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Weiter gehts in Liga 3! 23.-26.
Spieltag
Und weiter geht`s in der 3. Liga!
Am 22.02.2009, Karnevalssonntag, wurden die süddeutschen Wochen fortgesetzt.
Fortuna reiste nach Unterhaching, die dortige Spielvereinigung zu diesem
Zeitpunkt durchaus als Verfolger im Nacken wahrnehmend. Leider bedeutete
Süddeutschland zu Beginn dieses Jahres eigentlich nur, dass es andauernd
schneite. Die Tage vor diesem Spiel waren keine Ausnahme. Für den
Rasen in Unterhaching war dies kein Problem, der verfügt über
eine entsprechende Heizung. Die Zuschauerränge und Anfahrtswege eher
weniger. Und so hub in der Woche vor dem Spiel das große Schneeschippen
an, denn Unterhaching wollte die Partie unbedingt austragen. Selbst am
Samstag vor dem Spiel holte man sich willige Fans, um die Ränge freizuschaufeln.
Und es gelang, man musste zwar einige Tribünenteile sperren, aber
ein ausverkauftes Haus hatte eh niemand erwartet, zu Recht, es waren schließlich
3.000 Zuschauer, darunter knapp 500 Fortunen, anwesend. Und während
sich rund um den Rasen die Schneewälle türmten, erstrahlte das
Geläuf in doch ziemlich beeindruckendem Grün. Es konnte also
tatsächlich los gehen.
Karnevals-Pleite
Es folgte eine unnötige 1:2-Niederlage der Fortuna im Generali-Sportpark.
In der 2. Halbzeit hatte man durchaus die Gelegenheit, zumindest einen
Punkt mitzunehmen. Verspielt wurde ein Erfolgserlebnis mal wieder in der
1. Halbzeit, als man sich binnen drei Minuten zwei Gegentreffer fing,
beide durch Hachings Torjäger Fink erzielt. Beim ersten Treffer profitierte
er noch von der reichlich fragwürdigen Entscheidung des Schiedsrichters,
der nach einem Zusammenprall zwischen Rathgeber und Torwart Melka zur
Überraschung vieler einfach mal auf Elfmeter entschied, obwohl sich
selbst die Hachinger schon auf Abstoß eingestellt hatten. Fink verwandelte
souverän (27.) und war kurz darauf erneut zur Stelle, um einen Pfostentreffer
von Rathgeber im Nachschuss einzunetzen. Hierbei wirkte die gesamte Abwehr
ein wenig desorientiert, insbesondere Abwehrchef Langeneke, ansonsten
die Übersicht in Person, musste sich in dieser Situation fragen lassen,
ob er schon auf dem Rasen festgefroren war. Er vertändelte auf der
rechten Abwehrseite leichtfertig den Ball, den er wohl ins Toraus rollen
lassen wollte. Aus der anschließenden Flanke resultierte der Pfostentreffer
von Rathgeber, den Abstauber machte Fink dann rein. Zwei Gegentore binnen
zwei Minuten, auch bei uns nicht unbedingt alltäglich.
In der zweiten Halbzeit machte Fortuna auf und drängte den Gegner
hinten rein. Belohnt wurde dies bereits in der 54. Minute, als Marco Christ
mit einem Freistoß aus 16 Metern in den Winkel den Anschlusstreffer
markieren konnte. Fortuna drückte weiter und hatte die große
Möglichkeit zum Ausgleich, als Kadah nach gut einer Stunde am 5-m-Raum
gut frei gespielt wurde und zum Schuss kam, aber den Ball nicht voll traf.
Anschließend ging es munter hin und her, da auch Haching gute Konterchancen
hatte. Cebe und Kadah hatten noch Möglichkeiten für Fortuna,
während bei Haching unter anderem Zillner einen Alleingang auf Torwart
Melka damit abschloss, den Ball in den Münchner Winterhimmel zu befördern,
anstatt den mitgelaufenen Copado zu bedienen. So blieb es am Ende bei
einer unnötigen Niederlage, auch die Rote Karte für Hachings
Suslak kurz vor Schluss änderte daran nichts mehr.
Fortuna musste Platz 3 wieder an Emden abgeben, das gegen Jena gewann,
und hatte nun auch noch Unterhaching im Nacken, das mit einem Sieg in
seinem Nachholspiel sogar noch hätte vorbei ziehen kann. Es war die
fünfte Niederlage im fünften Sonntagsspiel der Saison. Es gibt
halt Serien, die braucht kein Mensch, aber so etwas fällt ja bald
schon unter running gag.Unterhaltsamer Nachmittag
Am letzten Tag des Februars 2009 spielte Fortuna gegen den SV Sandhausen.
Gegen die hatte man im Hinspiel 0:2 verloren, außerdem reiste Sandhausen
mit dem Skalp des Top-Favoriten Paderborn an, den man in dieser Saison
gleich zweimal rasiert hatte. Nicht unbedingt von Nachteil war für
uns allerdings, dass die Sandhäuser neben ihrem Coup in Paderborn
zwei Wochen vor dem Spiel gegen uns noch kein Pflichtspiel im neuen Jahr
bestritten hatte, alle weiteren Partien waren ausgefallen. Dennoch natürlich
ein schwieriger Gegner, dessen Trainer im Interview vor dem Spiel auch
noch selbstbewusst verkündete, man sehe sich durchaus noch im Rennen
um Platz 4, was ja die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal bedeuten
würde. Nun, wie ein Tabellen-Vierter spielten sie nicht gerade, denn
da standen wir ja, und wir waren besser. Es wurde ein knapper, aber hoch
verdienter 3:2-Sieg der Fortuna vor 9.200 Zuschauern gegen die nickligen
Nachbarn von Dietmar Hopp, die holzten, was das Zeug hielt, nur um bei
Körperkontakt selbst tot umzufallen. Ein trauriger Auftritt der Kraichgauer,
die in ihren lichten Momenten durchaus einen ansehnlichen Ball spielten.
Aber was zum Teufel trainieren die bloß so unter der Woche?
0:1 in der 12. Minute durch Boskovic. Nach einem Freistoß legte
Langeneke unglücklich per Kopf vor, ein Sandhäuser legte per
Kopf zurück und Boskovic grätschte die Kugel und Deniz Kadah
aus ca. 30 cm Entfernung über die Torlinie. Überflüssig
wie ein Kropf, vielleicht sogar ein Foulspiel. Aber der Schiri gab den
Treffer, worüber wir im Nachhinein nicht undankbar sein sollten,
wie noch zu zeigen sind wird.
Was das Ganze richtig skurril machte: zum Zeitpunkt der Führung,
wie gesagt: 12. Minute, hatte Fortuna durch zweimal Christ, Sieger und
Hergesell schon vier Chancen vergeben. Besonders das Ding von Hergesell,
als er aus ca. acht Metern links im Strafraum die Kugel Richtung rechte
Ecke schlenzte, sahen viele schon drin, doch Sandhausens Keeper Gurski,
der einen guten Tag erwischt hatte, war rechtzeitig unten und konnte parieren.
Dann kam der erste Angriff der Sandhäuser aufs heimische Tor, und
schon war der Ball drin. Nicht dass wir so was nicht kennen würden,
aber es verblüfft doch immer wieder.
Noch merkwürdiger war allerdings das, was die Gäste anschließend
auf den Heiligen Rasen zauberten. Mit dieser Führung nämlich
stellte man sich auf eine 78minütige Abwehrschlacht ein und begann
mit unfassbarem Zeitschinden, während man selbst die Keule rausholte
und alles umgrätschte, was ihnen zu nahe kam. Den Höhepunkt
des schlechten Geschmacks stellte Roberto Pinto dar, der nach einer knappen
halben Stunde in Höhe der Mittellinie den sterbenden Schwan darbrachte
und für eine minutenlange Unterbrechung sorgte. In der Pause gab
es die Möglichkeit, sich diese Szene nochmals in der Fernsehaufzeichnung
anzusehen, und siehe da da war nix! Kein Foul, noch nicht einmal
ein Pressschlag. Herr Pinto hatte einfach den Ball verloren und dann gesehen,
dass er nicht mehr drankommen würde. Da hatte er es sich halt ein
wenig gemütlich gemacht. Schon traurig, was über 130 Bundesliga-Spiele
für Verwüstungen in puncto Spielkultur hinterlassen
können
Fortuna baute auch weiterhin Druck nach vorne auf, spielte jetzt schon
Powerplay und kam zu zahlreichen Chancen. Dennoch benötigte man die
Hilfe des unfassbar schlechten Schiri-Gespanns, um zum hoch verdienten
Ausgleich in der 39. Minute zu kommen: Jovanovic stürmt alleine auf
Torwart Gurski zu und wird im Strafraum von Leandro von hinten natürlich
wieder weg gegrätscht. Das Foul war wirklich für jeden sichtbar.
Elfmeter für Fortuna und als angenehmer Nebeneffekt Rot für
Leandro wegen Notbremse klare Angelegenheit. Bis auf eine Sache:
beim Pass von Caillas stand Jovanovic ebenso klar im Abseits, die Szene
hätte es somit gar nicht geben dürfen. Ein Geschenk des Schiedsrichtergespanns,
vielleicht auch ein wenig Retourkutsche dafür, dass sie beim Treffer
von Boskovic einfach mal internationale Härte unterstellt hatten.
Egal warum, Langeneke verwandelte souverän, und es ging mit einem
1:1 in die Pause.
Es war wohl die entscheidende Szene, die das Spiel kippte. Denn nach dem
Wechsel knipste man die Gäste ruckzuck aus, Doppelschlag binnen drei
Minuten, erst Kadah in der 48. Minute, nach Ecke und Kopfballverlängerung
Sieger prallt ihm die Kugel am 5-m-Raum gegen das Knie, er dreht sich
blitzschnell und zimmert den Ball unter die Latte. Hierbei ereignet sich
eine ungeheuerliche Szene: die Spieler jubeln an der Seitenlinie, in der
Nähe der Trainerbank, da kommt Trainer Norbert Meier dazu und kickt
den Torschützen in den Hintern! Gut, dass das der Schiri nicht gesehen
hat. Aber unser Coach hat Deniz Kadah nicht mit Albert Streit verwechselt,
es ist nur ein Ausdruck der Freude, dass Kadah sich von seiner vergebenen
Großchance in Unterhaching gut erholt hat. Der Rest der Mannschaft
anscheinend auch, denn in der 51. Minute setzt man noch einen drauf: Lambertz
krönt einen tollen Spielzug, den er selbst mit einem Zuckerpass auf
Jovanovic eingeleitet hat. Der lässt seinen Gegenspieler stehen und
anschließend aus 16 Metern ein richtiges Geschoss auf
das Sandhäuser Tor ab. Diesen Hammer kann Gurski noch hervorragend
parieren, aber Lambertz ist mitgelaufen und versenkt den Nachschuss ins
leere Tor. In den folgenden 10 Minuten hätte man die Gäste richtig
abschießen können, deren Trainer Dais sagte nach dem Spiel,
da wäre ihm Angst und Bange um sein Team gewesen. Binnen
kurzer Zeit hätte man zwei, drei Treffer nachlegen können. Natürlich
versäumte man es, den Sack zuzumachen, pennte mal kurz bei einem
Ballverlust im Mittelfeld, und Sandhausen machte mit der zweiten Chance
durch Pinto das 2:3 (66.). Der Ex-Bundesliga-Spieler wurde mit einem langen
Pass schön ins Szene gesetzt und konnte Melka ganz routiniert tunneln.
Somit zitterte man wieder bis zum Schluss, zumal es der Schiri versäumte,
kurz vor Schluss das reguläre 4:2 durch Terodde anzuerkennen, dieser
es anschließend versäumte, das leere Tor zu treffen, und der
Schiri nochmals anschließend nicht noch mindestens zwei Sandhäuser
Holzhacker vorzeitig zum Duschen schickte. Dies tat er dann in der 90.
Minute mit Kadah, der nach einem Schlappen draufhalten Gelb/Rot
sah eine durchaus vertretbare Entscheidung, aber wenn es dafür
einen Platzverweis gibt, hätte Sandhausen das Spiel auch nur mit
7 Mann beenden dürfen. Für meinen Blutdruck bleibt zu hoffen,
diesen Schiri in dieser Saison nicht mehr bei Fortuna sehen zu müssen.
Der traute sich eindeutig nicht, bei den Gästen mal richtig durchzugreifen,
ließ eine Menge Tritte in die Knochen von hinten ungeahndet, zeigte
aber unter anderem einmal Gelb wegen Meckerns und einmal wegen Ballwegschießens.
Somit durchaus eine Gesundheit gefährdende Leistung des Unparteiischen.
Nach dem Spiel ging es dann noch weiter. So kam vor der Pressekonferenz
der Manager der Fortuna, Wolf Werner, auf seinen Gegenüber aus Sandhausen
zu und sagte zu diesem: Ihr habt aber wirklich jeden Konter mit
Foul unterbunden, das war schmutziger Fußball! Reaktion seines
Ansprechpartners: breites Grinsen sowie die Antwort: Ja, war doch
gut, oder? Ich dachte, ich hätte mich verhört, aber dem
war leider nicht so.
Da wollte dann auch Fortuna-Trainer Norbert Meier nicht mehr zurück
stehen. In der Pressekonferenz sprach er von einem hoch verdienten
Sieg, was zweifellos richtig war. Anschließend sagte er dann
noch, dass er und sein Trainerstab eher Sorge hatten, dass sich das Team
von den Schauspieleinlagen der Gäste zu sehr provozieren lassen würde.
Und das, obwohl: Wir hatten davor gewarnt, wir wussten, was auf
uns zukommen würde. Das war dem gegnerischen Trainer dann aber
auch keinen Handschlag am Ende der Konferenz mehr wert. Verständlich,
aber wenn er sich danach das Spiel noch einmal auf Video angeschaut hat,
muss er rein objektiv festgestellt haben, dass unser Trainer nicht übertrieben
und auch nichts durch die rot-weiße Vereinsbrille gesehen hatte.
Das war zum Teil abenteuerlich erbärmlich, was seine Schützlinge
da auf dem Rasen ablieferten. Eigentlich unverständlich, denn wie
gesagt, ab und zu zeigten sie, dass sie durchaus die Sportart beherrschten,
um derentwillen sie eigentlich angereist waren. Wahrscheinlich kam ihr
Führungstor doch viel zu früh für sie selbst.
Fortuna mit diesem Sieg wieder oben dran. Und dann man grad so schön
dabei war, machte man gleich mit dem Süden weiter und absolvierte
eine weitere Fahrt ins Neuland.
Ausflug in die Stadt der Wunder
Am 07.03.09 spielten wir beim SSV Jahn Regensburg. Zu diesem Zeitpunkt
war dies die Mannschaft mit den wenigsten Pflichtspielen im Jahr 2009
im deutschen Profi-Fußball. Ein ganzes Spiel hatten die bis dato
absolvieren können, der Rest war ausgefallen. Außerdem eine
in den letzten Jahrzehnten eher unbekannte Gegend, wenn es um Meisterschaftsspiele
der Fortuna ging. Daher dachte ich, es könnte sich lohnen, bereits
einen Tag vorher anzureisen, und die Domstadt einer genaueren Besichtigung
zu unterziehen. Es lohnte sich sehr wohl, auch wenn es mit diversen merkwürdigen
Begebenheiten verbunden war. Zunächst traten wir die Reise bereits
am Freitag Vormittag an und rauschten ohne Aufenthalt durch bis zu einer
Pause an der Raststätte Jura West in Velburg. Klingt jetzt nicht
besonders dolle, hat aber schon eine 9er-Postleitzahl und ist somit Bayern.
Dort überraschten die Toiletten. Nicht dass ich an deutschen Raststätten-Toiletten
im Laufe der Jahrzehnte noch irgendetwas überraschend finden würde
vielmehr war es die doch eher ungewöhnliche Space-Trance-Musik,
die dort aus den Lautsprechern erschallte, die mich zu heftigem Stirnrunzeln
veranlasste. Man lief bei diesem Gedudel nämlich akut Gefahr, am
Urinal stehend einzupennen. So etwas habe ich noch nicht gehört,
und ich warte nunmehr auf die ersten Toiletten mit Walgesängen.
Übrigens, das mit dem ohne Aufenthalt bei der Anreise
klingt auch nicht besonders dolle, war es aber doch. Davon können
diejenigen berichten, die sich am Samstag Vormittag auf den Weg nach Regensburg
machten. Eigentlich ist dieser Weg ja berauschend einfach. Irgendwo in
NRW auf die A 3 fahren und in Regensburg wieder runter. Dass einige Fans
ganz andere Dörfer in Bayern auch aus der Nähe kennen lernten,
lag an Würzburg. Dort befinden sich derzeit zwei große Baustellen,
am Samstag war man großzügig und packte noch eine Tagesbaustelle
dazu. Das Ergebnis waren bis zu 22 km Stau rund um Würzburg am Samstag
Mittag! Die meisten konnten diesen, so er denn rechtzeitig gemeldet wurde,
eigentlich ganz gut umfahren, lernten dabei noch die Schönheiten
Bayerns auf dem Lande schätzen. Diejenigen, die im Stau drin steckten,
hatten diese Chance leider nicht, es kamen etliche Leute erst 30 Minuten
nach Anpfiff ins Stadion. Dagegen hatten wir am Freitag eine Traumanreise,
da war nämlich noch alles frei.
In Regensburg angekommen, bereicherten wir den örtlichen Verkehrsfluss
rund um den Hauptbahnhof zunächst mit drei sehenswerten U-Turns auf
der Hauptstraße, denn das Hotel lag zwar gut sichtbar an einer Straßenecke,
die Zufahrt zum Parkplatz des Hotels hingegen gut versteckt in einer Seitengasse
im Wohngebiet. Aber auch dies wurde gemeistert. Beim Einchecken registrierten
wir amüsiert, dass die Dame an der Rezeption reichlich erstaunt über
doch schon so einige Gäste aus dem Düsseldorfer Umfeld war.
Von einem Fußballspiel am nächsten Tag wusste sie nichts. Kurz
darauf wunderten wir uns über gar nichts mehr: Nach Besichtigung
des Regensburger Doms stießen wir in der ersten Brauerei am Platze
auf Bekannte, die vor uns dort eingetroffen waren. Diese waren kurz zuvor
bei der Touristeninformation gewesen, um Stadtpläne abzustauben.
Als sie ein Schild sahen, wonach dort auch Tickets für Sportevents
verkauft wurden, fragten sie natürlich sofort nach Karten für
das Spiel gegen Fortuna, denn sie hatten noch keine. Antwort der Dame
hinterm Tresen: Was für ein Spiel? Diese Reaktionen mögen
verdeutlichen, dass in Regensburg kaum einer merkt, wenn die heimische
Mannschaft im Premiumprodukt 3. Liga anzutreten pflegt. Wobei ich fairerweise
sagen muss: es ist natürlich möglich, dass mich im Brauhaus
oder im Hotel der ein oder andere Einheimische auf das Spiel am nächsten
Tag angesprochen haben mag. Leider verstand ich keinen von ihnen. Bei
deren Dialekt geht`s mir so wie den Japanern, die neu in Düsseldorf
sind: immer schön lächeln und Ja ja sagen, wird
hoffentlich die richtige Reaktion sein. In dieser Brauerei, die an jenem
Abend ziemlich fest in Fortuna-Hand war, selbst das Altbierlied wurde
angestimmt und von den Einheimischen wahrscheinlich auch nicht verstanden,
hing übrigens auch das einzige Plakat in der gesamten Altstadt, welches
auf das Spiel am nächsten Tag hinwies. Dennoch ein gelungener Abend
in einer Stadt, deren Altstadt, Dom, Schloss und Donaubrücken ich
bedenkenlos jedem empfehlen kann, der sich für solche antiken Bauten
interessiert, absolut sehenswert. Da ist es dann auch ziemlich egal, ob
man die Einheimischen versteht oder nicht.
Bedenklich wird es dann nur, wenn meine Freunde von der Deutschen Bahn,
mehrfacher Deutscher Meister im Nichtverstehen von Kundenbedürfnissen,
sich den Gegebenheiten vor Ort nahtlos anpasst. Mir liegt ein Foto vor,
welches ich selbst geschossen habe, vom Regensburger Hauptbahnhof,
an dem wir bei der Rückkehr zum Hotel noch schnell Getränke
einkauften. Ein normales, unschuldiges Bild von einem Hinweisschild auf
ein Gleis, zu welchem die Treppe hinter dem Schild führt. Nix Besonderes
also. Bis auf die Aufschrift, die besagt nämlich: 9 und 109.
Nun muss man wissen, dass dieses vorbildliche deutsche Service-Unternehmen
an guten Tagen weiterhin bis zu 15.000 Minuten Verspätung
pro Tag produziert. Das sind zehneinhalb Tage Verspätung pro
Tag. Die haben die Zeitreise erfunden. Und am Regensburger Hauptbahnhof,
wo Züge diesem Schild zufolge nicht einfach auf Gleis 9, sondern
auf Gleis 9 und 109 zugleich einlaufen, da wird diese Erfindung zum ersten
Mal öffentlich! Und da wundert es doch auch nicht, dass Regensburg
auf Engste verbunden ist mit dem privaten und öffentlichen Wirken
des Kardinals Ratzinger, der mittlerweile als Papst Benedikt XVI. im Vatikan
ganz andere Wunder erklären muss als das eines pünktlich ankommenden
Zuges. Da haben wir es doch! Diese Stadt ist eine Stadt der Wunder, da
kann man sich nicht wirklich Zeit für so etwas Profanes wie ein Fußballspiel
nehmen. Und wenn doch, auch dafür hatte man etwas parat, wie man
noch sehen wird.
Am nächsten Tag gab es eine erfreuliche, weil nur fünfminütige
Anreise vom Hotel zum Stadion. Jedoch musste man sich für die Strecke
des Stadtplans bedienen, denn das Stadion ist zumindest von der Innenstadt
her nicht ausgeschildert. Mehr noch, das Einzige, was man von der Hauptstraße
aus sehen konnte, war ein recht kleines Tor mit einem Schild darüber,
welches verkündete, dass es sich um den Gästeeingang handeln
würde, mehr nicht. Selbst der Haupteingang ist in einer Wohnstraße
versteckt. Dort kurvten wir in der Nachbarschaft ca. 15 Minuten rum, bis
wir eine Parklücke entdeckten. Dies war auch dringend nötig,
denn Parkplätze am Stadion gibt es nicht, offiziell wird auf zwei
in der Nähe gelegene Parkhäuser verwiesen. Ein Spiel in einer
Stadt, in der sich kaum jemand dafür zu interessieren scheint, in
einem Stadion, welches ich bei aller Vorliebe für alte Schätzchen
trotzdem als ziemliche Bruchbude bezeichnen muss, und an dem man als Ortsunkundiger
locker dreimal vorbei fahren kann, ohne es zu bemerken, bei arschkaltem
Wetter, ein Grad plus mit Schneeregen das alles versprach einen
ungemütlichen Nachmittag. Und der wurde es dann auch.
Eigentlich verdient, letztlich aber doch mit Hängen und Würgen,
gewann Fortuna mit 2:1 beim Abstiegskandidaten. Auf einem unglaublichen
Acker gab es das erwartete Kampfspiel, da filigrane Technik hier kaum
weiterhelfen konnte. Marco Christ erkannte dies als Erster und ließ
direkt mal zwei gefährliche Fernschüsse los, von denen der erste
knapp am Tor vorbei ging, und der zweite von Keeper Sattelmaier pariert
werden konnte. Danach gab Fortuna das Spiel aber unerklärlicherweise
aus der Hand und war eine Viertelstunde in der Abwehr vogelwild.
Zunächst vergab Beigang frei vor Melka, anschließend traf Romminger
mit 16-m-Schuss nur den Pfosten (Melka war noch dran), nach der anschließenden
Ecke und Kopfball auf den kurzen Pfosten rettete Hergesell - in dieser
Phase hätte man sich über ein 1:0 für Regensburg nicht
beklagen dürfen. Stattdessen fiel in der 36. Minute eher aus dem
Nichts das 0:1, als Christ eine zu schwache Abwehr nach Flanke aus gut
25 m halbhoch rechts ins Eck setzte. Danach schaukelte man das Spiel wieder
halbwegs ruhig in die Pause.
Den Stadionsprecher focht das nicht an - er verkündete zur Pause,
es stünde 0:0-Unentschieden. Der war in der 36. Minute.
wohl mal kurz pinkeln
Als Lambertz in der 59. Minute mit einem haltbaren Schlenzer nach schöner
Kombination über Heidinger und Terodde das 0:2 machte, schien die
Sache gelaufen, zumal Terodde anschließend noch freistehend das
0:3 vergab. Statt dessen musste man wieder das Zittern beginnen, aufgrund
dieser unglaublichen Lachnummer in der 63. Minute, wahrscheinlich bald
ausgiebig in irgendwelchen Jahresrückblicken oder Kuriositätenshows
zu bewundern..
Da zeigte man uns nämlich, dass man in dieser Stadt auch aus den
alltäglichen Dingen des Lebens gar Wundersames zu schöpfen vermag:
nämlich wie man ohne eigene Torchance in der 2. Halbzeit ein Tor
erzielen kann, wenn auch unter der gütigen Mithilfe unseres Keepers.
Michael Melka hatte eine Flanke sicher abgefangen und eilte mit dem Ball
in der Hand nach vorne zur Strafraumgrenze, um mit einem seiner bekannt
weiten Abschläge Olivier Caillas ins Szene zu setzen, der in der
gegnerischen Hälfte so ziemlich alleine stand. Und da Melkas Blick
schon in die Ferne auf Caillas gerichtet war, übersah er das bzw.
den Naheliegenden: Beim Abschlag ballerte Melka den einen halben Meter
vor ihm postierten Regensburger Dennis Grassow den Ball versehentlich
an den verlängerten Rücken. Und in jedem anderen Stadion hätte
es vielleicht ein wenig Verwirrung im Strafraum gegeben, mehr nicht. Aber
hier, in der Stadt mit dem großen klerikalen Hintergrund und den
fast schon metaphysischen Erfindungen der Deutschen Bahn hier flog
das Leder schnurstracks ins Netz, und zwar ohne zuvor nochmals den Boden
zu berühren. Bedarf es eines weiteren Beweises, dass es sich bei
Regensburg um die Stadt der Wunder handeln muss? Ich glaube, nein. Ich
konnte es kaum fassen, hatte die Augen schon auf Höhe der Mittellinie
gerichtet, um die Flugbahn des Balles zu verfolgen, der dann nicht kam,
blickte aber rechtzeitig zurück, um zu sehen, wie sich die Bogenlampe
schön links ins Eck senkte. Als einer der Wenigen, die in ihrer Karriere
mal so ein Ding live im Stadion sehen, kann ich sagen, es sieht wirklich
beeindruckend aus. Aber muss es denn ausgerechnet bei der eigenen Mannschaft
passieren?
Sofort war die ganze Souveränität der Fortuna wie weggeblasen,
Regensburg hatte Oberwasser. Aber sie rannten zwar an, hatten allerdings
außer Kick & Rush nichts zu bieten und erspielten trotz mehrerer
Ecken und Freistöße keine nennenswerten Torchancen mehr. Somit
ein letztlich verdienter Sieg der Fortuna, den man fast (wieder einmal)
selbst noch kaputt gemacht hätte.
Dazu passte auch Gelb/Rot für Marcel Gaus in der vorletzten Aktion
des Spiels (die letzte war der Freistoß nach Gaus`Foul). Nicht nur,
dass der Trainer die Spieler von der Zwoten mitnehmen muss, weil ihm die
von der Ersten ausgehen (in Regensburg fehlten mit Lawaree, Jovanovic
und Kadah die drei ersten Stürmer im Kader), nein, den
konnte er für das nächste Spiel auch direkt abschreiben.
Amüsant waren natürlich die Äußerungen nach dem Spiel.
Torwart Melka nahm es souverän und mit Humor, was sollte er auch
sonst machen? Torschütze Dennis Grassow wurde befragt, was er zu
seinem Treffer sagen könnte und antwortete erfrischend ehrlich: Ich
hab einen Riesenabdruck am Rücken, mehr nicht. Und Fortuna-Trainer
Meier war sich mit seinem Regensburger Kollegen Markus Weinzierl einig.
Wir könnten jetzt rausgehen und versuchen, das nachzustellen.
Es würde in 1000 Versuchen nicht einmal klappen. Zum Thema
Gelb/Rot für Gaus äußerte sich der Übungsleiter ebenfalls
locker: Das sind Erfahrungswerte, die man so braucht. Der junge
Mann will halt Bäume versetzen und hat selbst mich schon im Training
umgenagelt.
Alles in allem somit eine recht erfreuliche Tour nach Regensburg. Und
gerne werde ich am Ende der Saison nochmals eine Wallfahrt nach Regensburg
veranstalten und im Dom ein Kerzlein entzünden: wenn nämlich
dieser unglaubliche Treffer in der Endabrechnung keine Rolle spielen sollte.
Dann darf er auch gerne Tor des Jahres werden.
Sächsischer Beton
Zum Abschluss dieser Berichterstattung wollen wir es kurz machen, denn
das Spiel war dementsprechend. Am 14.03.09 scheiterte Fortuna am neuen
Exportschlager aus Sachsen, selbstangerührtem Beton. Erzgebirge Aue
nämlich holte mit einem 0:0 das vierte Auswärtsremis hintereinander
und davon war es das dritte 0:0 in Folge. Jeder kann sich also
wohl vorstellen, wie die auswärts aufzulaufen pflegen. Sollten sie
in den anderen Auswärtsspielen zuvor noch munter mitgespielt haben
(keine Ahnung, ich hab sie nicht gesehen), so war dieses Thema bereits
nach 20 Minuten erledigt: da nämlich flog mit Arne Feick einer der
beiden Auer Offensiven wegen Tätlichkeit vom Platz, er hatte nach
Foul von Cebe gegen diesen nachgetreten. Der Schiri holte kurz eine Erkundigung
bei seinem Assistenten ein und zückte anschließend Rot. Daraufhin
wechselte Aue spontan die Sportart von Fuß- auf Handball und versammelte
sich zu zehnt am eigenen Strafraum, nur Stürmer Agyemang, ziemlich
nicklig, aber auch recht agil und daher immer im Auge zu behalten, versuchte
ab und zu vorne sein Glück. Kein Zufall, dass er es war, der die
einzige echte Auer Torchance des Spiels hatte, die er in der 62. Minute
aber doch ziemlich kläglich vergab. Nur, Fortuna hatte trotz siebzigminütiger
Überzahl auch nicht mehr zu bieten, ihnen fiel einfach nichts ein,
um die doppelte Viererkette der Gäste am und im Strafraum zu knacken.
Zwischenzeitlich hatte ich Tränen der Rührung in den Augen,
weil das Gekicke der Gäste so schön an Ristic`sche Zeiten bei
uns erinnerte, damals auch gerne mit elf Mann auf dem Feld. Dass es bei
Fortuna an diesem Tage nichts wurde, lag zum Gutteil an einer weltmeisterlichen
Anzahl von Fehlpässen, so viele habe ich in dieser Saison überhaupt
noch nicht gesehen. Keine Ahnung, was die unter der Woche vor dem Spiel
trainiert hatten, Passspiel kann es definitiv nicht gewesen sein. Selbst
auf dem Stolperacker von Regensburg in der Woche zuvor hatte man besser
kombiniert, das machte schon stutzig.
An richtig guten Chancen für Fortuna sind mir nur zwei in Erinnerung,
beide in der zweiten Halbzeit. Zum einen ein toller Kopfball von Stephan
Sieger, aus ca. 8 Meter, als Aufsetzer genau in die rechte Ecke platziert,
für Aue-Keeper Männel auch noch verdeckt, was diesen allerdings
nicht daran hinderte, den Ball mit Wahnsinns-Reflex noch von der Linie
zu kratzen. Der weiß bestimmt heute auch nicht mehr, wie er den
gehalten hat. Und da der Torwart sowieso bester Auer auf dem Feld war,
half ihm in einer Situation dann noch das Glück des Tüchtigen:
bei seinem einzigen schweren Patzer tauchte er nämlich unter einer
Ecke durch und verfehlte den Ball völlig. Die Kugel fiel daraufhin
dem eingewechselten Cakir auf den Kopf, der darüber zu überrascht
war, um den Ball noch drücken zu können. Immerhin brachte er
ihn noch Richtung Tor, wo sich die Flugbahn dann aber um ein paar Zentimeter
zu hoch für Jovanovic erwies. Daher konnte der den Ball auch nicht
mehr drücken und nickte ihn aus zwei Metern über das Tor. Sah
blöd aus, war aber wirklich nicht besser zu machen. Und das war`s.
Alle anderen Angriffe, Freistöße, Flanken, Ecken, verpufften
wirkungslos, und immer war ein Auer Abwehrbein oder kopf zur Stelle.
Auch nach vier Minuten Nachspielzeit war nichts Zählbares zu verbuchen,
und Trainer Meier sagte nach dem Spiel resigniert: Ich glaube, wir
hätten noch 10 Stunden weiter spielen können, und wir hätten
trotzdem kein Tor gemacht. Gibt halt solche Tage.
Eine große Chance wurde verpasst, denn da einen Tag später
Paderborn und Emden gegeneinander spielten, wobei Paderborn 2:0 gewann,
hätte man sich mit einem Sieg vor Emden auf Platz 3 etablieren können,
selbst wenn die ihr Nachholspiel gewinnen würden. Immerhin, auch
dann stünde Emden auch jetzt nur einen Punkt vor Fortuna, man hat
also mit dem guten Start ins neue Jahr (vier Siege, ein Unentschieden,
eine Niederlage) tatsächlich etwas Boden auf Emden und auch Paderborn
gut gemacht. Auf Union Berlin nicht, die sind wohl weg. Aber es ist auch
noch nicht aller Tage Abend.
Allerdings kommt es jetzt langsam dicke, am 21.03.09 muss man nach Erfurt,
und am 28.03.09 kommt Kickers Emden zum Spitzenspiel in die LTU-Arena.
Auf dem Rasen haben wir noch kein Heimspiel gegen die Ostfriesen gewonnen
(1:2, 1:1, 0:2), nur die erste Niederlage wurde damals in einen 2:0-Sieg
umgewandelt aufgrund eines Dopingvergehens bei Emden. Wird also Zeit,
endlich mal drei Punkte nach 90 Minuten gegen die einzufahren. Eine der
wenigen Teams der Liga, gegen die unsere Auswärtsbilanz besser ist
als die Heimbilanz.
Zwei Dinge bleiben noch nachzutragen: unter den 12.000 Zuschauern gegen
Aue waren auch erfreulich viele Gästefans, zumal einige bei Fortuna
ja mit einigen bei Aue freundschaftlich verbunden sind. Und so zeigten
beide Fan-Lager zum Action Day des antirassistischen Netzwerks
Alerta in ihren Blöcken denn auch gemeinsame Transparente,
wobei auf dem Auer Transparent Mein Freund ist rot-weiß, nicht
braun zu lesen stand, während beim Fortuna-Transpi das rot-weiß
durch lila-weiß ersetzt wurde. Und bei uns ist wirklich
niemand der Meinung, mit lila-weiß könnte die Truppe
von Pelé Wollitz aus Osnabrück gemeint sein. Außerdem
hatten die Auer noch ein Transparent dabei, um die kürzlich gegründete
Düsseldorfer Fan-Initiative für Stehplätze in der LTU-Arena
zu unterstützen: Ein Stadion ohne Stehplatz ist wie Düsseldorf
ohne Altbier. Insgesamt sehr gelungene Aktionen, die zeigen, dass
es manchmal auch miteinander ganz gut geht. Dafür Respekt!
Die zweite Sache betrifft Fortuna II. Die waren in der neuen NRW-Liga
(ehemalige Oberliga) eigentlich nur zum Klassenerhalt angetreten, aber
wenn sonst keiner will
am Sonntag, 15.03.09, gewann die Mannschaft
von Trainer Goran Vucic mit 3:0 beim Ex-Zweitligisten SF Siegen. Es war
das 18. Spiel in Folge, das die Bubitruppe ungeschlagen blieb, und somit
ist man derzeit Tabellenführer der Liga mit 50 Punkten (die beiden
Erstplatzierten steigen auf). Wenn das so weiter geht, spielen die in
der nächsten Saison gegen RW Essen. Gegen RW Essen I natürlich.
Das wäre doch mal ganz lustig, nach allem, was in den letzten 10
Jahren schon mit seiner zweiten Garnitur gegen unsere Erste antreten durfte.
Aber auch zu diesem Thema wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen.
Und ich hoffe, dass der Fluss bei meiner nächsten Zusammenfassung
nicht schon die ersten Aufstiegsträume mitgenommen hat. Sowohl von
Erster als auch Zweiter Mannschaft.
Jetzt wird`s Ernst, vermutet: janus
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