den Strafraum hineingeschlagenen
Flanke vorbei, und der Ball landete am 5-m-Raum bei Patschinski. Der drehte
sich um die eigene Achse und schaufelte die Kugel aufs leere Tor. Und
vorbei. Eigentlich unglaublich, aber es ging. Eingedenk seines Spruchs,
den er einst bei Eintracht Trier sagte, als er in einer Szene mit der
Tatenlosigkeit eines Schiri-Assistenten nicht einverstanden war und dies
nach dem Spiel mit den Worten Der hat wohl ne Curry gegessen während
des Spiels kommentierte, hätte ich dem guten Patschinski gerne
eine Portion spendiert für diesen unfassbaren Fehlschuss. Aber er
regte sich selbst auch gar nicht groß darüber auf, denn er
wusste wohl, dass Union noch mehr Chancen dieses Kalibers bekommen würde.
Fortuna bekam zunächst kein Bein auf die Erde, hatte dann auch direkt
den nächsten Rückschlag zu verdauen: nur eine Minute nach dieser
Kunstschuss-Nummer von Patschinski humpelte Kapitän Andreas Lambertz
verletzt vom Platz. Ohne Fremdeinwirkung Muskelfaserriss zugezogen, bis
heute (Stand: nach dem 16. Spieltag) kein Einsatz mehr. Umso tragischer
als er zuvor nach dem 2. Spieltag schon wochenlang verletzt ausgefallen
war. Da kann man jetzt schon sagen, dass es wohl nicht seine Hinrunde
war
Und wenn schon nichts so richtig läuft, dann klinkt sich auch der
Schiri gerne ein. Diesmal war es Herr Holger Henschel aus Braunschweig,
der, der Patschinski`schen Logik folgend, während des Spiels durch
andauernde Nachbestellungen wohl irgendeinem Berliner Imbiss zum Geschäft
seines Lebens verholfen haben muss. Anders ist wirklich nicht zu erklären,
was der sich an jenem Nachmittag zusammenpfiff. Vielleicht war es ihm
auch lästig, dass die Fortunen gegen Ende der ersten Halbzeit öfter
mal in der Nähe des Union-Strafraums auftauchten. War doch vorher
so ein gemütlicher Einbahnstraßen-Fußball! Und das nahm
er uns wohl persönlich übel. Zunächst in der 36. Minute,
als Jovanovic von Menz im Strafraum aber so was von klar gefoult wurde.
Natürlich drehte unser Stürmer auch begeistert direkt mal eine
ordentliche Pirouette, sah selbstverständlich auch nicht gut aus,
allerdings war relativ eindeutig zu sehen, dass Menz ihm vorher in die
Hacken getreten hatte. Aber nicht für den Schiri. Allerdings hatte
der sich damit nur warm gemacht, wie nur noch sehen werden.
In der 40. Minute dann die vielleicht dickste Chance für Fortuna,
als Jovanovic sich bis zur Torlinie durchsetzte, den Ball in die Mitte
auf Heidinger legte. Allerdings hatte ein Berliner noch ein Bein dazwischen
und beförderte die Kugel am langen Eck vorbei, Heidinger grätschte
ins Leere, kam einen Schritt zu spät. Wäre nicht verdient gewesen,
aber egal. Zur Pause 0:0.
Und konnte die erste Halbzeit noch sehr an Emden erinnern, verstärkte
sich dieser Eindruck in Durchgang Zwei ein wenig mehr. Denn natürlich
fingen wir das 0:1, natürlich wieder durch einen Standard, und es
war auch so ziemlich dieselbe Minute wie in Emden. Sah alles ziemlich
ähnlich aus, nur unglücklicher. In der 53. Minute Ecke für
Berlin von links, in Höhe des kurzen Pfostens springen mehrere Leute
hoch und irritieren Melka, der sich den Ball selbst ins Tor haut. Man
ist wohl der Ansicht, dass der Unioner Göhlert zuvor noch am Ball
war, weshalb er als Torschütze angegeben wurde. Dies war auch nach
Intensivstudium aller Zeitlupen nicht aufzuklären, wenn ja, hat er
wohl eher nur den Luftzug gespürt als dass er selbst dran war. Für
mich ein lupenreines Eigentor, ausgerechnet vom besten Fortunen an jenem
Nachmittag! Schon ein bisschen unglücklich, auch wenn der Rückstand
verdient war.
Und erst danach wachte Fortuna auf, vornehmlich als Trainer Meier in der
57. Minute den offensiveren Christ für den defensiveren Sieger brachte.
Plötzlich ging was nach vorne, plötzlich gab es auch Chancen.
Natürlich war man anfällig für Konter und hatte Glück,
als Benyamina in der 64. Minute allein vor Melka auftauchte und in seinem
Bemühen, mit einem Heber gleich mal das Tor des Tages zu erzielen,
die Kugel schön hoch Richtung Zuschauerränge feuerte. Auf der
anderen Seite war Fortuna jetzt wirklich am Drücker, und der Herr
Henschel musste Schwerstarbeit verrichten, um die Berliner vor weiterem
Ungemach zu bewahren: klares Handspiel von Patschinski, das der Schiri
als unabsichtlich auslegte, klar stand Patschinski sehr nahe bei Caillas,
als dieser den Ball spielte, ebenso klar war allerdings auch die etwas
unnatürliche Armbewegung gewesen, die die Regel ja bekanntlich fordert.
Schwieriger wurde es dann für den Schiri, als Fortuna zwei Tore durch
Langeneke und Cakir erzielte, wobei man zumindest bei Letzterem wohl bis
heute nicht sagen kann, was daran regelwidrig gewesen sein soll, aber
der Herr Henschel pfiff flugs zweimal Abseits. Zwischendurch warf er Fabian
Hergesell in der 79. Minute noch mit Gelb/Rot vom Platz, durchaus gerechtfertigt;
dummerweise hatte er zuvor dem Berliner Younga-Mouhani, ebenfalls schon
mit Gelb verwarnt, bei exakt dem gleichen Foul eine letzte Abmahnung erteilt,
was Berlins Trainer Neuhaus dazu nutzte, seinen Stürmer flink auszuwechseln.
Prima Augenmaß! Fortuna blieb bis zum Schluss am Drücker, aber
sie brachten den Schiri nicht in Verlegenheit, sich noch ein paar Ausreden
ausdenken zu müssen. Wirklich jede grenzwertige Situation für
die Heimmannschaft entscheiden wie auch von Seiten der Gastgeber
nach dem Spiel mehr oder weniger deutlich zugestimmt wurde -, das ist
eine anstrengende Tätigkeit, da ist man für jede Erleichterung
dankbar. Und so pfiff er auch relativ pünktlich ab, denn es hatte
ja in der 2. Halbzeit kaum Spielunterbrechungen gegeben. Also für
ihn, meine ich, auch ein neutraler Beobachter konnte dies durchaus anders
sehen. 1:0 für Union.
Im Endeffekt war Fortuna selbst Schuld, die Niederlage war verdient, weil
man mal wieder die erste Hälfte ziemlich verpennt hatte. Aber als
man zum Schluss doch noch aufkam, hieß es plötzlich zwölf
gegen zehn, und das war nicht mehr zu stemmen. Ich wiederhole mich jedes
Jahr mindestens einmal: ich habe großen Respekt vor denjenigen,
die die Tätigkeit eines Schiris ausüben, ich möchte es
auch nicht machen, und Fehler passieren nun mal, aber es sollten nicht
derart viele sein, dass sie direkt spielentscheidend sind. Für so
was hat man immer noch Spieler auf dem Platz.
Lustigerweise sah das der Schiri-Beobachter auf der Tribüne ähnlich.
Was allerdings der DFB auf die Meinung von Leuten gibt, die sich in einem
Stadion ein Fußballspiel ansehen, ist ja bestens bekannt und wird
gleich in einem anderen Zusammenhang noch thematisiert werden. So konnte
es mich auch nicht überraschen, als ich Herrn Henschel nur fünf
Tage nach seiner unterirdischen Leistung schon wieder erblicken durfte
bei Zweitliga-Spiel Nürnberg-FSV Frankfurt. Naja, vielleicht
war dieser Grottenkick dieser beiden Gurkentruppen ja tatsächlich
die Bestrafung, um die der Schiri mit seiner Leistung bei
unserem Spiel gebettelt hatte. Die Wege des DFB sind unergründlich.
Es heißt ja gerne, dass sich solche Dinge im Laufe einer Saison
stets ausgleichen. Sollte dies der Fall sein, sind wir mit dieser Niederlage
aufgestiegen. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen, nach dieser
Nummer.
Um es aber nochmals zu sagen: die Niederlage war verdient, Union war das
bessere Team. Das berechtigt den Schiri zwar noch lange nicht, fällige
Elfer oder Treffer zu verweigern, hatte aber durchaus symbolischen Charakter:
Wer, besonders in der ersten Halbzeit, eine solche Leistung abliefert,
hat auch einen solchen Schiri verdient.
Advent, Advent, mehrere Lichtlein brennen oder: Blöd, wenn sich die
Realität nicht ans Versmaß hält
Eine Partie, die man getrost mit dem Namen Schweinespiel beschreiben
kann. Nach allen Seiten. Was vor dem Spiel und auch danach außerhalb
des Stadions vor sich ging, darauf gehe ich nur kurz ein, schließlich
war ich nicht dabei. Ich kann mich lediglich auf Zeitungsmeldungen beziehen.
Und da sticht insbesondere diejenige Meldung heraus, dass aufgrund einer
natürlich bis heute nicht geklärten Panne ein U-Bahn-Zug mit
ca. 150 Wuppertalern nicht zur Haltestelle am Europaplatz abbog, wo sich
die Gästeblöcke befinden, sondern direkt vor dem Südeingang
der Arena abgeladen wurde, wo diese 150 Herrschaften auf alles eindroschen,
was nicht schnell genug laufen konnte und unter anderem einen Familienvater
vor den Augen seiner Kinder bewusstlos prügelten. Die Polizei konnte
sich hinterher immerhin rühmen, ganze vier Männeken dieser Arschlöcher
festgenommen zu haben, eine Super-Bilanz. Die leider auch nicht eindrucksvoller
wird durch den Polizeibericht, der recht eindeutig darstellt, dass sich
dieser Trupp schon bei seiner Ankunft auf dem Düsseldorfer Hbf mit
der Polizei angelegt hatte. Und trotzdem komplett unbewacht zur Arena
durchgelassen wurde. Ganz groß. Aber wie gesagt, dazu kann ich nicht
viel sagen, auch nicht dazu, dass es nach dem Spiel wohl die Wuppertaler
waren, die kräftig Dresche bezogen. Eins wie das andere ist Scheiße,
aber von wem das ausging, hatten die Wuppertaler dankenswerterweise schon
vor Wochen kundgetan, als sie nämlich bei einem Heimspiel ein Banner
mit der schicken Aufschrift Düsseldorf zerstören
aufhängten. Naja, und da sie sich wohl nicht so ganz Ernst genommen
fühlten, weil das niemanden interessierte, versuchten sie auch gleich,
es in die Tat umzusetzen. Und natürlich ist weder bei der Polizei
noch bei der Rheinbahn jemand Schuld an den Vorkommnissen vor dem Spiel.
Das wird die Verletzten bestimmt mächtig beruhigen
Aber ich wollte ja über das berichten, was in der Arena los war,
an jenem 08.11.2008, vor 16.600 Zuschauern. Wenn man solch eine Partie
halt wochenlang als Derby hochschreibt, dann darf man sich
nicht wundern, wenn einige durchdrehen. Für mich ist das bestenfalls
ein kleines Derby, wenn überhaupt. Ich wüsste nicht,
wieso man den Wuppis größere Aufmerksamkeit schenken sollte,
das tun selbst die Leute in der eigenen Stadt nicht. Für die mag
das ein Derby sein, weil sie nichts anderes haben, aber für uns?
Also mir fiele einiges ein, was für mich eher ein Derby wäre,
neben Köln und Gladbach sogar noch eher Duisburg als diese Langweiler
mit ihrer leeren Baustelle (nein, nicht die Schwebebahn, sondern das Stadion).
Aber gut, die Presse hat ihre Schlagzeilen bekommen, und andere dafür
blaue Augen. Aber wann hätte so was jemals einen Schreiberling interessiert,
der vor dem Spiel eine Partie tagelang hochst(er)ilisiert?
Zum Spiel: Ziemlich schwaches Niveau, viel Hektik, will heißen:
dutzendweise Fehlpässe auf beiden Seiten, dazu nahezu jede halbe
Minute eine Unterbrechung. Kein spielerischer Leckerbissen also, aber
den hatte auch niemand erwartet. Die Wuppis mit dem besseren Start. Dies
galt sowohl für einige Schlaumeier im Gästeblock, die es rekordverdächtig
schafften, nach 35 Sekunden die erste Unterbrechung herbeizuführen,
als sie es erstmals ein wenig rauchen ließen. Aber auch auf dem
Spielfeld waren die Gäste zunächst besser, und die Führung
in der 27. Minute war auch nicht unverdient. der Schiri wollte zwar nach
der Attacke von Cakir im Strafraum gegen Lejan zunächst weiterlaufen
lassen, doch als der Assi das Fähnchen hob, entschied er sich um,
und Reichwein verwandelte den Elfer lässig. Völlig verdiente
Führung für die Wuppertaler, erzielt auch noch durch ihren agilsten
Spieler. Was bis dahin von Fortuna kam, war nicht der Rede wert.
Dass dann doch alles anders kam, verdankte der WSV unter anderem auch
seinen Fans. Einige Pfiffikusse im Gästeblock hatten
nämlich unmittelbar nach dem 0:1 genug gesehen und führten die
erste Drittelpause im bezahlten deutschen Fußball ein, indem sie
mehrere Leuchtkörper aufs Spielfeld warfen. Was das Ganze so unverwechselbar
Wuppertal machte: nach dem eigenen Führungstreffer bewerfen
die den eigenen Torwart und sorgen damit für eine 17minütige
Spielunterbrechung. Soviel Dummheit hab ich auch noch nicht gesehen
und das will was heißen, schließlich komme ich aus dieser
Gegend! Man lernt halt jeden Tag dazu
Nach dem Wiederanpfiff kam Fortuna langsam besser nach vorne, aber die
Wuppertaler standen noch recht gut hinten drin. Sekunden sind noch bis
zum (regulären) Pausenpfiff zu spielen, da fasst sich Marco Christ
ein Herz. Wahrscheinlich weiß er nur nicht, wen er gerade anspielen
soll, also schießt er dann einfach ins Tor und erzielt mit einem
25-m-Hammer den Ausgleich, allerdings begünstigt dadurch, dass WSV-Keeper
Maly (Spitzname: XXL-Schnitzel, weil er mit den Jahren doch
ein wenig in die Breite geht, wie mir scheint) zu weit vor dem Tor steht
und den Ball anscheinend unterschätzt. Vielleicht steht er auch da,
um weiteren Wurfgeschossen, der eigenen Fans möglichst
weiträumig aus dem Weg zu gehen. Man lässt sich ja nicht gerne
abfackeln, und schon gar nicht von den eigenen Leuten. Killed by friendly
fire sozusagen. Auf jeden Fall fällt der Ball hinter ihm wie ein
Stein runter und passt deshalb noch unter die Latte. 1:1 zur Pause, insgesamt
ein eher glückliches Unentschieden für Fortuna.
Nach der Pause nahm sich der WSV selbst aus dem Spiel, als nach einer
guten Stunde ihr bester Spieler, Marcel Reichwein, mit Gelb/Rot vom Platz
flog. Musste man nicht geben, konnte man aber, dämliches Einsteigen
von Reichwein. Noch dämlicher, dass er seine Gelbe Karte in der ersten
Halbzeit wegen permanenter Meckerei kassiert hatte, also: selbst Schuld.
Unmittelbar danach hatten die Gäste noch die beste Chance des Spiels,
als Lejan frei vor Melka auftauchte, dieser aber parieren konnte. Danach
sah man von Wuppertal allerdings bis auf einen Angriff, den Cakir in letzter
Sekunde vereiteln konnte, genau gar nix mehr, Fortuna drückte aufs
Tempo, Trainer Meier wechselte Stürmer für Stürmer, Kadah
für den ausgepumpten Jovanovic, um noch mal neuen Schwung zu bringen.
Und wie: in der 75. Minute zieht Kadah über rechts in den Strafraum
seinem Gegenspieler davon, kurvt in den Strafraum ein und spielt von der
Grundlinie den tödlichen Rückpass aus dem 5-m-Raum heraus. Zwar
auch ein bisschen in den Rücken von Marco Christ, aber eben nur ein
bisschen: Christ setzt den Ball aus der Drehung und ca. 8 m Entfernung
rechts oben ins Tor 2:1, mittlerweile auch verdient. Und da von
den Wuppis nichts mehr kommt, wird der Sieg dann doch halbwegs souverän
nach Hause gebracht. Mit dem Schlusspfiff setzen gleich zwei Joker noch
eins drauf und krönen den Mann der manchmal etwas merkwürdigen
Auswechslungen, Trainer Meier, endgültig zum Mann mit dem goldenen
Händchen, als sich der für Lawaree eingewechselte Heidinger
gegen seinen Gegenspieler durchsetzen kann, alleine aufs Tor zustrebt
und dann noch den mitgelaufenen Kadah bedient, der zum 3:1 ins leere Tor
vollenden kann. Dies verblüfft wohl auch den Schiri dermaßen,
dass er gar nicht wieder anpfeift.
Ein letztlich verdienter, aber sehr mühsamer Sieg in einem Spiel
von ziemlich mittelmäßiger Qualität. Allein die Tatsachen,
dass man endlich mal so ein Schweinespiel gewinnen und vor
allem endlich mal wieder ein Spiel nach Rückstand drehen konnte,
ließen ein wenig Optimismus aufkommen. Spielerisch war für
Fortuna weiterhin genauso viel Luft nach oben wie in puncto Niveau für
einige, die unter dem Deckmäntelchen des WSV-Fans nach Düsseldorf
reisten und vor dem Spiel die Sau rausließen. Aber was soll`s? Wurde
ja beides nicht bestraft.
Baustelle Punkte!
Am 15.11.2008 musste Fortuna direkt zur nächsten Baustelle, nach
Dresden. Dort wird auch grad das Stadion umgebaut, im Gegensatz zu Union
Berlin spielt Dynamo allerdings auch weiterhin in der Baustelle. Und man
kann sagen: wenn das Teil mal fertig ist, dann aber hallo! Das wird eins
der vielzitierten Schmuckkästchen. Momentan ist es allerdings nur
eine riesige Baustelle, in der die Zuschauerkapazität auf etwas über
10.000 Zuschauer beschränkt ist. Die waren aber auch fast alle da,
quasi ausverkauft.
Und wenn man schon in besagter Baustelle spielt, dann sollte auch die
Vorbereitung entsprechend sein. Dachten zumindest einige Dresdner und
kredenzten der Fortuna eine lustige Spielvorbereitung: Das Abschlusstraining
in Dresden am Abend zuvor war für unsere Spieler nämlich nach
55 Minuten beendet, weil es dunkel wurde und das Licht sich nicht einschalten
ließ. Kurz darauf, als die Fortuna im Bus saß, lief eine Jugendmannschaft
zum Training auf, und das Flutlicht ging an...Billiger, weil uralter Trick.
Die können noch nicht mal über Nacht einen Wasserschlauch versehentlich
zum Platzen bringen, wie man es in Emden so unvergleichlich beherrscht
Wie gesagt, es waren so um die 10.000 Zuschauer im Stadion. Wer auch immer
von denen diesen Bericht liest, denjenigen möchte ich nicht zumuten,
beim Studium dieser Zeilen und dem dadurch bedingten Erinnerungen an jenes
Spiel vor dem Monitor direkt wieder einzuschlafen. Deshalb möchte
ich mich ausnahmsweise kurz fassen: In einem ziemlichen Gurkenkick setzte
sich die abgeklärtere Mannschaft mit 2:0 durch - kaum zu glauben,
dass man so etwas mal über Fortuna schreiben kann. Dynamo war eigentlich
mindestens 75 Minuten lang die spielbeherrschende Mannschaft, aber es
sprang kaum etwas dabei heraus, Melka musste so gut wie nie eingreifen.
Das Chancenverhältnis zur Pause hieß exakt 0:0. Fortuna tat
auch nicht besonders viel, wartete ab und verwertete gegen Ende des Spiels
clever zwei Standards - auch ziemlich unglaublich, dass man so etwas mal
über Fortuna schreiben kann. Nach 75 Minuten Ecke durch Caillas von
rechts, Kopfballverlängerung Langeneke, und am langen Pfosten drückte
Cakir ebenfalls per Kopf den Ball über die Linie. Etwas noch nie
Dagewesenes dann in der 86. Minute: Freistoß Caillas von links und
Kopfballtor durch den schönen Claus! Somit das erste Pflichtspieltor
von Claus Costa für Fortuna - nach knapp 2,5 Jahren! Na, und wenn
schon der schöne Claus trifft, dann kann nu wirklich nichts mehr
schief gehen. Ich stelle mir grad vor, jetzt würde der Heidinger
auch mal ins Tor treffen. Dann wäre der Himmel die Grenze!
Glanzloser, aber wichtiger Sieg, der Fortuna Platz 3 bescherte, punktgleich
mit Union Berlin, aber mit dem besseren Torverhältnis, was nicht
verwunderte, da Fortuna das beste Torverhältnis der Liga aufwies.
So, schneller ging`s nicht. Und mehr hatte das Spiel auch nicht verdient.
Bis auf eine humorige Anekdote.
Völlig unerwartet schien nämlich während des gesamten Spiels
die Sonne, es war ein strahlender Herbsttag. Und was daraus folgte, das
zitier ich einfach mal aus der Zeitung:
Ich habe meine Kappe vergessen und auch nicht gedacht, dass ich
derart in die Sonne gucken muss, erklärt Melka, dass er kurz
nach dem Anpfiff wild Richtung Fortuna-Block gestikulierte. Ich
habe bei den Fans eine Kappe angefordert. Ersatzspieler Robert Palikuca
eilte herbei, ließ sich eine Mütze herabwerfen und reichte
sie an Düsseldorfs Nummer 1 weiter.
Allerdings war es keine mit Fortuna-Logo, sondern eine von Liga-Konkurrent
Aue. Dass es eine Kappe von Erzgebirge Aue war, habe ich erst hinterher
gehört. Eine witzige Situation.
Die Auflösung: Fortuna verbindet eine langjährige Fanfreundschaft
mit Aue, weshalb auch Anhänger aus Sachsen die Meier-Elf im benachbarten
Dresden unterstützten. Mit Anfeuerungsrufen und einer Kappe
für den Keeper.
Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an den edlen Spender für seine
Hilfsbereitschaft, die ihm daheim hoffentlich nicht als Aufrüstung
eines Liga-Konkurrenten ausgelegt wird. Und das mit der langjährigen
Fan-Freundschaft gilt zwar wohl eher nur für einige Fan-Gruppen,
und schon gar nicht für das Auer Haupttribünen-Volk, das bei
unserem Auftritt dort im September Gift und Galle spuckte. Aber man freut
sich ja schon, wenn so etwas mal vorkommt.
Apropos besondere Vorkommnisse: in der Woche nach dem Dresden-Spiel fiel
dem DFB auch noch etwas zu den Vorkommnissen gegen Wuppertal ein. Zunächst
wurde der WSV bedacht. Hierzu ein Auszug von der Fortuna-Homepage:
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat den Wuppertaler
SV Borussia für die Vorkommnisse während der Partie bei Fortuna
Düsseldorf, die zu einer Spielunterberechung geführt haben,
drastisch bestraft. Der WSV wird mit einer Geldstrafe belegt und muss
im kommenden Heimspiel gegen Jahn Regensburg die Zuschauerkapazität
begrenzen. Die Meldung des DFB im Detail:
Der Wuppertaler SV muss sein nächstes Heimspiel in der 3. Liga unter
teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit austragen und zusätzlich
5.000 Euro Geldstrafe zahlen. Mit dieser Strafe ahndete das Sportgericht
des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Einzelrichter-Verfahren nach
Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss die Vorkommnisse beim
Wuppertaler Drittliga-Spiel am 8. November dieses Jahres bei Fortuna Düsseldorf.
Schiedsrichter Christian Leicher (Weihmichl) hatte die Begegnung in der
27. Minute für eine Viertelstunde unterbrechen müssen, weil
aus dem Wuppertaler Zuschauerbereich drei Bengalische Feuer auf das Spielfeld
geworfen worden waren. Zwei davon waren im Bereich des Wuppertaler Torraums
gelandet, eines davon in der Nähe des Torhüters. Zudem waren
eine Vielzahl anderer kleinerer Gegenstände auf das Spielfeld geworfen
und bereits zu Spielbeginn Rauchbomben und Leuchtraketen im Wuppertaler
Block gezündet worden.
Das DFB-Sportgericht hat sein Urteil mit entsprechenden Auflagen versehen:
So darf der Wuppertaler SV für sein nächstes Heimspiel am 29.
November, 14 Uhr, gegen den SSV Jahn Regensburg nur 1500 Karten an einheimische
Anhänger und 500 Karten an Gästefans verkaufen. Die Anhänger
aus Wuppertal müssen aus Sicherheitsgründen auf Sitzplatz-Tribünenplätze
platziert werden, die Anhänger des Gastvereins in räumlich davon
getrennte Sektoren. Gegen das Urteil des Einzelrichters kann binnen 24
Stunden mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht beantragt
werden.
Was für eine unmenschliche Strafe! 5.000 Euro zahlt deren Präsident
noch nicht mal aus seiner Portokasse, dafür zückt der einfach
sein Portemonnaie, oder er lässt mal die Pfandflaschen hinter der
Geschäftsstelle wegbringen. Und dann diese harte Strafe bezüglich
des nächsten Spiels gegen Jahn Regensburg! An dem Wochenende, an
dem wir in Dresden spielten, hatte der WSV Heimspiel gegen Unterhaching.
Man verlor mit 2:4, und dies sahen genau 2.700 Zuschauer. Obwohl sich
die WSV-Fans (also die richtigen, meine ich) vor dem Spiel mit einem Transparent
für die Ausschreitungen in Düsseldorf entschuldigten. Obwohl
sich die Mannschaft des WSV vor dem Spiel in einem Offenen Brief ebenfalls
von den Vorkommnissen distanzierte und alle Wuppertaler bat, zum Spiel
gegen Haching ins Stadion zu kommen, um den Chaoten keinen weiteren Raum
zu geben. Zweitausendsiebenhundert! Wie viele das wohl gegen Regensburg
noch gewesen wären, ganz ohne Sanktionen? Ich glaube, der WSV hat
außer dieser Affäre außer eines gewaltigen Imageschadens
(aber wie gesagt, wen interessiert das schon? In der eigenen Stadt anscheinend
sowieso kaum jemanden) keinen weiteren Schaden davon getragen. Was sie
nicht daran hinderte, in Gestalt des Sportdirektors Carsten Pröpper
dieses Urteil mal gleich zu kritisieren. War natürlich nur heiße
Luft, denn selbstverständlich akzeptierten sie das Urteil im gleichen
Moment, hinterließ aber wieder mal einen faden Beigeschmack.
Einen Tag später war Fortuna dran, 6.500 Euro Strafe für mangelnden
Ordnungsdienst. Das ist klar, die Heimmannschaft ist immer dran. Und da
ist es auch völlig irrelevant, was ein so genannter Sicherheitsbeauftragter
des DFB dazu sagt. Ein solches Exemplar befand sich während des Spiels
nämlich in der Arena und gab nach dem Spiel zu Protokoll, dass der
Sicherheitsdienst bei Fortuna alles Menschenmögliche getan habe,
um die Vorfälle im Stadion zu unterbinden. Von diesem Moment an wusste
ich, dass es auch für uns teuer wird. Dieselbe Aussage gab es nämlich
im letzten Dezember nach dem Spiel RW Essen gegen Fortuna, als einige
unserer Blitzbirnen fast ein Spielabbruch provoziert hatten. Der damalige
Sicherheitsbeauftragte sagte Selbiges damals nach dem Spiel, und der DFB
lachte ein bisschen und brummte RWE 40.000 Euro Strafe auf, die nach Protest
auf auch nicht allzu knappe 15.000 Euro reduziert wurden. Wie weiter oben
schon geschrieben, was Leute sagen, die in einem Stadion sind und nicht
zuhause vorm Fernseher sitzen, interessiert beim DFB anscheinend niemanden.
Vielleicht war es auch damals wie heute derselbe Sicherheitsbeauftragte,
und der wird nicht ganz Ernst genommen oder hat irgendjemandem vom DFB-Sportgericht
mal die Freundin ausgespannt. Anders ist so etwas fast nicht mehr zu erklären.
Es war also klar, dass die Strafe kommen würde, allerdings stimmt
da doch das Verhältnis nicht mehr. 6.500 für uns, 5.000 für
Wuppertal? Plus die Zuschauerbeschränkung gegen Regensburg, die die
Wuppertal vielleicht 1.000 Fans kosten wird, wenn überhaupt? Da ist
die Verhältnismäßigkeit so weit verschoben, dass man meinen
könnte, beim DFB vermute man, dass es Düsseldorfer waren, die
sich in den Wuppertaler Fan-Block geschmuggelt hätten.
Interessant ist daran auch, dass der DFB weiß und auch selbst zur
Kenntnis bringt, dass solche Vorfälle auch vom besten Ordnungsdienst
der Welt nicht ausgeschlossen werden können, den Gastgeberverein
aber selbst dann abkassiert, wenn der eigene Sicherheitsmann vor Ort sagt,
dass man alles versucht hat. Somit kann das wohl getrost unter die Rubrik
Abzocke verbuchen, indem etwas bestraft wird, von dem der
Bestrafer genau weiß, dass es nicht zu verhindern ist. Würde
mich daher nicht wundern, wenn dies schon ein fester Posten im Haushaltsplan
des DFB wäre
One-Night-Stand an die Spitze
Am Freitag, den 22.11.2008 kam nicht nur Eintracht Braunschweig zum Gastspiel
in die LTU-Arena. Passend dazu kam auch gleich der Winter mit. Ich befand
mich am Mittag vor dem Spiel im Bergischen Land, als mich dort etwas erwischte,
das ich eigentlich nur noch als Blizzard bezeichnen kann,
Schnee, Orkanböen, fliegende Äste, umkippende Baustellenbegrenzungen.
Sofort disponierte ich alles um und verließ diese nicht grad gastfreundliche
Gegend in Richtung Düsseldorf, bevor in meiner alten Heimat das Chaos
ausbrechen würde, was kurz darauf auch der Fall war (über 300
Feuerwehr- und Polizeieinsätze allein in diesem Gebiet). Dadurch
war ich natürlich schon am frühen Nachmittag an der Arena und
verkürzte mir die Zeit durch eine Fahrt in die Altstadt. Dort bot
sich mir leider auch kein anderes Bild, Sturmböen, die die Schilder
und Stehtische der jeweiligen Kneipen durcheinander wirbelten, Hagelschauer,
dazwischen ein kleines Gewitter, bei dem es so heftig rummste, dass ein
Einschlag in der Nähe zu vermuten stand Opa hätte in
ganz anderen Erinnerungen geschwärmt, weiter östlich, glaube
ich. Es war ein Wetterchen, bei dem man seinen Hund nicht vor die Tür
gejagt hätte.
Da dies jedoch am Tag zuvor schon im Wetterbericht angekündigt worden
war, ließ man es in der Arena ordentlich rappeln, sprich: man machte
das Dach zu. Ich fand es zwar nicht unbedingt wärmer dadurch, aber
wenigstens war der Rasen ordentlich zu bespielen. Und so schafften wir
an jenem Abend, völlig unbeeindruckt vom Verkehrschaos direkt vor
der Haustür (Sperrung der Rheinuferstraße nach schwerem Unfall),
den erstmaligen Sprung an die Tabellenspitze. Wenn auch nur für eine
Nacht, aber deshalb fühlt es sich ja nicht weniger gut an. 2:1 gegen
Eintracht Braunschweig vor knapp 14.000 Zuschauern.
Die Fortuna startete gut in die Partie, versuchte durch schnelles Spiel
nach vorne die tief stehende Braunschweiger Abwehr zu überwinden
und das frühe Tor zu erzielen. Und es gelingt bereits in der 7. Minute,
als Cebe den Verstolperer eines Braunschweigers im Mittelfeld für
eine schöne Steilvorlage per Kopf nutzte und den Ball in den Lauf
von Jovanovic spielen konnte. Zwei Verteidiger waren nicht in der Lage
den Stürmer zu halten, und der schlenzte an Gästekeeper Fejzic
zum 1:0 ein. Man konnte sich glatt an das Spiel gegen Offenbach erinnert
fühlen. In der Folgezeit übrigens auch, denn wie schon gegen
die Hessen, so gab die Fortuna auch gegen die Eintracht die Partie relativ
zügig aus der Hand. Man überließ dem Gegner das Mittelfeld,
spielte nur noch lange Bälle nach vorne und zeigte deutliche technische
Schwächen bei Ballannahme und Passspiel. Der Gegner merkte dies und
kam nach und nach besser auf. Nach 24 Minuten hatten sie die Riesen-Gelegenheit
zum Ausgleich, aber den abgefälschten Freistoß konnte Schlussmann
Melka, bereits in die falsche Ecke unterwegs, mit einem sensationellen
Reflex noch klären. Auch in der 38.Minute war Melka zur Stelle und
konnte den Ausgleich verhindern, als er einen Volleykracher von Kruppke
abwehren konnte. Zwei Minuten später aber dies: an der Mittellinie
nimmt Benjamin Fuchs den Ball an und marschiert nach vorn. Niemand fühlt
sich bemüßigt, ihn anzugreifen, zumal er die Kugel relativ
freiwillig wieder hergibt: aus gut 30 Metern knallt der einfach mal drauf.
Die Kugel fliegt Richtung linkes Eck (vom Schützen aus), Melka macht
die entsprechenden Schritte dorthin und bleibt auf halbem Wege
einfach stehen. Dafür hat er dann aber auch den Platz in der ersten
Reihe der Etwas-ungläubig-Gucker, als der Ball links
oben im Eck einschlägt. Da hat sich unser Keeper wohl etwas verschätzt,
warum sollte er sonst plötzlich stehen bleiben, wenn nicht aus dem
Grunde, dass er den Ball am Tor vorbei fliegen sieht? Der Ball tat es
leider nicht und Fortuna-Trainer Norbert Meier nannte den Ausgleich anschließend
folgerichtig. Mit dem 1:1 ging es auch in die Pause, obwohl
direkt nach dem Ausglich wieder einmal Ahmet Cebe, in letzter Zeit ein
wenig neben sich stehend, die erneute Führung auf dem Fuß hatte:
nach herausragendem halbhohen Anspiel durch Jovanovic schaffte er es jedoch,
den Ball völlig freistehend per Volleyschuss aus ca. 8 m meilenweit
über das Tor zu setzen. In puncto Großchancen vergeben dürfte
er damit allmählich alleiniger Spitzenreiter in der Mannschaft sein
Die zweite Halbzeit begann für die Fortuna optimal. Drei Minuten
sind gespielt, da lässt sich Olivier Caillas mal wieder erweichen,
ein bisschen was von dem Genius auszupacken, den er ab und zu im Füßchen
hat. Ein traumhafter Pass, genau im richtigen Moment, an den Sechzehner
auf Axel Lawarée, der steht nicht im Abseits, stoppt das Ding in
aller Ruhe und hebt über den heraus eilenden Torwart zum 2:1 ins
leere Tor. Ein schöner Auftakt.
Danach lebte das Spiel eigentlich nur noch vom Kampf, und, um es positiv
auszudrücken, es verlagerte sich mehr in die Mitte des Spielfeldes.
Die Gäste aus Niedersachsen blieben zwar stets gefährlich, hatten
allerdings eigentlich nur noch eine dicke Chance, aber was für eine:
in der 58. Minute Flanke in die linke Strafraumhälfte, da steht der
Pfitzner völlig frei und nimmt die Kugel direkt aus der Luft, scheitert
aber erneut an Keeper Melka, der mit einer sensationellen Fußabwehr
klären kann. Gegen Ende der Partie schienen die Kräfte auf beiden
Seiten nachzulassen, Jovanovic und Caillas verpassten es, ihre jeweiligen
Sololäufe auch entsprechend abzuschließen, Braunschweig versuchte
zwar alles, biss sich aber an unsere starken Innenverteidigung die Zähne
aus, und daher hielt das Ergebnis bis zum Ende. Das hätte ich eine
halbe Stunde zuvor noch nicht geglaubt, zu viele Fehler waren im Spiel,
ich hatte fest damit gerechnet, dass wir das Spiel nur würden nach
Hause schaukeln können, wenn wir einen dritten Treffer nachlegen.
So kann man sich täuschen. Am Ende waren alle platt wie die Flundern,
aber die drei Punkte unter Dach und Fach. Und nebenbei war man für
eine Nacht Tabellenführer! Am Samstag siegte Paderborn erwartungsgemäß
4:0 gegen den VfR Aalen und übernahm die Spitze wieder, mit jetzt
35 Punkten. Fortuna ist Zweiter mit 32 Punkten, punktgleich, aber in der
Tordifferenz einen Treffer besser als Union Berlin auf Platz 3. Die hatten
auch ein apartes Erlebnis hinter sich, sie gewannen gleichzeitig mit uns
am Freitagabend mit 2:0 in Regensburg. Dies ist an sich nichts Ungewöhnliches,
schon eher allerdings, dass in dieser Partie in der ersten Hälfte
drei Elfmeter verschossen wurden, zwei für Regensburg, einer für
Union. Warum so einfach, wenn es auch kompliziert geht? Am selben Abend
wurden unsere 17 Minuten Spielunterbrechung aus der Partie gegen Wuppertal
eingestellt, in Erfurt hatte man eine Unterbrechung derselben Dauer im
Spiel gegen den VfB Stuttgart II, allerdings verlor man dort den Überblick
nicht aufgrund irgendwelcher Rauchschwaden sondern weil es wie bekloppt
schneite. Als das Unwetter nachließ, spielte man das Spiel zu Ende
und Erfurt gewann 1:0. Um einen Spielabbruch aufgrund der Witterung kam
man also erfolgreich herum.
Vierter in der Tabelle ist Kickers Emden mit 31 Punkten, die können
allerdings noch vorbei ziehen, denn sie haben ein Spiel weniger. Ihre
Partie gegen Bayern München II wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes
abgesagt. Das erstaunt natürlich Laien wie mich ein wenig, ich hielt
den Platz der Emder in bisher allen Gelegenheiten, zu denen ich dort sein
durfte, für unbespielbar, egal welche Jahreszeit. Und auch die Erklärung
der Emder Geschäftsstelle, es befänden sich große Wasserpfützen
auf dem Platz, die eine Austragung des Spiels unmöglich machen würden,
lässt mich fragend zurück, denn zu anderen Gelegenheiten lässt
man dort ja durchaus mal zufällig einen Schlauch platzen,
um in Spielen bei 28 Grad im Schatten genau diese Wasserpfützen zu
zaubern. Schon manchmal merkwürdig, dieses Premiumprodukt 3. Liga
Ach was soll`s, heute wollen wir fröhlich gestimmt sein. Die Vorweihnachtszeit
beginnt, und wir stehen sehr ordentlich da. Was eigentlich ziemlich verwundert,
denn die Leistungen ließen in den letzten Wochen doch ziemlich nach,
was allerdings auch nicht verwundern sollte, die Truppe marschiert langsam
auf dem Zahnfleisch. Der Kader ist ja eh schon ziemlich klein in dieser
Saison, hinzu kommt eine wirklich unglaubliche Verletztenliste, wie ich
es in den letzten Jahren selten gesehen habe. Aktuell ist unser Kapitän
Andreas Lambertz, wie bereits geschrieben, erneut außer Gefecht
gesetzt, hat kaum die Hälfte aller Spiele mitmachen können.
Stürmer Kenan Sahin fehlt seit Wochen ebenso verletzt wie Mittelfeldspieler
Oliver Hampel, von Stürmer Bekim Kastrati wollen wir mal gar nicht
reden. Immerhin saß der beim Braunschweig-Spiel zum ersten Mal in
dieser Saison wieder auf der Bank. Ich hoffe, er hat sich beim Abgang
aus dem Innenraum nicht wieder irgendwas gezerrt. Auch Bruno Custos und
Henri Heeren sind nicht einsatzbereit, gegen Braunschweig spielte Jovanovic
stark grippegeschwächt, als er ausgewechselt wurde, war er stehend
k.o. Wir haben in diesem Jahr wirklich nix zu lachen. Wollen wir hoffen,
dass die Truppe bis Weihnachten durchhält.
In der Vorweihnachtszeit kommen ja auch immer die erste Wechselgerüchte
auf, schließlich naht die Winterpause und mit ihr die Öffnung
des Transferfensters, um noch ein bisschen frischen Wind in die Ligen
zu blasen. Und so liest man in letzter Zeit ja auch die erstaunlichsten
Sachen: Sascha Rösler zur Fortuna, Lukas Podolski heim zu Mutti,
Diego zu Sarah Connor und so weiter. Ich persönlich hätte nichts
gegen Rösler, vorausgesetzt, er ließe mit seinem ganzen Ärger
auch gleich seine Gehaltsvorstellungen in Mönchengladbach zurück.
Oder aber es käme, ganz weihnachtlich, noch der eine oder andere
Gönner plötzlich aus dem Mittelfeld der Anhängerschaft
gestürmt und würde uns den Spieler quasi passend zu den festlichen
Tagen einnetzen. Auf eine hübsche Verpackung darf dann auch gerne
verzichtet werden.
Aber bis sich noch etwas in Sachen Neuverpflichtungen tun kann oder unsere
Spieler mal in Ruhe ihre Wehwehchen auskurieren können, haben wir
noch ein schweres Programm. Nächste Woche geht es zu Carl Zeiss Jena,
wo wir unserem Ex-Torwart Carsten Nulle gerne die Bude vollhauen würden,
wenn der nicht grad top in Form und Jena allgemein auf dem aufsteigenden
Ast wäre. Aber wird werden es versuchen. Danach kommt zum letzten
Heimspiel des Jahres der VfR Aalen in die LTU-Arena, dann schon mit Jürgen
Kohler als Sportdirektor (vom Trainerjob ist er letzte Woche auf ärztliches
Anraten zurückgetreten) und Petrik Sander als neuem Coach, zwei Betonmischer
vor dem Herrn, eine ziemlich unangenehme Aufgabe. Und zum Jahresabschluss
gibt es noch zwei Auswärtsspiele: zunächst geht es zum letzten
Vorrundenspiel auf den verfluchten Nebenplatz 11 nach Bremen. Die sind
derzeit Tabellenletzter, man könnte also meinen, die Chance, dort
endlich, endlich, endlich mal zu gewinnen, könnte größer
nicht sein. Ich bin da skeptisch, sechs Fahrten dorthin haben es mir tief
ins Hirn eingepflanzt, dass die stehen können, wo sie wollen, wir
lassen trotzdem immer die Punkte dort. Sollte diesmal ein Sieg für
die Fortuna heraus springen, wäre ich versucht, vor Freude gleich
alle Trainingsplätze zu umrunden, die ihr Dasein im Schatten des
Weserstadions neben Platz 11 fristen. Aber hey, seh ich aus wie der Goldmedaillengewinner
im Marathon? Das sind nämlich so ca. 20 Stück. Und ich will
ja auch irgendwann mal wieder nach Hause
Als letztes Spiel vor der Winterpause dann noch ein echtes Highlight,
Beginn der Rückrunde mit dem Spiel beim aktuellen Tabellenführer
SC Paderborn, erstmals in deren neuer Spielstätte, der paranoid-arena,
oder so ähnlich. Da wäre noch eine Rechnung vom Hinspiel offen,
welches wir 1:4 vergeigt haben. Aber so etwas sollte man sich nicht explizit
vornehmen, das geht dann meist in die Hose. Außerdem ist Weihnachten
das Fest der Nächstenliebe, da muss es Kompromisse geben. Und deshalb
hätte ich ganz nächstenlieb gar nichts dagegen, wenn wir dort
nur 1:0 gewinnen würden. Ja, so bin ich!
Ob`s geklappt hat oder nicht, davon lest ihr beim nächsten Mal. Bis
dahin erst einmal viel Spaß mit gepanschtem Glühwein, giftstoffbelasteten
Bratwürstchen und gemieteten Weihnachtsmänner von der Studenten-Zeitarbeit.
Oder was man sonst so hierzulande Vorweihnachtszeit nennt
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt
und ausnahmsweise (noch?) nicht
der Baum, säuselt: janus
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