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Tja, wie fängt man an, nachdem
man eigentlich aufhören wollte? Große Reden, salbungsvolle
Sätze, schön geformte Sentenzen? Besser nicht, es wird auch
so schon lang genug. Belassen wir es also dabei, dass auch ich nicht einfach
so aus meiner Haut kann. Und dass sich derzeit alle also auch ich
wieder einigermaßen beruhigt haben. Mal sehen, wie lange.
Vielleicht bin ich auch nur ein Erfolgsfan, der Verdacht könnte nach
den ersten vier Spieltagen der Saison aufkommen. Zumal dieser Auftakt
der besten Mannschaft der Welt Fortuna Düsseldorf wirklich
dazu verleiten muss, wieder aktiv zu werden, denn so etwas wie in dieser
Saison gabs lange nicht mehr. Ich halte mich also nicht lange auf
und sage einfach: Bin wieder da. Das ist immerhin einfacher
als für manch anderen, der sich auch gerne verändern möchte,
so in Richtung Valencia oder ähnliches. Da hab ich es zum Glück
leichter.
Sommerpause
Fortuna stand nach dieser Katastrophen-Rückrunde vor der Wahl: entweder
neuer Trainer oder neue Mannschaft. Beides zusammen wäre ein bisschen
zu teuer gewesen. Und erstmals in der Geschichte des Vereins (so glaube
ich zumindest) entschied man sich für die mühevollere Variante:
nicht einfach einen neuen Übungsleiter einstellen, sondern einen
Großteil der Mannschaft runderneuern. Der neue Manager Wolf Werner,
der schon zum Ende der letzten Rückrunde begonnen hatte, Spielern
die Fortuna schön zu reden, lief zu Höchstform auf und verpflichtete
alles, was bezahlbar und nicht bei Drei! auf dem Baum war.
Und für jeden Mannschaftsteil war etwas dabei: fürs Tor
gab es nach den Abgängen von Deuß (Velbert) und Kronholm (FSV
Frankfurt) die Herren Melka (Bor. Mönchengladbach) und Ratajczak
(RW Erfurt). In der Abwehr sagten Adrian Spier (Eintracht Frankfurt A-Jugend)
und Fabian Hergesell (Bayer Leverkusen II) Hallo. Auch dort einsortieren,
weil häufig hinten links im Wechsel mit dem defensiven Mittelfeld,
könnte man Oliver Hampel vom Hamburger SV II, eine Verpflichtung,
die mich aus zwei Gründen erfreute. Zum einen natürlich, weil
er vom HSV kam (meine Vorliebe für diese Truppe dürfte bekannt
sein), zum anderen, weil Hampel beim legendären Kuno-Fischer-Karten-Festival
gegen die kleinen Rothosen am drittletzten Spieltag noch für den
Gegner aufgelaufen war. Man erinnere sich, es gab vier Platzverweise,
einen 3:2-Sieg der Fortuna in der 90. Minute, der endgültig den Klassenerhalt
sicherte, und beide Treffer für den HSV erzielte damals Oliver
Hampel. Erst versuchte er, uns mit aller Macht in die Oberliga zu ballern,
zwei Monate später unterschrieb er einen Vertrag bei uns das
nenne ich tätige Reue! Sehr schön.
Auch Mittelfeld und Angriff wurden mit neuen Spielern gespickt, wobei
man auch vor der Oberliga nicht Halt machte, wohl wissend, dass die Zweite
Mannschaft als Neuling auch noch ein paar Spieler für das Abenteuer
Oberliga Nordrhein gebrauchen könnte: mit Tomislav Zivic von Türkiyemspor
Berlin, Ken Asaeda von Waldhof Mannheim und Marek Klimczok vom BV Cloppenburg
langte man gleich dreimal in der vierten Liga zu. Marco Christ hingegen
dürfte schon eher als Spieler zu bezeichnen sein, der Erfahrung in
den oberen Ligen gesammelt hat, gehören zu seinen ehemaligen Vereinen
doch immerhin der VfR Aalen, Dynamo Dresden und der 1.FC Nürnberg.
Gespannt war ich auch auf Sebastian Heidinger vom Süd-Regionalligisten
SC Pfullendorf, ein pfeilschneller Linksaußen und überragender
Spieler der Truppe aus dem Linzgau in der letzten Saison.
Die weiteren Neuzugänge im Sturm konnten wohl mit Fug und Recht Hoffnung
machen, nicht wieder solch ein Fiasko zu erleben wie in der letzten Rückrunde.
Aus der Oberliga Westfalen von Schalke II kam Christian Erwig, der sich
dort in der letzten Saison als sehr treffsicher erwiesen hatte. Beim nächsten
Namen hätte man ebenso positiv gestimmt sein können, wenn er
leider nicht einer der Sorte gewesen wäre, die wir nur allzu gut
kennen: verletzt. Es kam der Albaner Bekim Kastrati, in hiesigen Breiten
gut bekannt: einst als Stürmer-Kumpel des großen Josip Labas
bei Borussia Freialdenhoven gegen uns in der Oberliga aktiv, dann als
Alleinunterhalter bei Borussia Mönchengladbach II, die er vor zwei
Jahren mit 29 Treffern in die Regionalliga schoss. Anschließend
wechselte er zu Eintracht Braunschweig in die 2. Liga, machte ein paar
Spielchen und fiel bis heute mit Kreuzbandriss und diversen Folge-Wehwehchen
aus. Es lässt sich nicht bestreiten, dass der Mann gewaltiges Potenzial
besitzt, ich hoffe nur, er kann es demnächst auch mal abrufen.
Da man dies bei Fortuna wohl ähnlich sah, machte man sich noch einmal
auf und präsentierte einen echten Knaller. Zunächst sollte es
Markus Kurth vom MSV Duisburg werden. Kurthi, ein gebürtiger Düsseldorfer,
war auch bereit, und das, obwohl ihm Fortuna einen Drei-Jahres-Vertrag
anbot, mit dem er dasselbe verdienen konnte wie mit seinem Zwei-Jahres-Vertrag
in Duisburg. Aber er dachte sich wohl, lieber ein Stammplatz auf dem Spielfeld
in Düsseldorf als auf der Tribüne in Duisburg, wo er, auch dank
der Verpflichtung von kleines, dickes Ailton, plötzlich zum Stürmer
Nummer 5 mutierte, und eine solche Aufstellung selbst Trainer Rudi Bommer
nicht zuzutrauen ist, obwohl der als ehemaliger Fortune ja auch gut weiß,
was es heißt, mal völligen Käse zu spielen. Also war eigentlich
alles klar bis Duisburgs Boss Hellmich meinte, mal ein Exempel
statuieren zu müssen. Vielleicht war es auch ein wenig teuer gewesen,
Torwart Georg Koch aus seinem noch laufenden Vertrag zu entlassen, und
er wollte jetzt irgendwie die Kohle wieder reinholen. Jedenfalls fordert
er bis heute eine abstruse Ablösesumme für Kurth, die in Verbindung
mit seinem Gehalt dann doch nicht mehr zu stemmen war. Schade!
Aber auf den Knaller brauchte Fortuna trotzdem nicht zu verzichten.
Durch etwas kuriose Umstände angelte man sich nämlich dennoch
einen Top-Torjäger aus der 2. Liga: Axel Lawaree vom FC Augsburg,
15 Buden in der abgelaufenen Zweitliga-Saison.
Lawaree ist Belgier und wollte wohl gerne in die Heimat zurück, da
seine kleine Tochter in diesem Sommer eingeschult wurde. Als er in Belgien
aber augenscheinlich nicht unterkam (es gab wohl Verhandlungen mit Standard
Lüttich), versuchte er, wenigstens so heimatnah wie möglich
einen neuen Verein zu finden. Und wurde in Düsseldorf fündig.
Bestimmt hätte er auch gerne in Mönchengladbach oder Aachen
gespielt, was ja beides noch ein wenig näher an Belgien liegt als
Düsseldorf, jedoch stand in seinem Vertrag wohl, dass er nicht zu
einem direkten Konkurrenten des FC Augsburg wechseln dürfe. Und nun
waren beide Klubs ja leider, leider in die 2. Liga abgestiegen, und Augsburg
hatte souverän die Klasse gehalten. Da blieb dann nur noch Düsseldorf.
Ein toller Coup. Mit derselben Vertragsklausel hatten wir vor zwei Jahren
ja schon Oliver Barth abgefischt, der von den Stuttgarter Kickers zu Eintracht
Trier wechseln wollte und sich mit den Moselstädtern bereits einig
war bis die am letzten Spieltag tatsächlich aufgrund eines
einzigen Treffers Unterschied in der Tordifferenz zu Energie Cottbus aus
der 2. Liga in die Regionalliga Süd abstiegen. Wo die StuKis spielten.
Rums, war der Wechsel geplatzt, und Fortuna konnte zugreifen. Dass dies
jetzt schon zum zweiten Mal klappte, lässt mich mittlerweile doch
rätseln, welche Klauseln denn heutzutage noch in den Verträgen
von Profi-Fußballern verankert werden. Aber ich will mich ja nicht
beschweren...
Apropos Olli Barth: der ist weg, nach langem Hin und Her klappte es schlussendlich
doch noch mit seinem Wechsel zum SC Freiburg, wobei sein bestes Empfehlungsschreiben
der dortige neue Trainer Robin Dutt gewesen sein dürfte, das ist
nämlich sein ehemaliger Coach aus Stuttgart. Neben den beiden Torleuten
gabs auch Blumen für Jörg Albertz, der seine Karriere beendete.
Pino Canale wechselte zum VfB Lübeck und verkündete gleich im
ersten Interview, dreißig Prozent seiner Kraft während des
Spiels gingen fürs Dirigieren drauf. Vielleicht hat man sich
beim VfB Lübeck gedacht, nicht gleich zu Beginn der Saison mit einer
pantomimischen Darstellung von Beethovens Neunter beglückt zu werden,
Canale ist dort nämlich auch vorerst nur Ergänzungsspieler.
Denis Wolf wechselte zu RW Erfurt, was ich eigentlich recht schade fand,
aber Training soll wohl nicht so sein Ding gewesen sein. Immerhin machte
er in Erfurt in den ersten vier Spielen mal gleich drei Tore, was mich
Fürchterliches erahnen lässt, schließlich spielen wir
ausgerechnet am letzten Spieltag gegen die. Marcel Podszus sucht seinen
verloren gegangenen Torriecher in der Oberliga, beim 1.FC Kleve, man darf
sich also auf ein Wiedersehen beim Spiel gegen Fortuna II freuen. Wohin
Adewunmi und Kneißl wechselten, ist mir nicht bekannt, ich gebe
aber auch zu, nicht übermäßig interessiert zu sein. Trauriger
war ich da schon über den Abgang des Stehgeigers mit der eingebauten
Torgarantie, Marcus Feinbier. Wolf Werner hätte wohl mit dem Mannschaftskapitän
der letzten Saison verlängert, aber Trainer Weidemann wollte nicht.
Was für meine Begriffe doch schon einiges aussagt über das,
was so mannschaftsintern während der Rückrunde abgelaufen sein
könnte. Da Feinbier sich auch mit 37 noch lange nicht zu fein für
Fußball ist, wechselte er in die Regionalliga Süd zur SV Elversberg
und netzte am 3. Spieltag auch gleich zweimal ein. So richtig verlernt
scheint er es also nicht zu haben.
Puh, das waren die Personalien. Ich hoffe, ich habe keinen vergessen,
weder bei den Zu- noch bei den Abgängen. Und vielleicht irrt auch
noch ein Spieler verzweifelt am Mörsenbroicher Ei (Verkehrsknotenpunkt
in Düsseldorf) umher und sucht die Fortuna-Geschäftsstelle zwecks
Neueinstellung, oder es hämmert einer verzweifelt gegen die Tür
der Abstellkammer in der Arena, wo er nach dem letzten Spiel versehentlich
eingeschlossen wurde, und niemand hat es gemerkt. Bei dieser Personalfluktuation
würde mich das nicht wundern.
Natürlich braucht eine solch neue Truppe Zeit, um sich einzuspielen.
Soviel allerdings auch nicht, denn die Bekanntgabe des Spielplans bescherte
uns dann doch lange Gesichter. Auswärtsspiel bei Union Berlin, dann
Heimspiel gegen RW Essen, dann auswärts beim Wuppertaler SV, dann
zuhause gegen Werder II. Erst drei Aufstiegsfavoriten, und dann die Unbesiegbaren.
Da meinte es wohl jemand ganz besonders gut mit uns, insbesondere mit
dem Trainer. Mit ein bisschen Pech sowie dem üblichen Fortuna-Start
der letzten Jahre könnte der Verein Ende August dann doch auf die
Idee kommen, den Coach vorzeitig zum Spazierengehen zu schicken, schließlich
steht in dieser Saison unglaublich viel auf dem Spiel. Ein echter Hammer-Auftakt!
In einer Reihe von Testspielen wurde somit versucht, das Zusammenspiel
möglichst zügig zu perfektionieren. Hierbei gab es schon Erstaunliches
zu sehen: im Rahmen eines fünftägigen Trainingslagers in der
Eifel trug Fortuna auch zwei Testspiele aus. In der ersten Partie gegen
Südwest-Oberligist TuS Mayen (4:1) netzte Torwart Melka ein. Aber
nicht per Elfer, noch nicht einmal per direkt verwandeltem Abschlag. Vielmehr
war es ein Befreiungsschlag aus dem Spiel heraus, ein mächtiger Bums,
der 85 Meter über das Feld flog, vor dem gegnerischen Torwart aufsprang
und dann vom Wind über diesen hinweg ins Tor geweht wurde. Ein starkes
Stück! Melka durfte sich anschließend ärgern, dass keine
Fernsehkamera in der Nähe war, denn wenn so eine Nummer nicht Tor
des Monats wird, was dann? Die Fans waren begeistert, Platz 10 in der
Regionalliga war eigentlich schon klar.
Im Spiel gegen den Kreisligisten SV Sötenich, zwei Tage später,
gab es noch mehr zu staunen: Axel Lawaree, an jenem Freitagmorgen erst
frisch als Neuzugang vorgestellt, fuhr nachmittags quasi direkt aus dem
Urlaub mal in die Eifel, sagte den neuen Kollegen Hallo, und weil er schon
mal da war, streifte er direkt ein Trikot über und netzte nach knapp
fünf Minuten mit seinem ersten Ballkontakt zum 1:0 ein (Endstand
10:0). Die Fans rasten, der Aufstieg schien in greifbare Nähe zu
rücken.
Eine knappe Woche später verlor man dann aber das einzige Testspiel
der Vorbereitung, und das ausgerechnet gegen den Lokalrivalen TuRU Düsseldorf
(1:3). Das ging nun gar nicht, die Fans tobten, Platz 10 schien plötzlich
unerreichbar. Die neuen Spieler bekamen also schon mal einen Vorgeschmack
dessen, was in der Saison hier abgehen kann, wenn es super oder gar nicht
läuft. Derart eingenordet machte man in den letzten Testspielen wieder
einen gute Figur, schlug Oberligist Bochum II und Regionalligist Hessen
Kassel, und rundete das Ganze mit einer wirklich guten Mannschaftsleistung
und einem 1:1 gegen Galatasaray Istanbul ab.
Das klang gut. Aber am 28.07.07 zählte all dies nicht mehr, selbst
die Pleite gegen die TuRU war vergessen. Erster Spieltag der Saison, in
der man mindestens Zehnter werden muss, um nicht abzusteigen. Und es ging
direkt zu Union Berlin, dem Verein, der in der Sommerpause unter anderem
den Fan-Beauftragten entlassen, den Pressesprecher auf Ehrenamt gestutzt
und den Etat für den Nachwuchs empfindlich herunter gefahren hatte,
nur um mehr Geld in Neuzugänge investieren zu können. Ein richtiger
Brocken zum Auftakt. Und dazu die wohl einmalige Fortuna-Serie, die mich
in den letzten Jahren bei der Schilderung des ersten Spieltags stets zu
inhaltlich identischen Schlagzeilen greifen ließ.
Same Procedure as STOP!
Ja, unser Serie. Wer kennt sie mittlerweile nicht? Seit 1994 konnte Fortuna
kein Auftaktspiel gewinnen, egal, in welcher Liga. Und in der Zwischenzeit
hatten wir so einiges an Ligen zu bieten, 1. Bundesliga, 2. Bundesliga,
Regionalliga West/Südwest, Regionalliga Nord, Oberliga Nordrhein...nie,
nie, nie wurde in den letzten 13 Jahren am ersten Spieltag gewonnen. Hinlänglich
bekannt. Sogar in der Bundeshauptstadt hatten sie das erkannt und mit
der ebenfalls bekannten Berliner Schnauze mit ohne Herz entsprechend
gewürdigt. Die B.Z., augenscheinlich ein Käseblättchen,
gegen das selbst die Bild-Zeitung ansatzweise seriös wirken könnte,
fasste es am Spieltag in die einzig richtigen Worte, wie man glaubte,
und titulierte Fortuna in einem Vorbericht zum Spiel als die Blinden.
Dafür herzlichen Dank. Ich weiß zwar nicht, ob Trainer Uwe
Weidemann jenes Papier, in das sie wohl in England noch nicht mal ihren
Fisch einwickeln würden, einfach an die Wand der Umkleidekabine pinnte
und sich die Motivationsrede sparte. Auf jeden Fall dürfte es auch
so nicht spurlos an den Spielern vorüber gegangen sein. Zumal einige
auf dem Platz standen, die ihr allererstes Spiel für Fortuna machten,
und die somit an dieser Negativserie gar nicht beteiligt gewesen sein
konnten. Wer lässt sich dann schon gerne lächerlich machen?
In der ersten Halbzeit war es ein flottes Spiel von beiden Seiten, sicherlich
auch begünstigt durch den Dauerregen, der ab ca. der 20. Minute einsetzte
und das Geläuf noch schneller machte. Axel Lawaree setzte eine erste
Duftmarke, als er einfach mal zum Seitfallzieher ansetzte, und die Kugel
nur knapp am Tor vorbei flog. Auf der anderen Seite hatte der junge Stürmer
Martins die Riesenchance zur Führung, als er nach einer Flanke im
Strafraum völlig frei zum Abschluss kam, die Kugel dann aber zielsicher
in Richtung Gästeblock beförderte. Die Fortuna-Abwehr wackelte
einige Male bedenklich, aber sie fiel nicht, und die Mannschaft hielt
gut dagegen. Man konnte zur Pause recht zufrieden sein.
Nach der Pause noch ein wenig mehr. Fortuna legte noch ein Schüppchen
drauf und beherrschte Ball und Gegner relativ gut. Nach mehreren vergebenen
Gelegenheiten tauchte plötzlich sogar Rechtsverteidiger Krecidlo
völlig frei im Union-Strafraum auf, wartete aber mit dem Abschluss
zu lang, sodass Keeper Glinker den Winkel verkürzen und den Schuss
abwehren konnte. Es war wie verhext, ein typisches Auftaktspiel bei Fortuna.
Bis zur 75. Minute...
Ecke für Fortuna von rechts. Da bereitet man sich eigentlich routinemäßig
schon auf den Gegenangriff vor, dass bei Fortuna nach einer Ecke mal was
passiert, das kann man pro Saison an einer Hand abzählen. Also hoffe
ich mal, dass wir unser diesbezügliches Pulver nicht schon am ersten
Spieltag verschossen haben. Denn den von Markus Anfang getretenen Ball
wuchtete Abwehrspieler Hamza Cakir auf der Höhe des kurzen Pfostens
mit einem Kopfball-Aufsetzer ins Netz. 1:0! Hochverdient zu diesem Zeitpunkt,
Union fiel im zweiten Durchgang mal genau gar nichts ein, um unsere Abwehr
in Verlegenheit zu bringen. Dies änderte sich natürlich nach
dem Treffer, als die Gastgeber langsam, aber sicher in den fünften
Gang hoch schalteten.
Und dann schlug das fortunistische Auftakt-Syndrom wieder zu: wenn der
Gegner schon nicht trifft, dann helfen wir halt nach. Diesmal in Gestalt
von Jens Langeneke, der in der 85. Minute bei einer weiteren Verwirrung
im Strafraum per Reflex mit der Hand klärte. Ich wette, er konnte
sich das selbst nicht erklären, so was passiert halt ab und zu. Bundesliga-Schiri
Kinhöfer zeigte völlig zurecht auf den Elfmeterpunkt. Wieder
alles für die Katz! Und während man sich das Hirn marterte und
überlegte, wann zuletzt bei Fortuna ein Elfmeter gehalten wurde (Deuß
hielt in Wuppertal 2005 einen, aber das war ein Pokalspiel in der
Meisterschaft? Ich überlege immer noch..), lief Mattuschka an und
setzte die Kugel flach links unten ins Eck wo sie gegen die rechte
Hand von Torwart Melka prallte, der sich den Ball dann im Nachfassen greifen
konnte. Gehalten! Unglaublich, der war gar nicht schlecht geschossen,
vor allem genau in die äußerste Ecke platziert. Ha! Aber wir
haben nicht umsonst einen Torwart geholt, der 1,95 m lang ist! Melka tauchte
ins Eck und hielt den Ball und damit auch den Sieg fest. Denn nun ließ
sich die Truppe nicht mehr aufhalten, nicht vom anschließenden Sturmlauf
der Berliner, nicht von Gelb/Rot für Palikuca in der 88. Minute,
nicht von den drei Minuten Nachspielzeit. Alles prallte an der Betonmauer
ab, und gegen 15.50 Uhr griff sich Schiri Kinhöfer die Pfeife und
beendete das Spiel unseren ersten Auftaktsieg seit 1994. Ca. 1.000
Gästefans unter den 6.300 Zuschauern flippten völlig aus. Man
munkelt, es seien Freudentränen geflossen, die denen in der Nacht,
als die Berliner Mauer fiel, in nichts nachgestanden haben sollen. Außerdem
sollen ältere Fans gesichtet worden, die die Jüngeren flüsternd
darüber aufklärten, was dort soeben geschehen war, da diese
in ihrem aufgrund biologischer Gegebenheiten zwangsläufig viel zu
kurzen Leben mit Fortuna noch niemals einen Auftaktsieg erlebt hatten.
Und auch ich konnte ergriffen sagen: Dass ich das noch erleben darf...
1994 war es, als wir zuletzt bei einem Auftaktspiel siegten, ein überraschendes
2:1 als Zweitliga-Neuling beim 1.FC Saarbrücken damals. Fußball-Deutschland
hatte ein Phantom-Tor von Thomas Helmer und eine WM in den
USA hinter sich, bei dem die polierte Platte Yordan Letchkov (ausgerechnet
einer vom HSV!) die Deutschen im Viertelfinale rausköpfte. Wort des
Jahres war damals Super-Wahljahr, weil eigentlich durchgehend
irgendjemand in Deutschland irgendwo seinen Wahlzettel in eine Urne stecken
konnte, wäre das in Amiland passiert, die wären heute noch am
Auszählen....ach ja, und für Fans von Leuten, die andauernd
im Kreis rumfahren: Michael Schumacher war genau null Mal Formel I-Weltmeister,
es dauerte noch ein paar Monate bis zum Titel Nr. 1...
Da übermannen einen schon mal die Gefühle, Bilder drängten
sich auf, von all den Jahren der bitteren Starts, von den Tagen, an denen
alles gut werden sollte, und an denen es doch so viel Frust gab...
Wie man 2005 die Osnabrücker mit der Sauna-Taktik schlagen wollte:
Wolkenbruch angekündigt, Dach der Arena zu, gefühlt 40 Grad
im Schatten in der großen Turnhalle...Endstand: 1:2
Wie man 2004 als frisch gebackener Aufsteiger Preußen Münster
in deren eigenem Stadion schwindlig spielte, ein Dutzend hochkarätige
Chancen vergab und nur ein einziges Mal hinten nicht aufpasste...Endstand:
0:1
Wie man 2002 Neuland betrat, zum ersten Mal viertklassig, zum Auftakt
die kleinen Zebras aus Duisburg gut im Griff hatte und dann fahrlässig
binnen 5 Minuten den Sieg verspielte...Endstand 2:2
Wie man nach dem Bundesliga-Abstieg 1997 ein begeisterndes Spiel bei Eintracht
Frankfurt ablieferte, nur denkbar unglücklich verlor, und Matthias
Jack seinen Einstand als Der rote Mattes gab und gleich mal
vom Platz flog...Endstand: 2:3
Und natürlich unvergessen, der Beginn der Serie, nach unserem Bundesliga-Aufstieg
1995, das 1:1 bei Werder Bremen, als Richard Cyron nach ein paar Sekunden
den Führungstreffer für Fortuna und damit das erste Tor der
damaligen Bundesliga-Saison erzielte... Endstand: 1:1
An all dies habe ich jedes Jahr aufs Neue denken müssen, wenn wir
uns wieder dem 1. Spieltag näherten, voller doppelter Ungeduld, zum
einen, dass es endlich wieder los gehen würden, zum anderen, die
fast schon irreale Hoffnung, dass es diesmal anders werden würde,
und natürlich wurde nix anders, nur die Gegner waren immer andere.
All dies ist nun keine aktuelle Negativserie mehr, sondern nur noch nostalgischer
Rückblick. Den wollte ich mir dann hier noch mal gönnen.
Mehr als drei Punkte gab es auch für diesen Sieg nicht. Und am nächsten
Tag interessiert auch keine Sau mehr, ob das ein irgendwie historischer
Sieg war oder nicht. Aber an diesem einen Tag sollten solche melancholischen
Anwandlungen schon mal erlaubt sein. Mund abputzen, Augen abtupfen, drei
Punkte einsacken, weitermachen.
Viel Lärm um nichts
Am Samstag darauf war erst mal abwarten angesagt. Die Partie gegen RW
Essen wurde nämlich auf den Dienstag verschoben, weil die Essener
an jenem Samstag in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen Energie Cottbus
antraten. Und uns den Gefallen taten, dies gleich mal 120 Minuten lang
zu tun, plus Elfmeterschießen. Da kamen Erinnerungen auf, an die
vorletzte Saison, als St. Pauli das Gleiche durchmachen musste, samstags
erst 120 Minuten Pokal gegen Wacker Burghausen spielen, drei Tage später
bei uns antreten und ziemlich müde 0:2 verlieren. Gegen eine entsprechende
Wiederholung des Szenarios hätte ich nichts einzuwenden gehabt.
Somit also Spieltag am Dienstag, 07.08.07. Ich machte mich direkt von
der Arbeit aus Bonn auf den Weg nach Grevenbroich, um von dort mit einem
Bekannten weiter zu reisen. Bei dem, was nachmittags so auf den Autobahnen
los ist, war es nicht angezeigt, auch nur eine Minute zu vergeuden. Und
natürlich kam es so, wie es kommen musste, es ging gut bis Köln,
dann fing es nicht nur heftig an zu regnen, sondern mit dem zügigen
Fahren war auch erst mal Schluss, ein flauschiger 10-km-Stau auf der A
4. Wobei auf der A4 gar nicht viel los war, wohl aber auf der A 1, die
auf dem Kölner Westring in die A 4 mündet. Denn auf der A1 hat
man sich auch nicht lumpen lassen und ausgerechnet im Bereich der Kölner
Ringe mal wieder eine ordentliche Baustelle hingestellt. Die plus Feierabendverkehr
plus Regen ergaben die angesprochene Verkehrsstockung. Bezeichnend war,
dass alles sofort vorbei war, nachdem man das ominöse Kreuz passiert
hatte, die weitere Fahrt auf der A 4 zum Kerpener Kreuz ging sodann relativ
flott von der Hand bzw. vom Fuß. Dort dann auf die A 61 und sorglos
bis zur Anschlussstelle Bedburg/Grevenbroich oder auch nicht. Denn
auch dort wollte man etwas zum Gelingen des Tages beitragen und hatte
nicht nur eine neue Baustelle aufgemacht, sondern auch mal gleich die
komplette Ausfahrt gesperrt! Somit ging es weiter zum Kreuz Jackerath,
an dem aber dummerweise nur die A 44 Richtung Aachen abgeht. Warum das
dann ein Kreuz sein soll, können sie im Planungsamt wahrscheinlich
auch erst nach dem zehnten Bier erklären. Also weiter geradeaus,
tatsächlich bis zum Kreuz Mönchengladbach-Wanlo, von wo die
A 46 Richtung Düsseldorf abzweigt, die man dann auch in Grevenbroich
verlassen kann. Von Bonn über Ostholland zum Zwischenstopp, statt
der üblichen 85 km deren 110, statt der üblichen Stunde Fahrtzeit
auch ein bisschen länger da war ich schon bedient, bevor ich
überhaupt im Stadion war. Aber egal, weiter!
Dabei hätte man sich gar nicht beeilen brauchen. Das Spiel fing nämlich
eh später an. Aufgrund des doch gewaltigen Andrangs, für Fortuna-Verhältnisse,
wurde die Partie mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen. 27.300 Zuschauer
waren in der Arena, eine Zahl, die uns bereits am zweiten Spieltag einen
Zuschauerrekord bescherte, der eigentlich nur noch von uns selbst gebrochen
werden kann, denn in die traditionellen Fan-Hochburgen der Liga, Dresden,
Essen, Braunschweig, passen gar nicht so viele Leute rein. Und dass irgendwelche
Fans von Bundesliga-Vereinen ihr Herz für ihre 2. Mannschaft entdecken
und denen mal die Bude so richtig voll machen wer glaubt das schon?
Okay, in einem vorgezogenen Spiel des 2. Spieltags waren eine Woche zuvor
18.000 Zuschauer beim Spiel VfL Wolfsburg II Braunschweig gewesen,
aber das war wohl doch eher eine einmalige Angelegenheit. Zum anschließenden
Auftakt der Erstliga-Mannschaft der Wölfe gegen Bielefeld
war das Stadion jedenfalls auch wieder nur zu zwei Dritteln gefüllt,
was den Kommentator des Spiels zu der Schlussfolgerung veranlasste. Das
Stadion war nicht ausverkauft VW hat Betriebsferien. Scharf
beobachtet.
Also, es war alles angerichtet: eine prächtige Kulisse, ein starker
Gegner, fast so etwas wie ein Derby, die Essener zudem noch reichlich
müde vom Pokal es konnte losgehen!
105 Minuten später fragte ich mich, ob wirklich schon an- und wieder
abgepfiffen worden war. Denn passiert war zwischen diesen beiden Pfiffen
so gut wie nichts. 0:0.
Das lag zum einen an Essen, das wirklich sehr müde war. Die wollten
gar nicht gewinnen. In der ersten Halbzeit ging noch ein bisschen was,
in der zweiten überhaupt nichts. Trainer Heiko Bonan brachte schon
nach 60 Minuten den dritten defensiven Einwechselspieler und mauerte das
Ding mit zwei Viererketten am eigenen Strafraum nach Hause. Eigentlich
traurig, aber verständlich.
Eher unverständlich, dass auch Fortuna dazu nichts Besonderes einfiel.
Viel zu harmlos wurden die Angriffe vorgetragen, der Gegner wurde kaum
mal unter Druck gesetzt, allzu oft wurde hintenrum gespielt, und am Ende
war man ebenfalls nur darauf bedacht, dass hinten die Null stehen sollte.
Das war ziemlich wenig, auch wenn die Essener wirklich gut standen.
Okay, ein paar Aufreger gab es schon. Die lagen zumeist in der ersten
Halbzeit. Die beste Chance des Spiels hatten noch die Essener, als Markus
Anfang kurz vor der Pause im Anschluss an einen Eckball einen Kopfball
von der Linie kratzen musste. Auf der Gegenseite war Ahmet Cebe mal wieder
zu eigensinnig, nachdem er drei Mann schwindlig gespielt hatte und von
rechts in den Strafrau eingedrungen war, versuchte er sich mit einem flachen
Ball in die Mitte, halb Torschuss, halb Pass ins Nirwana, und übersah
dabei Axel Lawarée, der am 11-m-Punkt völlig frei stand und
anschließend fast in selbigen gebissen hätte. Das wäre
die beste Chance des Spiels gewesen, aber es fehlte wohl ein wenig die
Übersicht. Ansonsten gab es außer einigen gelungenen, aber
im Abschluss erfolglosen Flankenläufen und ein, zwei Fernschüssen
nichts Aufregendes vom Spiel zu berichten.
Also mussten anders Akzente gesetzt werden. Kurz vor der Pause prallten
Cebe und der Essener Stürmer Güvenisik im Mittelfeld zusammen,
Kopf an Kopf. Das Ergebnis war wenig schön: Güvenisik verlor
einen Schneidezahn und beschädigte sich weiteres Kaumaterial. Er
musste auf der Stelle ausgewechselt werden. Da, wo Güvenisiks Gebiss
unfreiwillig Bekanntschaft mit Cebes Schädel gemacht hatte, wurde
es leicht rötlich, und Cebe musste sich an der Seitenlinie tackern
lassen. Anschließend einen flotten Turban auf den Kopf gesetzt,
und weiter gings.
Etwas skurril war dies deswegen, weil in der zweiten Halbzeit auch Jens
Langeneke mit seinem Gegenspieler zusammenprallte und eine Platzwunde
davon trug. Auch er spielte die restliche Spielzeit mit einem Kopfverband
durch, was dann doch stark danach aussah, als hätten wir uns unsere
Spieler aus dem nächstgelegenen Feldlazarett geholt. Aber natürlich
kann man es auch anders sehen und sagen: typisch Düsseldorf, in der
Mode immer was Neues! Die Turbane hielten bis zum Schluss, und ich hoffe
nur, dass der Verein seitdem nicht eine eigene Akte mit einem roten Reiter
beim Verfassungsschutz hat, aufgrund öffentlicher Sympathien zu gewissen
Herren in Nahost. Sah schon etwas merkwürdig aus.
Tja, und wenn dies dann schon diejenigen Ereignisse waren, die das Spiel
mal kurz aufregend machten, kann derjenige, der das Spiel nicht gesehen
hat, sich wohl ungefähr ausmalen, wie der Rest ablief. Man dachte,
es käme ein Spitzenspiel, aber es war doch nur eine ängstliche
Fortuna gegen platte Essener. Immerhin, Trainer Uwe Weidemann sagte nach
dem Spiel völlig zu Recht: In der letzten Saison hätten
wir so ein Spiel wohl noch verloren. Seis drum, aber es tröstete
nur wenig.
Auf der Rückfahrt probierte ich übrigens mal die Variante, in
Dormagen auf die A 57 aufzufahren und dann über die A 1, A 4, A 555
und A 565 nach Hause zu hüpfen. Ich hatte richtig kalkuliert, es
war um diese Uhrzeit nichts mehr los. Dieser Weg ist auch um einiges kürzer
als die Variante mit der A 61, auch ohne dass man dort irgendwelche Ausfahrten
sperren müsste. Aber nachmittags kann man so wirklich nicht fahren,
zumindest nicht, wenn man einen wichtigen Termin hat. Auch wenn es damit
so war, wie mit so vielen Terminen, die man vorher als wichtig erachtet:
es war viel Lärm um nichts.
Nur vier Tage später kam direkt das nächste Spitzenspiel. Und
die nächste Negativserie. Seit 1975 hatten wir kein Pflichtspiel
mehr beim Wuppertaler SV gewonnen. Okay, das lag auch eher daran, dass
in 25 dieser 32 Jahre gar kein Meisterschaftsspiel Wuppertal gegen Fortuna
angestanden hatte, weil die Herrschaften ligatechnisch fast immer unter
uns platziert waren (Ausnahmen gab es 1993/94 und 2003/04 - da standen
wir unter denen). Aber trotzdem kann man damit ja hübsch Schlagzeilen
machen. Aber bevor diese Serie nun auch vor dem Spiel gebetsmühlenartig
wiederholt wurde, mischte ein anderer den Zeitungswald mal ordentlich
auf und sorgte für beste Stimmung vor dem Derby. Wolfgang Jerat,
Trainer des Wuppertaler SV, und auf meiner persönlichen Sympathieskala
schon längst an Pelé Wollitz vorbei gezogen, hatte mal was
zu sagen. Es klang lustig, aber er meinte es wohl Ernst. So kann man sich
täuschen.
Wuppertal muss nicht langweilig sein: Top-Trainer, Top-Mannschaft,
Top-Baustelle
Denn Wolfgang Jerat ist nun mal Kölner, kennt sogar Christoph Daum
und hat sich in puncto Motivation wohl einiges bei ihm abgeguckt. Und
so verkündete er zu Saisonbeginn gleich mal lautstark, dass seine
Mannschaft der Top-Aufstiegsfavorit sei, er sehe nun wirklich weit und
breit keine Truppe, die der eigenen auch nur im Ansatz gefährlich
werden könne. Die verzückten Fans dankten es ihm, indem sie
gleich am ersten Spieltag ein Transparent entrollten, auf dem Regionalliga-Abschiedstour
07/08 zu lesen stand. An wen erinnert mich das nur? Ich glaube,
wir hatten letztes Jahr am ersten Spieltag in der Arena ein ähnliches
Banner gehisst. Wobei die Wuppis ja noch sagen können wenn
sie mindestens Zehnter werden, sind sie nächste Saison in der eingleisigen
Dritten Liga dabei, die heißt dann ja auch nicht mehr Regionalliga.
Wäre immerhin eine Möglichkeit. Ich glaubs zwar nicht,
wollte es aber nicht unerwähnt lassen.
Kurz vor dem Spiel widmete sich der Top-Trainer des Top-Favoriten dann
auch mal dem Gegner und äußerte die Überzeugung, er gedenke,
Fortuna wegzuhauen. Anschließend beschäftigte er
sich nur noch mit dem Gegner und ließ raus, das Ziel der Fortuna
könne doch auch nur Aufstieg bedeuten, und wir sollten dies doch
auch gefälligst zugeben. Da hat er ja richtig Ahnung, der Mann. Er
wollte also mit seinem selbst ernannten Top-Favoriten einen
ebenso gefälligst selbst zu ernennenden Favoriten eben
mal weghauen.
Nun ist der Mann Kölner und arbeitet seit Monaten in einer Baustelle
in Wuppertal. Von daher habe ich eigentlich zu keiner seiner Äußerungen
irgendwelche Fragen. Aber ein bisschen dick aufgetragen war das schon,
selbst für einen Kölner. Natürlich hat der WSV eine gute
Mannschaft, sie hatten auch die ersten beiden Saisonspiele gegen Lübeck
und in Oberhausen gewonnen sowie Zweitligist Aue im DFB-Pokal nach Verlängerung
und Elfmeterschießen rausgekegelt, alles recht glückliche Siege,
aber im Endeffekt verdient. Trotzdem wirkt diese Art der Motivation auf
mich reichlich albern. Aber seis drum. Am 11.08.07 fuhren wir also
zum Weghauen in die Bruchbude Am Zoo. Übrigens zum elften
Mal (!) seit August 2002. Fünf Liga- sowie drei Pokalpartien gegen
den WSV, zwei Oberliga-Kicks gegen Borussia Wuppertal, bevor die sich
den WSV fusionstechnisch einverleibten (oder war es umgekehrt?), eine
gegen die SSVg Velbert da kann der Jerat noch so rumschwafeln,
interessant wird diese Hütte für mich nie mehr werden. Oder
vielleicht doch?
Bei erstaunlich gutem Wetter wurde die Bude richtig voll. Wie voll genau,
konnte leider niemand sagen, da momentan niemand zu wissen scheint, wie
viele Leute ins Stadion reinpassen. Der Haufen Bauschutt hinter dem einen
Tor, optisch schön abgestimmt mit dem Haufen Bauschutt hinter dem
anderen Tor, lässt derzeit nämlich nur eine eingeschränkte
Zuschauerkapazität zu. Da selbst diese eher selten erreicht wird,
kann man somit nicht sagen, wie voll voll eigentlich ist.
10.000, 15.000? Offiziell waren es 10.341 Zuschauer, aber das sah schon
nach ein wenig mehr aus. Na ja, irgendwie muss man die Baukosten ja drücken,
und Kleinvieh macht auch Mist. Also lassen wir diese offizielle Zahl,
die auch von nicht wenigen WSV-Fans anschließend belächelt
wurde, einfach mal stehen.
Das Spiel begann mit einem Paukenschlag: in der 8. Minute missglückte
dem Wuppertaler Wiwerink im eigenen Strafraum der Befreiungsschlag, der
Ball kam nur ca. einen Meter weit und prallte von Andy Lambertz genau
vor die Füße von Christian Erwig. Ein Ausfallschritt, eine
linke Klebe, flach aus ungefähr zwölf Metern, rechts unten ins
Eck 1:0 für Fortuna! Was für ein Auftakt! Und so ging
es auch erst einmal weiter, Fortuna war die klar bessere Mannschaft und
hätte auch nachlegen können, aber besonders der Torschütze
gefiel sich darin, noch zwei, drei dicke Chancen zu vergeben. Dann wachte
der Top-Favorit auf und schlug zurück. Zunächst
kam Bölstler im Strafraum frei zum Schuss, aber Ahmet Cebe, der anscheinend
hartnäckig einen Trend setzen will und wieder mit Turban auflief
(nein, im Ernst, die Narbe am Kopf hatte sich entzündet), konnte
sich in letzter Sekunde in die Schussbahn werfen und die Kugel übers
Tor abfälschen. Nach der anschließenden Ecke musste mal wieder
Markus Anfang auf der Linie retten, und fünf Minuten vor der Pause
wäre Rietpietsch fast der Ausgleich gelungen, als er nach einer reichlich
unübersichtlichen Situation 16 Meter vor dem Tor zum Abschluss kam,
und etwas losließ, das Karl-Heinz Rummenigge in seiner Zeit als
Co-Gähner bei den Öffentlich-Rechtlichen einst als verzinkten
Schuss bezeichnete: aus dem Hinterhalt, für den Torwart schwer
und vor allem erst spät zu sehen, und schön in die Ecke gezirkelt.
Torwart Melka flog, aber da er, wie erwähnt, nur 1,95
m groß ist, hätte er den Ball nie erreicht. Dafür hatten
er diesmal Glück: der Pfosten rettete die Führung in die Halbzeitpause.
Nach der Pause drängte Wuppertal noch vehementer auf den Ausgleich,
und so gab es in der 58. Minute gleich ein doppeltes Déjà-vu:
nach einem Kuddelmuddel im Strafraum wurde der Ball von rechts über
Melka, der am kurzen Pfosten stand, in die Mitte gehoben. Der Keeper war
mit einer Hand noch dran, aber das Leder flog weiter und wurde vor der
Linie von David Krecidlo mit eine Reflex per Hand weiter befördert.
Da stöhnt man natürlich auf: wie zwei Wochen zuvor in Berlin,
Handelfer gegen Fortuna, das kennen wir doch! Und den Krecidlo als verhinderten
Volleyballer kennen wir auch, im April in Leverkusen war ihm schon dasselbe
passiert. Der Mann hat irgendwie seine Hände nicht unter Kontrolle.
Aber eins war dennoch neu, und sorgte für große Aufregung:
Krecidlo erhielt von Schiri Zwayer nicht Rot, sondern nur Gelb. Der Top-Trainer
stand draußen an der Seitenlinie und schüttelte nur noch den
Kopf. Wenn dabei doch nur das Regelbuch des DFB rausgefallen wäre!
Da hätte er nämlich nachlesen können, dass einem Spieler
nach absichtlichem Handspiel nur dann Rot zu zeigen ist, wenn er ein Tor
oder eine klare Torchance verhindert. Und noch einmal: der Ball kam von
der Seite, Krecidlo stand kurz vor der Linie und musste sogar die Hand
nach vorne ausstrecken, um den Ball zu spielen. Wer die Szene im Fernsehen
gesehen hat, muss zugeben, dass der Ball ohne das Handspiel niemals die
Linie überquert hätte. Und die klare Torchance? Nun, in seiner
Nähe stand kein Wuppertaler Spieler, der hätte abstauben können,
wenn er den Ball durchgelassen hätte. Auch das machte das Handspiel
ja so überflüssig. Also, wenn ich die Regel richtig verstehe,
dann war das kein Fall von zwingendem Rot. Da kann man Rot geben, muss
aber nicht. Und genauso handhabte es auch der Schiri. Eine vertretbare
Entscheidung, wie ich finde.
Aber Elfmeter gabs ja trotzdem. Mahir Saglik, Neuzugang vom Regionalliga-Absteiger
1.FC Saarbrücken, mit der Empfehlung von 15 Saisontreffern an die
Wupper gewechselt, trat an, schoss und Melka hielt. Nicht zu fassen!
Der zweite Handelfer gegen uns, der zweite, den Melka parieren konnte.
Ich glaube, damit hat er die fortunistische Torhüter-Statistik der
letzten 20 Jahre gesprengt . Und Saglik musste einsehen, dass Fortuna
irgendwie doch nicht sein Verein ist. In unserer Aufstiegssaison 2004/05
hatte er, damals noch in Diensten von Dortmund II stehend, beim Spiel
am Flinger Broich (1:1) kurz vor Schluss das Kunststück fertig gebracht,
den Ball aus drei Metern übers (!) Tor zu setzen. Diesmal aus elf
Metern klappte es mit dem Zielen besser, aber im Gegensatz zu damals stand
noch ein Torwart auf der Linie.
Tja, und da sich das Spiel zu einer Kopie der Partie bei Union Berlin
entwickelte, gab es natürlich auch noch Gelb/Rot für Fortuna,
diesmal für Cebe, den sein schicker Turban in der 84. Minute auch
nicht retten konnte. Ein etwas genaueres Hinsehen des Schiris hingegen
hätte dies tun können, denn Cebe spielte bei dem Foul,
das ihm den Platzverweis einbrachte, eindeutig den Ball. Das roch geradezu
nach Konzessionsentscheidung des Schiris, weil er vorher bei Krecidlo
regelkonform ein Auge zugedrückt hatte. Aber auch diesmal ließen
wir uns davon nicht mehr aufhalten. Christian Erwig verballerte in der
Schlussminute bei einem der wenigen Konter sogar noch die Riesenchance
zum 2:0, als er, völlig frei vor Maly auftauchend, die Kugel weit
übers Tor setzte. Aber das wäre auch des Guten zuviel gewesen.
Es reichte auch so.
Die nächste Negativserie pulverisiert! Man kann also auch in Wuppertal
gewinnen, wenn auch natürlich glücklich, größtenteils
aufgrund des Pfostenschusses in der ersten Halbzeit. Aber die Mannschaft
hatte ein prima Spiel abgeliefert und nicht ganz unverdient gewonnen.
Da nicht sein kann, was nicht sein darf, hatte der Top-Trainer anschließend
noch Verschwörungsbedarf. Natürlich war der Schiri Schuld, nicht
nur wegen der nicht gegebenen Roten Karte, Herr Jerat sah noch zwei weitere
eindeutige Elfmeter, die seiner Mannschaft nicht zugesprochen
wurden. Leider sagte er nicht, in welchen Spielen das gewesen sein soll,
das soeben beendete Match kann er auch mit der größten Vereinsbrille
nicht gemeint haben. Vielleicht haben ihm die vielen Strafstöße
im Elfmeterschießen gegen Aue ein wenig die Sinne getrübt.
Da gabs ja quasi Elfmeter für gar nix, da hatte er wohl eine
entsprechende Fortsetzung erwartet. Dieses Spiel, das eine Woche zuvor
stattgefunden hatte, wurde dann auch von Wuppertaler Seite gerne als Entschuldigungsgrund
herangezogen, waren die Spieler doch so richtig erschöpft nach der
englischen Woche. Ui, Ermüdungserscheinungen schon am 3. Spieltag,
und das beim Top-Favoriten? Ja darf das denn sein? Mein Herz blutete wirklich,
zumal man auf dem Rasen davon eigentlich ziemlich wenig davon bemerkte.
Die waren an jenem Tag nur zu blöd zum Tore schießen, das war
alles. Aber das ging natürlich gar nicht.
Um das klarzustellen, auch ich halte den WSV für eine der stärksten
Mannschaften in dieser Saison, die werden sicherlich oben mitmischen.
Dies bewiesen sie eindrucksvoll nur eine Woche später, als sie in
Ahlen 5:2 gewannen. Und natürlich hatten die binnen 7 Tagen drei
Spiele und wir nur zwei, das kann schon mal eine Rolle spielen. Aber wer
vor dem Spiel derart die Klappe aufreißt, den Gegner provoziert,
und anschließend meint, es wären nur äußere
Umstände gewesen, die den Sieg des Top-Favoriten
verhindert hätten, der darf sich meines mitleidigen Lächelns
gewiss sein. Weniger ist halt manchmal mehr. Obwohl: das lustige Transparent
vom ersten Spieltag, das habe ich nicht gesehen. Das muss aber nix heißen,
vielleicht war ich vom ganzen Bauschutt drumherum auch nur abgelenkt.
Was solls. Ihr habt die Schwebebahn (die an jenem Tag noch nicht
einmal fuhr ) wir haben die drei Punkte! So gehts also auch.
Fortuna verfügte nach diesem Spieltag über ein gigantisches
Torverhältnis von 2:0. Kein Gegentor, allerdings eher aufgrund der
guten Leistungen von Torhüter Melka als aufgrund solider Abwehrarbeit,
die ist noch verbesserungswürdig. Und im Vergleich zu anderen Teams
ist unser Sturm ja wohl erste Sahne! So stand zum Beispiel beim SSV Reutlingen
in der Regionalliga Süd nach dem 3. Spieltag das ebenso gigantische
Torverhältnis von 0:0 zu Buche. Was für ein Schluffi-Sturm!
Und zudem noch so uneffektiv! Denn mit dreimal 0:0 hatten die Reutlinger
natürlich nur drei Punkte, wir hingegen nutzten unsere zwei Treffer
zu sieben Punkten und Platz 3! Auf Platz 2 übrigens der HSV II mit
Torverhältnis 4:0...und Tabellenführer RW Erfurt, ebenfalls
sieben Punkte, hatte ein Torverhältnis von 10:4. Diese Angeber! Sollen
die doch ihr Pulver jetzt schon verschießen, wir halten uns erst
mal vornehm zurück...
Nein, natürlich waren die Sturmleistungen durchaus ebenfalls verbesserungswürdig.
Die nächste Gelegenheit dazu kam am 18.08.07. Gleichzeitig mit der
nächsten Negativserie...
Zehn Spiele in der Regionalliga gegen Werder II hatten wir absolviert
kein einziger Sieg für uns. Vier Remis und sechs Niederlagen
standen zu Buche. Da mag der Laie staunend fragen, woran das liegt. Der
Fachmann, der alle zehn Spiele gesehen hat, weiß es natürlich:
Eine solch konstante Serie in solch einem kurzen Zeitraum (seit dem Jahr
2000) liegt naturgemäß an irgendeiner Konstante während
dieser Spiele. Und da gab es nur eine die hieß Björn
Schierenbeck. Ich schrieb bereits mehrfach über ihn. Das Bremer Urgestein
stand wirklich und wahrhaftig bei allen zehn Versuchen, die kleinen
Werderaner zu putzen, auf dem Platz. Egal, ob über 90 Minuten und
als Torschütze, oder ob nur für zwei Minuten und mit keinem
anderen Auftrag, als Bälle auf und über die Tribüne zu
pöhlen der Schierenbeck war immer da. War. Angeblich soll
er ja mittlerweile seine Karriere beendet haben und jetzt im Trainerstab
mitarbeiten. Ich war da noch skeptisch. Es hätte mich nicht gewundert,
wenn er vielmehr seit Bekanntwerden des Spielplans heimlich in die sportlichen
Folterkammern des Weserstadions hinab gestiegen wäre und sich fit
gemacht hätte, um gegen uns aufzulaufen. Nur so. Und zur Not auch
noch im Anzug und mit Krawatte, denn auch er dürfte mittlerweile
um seine hypnotische Wirkung auf den Spielausgang wissen, wenn es gegen
Fortuna geht. Ich hoffte also, dass er den Übergang ins eher sportgeschäftliche
Leben in der Sommerpause reibungslos vollzogen hatte und leider zu busy
war, um die Stiefel zu schnüren und seinen Jungspunden den entscheidenden
Kick zu geben.
Aber wahrscheinlich interessierte ihn das selbst gar nicht so sehr wie
uns. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept der Werderaner
sie nehmen sich selbst nicht so wichtig. Diesen Eindruck konnte man zumindest
beim letzten Aufeinandertreffen im März auf dem Hinterhof des Henkers
(korrekte Bezeichnung: Nebenplatz 11 des Weserstadions) gewinnen, als
sich die tapfere Schar der Werder-Anhänger so ab der 75. Minute unauffällig
Richtung Vereinsheim verdrückte. Dort begann nämlich die Pay-TV-Übertragung
des (Bundesliga-)Spiels der Ersten Mannschaft von Werder. Alles ganz entspannt
also. Vielleicht sollten wir das Spiel mal genauso angehen und einfach
sagen: Da kommen so ein paar Jungs mit lustigen Vornamen, hauen wir die
doch einfach weg und gehen dann Pay-TV gucken. Wie ich auf das Thema Vornamen
komme? Nun, neulich fuhr ich auf der Autobahn hinter einem Wagen, auf
dessen Heckscheibe einer dieser unvermeidlichen Aufkleber prangte: Charnice
an Bord! hieß es da. Da überlegst du erst mal: Ist das
ein Hinweis auf einen Wagen mit Baby oder einen Gefahrguttransport? Aber
es sollte wohl doch einer jener modischen Namen sein, die coole Eltern
heutzutage wählen, um ihre Sprössling ganz individuell ins Leben
zu schicken. Und wenn ich mir den Kader der Bremer anschaue, könnte
ich auf die Idee kommen, dass diese Namensgebung in den 1980er Jahre einsetzte.
Wir konnten nämlich beglückt werden mit dem Auflaufen solcher
Jungs wie Finn, Sandro, Julian oder Kenny. Nicht zu vergessen Dominik
und Dominic (kein Schreibfehler). Und ganz zu schweigen von den drei möglichen
Kevins. Das zeigt, dass wir in der Moderne angekommen sind. Aber mal ernsthaft:
Diese vermeintlichen Jungs hatten uns bei ihren letztjährigen
Gastspiel in der Arena eine Halbzeit lang vorgeführt und Offensiv-Fußball
vom Feinsten zelebriert. Höchste Vorsicht war somit geboten, unabhängig
vom Vornamen. Aber ich hatte nicht die geringste Lust, einmal mehr gegen
die ganzen Kevins, Kennys und Julians zu verlieren. Dann fühle ich
mich immer noch älter, als ich sowieso schon bin. Andererseits, würde
Fortuna auch dieses Spiel gewinnen, würde es langsam wirklich unheimlich
werden. Aber damit hätte ich irgendwie viel besser leben können.
Negativserienkiller 2007
Und genau so kam es tatsächlich: Fortuna besiegte Werder II mit 2:0
und knackte auch den dritten Fluch binnen vier Wochen. Aber
ich behielt auch Recht: Schierenbeck lief erstmals in einer Partie gegen
uns nicht auf voilà, schon klappte es. Man könnte fast
meinen, es wäre wirklich etwas dran.
Nebenbei, Schierenbeck war nicht der Einzige, der bei Werder fehlte. Trainer
Thomas Wolter durfte sich über das Fehlen eines halben Dutzend Stammspieler
ärgern, was allerdings erfreulicherweise nicht, wie anderswo, durch
Zulauf von schwer spielpraxisbedürftigen Spielern aus der Ersten
Mannschaft kompensiert wurde. Das wäre auch schwierig gewesen, die
ließen sich ja nahezu gleichzeitig von Bayern München verdreschen
(die wiederum ein junges, aufstrebendes Talent namens Lukas Podolski gleichzeitig
in der Regionalliga Süd gegen Unterhaching eine hundertprozentige
Torchance versemmeln und anschließend auswechseln ließen).
Dennoch waren die Werder-Bubis ein Ernst zu nehmender Gegner, dementsprechend
vorsichtig begann Fortuna. Da von den Gästen zunächst auch nichts
Überwältigendes kam, wurde man ein wenig offensiver und erarbeitete
sich Chancen. Pech insbesondere für Christian Erwig, der mit einem
Kopfball nur die Latte traf. Zur Pause war Fortuna klar tonangebend, hatte
aber die Bude nicht gemacht.
Dies hätte sich natürlich fast sofort gerächt, als Werder
nur zwei Minuten nach der Pause demonstrierte, dass sie auch einen Sturm
mitgebracht hatten: nach schöner Kombination setzte sich Löning
im Strafraum durch und tauchte plötzlich völlig frei vor Melka
auf, aber dieser konnte parieren. Und dann kam die 55. Minute: Eckball
von rechts, Markus Anfang bringt den Ball herein, in der Mitte springt
Axel Lawaree am höchsten und drückt den Ball zum 1:0 ein. Eine
aus mehreren Gründen nahezu unglaubliche Szene: schon wieder ein
Stürmertor, erstes Tor von Axel Lawaree für Fortuna, und dann
noch nach einer Ecke! Schon wieder, genau wie bei Union Berlin. Also da
war ich bereits erstaunt, aber nun versuche ich verzweifelt, zu eruieren,
wann wir zuletzt in einer Saison zwei Tore nach Ecken erzielt haben. Es
scheint tatsächlich eine Spielzeit der historischen Ereignisse zu
werden...
Apropos historische Ereignisse: so etwa um die 30. Minute herum wurde
Uwe Weidemann gesichtet, wie sich am Spielfeldrand einen Spieler heranholte
und ihm Anweisungen gab. Der Uwe!! Anweisungen!! Das kann man eigentlich
kaum noch glauben, ist das überhaupt noch meine Mannschaft, oder
sind das Außerirdische? Man kam vor lauter Neuerungen gar nicht
mehr hinterher. Okay, beim Spiel gegen RW Essen war der Uwe kurz vor Schluss
aus dem Innenraum verwiesen worden. Da hatte er etwas zum Schiri-Assi
gesagt, was diesem nicht gefallen hatte. Das kann ja mal passieren. Aber
dass der Uwe quasi aktiv ins Spielgeschehen eingreift ist das noch
Fußball? Ich muss in mich gehen und darüber nachdenken.
Da hatten wir nun unser übliches eines Tor geschossen, was in dieser
Saison zum Sieg zu reichen scheint, dann wollen wir uns auch nicht mehr
überanstrengen. Und als in der 77. Minute Andy Lambertz von links
in den Strafraum passte, da war es dann auch kurzerhand der Bremer Abwehrspieler
Erdem, der den Ball aus Versehen im eigenen Netz versenkte und somit die
Entscheidung brachte. Danke schön! Im Nachhinein hätten sich
die Bremer nicht beschweren können, wenns noch ein oder zwei
Stück gegeben hätte, die Chancen dafür waren da, aber das
wäre auch nicht verdient gewesen, so viel besser als Bremen waren
unsere Mannen auch nicht. Immerhin konnten die 9.200 Zuschauer erstmals
eine Tabellenführung der Fortuna in der Regionalliga feiern, wenn
auch nur für 24 Stunden, dann zog Erfurt wieder vorbei, aber das
interessiert zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich. Eher schon, dass man
nach nur vier Spieltagen schon ein Polster von mindestens 6 Punkten auf
Platz 11 hat (eigentlich sieben, aber da steht Dresden, und die haben
noch ein Spiel weniger). Was für ein Auftakt!
Tabellenplatz zwei nach vier Spieltagen, mit 10 Punkten und dem Riesen-Torverhältnis
von 4:0! Kein Mensch weiß mehr, wann wir den letzten Gegentreffer
kassiert haben! Aus dem Auftaktprogramm mit den drei legendären Flüchen,
welches einzig und allein dazu gedacht schien, dem Trainer einen vorzeitigen
Abgang zu verschaffen, ist ein voller Erfolg herausgesprungen, was bei
unserer chronischen Auftaktschwäche nun wirklich niemand hätte
vermuten dürfen. Saisonübergreifend ist die Fortuna jetzt schon
seit über 400 Minuten ohne Gegentor. Und ein Statistik-Freak fand
dann auch prompt heraus, dass seit der Saison 1947/48 keine Fortuna-Mannschaft
mehr nach dem 3. Spieltag ohne Gegentor geblieben ist! Die historischen
Ereignisse nahmen gar kein Ende mehr. Vielleicht könnten wir da auch
noch einen Zeitzeugen auftreiben, der sich an jene Saison noch erinnern
kann.
Bei so vielen geschichtsträchtigen Ereignissen nahm ich einen Tag
später dann auch eins der 2. Liga mit: das erste Spiel von Borussia
Mönchengladbach gegen die TSG 1899 Hoffenheim, gleichzeitig das erste
Meisterschaftsspiel der Borussia, welches um 14.00 Uhr angepfiffen wurde.
Und es war ein lustige Angelegenheit. Die Hoffenheimer reisten mit einem
Mannschaftsbus an, auf dessen Frontpartie unübersehbar der Schriftzug
Ritas Reisedienst prangte. Ist doch hübsch. Der
Mannschaft folgten 235 Fans, inklusive Transparent Hurra, das ganze
Dorf ist da; die wurden ob ihrer gewaltigen Anzahl vor dem Spiel
sogar vom Stadionsprecher der Gladbacher begrüßt und von den
anderen 39.000 Zuschauern im Stadion mit freundlichem Applaus bedacht.
Das war natürlich vor dem Spiel. Nach der Partie klatschte kein Gladbacher
mehr, da gab es nur ein gellendes Pfeifkonzert. 0:0 gegen den Aufsteiger,
der zumindest in der 2. Halbzeit so spielte, als ob ihnen das mit dem
Aufstieg noch niemand gesagt hätte. Aber die Gladbacher waren genauso
schlecht und nutzten auch die wenigen klaren Torchancen nicht. Dabei hatten
sie noch Glück, dass Hoffenheim in der ersten Viertelstunde des Spiels,
der einzigen Zeit des Spiels, an der der Aufsteiger sich zu beteiligen
gedachte, nicht mal sofort 2:0 führte, drei Riesenchancen wurden
vergeben, es sprang nur ein Pfostenschuss dabei heraus.
Dass das Heimdebüt der Fohlen ordentlich in die Hose
ging, darf sich auch der Trainer ankreiden, Kay Luhu, oder wie der heißt.
Solche Aufstellungen wie die vom letzten Sonntag garantieren eigentlich,
dass der Name schnell in Vergessenheit gerät. Heimspiel gegen einen
Aufsteiger Gladbach mit genau einem Stürmer, der noch nicht
mal einer war, Rösler spielt eigentlich im offensiven Mittelfeld.
Vier gelernte Stürmer ließ der Trainer auf der Bank sitzen!
Und als er zur Pause endlich mal einen einwechselte (Rob Friend), beorderte
er Rösler sofort wieder ins Mittelfeld zurück, nicht, dass man
zu stürmisch werden würde! Erst als der vom Publikum stürmisch
(kicher) geforderte Oliver Neuville zusätzlich kam, konnte man von
einem Gladbacher Sturm reden. Dass Luhukay anschließend noch Marvin
Compper einwechselte, zwar durchaus als offensivfreudig bekannt, aber
eigentlich Verteidiger, ließ mich dann doch daran zweifeln, ob ich
das Spiel richtig verstanden habe. Es sei denn, er wollte einen Punkt
sichern. Gegen Hoffenheim. Im Heimspiel. Dann gratuliere ich natürlich
artig zum erreichten Ziel.
Und weil sich während der beiden Halbzeiten nicht allzu viel Aufregendes
auf dem Rasen tat, ist mein Held des Spiels auch ein gänzlich anderer:
Elmar Sassenrath. Wer das ist? Keine Ahnung, bis auf eins: Elmar Sassenrath
gewann das Halbzeitspiel auf dem grünen Rasen. Wie? Weiß ich
auch nicht, ich hab es nicht gesehen, aber der Stadionsprecher nannte
den Namen so oft und so laut, dass er sich mir unauslöschlich einprägte.
Er muss wohl recht treffsicher gewesen sein. Elmar Sassenrath ist Gott!
möchte ich ausrufen, so häufig, wie der Name genannt wurde.
Hoffentlich hat niemand der Gladbacher Offiziellen gesehen, wie treffsicher
Elmar Sassenrath war. Bloß nicht verpflichten lassen als
treffsicherer Stürmer kommst du in Gladbach erst mal auf die Bank.
Nur ein gut gemeinter Rat, Elmar!
Tja, und nach diesem kleinen Abstecher war es das vorerst. Fortuna mit
hervorragendem Start, so gut, dass man es kaum glauben möchte. Nächste
Woche geht es zu Cottbus II. In alten Zeiten (bis vor ca. einem Jahr also,
was die Saisonstarts betrifft) waren das immer die Spiele, die man von
vorne herein schon gewonnen hatte (besonders, wenn man vorher die Spitzenspiele
gut bewältigt hatte), und bei denen man sich anschließend fürchterlich
blamierte. Man darf gespannt sein, ob sie auch diese unschöne Verhaltensweise
abgelegt haben. Obwohl: dann wird es mir wirklich, wirklich unheimlich...
Wieder mittendrin: janus
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