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So, in Sachen Fußball wäre
das Jahr 2008 auch geschafft. Und während ich dies heute, am 21.12.2008,
schreibe, hat die beste Mannschaft der Welt, Fortuna Düsseldorf,
dies wohl schon Ende November verinnerlicht. Man muss halt immer seiner
Zeit vorauseilen, will man irgendwann mal einen Trend setzen. Dies gelang
dem Team in den letzten Wochen famos, weshalb ich jetzt, kurz vor Weihnachten,
dem Fest der Liebe, hier auf meinem Stuhl sitze und einen Bericht stricken
darf, in dem tatsächlich kein einziger Fortuna-Sieg vorkommen wird.
Da gerät auch meine Nächstenliebe schon mal arg ins Wanken.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dies ist der Euro ins Phrasenschwein.
Und das ist der Bericht:
Blöde Serie I
Beginnen wir zunächst einmal auswärtig: Am 27.11.08, da wollte
ich mir mal ein wenig internationales Flair gönnen und reiste nach
Hamburg, UEFA-Cup-Spiel gegen Ajax Amsterdam. Mir ist der HSV ja nicht
unsympathisch, deshalb war ich über die 0:1-Niederlage auch etwas
enttäuscht. Übrigens, woran erkennt man das internationale Flair
solcher Begegnungen? Genau: Daran, dass der Gastverein anscheinend seine
eigene Stadionsprecherin mitbringt, die die Gästefans dann in deren
Landessprache anpflaumt, wenn Bengalen im Block gezündet werden.
Sehr informativ, wieder etwas gelernt.
So traurig auch das Ergebnis des Spiels für mich war, es gab doch
zwei Highlights: zum einen lief mir in der Halbzeitpause rein zufällig
ein Mitglied des Fortuna-Fan-Clubs Hacke Rot-Weiß über
den Weg, einfach so. Fortuna ist überall! Zum anderen zeigte mir
die Deutsche Bahn, dass sie nichts verlernt hat. Eine Durchsage bei der
Rückfahrt ab Hamburg Hbf informierte uns, dass für diesen Zug
leider die Zeit nicht mehr ausgereicht habe, um die Reservierungen für
die entsprechenden Sitzplätze auszubringen, Reisende ohne Reservierungen
mögen sich in die hinteren beiden Waggons begeben, wo noch unreservierte
Sitzplätze zur Verfügung stünden. Bestimmt riesig nett
gemeint, diese Durchsage, nur in den Zug stiegen gemeinsam mit
mir gefühlt 500 Niederländer ohne Reservierung ein, die von
der Durchsage kein Wort verstanden und sich über die vielen freien
Plätze freuten. Ich sag`s mal so: die Schaffner hatten so ca. bis
Bremen gut zu tun
Und kaum war man zuhause, war man schon wieder weg, nur um sich das nächste
0:1 anzuschauen. So gesehen etwas langweilig, das gebe ich zu. Diesmal
betraf es allerdings die Fortuna in Jena am 29.11.08, was selbst die Sportschau
dazu veranlasste, endlich mal wieder eine Serie zu diagnostizieren,
die man im normalen Leben wohl nur als Mathematiker sofort erkannt hätte:
Nämlich dass wir, ausgehend von der ersten Niederlage gegen Paderborn,
danach inklusive Jena tatsächlich exakt jedes vierte Spiel verloren
haben. Dies reiht sich von der Wichtigkeit her zwar irgendwie ein in solche
Serien wie Schon 420 Einwürfe in Folge, ohne dass daraus ein
Treffer resultiert oder Erstes Tor eines 32jährigen Einwechselspielers
nach dem 14. Eckball in einem Spiel, aber für solche Erkenntnisse
verfügen die medialen Berichterstatter ja heutzutage anscheinend
über extra geschultes Personal, das sämtliche Datenbanken rastlos
nach diesen brisanten Informationen absucht.
Eine absolut überflüssige Niederlage der Fortuna in Jena vor
6.000 Zuschauern, aufgrund der ersten Halbzeit allerdings nicht unverdient.
Das Tor des Tages durch Riemer fiel bereits in der 4. Minute, eins dieser
typischen Langweiler-Tore, Ecke, Kopfball, drin. Somit wurde wieder mal
durch eine Standardsituation verloren. Fortuna bekam in der ersten halben
Stunde kein Bein auf die Erde und konnte sich bei Torwart Melka bedanken,
dass nicht schon nach einer Viertelstunde Feierabend war: Erst Glanzparade
nach 16-m-Schuss von Eckardt, den Nachschuss versemmelte Petersen, dann
großartiger Reflex im direkten Duell gegen Schembri, der den Ball
im Sechzehner von Langeneke geschenkt bekommen hatte. Unser Ersatz-Kapitän
hätte dann auch noch mit einem kapitalen Querschläger fast das
2:0 per Eigentor besorgt, der hätte getrost im Bett bleiben können,
hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt.
Als Fortuna langsam ins Spiel fand, gab es auch direkt die Doppelchance
auf den Ausgleich, erst hämmerte Christ einen Ball aus 20 m an die
Latte, Cebe brachte den Abpraller nach innen, wo Lawaree ihn am kurzen
Pfosten am Tor vorbei spitzelte. Fortuna allerdings insgesamt ohne Schwung,
ohne Ideen und mit dem 0:1 zur Pause noch sehr gut bedient. In der 2.
Halbzeit zunächst das gleiche Bild, erst allmählich übernahm
man das Spiel und drängte nach vorn. Die Chance schlechthin auf den
Ausgleich vergab (leider: mal wieder) Cebe in der 56. Minute: nach weitem
Abschlag Melka verschätzt sich Cebes Gegenspielers und unterläuft
den Ball, Cebe lupft ihn über Jena-Keeper Nulle, nur um dann aus
5 m Entfernung das leere Tor nicht zu treffen. Unfassbar. Wahrlich nicht
die erste hundertprozentige Chance, die Cebe in dieser Hinrunde schon
versiebt hat, diesmal allerdings entscheidend. Wer sich bei solchen Szenen
noch wundert, warum wir Dritte Liga spielen, dem ist wirklich nicht mehr
zu helfen. Aber das Gejammer nutzt ja nix, der Ball geht dadurch auch
nachträglich nicht mehr rein. Alle anderen auch nicht, hüben
wie drüben. Denn zum Schluss gab es natürlich Konterchancen
für Jena, eine vergab Sträßer freistehend vor Melka, auf
der anderen Seite hatte Sahin per Kopf noch die Gelegenheit zum Ausgleich,
vergab aber ebenfalls. Auch dass Melka am Schluss mitstürmte, half
nicht mehr, Niederlage durch Gegentreffer in der 4. Minute, sehr ärgerlich.
Nebenbei hütet bei Carl Zeiss Jena ja Carsten Nulle das Tor, von
2004 bis Anfang 2006 bei uns unter Vertrag, eigentlich ein recht souveräner
Keeper, nach einigen Böcken allerdings damals von den eigenen Fans
zum Buhmann erklärt und anschließend abgesägt. Der war
in den letzten Wochen vor Weihnachten in Top-Form und ließ auch
gegen uns nichts anbrennen. Vielleicht hätte der Trainer doch einem
Vorschlag aus dem Fan-Forum folgen sollen, und Axel Lawaree zur Ablenkung
von Nulle in ein Grotifanten-Kostüm zwängen sollen. Unvergessen,
wie Nulle 2004 als Fortuna-Keeper anlässlich eines Pokalspiels beim
KFC Uerdingen das putzige Krefelder Maskottchen mal kurz weggepumpt hatte,
als dieses ihn nach dem Spiel noch auf dem Spielfeld verbal attackierte.
Aber leider lief in Jena niemand mit dem großen Elefantenkopf auf,
Nulle konnte sich ganz aufs Spiel konzentrieren und hielt seinen Kasten
sauber.
Eine Niederlage wie in Sandhausen, Emden und Berlin, eine Halbzeit wurde
wieder locker verpennt, und die Gegentore fallen immer wieder durch Standardsituationen.
Das wirkt langsam ein wenig albern und sicherlich nicht aufstiegsreif.
Übertrieben gesagt weiß mittlerweile jeder Gegner, dass man
nur genügend Ecken und Freistöße gegen uns rausholen muss,
dann klingelt es irgendwann. Und dieses irgendwann klingeln
reicht dann auch meistens, außer dem Spiel gegen Wuppertal wurde
ja noch kein einziges gedreht in dieser Saison.
Nikolaus
Am 06.12.08 ging es gegen den VfR Aalen von der Schwäbischen Alb.
Die uralte Geschichte mit dem Nürnberger Busfahrer, der einst seinen
Fan-Club zum Auswärtsspiel in der 2. Liga nicht nach Ahlen in Westfalen,
sondern nach Aalen kutschierte und sich anschließend wunderte, warum
er soll schnell in NRW war, die kennt ja wohl mittlerweile jeder, die
erzähl ich nicht mehr. Eher schon, dass Aalen vor der Saison zu den
Aufstiegsfavoriten zählte. Als man nach vier Spieltagen (!) noch
nicht uneinholbar an der Tabellenspitze stand, zog man schnell die Notbremse
und entließ den Trainer, Edgar Euro-Eddy Schmitt. Anschließend
holte man Jürgen Kohler als Trainer, und die Mannschaft, die in der
letzten Saison der Regionalliga Süd mit Abstand den stärksten
Sturm hatte, mutierte zur echten Beton-Mischmaschine, ausgehend vom Hauptsponsor
und Namensgeber der heimischen Scholz-Arena (Firmenslogan, auch auf dem
Mannschaftsbus: Kompetenz in Schrott) sowie von der Statistik,
die für die 17 Spiele der Aalener vor dem Nikolaustag 2008 immerhin
fünfmal das Ergebnis von 0:0 auswies. Dann musste Kohler aufgrund
gesundheitlicher Probleme den Trainerjob an den Nagel hängen und
wechselte auf den Posten des Sportdirektors. Auch der neue Coach ist kein
Unbekannter, es handelt sich um Petrik Sander, einst geschätzter
Übungsleiter bei Energie Cottbus. Ich muss nur noch ein wenig überlegen,
dann fällt mir bestimmt auch ein, welchem Spielsystem er dort zumeist
den Vorzug gab
Das eigentlich Überraschende an diesem Spiel war dann auch, dass
sie in der 1. Halbzeit gar nicht mauern mussten, denn dafür war Fortuna
viel zu schlecht. Die erste Hälfte ging ganz klar an Aalen, auch
wenn denen vor unserem Tor ebenfalls nicht viel einfiel. Grausamer Fußball,
passend zum Wetter. Die 1. Halbzeit war so schlecht, dass ich gleich mit
2. weitermache. Erwähnenswert lediglich das 0:1 in der Nachspielzeit,
natürlich nach einer Standardsituation. Einwurf von der rechten Seite
in den Strafraum, Kopfballverlängerung am kurzen Pfosten, und in
der Mitte setzt sich Seiler mit dem Kopf durch und nickt zum Führungstor
für Aalen ein. Ein Witz. Der war allerdings überfällig,
trotzdem natürlich ärgerlich, unmittelbar vor dem Pausenpfiff
doch noch dieses Tor zu kassieren, als man schon hoffte, sich zwar desolat,
aber noch mit einem 0:0 in die Pause zu retten. Der Schiri ließ
nach dem Treffer auch gar nicht mehr anstoßen, sondern schickte
beide Teams gleich in die Kabine.
In der zweiten Hälfte lief die Partie vor 9.800 Zuschauern erst in
diesem Stil weiter. Nach und nach kam Fortuna dann besser auf, allerdings
eher, weil der Gegner sich wohl erinnerte, wozu er eigentlich angereist
war, sich weiter zurückzog und den Raum freigab. Einen Jovanovic-Kopfball
kratzte VfR-Keeper Linse mit Wahnsinns-Reflex aus der Ecke, er war auch
noch bei einigen anderen Gelegenheiten auf dem Posten, meist gegen Jovanovic,
der als Einziger so etwas wie Torgefahr verbreitete. Nach einer Ecke und
einer Unsicherheit von Linse verfehlte Sieger das vom Keeper verlassene
Tor, so etwas darf bei uns jeder mal. Okay, kann man nicht wirklich mit
der Chance von Cebe in Jena vergleichen, der Ball fiel Sieger am 5-m-Raum
doch etwas überraschend vor die Füße, und es standen noch
zwei Mann auf der Linie, aber auch so einen darf man gerne mal machen.
Dass es noch zum Ausgleich langte, war den Herren Caillas, Jovanovic und
Linse zu verdanken: in der 83. Minute setzte sich Caillas prima auf der
linken Seite durch und servierte eine schöne Flanke, Jovanovic stieg
zum Kopfball hoch und traf den Ball gar nicht richtig, profitierte dann
aber von einem Riesenbock von Torwart Linse, der wie eine Bahnschranke
fiel und den harmlosen Kopfball ins Tor durchwinkte.
Als besonderes Highlight gab es dann noch Gelb/Rot für Caillas, natürlich
wegen Meckerns, weshalb wohl sonst? Dies geschah in der Nachspielzeit,
dem Herrn war anscheinend kalt geworden und er hatte überhaupt keine
Lust auf das Auswärtsspiel in Bremen, nur so würde seine an
Dummheit kaum zu überbietende Aktion Sinn machen. Wäre ich der
Trainer, der hätte bei mir das nächste Trainingslager aufgrund
seiner Geldstrafe in die Mannschaftskasse dermaßen vorfinanziert,
dass er bei selbigem dann meinetwegen auch als Sponsor hätte in Erscheinung
treten können. Platzverweise für Ballwegschießen oder
Meckern zählen für mich zu den albernsten überhaupt, wer
die Mannschaft auf diese Weise schwächt, der dürfte sich bei
mir nicht wundern, wenn die Geldstrafe dann etwas höher ausfallen
würde
Im Endeffekt war das nicht unverdient, weil Aalen in der 2. Halbzeit zuviel
zuließ. Aber in dieser Form, das konnte man deutlich sehen, würde
die Fortuna mit den Tabellenplätzen 1-3 nicht das Geringste zu tun
haben. Lambertz, Christ, Walbaum Totalausfälle, der Rest stand auch
deutlich neben sich. Das Positive an diesem Spiel war sicherlich, dass
man noch einen Punkt holte. Das Negative war, dass für dieses Jahr
immer noch nicht Schluss war, sondern noch zwei Spiele auf dem Programm
standen. Mit der Leistung vom Aalen-Spiel durfte man getrost für
beide Partien schwarzsehen, ohne als unverbesserlicher Pessimist zu gelten.
Blöde Serie II & III
Es gibt Dinge, auf die man sich verlassen kann: den Tod, die Steuern,
und dass Fortuna auf dem Nebenplatz 11 in Bremen 0:2 verliert. So geschehen
am 14.12.08 (Sonntag) zum fünften Mal beim siebten Auftritt dort.
Ein Unentschieden, sechs Niederlagen lautet die mittlerweile beeindruckende
Bilanz der Fortuna dort. Und da kümmert es unsere Serien-Freaks in
den kurzen Leibchen auch kein Stück, dass Werder II vor dem Spiel
Tabellenletzter war. Es spielt keine Rolle, wo in der Tabelle die stehen;
wenn wir zum Nebenplatz 11 kommen, dann reicht es, wenn elf von denen
auf dem Platz stehen, und das Spiel kann abgehakt werden. Oder wie es
ein User im Forum so treffend darlegte: Was will man machen, wenn dieser
Sportplatz anscheinend auf einem alten Indianerfriedhof errichtet wurde
und auf alle Zeiten verhext ist? Da kann man kämpfen wie man will,
der Ausgang des Spiels steht ja von vorneherein fest. So dachte sich das
anscheinend zumindest die Mannschaft und stellte von der ersten Minute
an die Gegenwehr ein. Nutzt ja eh nix.
Denn wenn die Bremer haushoch überlegen gewesen wären, könnte
man es vielleicht sogar verstehen. An guten Tagen kann auch ein Tabellenletzter
natürlich mal etwas reißen. Aber die bleiben auch nach diesem
Spiel für mich Abstiegskandidat Nummer Eins. Hinten die Bälle
rausbolzen, vorne größtenteils völlig harmlos keine
guten Argumente für einen Verbleib in Liga 3. Und jetzt stelle man
sich vor, dass Fortuna noch schlechter war und erstmals in dieser Saison
wirklich verdient verlor, weil man keine einzige Torchance herausspielen
konnte dann wird man ermessen können, was ein Großteil
der 1.000 Zuschauer (nämlich die Fortuna-Fans) bei Temperaturen um
den Gefrierpunkt an jenem Sonntag Nachmittag durchmachen mussten. Immerhin,
die Kälte hinderte einen daran, vorzeitig einzuschlafen, das hätte
dann sogar noch gesundheitsgefährdend enden können. Und das
war dieser maue Kick absolut nicht wert.
Um die Qualität dieses Spiels zu verdeutlichen: Werder II machte
ungelogen mit dem ersten Torschuss das 1:0 und mit dem zweiten das 2:0.
Dazwischen lagen allerdings 64 (vierundsechzig) Minuten, in denen nicht
das Geringste passierte. Das konnte auch nicht wirklich verwundern: Nachdem
Stürmer Axel Lawaree sich im Training verletzt hatte, ließ
Trainer Meier beim Tabellenletzten wahrhaftig mit einer Doppel-6 und einer
ganzen Spitze antreten! Vielleicht hat er sich ja auch gedacht: Christ
verletzt, Caillas gesperrt, da hab ich eh keinen, der eine vernünftige
Ecke oder einen vernünftigen Freistoß treten kann, was soll
ich dann in der gegnerischen Hälfte? Safety first, man wollte wohl
um jeden Preis so lange wie möglich das 0:0 halten. Dies gelang immerhin
fulminante fünf Minuten: In der 6. Minute gab es auf der linken Seite
in Strafraumhöhe einen Einwurf für Werder, somit eine Standardsituation,
und wen wundert`s, was dann geschah? Am linken Strafraumeck kam die Kugel
zu Ex-Zweitliga-Spieler Feldhahn (Erzgebirge Aue), der zog volley ab,
und der Ball landete flach im linken unteren Eck. Torwart Melka sah dabei
etwas merkwürdig aus, er stand nämlich eigentlich in der richtigen
Ecke, schaute dann aber nur staunend zu, wie der Ball neben ihm einschlug.
Vielleicht hat er ihn auch zu spät gesehen, es war schon eine gewisse
Spielertraube um Feldhahn herum, aber unhaltbar sah der Schuss irgendwie
nicht aus.
Dann passierte bis zur 70. Minute nichts mehr. Obwohl, halt, ich möchte
nicht Verdacht geraten, die größte, weil einzige Chance der
Fortuna in diesem Spiel zu unterschlagen: Mitte der ersten Halbzeit gab
es nach einer Ecke für Fortuna ein wenig Durcheinander, die Bremer
bekamen den Ball nicht weg. Dies besorgte dann Langeneke, der die Kugel
in Rücklage aus sechs Metern übers Tor und vom Gelände
schoss. Was dem Aufstiegsaspiranten (kicher) sonst noch so einfiel, kann
man vielleicht so darstellen: die beiden gefährlichsten Situationen
entstanden nach Abschlägen von Torwart Melka, der seine bekannte
Schussstärke dazu nutzte, den Ball mehrfach längs über
den kleinen Platz zu dreschen. In einem Fall bekam Cebe die Kugel am linken
Strafraumeck, spielte auch seinen Gegenspieler aus, flankte aber anschließend
ins Nirwana, weil niemand die Situation erkannt hatte und mitgelaufen
war. Ein zweiter Abschlag von Melka flog sogar noch ein Stück weiter,
sämtliche Bremer Abwehrspieler unterschätzten den Ball, und
Jovanovic wäre fast dran gewesen, aber Bremens Keeper Pellatz hatte
den Braten gerochen und konnte unmittelbar vor Jovanovics Schuhspitze
zugreifen. Das waren Torchancen!
In der zweiten Halbzeit wurde es eigentlich noch schlimmer, es würde
mich nicht wundern, wenn sich beide Torhüter eine Erkältung
zugezogen hätten, denn so wirklich etwas zu tun hatten sie nicht.
In der 70. Minute sorgte der Trainer dann für ein besonderes Highlight,
indem er Custos für Cebe einwechselte. Einen Defensivspieler für
einen Offensiven, bei 0:1-Rückstand beim Tabellenletzten
und
mag dieser Einwechslung auch ein noch so pfiffiger taktischer Winkelzug
zugrunde gelegen haben, den ich in meiner Ahnungslosigkeit bis heute nicht
erkenne, für mich war es definitiv die Auswechslung 2008. Anscheinend
hatte man sich nun vorgenommen, das 0:1 sicher über die Runden zu
schaukeln. Nun, zu Beginn des Spiels hatte das Sicherheitskonzept bekanntermaßen
ganze fünf Minuten gegriffen, diesmal wurde man wesentlich schneller
bestraft. Dreißig Sekunden nach Custos` Einwechselung, der Platzsprecher
war noch mit der Durchsage beschäftigt, lief ein Bremer Konter über
rechts, Marc Heider flankte, und in der Mitte prallten Finn Holsing, Torwart
Melka und ein Fortuna-Abwehrspieler am 5-m-Raum zusammen, und der Bremer
Holsing bekam den Ball irgendwie per Kopf, Schulter, Brust über die
Linie. 2:0, Spiel entschieden. Man konnte nur froh sein, dass der Schiri
20 Minuten später abpfiff, denn Bremen hatte nun sogar noch die ein
oder andere Konterchance, um noch zu erhöhen, aber Melka machte besonders,
als Perthel frei vor ihm auftauchte, eine gute Figur und verhinderte eine
höhere Pleite. Auf der anderen Seite kam genau nichts.
Alles wie immer also auf dem Nebenplatz 11, und wer jetzt noch an der
Zwischenüberschrift dieses Berichts herum rätselt, dem sei gesagt,
es war nicht nur das siebte Spiel der Fortuna auf Nebenplatz 11, das nicht
gewonnen wurde, es war auch das vierte Saisonspiel der Rot-Weißen
in der Hinrunde, das an einem Sonntag stattfand. Alle vier Spiele wurden
verloren.
Der Trainer sagte nach dem Spiel einen entscheidenden Satz: Wir
müssen uns bei den mitgereisten Fans für diese Leistung entschuldigen.
Wenn mich nicht alles täuscht, hatte er dies schon im März gesagt,
als wir dort zur Abwechslung mal mit 0:2 verloren. Dass die Mannschaft
sich mit solch lust- und leidenschaftslosen Auftritten immer mehr von
dem Verdacht distanziert, aufsteigen zu wollen, bringt die Fans langsam
aber sicher auf die Palme. Ein User im Fan-Forum schrieb dann auch ironisch,
ausgehend von den Anstoßzeiten der 2. Liga: Freitags 18 Uhr
ist mir sowieso zu früh, da arbeite ich ja noch. Die Mannschaft
anscheinend auch.
Der größte Witz an der Sache ist natürlich, dass wir diesen
Fluch nächste Saison wohl los sein werden. Nicht weil
wir jemals dort gewinnen werden oder weil wir aufsteigen, nein, sondern
weil ich weiterhin der Meinung bin, dass Werder II absteigen wird. Ich
würde drei Kreuze machen.
Nebenplatz 11 Scheißplatz, keine Stimmung, immer schlechtes
Wetter, immer alles umsonst, grau in grau, trostlos.. Wahrscheinlich würde
mir etwas fehlen, wenn es bei meinen Ausflügen nach Bremen wirklich
mal anders wäre. Aber ich hätte es doch gerne mal ausprobiert.
Versöhnlicher Abschluss
Okay, was in der Woche vor dem letzten Spiel 2008, dem Rückrundenauftakt
beim SC Paderborn am 20.12.08, geschah, passt nicht wirklich zur Überschrift.
Fortuna dünnte ihren Kader mal ein wenig aus, ausgerechnet bei den
Stürmern, die ja diese Saison so treffsicher sind wie nur irgendwas.
Diese Ausdünnung erfolgte allerdings wieder einmal unfreiwillig.
Die Verletzung, die sich Axel Lawaree im Training vor dem Werder-Spiel
zugezogen hatte, entpuppte sich als Einriss des Syndesmose-Bandes. Chirurgischer
Eingriff erforderlich, mindestens sechs Wochen Pause, somit verpasst er
die gesamte Vorbereitung, man kann eventuell Mitte März wieder mit
ihm rechnen. Was die Verletztenliste in diesem halben Jahr betrifft, kann
man schon nicht einmal mehr mit dem Kopf schütteln.
Anschließend wurde Kenan Sahin noch zum Training in die Zweite Mannschaft
verbannt, er darf sich in der Winterpause einen neuen Verein suchen. Höhepunkt
einer Kette von Disziplinlosigkeiten, die schließlich den Anlass
für die Trennung gab. Nur ein Jahr hat er es bei uns ausgehalten,
er kam ja erst in der letzten Winterpause. Es wäre also gut, wenn
man ihn baldmöglichst von der Gehaltsliste streichen könnte,
aber welcher Verein nimmt einen Spieler, der jetzt schon das dritte Mal
hintereinander aufgrund solcher Vorkommnisse auf sich aufmerksam macht
(vorher in Cottbus und Koblenz)? Wahrscheinlich würde er gut nach
Bonn und Ex-WSV-Trainer Wolfgang Mini-Messias Jerat passen,
aber bei seinem Selbstverständnis wird Sahin wohl kaum in die 5.Liga
wechseln, sondern lieber erstmal seinen Vertrag aussitzen. Naja, vielleicht
erbarmt sich ja noch ein Verein
So reiste Fortuna zum Herbstmeister und Tabellenführer Paderborn,
gleich mal ohne Lawaree, ohne Sahin, ohne die schon länger verletzten
Hampel und Christ und auch ohne Hamza Cakir, der schon seit Wochen gesundheitlich
durchhängt, gar nicht mehr regelmäßig trainiert und sich
am Wochenende doch immer auf den Platz gequält hatte. Immerhin konnte
Olivier Caillas nach seiner Sperre wieder eingesetzt werden. Paderborn
auch nicht grad in der Form ihres Lebens, bevor wir uns in Bremen blamierten,
sorgten die für eine nicht minder gute Lachnummer und verloren bei
Wacker Burghausen, damals Drittletzter. In der Woche danach verballerten
sie gegen den Tabellenvorletzten Stuttgarter Kickers auch alles, was ihnen
vor die Flinte kam, aber und das macht wohl ein Spitzenteam aus
sie trafen in der 86. und 91. Minute dann doch noch zum Sieg. Wenn
man allerdings die Formkurve der Fortuna betrachtet sowie die Liste der
Ausfälle bzw. Alternativen, die dem Trainer zur Verfügung standen,
dann war Paderborn natürlich klarer Favorit. Aber was kümmert
uns das zum Jahresausklang waren es noch einmal 3.000 Fortunen,
die sich aufmachten, die nagelneue paragon arena zu rocken.
Für mich begann der Tag mit einer kurzen Fahrt mit der Deutschen
Bahn von Bonn nach Köln, um dort ins Auto umzusteigen. Die Bahn zeigte
auch sogleich, dass sie für den Kundenansturm bestens gerüstet
war: letzter verkaufsoffener Samstag vor Weihnachten, alleine in Köln
wurden 1,2 Mio. Besucher erwartet, entsprechend sah es auch auf dem Bonner
Hauptbahnhof aus. Um 9.32 Uhr sollte die Regionalbahn nach Köln abgehen.
Vier Minuten vorher ließ das serviceorientierteste Unternehmen Deutschlands
einen IC, der auch in Köln gehalten hätte, ohne Hinweis ganz
normal abfahren. Eine nicht unbedeutende Menschenmenge wartete sodann
am Bahnhof auf die Regionalbahn. Dazu wurde erstmal nichts gesagt, erst
als die Bahn bereits fünf Minuten überfällig war, erschallte
die Durchsage, dass sie 25 (!) Minuten Verspätung haben würde.
Die hatte die Bahn sich wohl unmittelbar vor dem Bonner Hauptbahnhof zugezogen,
anders ist die Unverschämtheit dieser Durchsage nicht zu erklären.
Das Ganze fünf Minuten vor der Ankunftszeit durchgesagt, und man
hätte einen Teil der Menschenmasse für die eine Station auch
im IC mitfahren lassen können, aber das wollte man offenkundig nicht.
Nicht dass die mit ihren ekligen Nahverkehrstickets sich plötzlich
alle Mann in einem waschechten Qualitätszug tummeln! Und um das auch
gleich klar zu stellen, galten die Fahrkarten des Nahverkehrs für
den unmittelbar darauf folgenden IC, der ebenfalls über Köln
fuhr, selbstverständlich nicht. Während ein Großteil der
Fahrgäste anscheinend selten mit der Bahn fährt und daher aufgrund
der Durchsage noch etwas ungläubig guckte, sprintete ich zum Fahrkartenautomaten
durch, schob alles beiseite, was auch nur entfernt danach aussah, es mir
gleichtun zu wollen und zog mir noch eine IC-Fahrkarte. Bei drei Automaten
am Bahnsteig dürfte dies somit auch genau drei Leuten gelungen sein,
denn kaum war ich damit durch, kam der Zug auch schon. Der Rest der Meute
durfte dann halt noch ein wenig länger warten. Ich kam immerhin halbwegs
pünktlich in Köln an. Dass ich dafür 9,40 € löhnen
musste, die ich nicht ersetzt bekomme, während ich für die Regionalbahn
bereits bezahlt habe, weil ich ein Job-Ticket besitze, wird die Bahn sicherlich
wenig kümmern. Kommen Sie, wann Sie wollen wir fahren, wann
wir wollen!
Weiter ging es ab Köln mit dem Auto, über die A 1. Die serviert
einem in den Bereichen Remscheid, Wuppertal und noch ein Stück weiter
dann drei Großbaustellen vom Feinsten. In der Woche zuvor, bei der
Fahrt nach Bremen, konnten wir die noch ganz gut umfahren, indem wir damals
von der A 2 auf die A 43 wechselten, die erst im Autobahnkreuz Münster-Süd
wieder auf die A 1 trifft. Übrigens, nur um dann festzustellen, dass
sich auf dem weiteren Weg nach Bremen (für den Fachmann: Lohne/Dinklage)
eine weitere Mörder-Baustelle befindet, die im neuen Jahr bestimmt
noch für mächtig viel Spaß sorgen wird. Zusammenfassend
kann man sagen: wer auf der A 1 von Remscheid bis Bremen fährt, fährt
eigentlich permanent in einer riesigen Baustelle. Ich weiß nicht,
wer sich so etwas ausdenkt, aber ich bin sicher, diejenigen lachen sich
insgeheim halbtot über diese gelungene Planung. Schadenfreude ist
bekanntlich die schönste Freude.
Am Kreuz Dortmund/Unna gelangten wir dann m strömenden Regen auf
die A 44, welche man am Weltkreuz Wünneberg/Haaren dann auf die A
33 in Richtung Paderborn verlässt. Und direkt an der Abfahrt Paderborn-Elsen
sieht man dann schon die neue Arena stehen. Ich hielt sie von weitem erst
für die öffentliche Schwimmhalle oder eine sonstige kommunale
Einrichtung, bei näherer Anfahrt aufgrund der ganzen Werbebanner
dann für das Lager des direkt daneben gelegenen Möbelhauses
Finke, welches den Bau ja auch bezahlt hat. Wellblech, so weit das Auge
reicht. Recht erheiternd wirken die zwei Privathäuschen, die mitten
auf dem Gelände des Parkplatzes P 1 stehen. Da war wohl irgendjemand
nicht bereit, sein Grundstück für diesen sehr nützlichen
Bau abzutreten, da musste man den Parkplatz einfach drum herum bauen.
Ein etwas skurriler Anblick.
Innen drin wurde es dann aber noch merkwürdiger. Zunächst einmal
scheint man in Paderborn den Begriff eng etwas missverstanden
zu haben. Liebe Bauherren: ein enges Fußballstadion
ist eins, in dem die Zuschauerränge unmittelbar bis ans Spielfeld
reichen, und die Oberränge eine gewisse Steilheit aufweisen, damit
man auch in der letzten Reihe nicht das Gefühl hat, sichttechnisch
auf dem Mond zu sitzen. Gut, Ersteres ist bei euch vorhanden, Letzteres
habt ihr genial dadurch umgegangen, dass es bei euch gar keine Oberränge
gibt, wozu auch, bei einem Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern.
Soweit ist das also alles okay. Aber: eng bedeutet nicht,
dass man auf der Haupttribüne eine Beinfreiheit von gefühlt
20 cm hat, und die Reihen nur an einer Seite über einen Aufgang verfügen.
Viel Spaß bei einer Massenpanik, wenn der Mensch auf dem letzten
Platz in der Reihe feststellt, dass er an seiner Seite gar nicht rauskommt.
Eng bedeutet auch nicht, dass es im Gästeblock genau
drei Ausgänge für 3.000 Leute gibt. Okay, so viele waren niemals
zuvor da, aber das Stadion ist doch für so viele ausgelegt oder irre
ich mich da? Eng bedeutet auch nicht, im gesamten Gästebereich
einen einzigen Imbissstand hinzustellen, getreu dem Motto, dass dann allen
schön warm wird, wenn man so kuschelig beieinander steht. Auch hier
fragt man sich unwillkürlich, was wohl passieren mag, wenn da mal
flugs evakuiert werden müsste. Ich frage mich darüber hinaus,
wer diese Bude sicherheitstechnisch abgenommen hat. Wenn man bedenkt,
dass eine Handvoll Anwohner, deren Grundstücke man beim Bau anscheinend
übersehen hatte, ausreichte, um per Einstweiliger Verfügung
einen zweijährigen Baustopp zu erwirken, was im Umkehrschluss bedeuten
dürfte, dass bei Erteilung der Baugenehmigung nicht ganz so sorgfältig
hingeschaut wurde, drängt sich einem unwillkürlich der Gedanke
auf, dass die sicherheitstechnische Abnahme wohl auch eher nebenan in
der (sehr guten!) Caféteria des Möbelhauses Finke über
die Bühne gegangen sein könnte. Hinzu kam eine ziemliche Desorientierung
des Ordnungspersonals, welches mit der Masse von 13.300 Zuschauern sichtlich
überfordert war. Vorab, es gab keinerlei Randale oder ähnlichen
Ärger, man war der Jahreszeit angemessen durchaus friedvoll gestimmt,
dennoch verloren die Ordner den Überblick, pferchten in einen bereits
ausverkauften und besetzten Gästeblock noch weitere Fans, schickten
uns auf der anderen Seite vor den Eingängen von Pontius nach Pilatus,
einmal sogar wirklich von links nach rechts und am dortigen Eingang wieder
zurück nach links, ich dachte mittlerweile ernsthaft, ich wäre
bei Loriot gelandet, kurzum: Das Personal selbst richtete ein ziemliches
Chaos an, schon ein kleines Wunder, dass unter diesen Umständen nicht
mehr passierte.
Was sie bei der Organisation an klaren Strukturen vermissen ließen,
gedachten sie dann aber im Stadion gleich doppelt nachzuholen. Ein Heimspiel
beim SC Paderborn scheint ein einziges Kommerzevent zu sein. Gut in Erinnerung
bleibt besonders dieser elektronische Gong, mit dem angekündigt wird,
dass sich etwas Neues auf der Anzeigetafel getan hat. Dies ist ja nicht
ganz uninteressant, wenn Zwischenergebnisse aus anderen Stadien eingeblendet
werden. Denselben Ton nutzt man allerdings auch dazu, um mal anzuzeigen,
dass nur noch fünf Minuten zu spielen sind, oder dass die Ecken,
Gelben Karten und wahrhaftig auch die Freistöße von irgendeinem
Sponsor präsentiert werden. Viele Pluspunkte sammeln sie auch in
puncto Selbstbeweihräucherung, allen voran der Stadionsprecher, der
einen im schönsten Stadion Deutschlands begrüßt
und auch ansonsten eine Menge Stuss auf Lager hat. Die fünf Männeken,
die vor der Partie mit Großfahnen auf dem Rasen mal kurz den Kasper
machen, werden anscheinend traditionell nach ihrem Tipp befragt, da war
gegen uns alles dabei von 3:0 bis 7:3, auf jeden Fall eine glasklare
Angelegenheit. Die Stadionanlage ist unverhältnismäßig
laut und wurde gerne auch ein wenig lauter gedreht, wenn die Fortuna-Fans
sich einsangen, damit man nicht so genau hören konnte, dass 3.000
Gäste im Stadion waren, die um einiges lauter waren als die 10.000
Heimfans. Ein besonderer Höhepunkt waren die Vereins- bzw. Stadtlieder.
Selten habe ich so etwas gehört, selbst das Karnevalsgejohle, aus
dem beim 1.FC Köln eine solche Stadionmusik besteht,
wurde locker von diesen Schmachtfetzen übertrumpft. Mir persönlich
hatte es besonders das Vereinslied angetan, ein wahres Kleinod rein deutscher
Volksmusik. Kostprobe aus dem Refrain gefällig? Paderborn,
erhebe dich und lauf; Paderborn, denn Helden geben nie auf. Da wundert
es auch nicht, dass in der zweiten Strophe tatsächlich die Textzeile
Tränen, Schweiß und Blut
vorkam. Ich
weiß ja nicht, wer dieses Pamphlet verfasst hat, tippe aber auf
einen 80jährigen Großbauern, der noch in alten Zeiten schwelgt.
Ich habe schon viel Unfug gehört, was so genannte Vereinshymnen
betrifft, aber dies war definitiv die Krönung.
Nachdem der Stadionsprecher dann auch noch die anwesende Mutter des Präsidenten
und Hauptsponsors aufs Herzlichste begrüßt hatte (die hätte
man mal zu dem Verfasser der Vereinshymne befragen können, ich wette,
sie kennt den noch persönlich), nachdem man auf der Anzeigetafel
bei den Ersatzspielern der Fortuna mit der Nummer 2 nicht Bruno Custos,
sondern Ken Asaeda eingeblendet hatte (an dieser Stelle ein schöner
Gruß nach Aschaffenburg, da spielt Ken nämlich, und das nicht
erst seit gestern), nachdem auf der Gegentribüne noch das Transparent
eines echten Weltvereins ausgerollt wurde Die SG Druffel gratuliert
euch zur Herbstmeisterschaft, und nachdem musikalisch auch die letzten
Bluts- und Schweißtropfen sowie Tränen vergossen worden waren,
konnte es dann auch losgehen. Zusammenfassend kann ich somit nur sagen:
ohoh, was habt ihr da nur angerichtet? Es hätte doch ein so schönes
Stadion werden können. Naja, wenns dem gemeinen Ostwestfalen gefällt
Die anwesende Fortuna-Schar hatte das Team nach der desolaten Vorstellung
von Bremen mit Wir wolln euch kämpfen sehn!-Schlachtrufen
begrüßt und zwar schon beim Warmlaufen. Das schien das
ein oder andere Spielerohr erreicht zu haben, und zwar nicht nach dem
Motto Zum einen Ohr, zum anderen wieder raus. Und so bleibt
zum Jahresabschluss doch der Eindruck einer vorbildlichen Leistung in
allen Bereichen: die Fans standen die gesamten 90 Minuten hinter der Mannschaft
und schafften es des Öfteren, das zahlenmäßig dreimal
stärkere Heimpersonal in Grund und Boden zu singen; und das Team
riss sich endlich mal wieder den Allerwertesten auf und kämpfte mit
dem quasi letzten Aufgebot (mit Walbaum und Schwertfeger wieder zwei Spieler
aus der Zweiten Mannschaft auf der Bank) den Tabellenführer nieder.
Einziger Schönheitsfehler: es fielen keine Tore. Somit wurde es ein
0:0, ein achtbares Ergebnis, eigentlich zwar zu wenig, aber für die
derzeitige Situation ein Hoffnungsschimmer, dass im nächsten Jahr
vielleicht doch noch etwas geht.
Bezeichnend für das Spiel war, dass Paderborn in der zweiten Halbzeit
keine echte Torchance mehr hatte, von einem 16-m-Schuss von Stürmer
Löning mal abgesehen, die Kugel flog allerdings recht großzügig
weit über das Tor. Die Fortuna-Abwehr stand endlich mal wieder relativ
sicher, auch in der ersten Halbzeit hatte man nicht viel zugelassen. Ein
abgefälschter Freistoß, den Melka hervorragend parieren konnte,
ein Schuss von Kumbela über das Tor, als sich die Abwehr einmal mit
dem gefürchteten Kurzpassspiel der Gastgeber aushebeln ließ
(was Melka dazu animierte, nach der vergebenen Chance dreißig Meter
aus seinem Tor zu laufen und Kapitän Lambertz lautstark zusammenzufalten,
weil dieser mit seinem Ballverlust die Chance erst ermöglicht hatte),
einmal verpasste Löning ganz knapp eine Flanke von Kumbela
das war es aber auch schon. Auf der Gegenseite hätte einer das Spiel
schon in der ersten Halbzeit entscheiden können, es war der eben
noch gemaßregelte Andy Lambertz. Ein erster Schuss vom der Strafraumgrenze
rutschte ihm noch über den Schlappen, den nächsten bekam er
passgerecht serviert, und zwar von einem Paderborner Abwehrspieler, der
einen spektakulären Verstolperer am eigenen Strafraum praktizierte.
Lambertz strebte allein aufs Tor zu, setzte den Ball dann aber knapp am
rechten Pfosten vorbei. Kurz darauf eine nahezu identische Szene, bei
einem Pass in die Spitze auf Kastrati wurde dieser festgehalten und zu
Boden gerissen, alles wartete auf den Pfiff des Schiris, doch der ließ
Vorteil laufen, Lambertz wieder völlig frei im Sechzehner, aber dann
verstolperte er in bester Thekenmannschaftsmanier, anstatt quer auf den
noch freier stehenden Cebe zu passen (was der allerdings daraus gemacht
hätte, bei seinem Faible für Großchancen in der Hinrunde,
darüber könnte man natürlich spekulieren
). Insgesamt
zeigte sich auch unser Kapitän deutlich verbessert, in solchen Szenen
merkte man allerdings recht deutlich, dass er noch längst nicht wieder
der alte ist.
Und auch der Trainer überraschte. Hatte ich nach seiner Aufstellung
beim Tabellenletzten Bremen insgeheim damit gerechnet, dass er beim Tabellenführer
dann wahrscheinlich ein 10-0-0-System präsentieren würde, so
wurde ich angenehm überrascht, mit Kastrati und Jovanovic immerhin
zwei nominelle Stürmer auf dem Platz zu finden. In der zweiten Halbzeit,
als Paderborn gar nichts mehr gelang, ging er sogar so weit, für
den angeschlagenen Verteidiger Halet mit Heidinger einen dritten Stürmer
einzuwechseln und die Vierer-Abwehrkette aufzulösen! Dies wurde von
Heimtrainer Pavel Dotchev natürlich postwendend gekontert, indem
er nur eine Minute später mit Güvenisik ebenfalls seinen dritten
Stürmer einzuwechseln, aber es passierte nichts mehr. Ein sehr verdientes
Unentschieden in Paderborn, mit ein bisschen Glück wäre sogar
mehr drin gewesen. Bleibt die Frage, warum man nicht derart konzentriert
und mit solcher Leidenschaft in Bremen aufgetreten war. Dann würde
man jetzt der Konkurrenz nicht ganz so arg hinterher hecheln.
Einen hab ich noch vom Spielfeldrand: der Schiri, der von einigen Fans
nach dem Spiel arg als Heimschiri bezeichnet wurde, was ich nicht ganz
nachvollziehen kann, ich fand ihn wohltuend zurückhaltend und eigentlich
immer auf Ballhöhe, pfiff die zweite Halbzeit zwei Minuten zu früh
an (er pfiff auch beide Hälften überpünktlich ab, hatte
wohl noch einen wichtigen Termin). In meinem Bereich der Haupttribüne
ergab sich daraus ein Strom verärgerter VIP-Bereich-Besucher, die
zu spät kamen, weil der gute Mann sie wohl noch in ihrer Nahrungsaufnahme
gestört hatte. Einige beklagten sich sogar lauthals darüber.
Fand ich köstlich. Aber die sahen sowieso nicht danach aus, als ob
sie sich dafür interessierten, bei welcher Sportart sie sich befanden.
Weniger köstlich war, dass mich ein Ordner nach dem Spiel nicht in
den Nachbarblock an den Würstchenstand ließ. In meinem Bereich
gab es so etwas nicht, denn direkt hinter mir befand sich der VIP-Raum.
Tja, und wer da sitzt und sich keine VIP-Karte kauft, der soll dann halt
hungern, so habe ich das verstanden. Vielleicht durften sie auch einfach
kein Geld mehr einnehmen, es geht ihnen ja finanziell auch so schon gut
genug. Da kann der Service schon mal auf der Strecke bleiben.
Und das war das Kalenderjahr 2008 für die Fortuna. Weiter geht es
in der Liga am 06.02.2009 (Freitag) mit dem Heimspiel gegen die Stuttgarter
Kickers. Zuvor gibts noch das ein oder andere Turnier-Geplänkel,
so auch zum dritten Mal den heimischen Winter-Cup in der LTU-Arena.
Am 24.01.09 erscheinen neben Fortuna der 1.FC Köln, der MSV Duisburg
und Hertha BSC Berlin. Eine Woche später wird es schon wieder Ernst,
am 31.01.09 tritt die Fortuna zum FVN-Pokal-Viertelfinale an, ausgerechnet
in Essen bei RWE. Das wird bestimmt auch wieder eine lauschige Veranstaltung
und ein dicker Brocken dazu.
Fortuna beendet das Kalenderjahr 2008 nach 20 Spieltagen als Tabellen-Vierter.
Es sind acht Punkte auf Paderborn, sechs auf Union Berlin und vier auf
Kickers Emden. Das wird Schwerstarbeit, da im neuen Jahr noch mal ran
zu kommen, aber man gibt die Hoffnung natürlich nie auf. Union Berlin
und Kickers Emden müssen beide noch in die LTU-Arena und natürlich
besteht die Hoffnung, dass die Mannschaft ihre Krise mit dem Spiel in
Paderborn endlich ausgelebt hat. Ansonsten könnte es auch ganz schnell
ganz langweilig werden in der Rückrunde. Es kann eigentlich nur etwas
gehen, wenn der ohnehin dünne Kader von weiteren schweren Verletzungen
verschont bleibt, wobei wir die Hypothek Lawaree jetzt schon mit ins neue
Jahr nehmen. Ob noch Verstärkungen in der Winterpause möglich
sind, weiß ich nicht. Vielleicht sollte man auch einmal die Trainingsmethoden
überdenken, denn wenn tatsächlich schon jeder Feldspieler des
Kaders in der Hinrunde mindestens einmal verletzt war, dann wird es langsam
schwer, dies einfach mit dem Begriff Seuche abzutun, dann
stimmt grundsätzlich etwas nicht. Wenn alle topfit zur Rückrunde
(bzw. schon zum Pokalspiel in Essen) antreten und aus ihren Köpfen
die letzten Spiele dieses Jahres verdrängt haben, dann könnte
noch was gehen. Man darf gespannt sein.
Aber es gab zum Schluss nicht nur Negatives. Die zweite Mannschaft der
Fortuna, in der neuen NRW-Liga (die Zusammenlegung der Oberligen Nordrhein
und Westfalen) zum Klassenerhalt angetreten, mischte den Laden zum Schluss
ganz gehörig auf und steht nach 13 Spielen in Folge ohne Niederlage
plötzlich auf Aufstiegsplatz 2. Eine hervorragende Leistung der Jungs
um Trainer Goran Vucic, die auch nicht dadurch geschmälert wird,
dass der Tabellendritte Westfalia Herne noch ein Spiel weniger hat und
mit einem Sieg wieder vorbeiziehen könnte. Damit hatte niemand auch
nur annähernd gerechnet, aber die Jungs machen viel Spaß in
dieser Saison, und mir macht es viel Spaß, mir vorzustellen, dass
die quasi aus Versehen aufsteigen könnten, um dann in
der nächsten Saison gegen die Erste von RW Essen zu spielen. Und
gegen die des Wuppertaler SV, die haben es nämlich rechtzeitig zum
Jahresende auf einen Abstiegsplatz geschafft. Könnte also noch lustig
werden.
Schließen möchte ich mit zwei Ausblicken. Zum einen sagt ein
Blick auf die drei Regionalligen, mit wem man in der nächsten Saison
in der 3. Liga so rechnen darf, da ja in der Regionalliga nur Platz 1
den Aufstieg bringt. In der Regionalliga West führt der 1. FC Kaiserslautern
II die Tabelle jetzt schon mit acht Punkten Vorsprung an, vor Borussia
Dortmund II. Die nachfolgenden Vereine RW Essen und SC Verl haben schon
11 Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz. Und im Süden führt
Eintracht Frankfurt II mit zwei Punkten Vorsprung und einem Spiel weniger
vor Hessen Kassel, gefolgt von Nürnberg II. Ob ich da wissen möchte,
wem man beim DFB die Daumen drückt? Das wird bestimmt eine tolle
Ergänzung des Premiumprodukts 3. Liga. Einzig im Norden haben die
Zweitvertetungen nichts zu melden, dort bahnt sich ein spannender Dreikampf
zwischen Holstein Kiel, dem FC Magdeburg und dem Halleschen FC an. Mal
sehen, ob der DFB da nicht noch schnell die ein oder andere Lizenz entziehen
kann, wenn es mit dem Aufstieg wirklich Ernst werden sollte
Zum anderen wurden im November die Fernsehrechte für die Erste und
Zweite Liga für die nächsten vier Jahre vergeben, inklusive
kleinerer Neuregelungen, was Spieltage und Anstoßzeiten betrifft.
Gut, Erste Liga endlich mal auf Landesliganiveau sonntags ab 15.30 Uhr
so viel Selbsterkenntnis hätte ich den Funktionären gar
nicht zugetraut. Aber auch zu weiteren alten und neuen Festlegungen
u.a. 2.Liga-Spiele freitags ab 18.00 Uhr, samstags ab 13.00 Uhr
fällt mir eigentlich nur Folgendes ein: wenn früher gesagt wurde,
man könne ja mal mittwochs um 11.30 Uhr in der 2. Liga antreten,
dann war das ein Riesen-Gag. Heute sage ich: gebt der DFL noch vier, fünf
Jahre
In diesem Sinne, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins
neue Jahr wünscht:
janus
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