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Wieder haben wir eine Winterpause
hinter uns gelassen, es durfte erneut gerockt werden. Und natürlich
ist mittlerweile, Mitte März, eigentlich nur klar, dass gar nichts
klar ist. Wobei diese Saison in puncto diffusen Aussagen zu möglichen
Aufstiegskandidaten alles toppt, was bislang da war. Noch nie hatten so
viele Teams um diese Uhrzeit noch die Chance, im nächsten Jahr im
DSF antreten zu dürfen. Und Fortuna ist immer noch mittendrin, obwohl
schon mehr möglich gewesen wäre. Leider ließ der Verein
hier und da zuviel liegen, seien es nun Punkte oder Gegenstände auf
dem Spielfeld. Aber der Reihe nach.
Immerhin wurden bei Fortuna während der spielfreien Zeit zwei Personalien
klar gemacht: mit Sebastian Kneißl von Wacker Burghausen kam ein
Offensivspieler, der sogar über einige Jahre Spielzeit bei Chelsea
London verfügt, allerdings nicht grad als Stammspieler in der ersten
Mannschaft. Bei Wacker wurde er zunehmend im Mittelfeld eingesetzt, kam
dort nicht zurecht und wanderte auf die Bank. Von dort holte ihn Fortuna
für die Rückrunde zum Schnäppchenpreis, sprich: ablösefrei.
Man durfte gespannt sein, ob er wieder zu alter Stärke zurückfinden
würde.
Außerdem bekam Fortuna endlich einen neuen Manager. Wolf Werner,
einst Trainer in Mönchengladbach und seit einiger Zeit bei Werder
Bremen in der Talentsichtung beschäftigt, erhielt den Posten zum
01.07.2007. Etwas überraschend, da doch zuvor Michael Zeyer und Christian
Hochstätter im engeren Kreis gewesen waren. Doch beide fielen wohl
bei der Präsentation ihres Konzepts durch. Vielleicht war es die
ein oder andere PowerPoint-Folie zuviel, wer weiß das schon. Hochstätter
heuerte ja dann in Hannover an, an der Leine gibt es auch sicherlich mehr
Geld auszugeben als bei uns, und ersetzte dort das Managerlein Ilja Kaenzig,
bei dessen Scharmützel mit Fortuna im letzten Sommer bezüglich
Denis Wolf ja schon klar geworden war, wie gut es um sein
Standing innerhalb des Vereins Hannover 96 bestellt war. Als Hochstätter
aus dem Rennen war, und auch Holgi Fach einen Job bekam, den er sich redlich
verdient hatte, nämlich Trainer in der Einöde bei Paderborn
unter einem Präsidenten, der nicht viele Widerworte duldet, da atmete
ich tief durch. Diese Doppel-Gefahr ist fürs Erste gebannt.
Wolf Werner ist in puncto Scouting anerkannter Fachmann, einziges Problem
ist, dass der Mann nun auch schon 64 Lenze zählt, man weiß
also nicht genau, wie lange er sich so etwas noch antun will. Deshalb
war ja auch eine Lösung mit Michael Zeyer als Praktikant
in den Raum gestellt worden. Da steht sie auch heute noch, Werner soll
es jetzt erst einmal alleine richten. Derzeit bemüht er sich, mit
Werder darüber Einigkeit zu erzielen, dass er seine Tätigkeit
bei Fortuna schon etwas früher aufnehmen darf. Das macht auch Sinn,
weil er ja bei der Zusammenstellung der Mannschaft für die nächste
Saison mit von der Partie sein soll, und da darf man natürlich gerne
schon vor dem 01.07. Hand anlegen. Momentan laufen die Gespräche
noch.
Die Winterpause ließ ich ausklingen mit einem Besuch des Bundesliga-Spiels
Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen am 31.01.07. Ich bekam Erstaunliches
geboten, zum Beispiel bei der Anfahrt. Da mir noch in guter Erinnerung
war, wie lange ich im Oktober letzten Jahres mit diesen Shuttle-Bussen
vom Stadion zum P&R-Parkplatz gebraucht hatte, und da bei der Anreise
mit der Bahn nach dem Spiel, welches ja erst um 20.00 Uhr angepfiffen
wurde, mit einem etwas längeren Rücktransport zu rechnen gewesen
wäre, wählte ich die Goldene Mitte und fuhr mit dem Wagen, den
ich dann am Eisenbahnknotenpunkt Leverkusen-Mitte abstellte,
um von dort aus zu Fuß zum Stadion zu gehen. Und da hätte ich
direkt mal eine Frage: wie lange muss man im Planungsamt von Leverkusen
eigentlich den Dämpfen der Bayer AG ausgesetzt sein, bevor man aktiv
ins Stadtbild eingreifen darf? Ziemlich lange, so meine Vermutung, denn
was die Herrschaften sich bei der Konstruktion ihrer beiden Kreisverkehre
gedacht haben, die man auf dem Weg von der Abfahrt an der A 3 bis zum
Bahnhof und zurück durchqueren muss, kann man wohl nur verstehen,
wenn sich das Hirn schon auf einer PCB-Wolke verabschiedet hat, oder was
in dieser Stadt normalerweise so an Atemluft gereicht wird. Speziell dieser
Europaring, unmittelbar vor der Zufahrt zum Bahnhof gelegen, ist besonders
Leuten zu empfehlen, die denken, sie hätten schon alles gesehen.
Ein Kreisverkehr in Form eines Ovals, bei dem man sich tunlichst richtig
einsortieren sollte, weil zwischen den beiden Spuren teilweise eine lustige
Betontrennung hochgezogen wird, ein Schild, das auf die richtige Abfahrt
Richtung Autobahn hinweist, und das man ca. drei Meter vorher auch richtig
prima erkennen kann, so groß ist es, und als Krönung
noch ein Fußgängerüberweg mitten im inneren Kreisel
da macht Autofahren richtig Spaß. Ich jedenfalls machte drei Kreuze,
als ich durch war und bin seitdem versucht, mir für jeden völlig
sinnlosen Kreisverkehr, den ich durchfahre, eine neue Kerbe ins Armarturenbrett
zu ritzen. Ganz oben auf meiner Hitliste steht bislang das Gebilde, welches
sie in Mannheim auf die Straße gesetzt haben, wenn man von der A
656 zum Stadion fährt, inklusive Ampel im Kreisverkehr (nicht davor!),
aber Leverkusen kommt schon nah ran. Wenn man so etwas täglich fährt,
gähnt man bestimmt nur noch darüber, aber als einmaliges Erlebnis
im Jahr wirken solche Konstrukte mit Sicherheit adrenalinfördernd.
Im Gegensatz zum Spiel in Leverkusen übrigens, das gewann Werder
relativ locker mit 2:0. Erstaunt war ich nur über die vielen Bremer,
die auf den Sitzreihen hinter mir jubelnd aufsprangen, als Miro Klose
das 1:0 für Werder erzielte, denn eigentlich wähnte ich mich
eher auf der Heim-Tribüne. Aber es schienen nur relativ
wenig Bayer 04-Fans anwesend zu sein. Vielleicht lag dies ja auch an der
unglücklichen Anstoßzeit, mitten in der Woche um 20.00 Uhr,
da ist es natürlich schwierig, die Schichtgänger mal eben ins
Stadion abzukommandieren. Vollends suspekt wurde mir das Ganze, als der
Herr, der neben mir saß, unüberhörbar lautstark beide
Teams anfeuerte. Merkwürdige Fan-Szene. Aber gut, jeder so, wie er
will. Und schließlich hatte dieser Mann, egal bei welchem Spielverlauf,
nach dem Abpfiff sein Erfolgserlebnis. So sehen Sieger aus!
Als Sieger wollte ich mich auch gerne am 10.02.07 sehen. Start der Restrückrunde
der Regionalliga Nord, und damit es nicht hieß, man würde sich
langsam warm spielen können, kam zum Auftakt direkt mal der Tabellenführer
vorbei. Spitzenspiel gegen den VfL Osnabrück sofort im ersten Spiel
so muss ein Fußballjahr beginnen!
Gelungener Auftakt
Und es begann schon vor dem Spiel mit einem Paukenschlag: Fortuna-Trainer
Uwe Weidemann tauschte den Torwart aus und erklärte Kenneth Kronholm,
vor der Saison von Wormatia Worms an den Rhein gewechselt, zur neuen Nummer
Eins. Er hatte sich anscheinend im Winter-Trainigslager im türkischen
Belek gegen Patrick Deuß durchgesetzt. Meiner Ansicht nach lange
überfällig, war Deuß in der Hinrunde doch öfter negativ
aufgefallen als dass er gute Partien abgeliefert hatte (auch wenn die
selbstverständlich ebenfalls dabei waren). Ob das jetzt allerdings
so schlau war, den Torwart ausgerechnet vor dem Spitzenspiel auszutauschen,
vor großer Kulisse, nachdem er im Laufe der Saison überwiegend
in der Verbandsliga zum Einsatz gekommen war, war eine andere Frage. Ein
mutiger Schritt des Trainers, der mich allerdings etwas nervös werden
ließ...
Aber was spielen meine Nerven schon für eine Rolle? Vor 24.090 Zuschauern
besiegte die Fortuna im ersten Pflichtspiel des Jahres 2007 Tabellenführer
Osnabrück mit 2:0 und rückte auf Platz 2 der Regionalliga Nord
vor.
Nach einer halben Stunde verteilten Spiels, mit je einer halben
Torchance hüben wie drüben, erzielte Kapitän Marcus Feinbier
in seinem ersten Spiel nach über 3 Monaten Verletzungspause auf Flanke
von Henri Heeren per Kopf das 1:0. Bis zur Pause ging es hin und her,
die Osnabrücker verpassten den Ausgleich, Chitsulo traf nur den Pfosten,
den Abpraller setzte Menga über das weitgehend leere Tor. Fortuna
versäumte es hingegen, das zweite Tor nachzulegen, Lambertz traf
per Kopf die Latte, Podszus mit dem Fuß den Pfosten. Zum Glück
holten sie dies in der 2. Halbzeit nach, als Feinbier nach Vorarbeit von
Krecidlo und Ausrutscher seines Gegenspielers den Ball aus 9 m unter die
Latte setzte. Osnabrück war in der Folgezeit im Spiel nach vorne
zu harmlos, Fortuna vergab noch einige Konterchancen, ließ sich
allerdings auch nicht durch die gelb/rote Karte für Oliver Barth
5 Minuten vor Spielende irritieren. Ein verdienter Erfolg vor beeindruckender
Kulisse! Kenneth Kronholm im Fortuna-Tor zeigte im übrigen einen
guten Einstand, was allerdings auch daran lag, dass er kaum etwas aufs
Tor bekam. Ob der Torwartwechsel richtig war, würde sich somit erst
in den nächsten Spielen zeigen.
In der Woche darauf war Fortuna spielfrei, und man erlebte gar Wundersames:
fast alle anderen Teams überboten sich darin, uns in der Tabelle
nicht überholen zu wollen. Erfurt verlor in Osnabrück, Lübeck
in St. Pauli, Wuppertal spielte nur Unentschieden in Kiel, Dresden verlor
0:3 in Ahlen wie kann man sich bei diesen Bauern nur so abschlachten
lassen, ich verstehs nicht... Einzig und allein die zweite Mannschaft
des Hamburger SV nutzte die Gunst der Stunde und eroberte durch ein 2:0
gegen die Reserve des BVB den 2. Tabellenplatz. Da die aber bekanntermaßen
gar nicht aufsteigen dürfen, konnte uns das völlig Latte sein.
Fortuna somit trotz spielfreiem Wochenende weiter auf einem Aufstiegsplatz.
Vielleicht ja ein gutes Omen für die nächsten Spiele?
Zudem gab es an jenem Wochenende noch das 0:5 des 1.FC Köln beim
Abstiegskandidaten RW Essen zu bestaunen. Köstlich. Ich habe ja auch
von der eigenen Mannschaft schon viele Blamagen gesehen, aber das toppte
so ziemlich alles. Dies sah wohl auch die aktive Kölner Fan-Szene
so und verhängte einen Fan-Boykott für die erste Halbzeit des
nachfolgenden Heimspiels gegen den SC Paderborn. Um die Spieler wachzurütteln.
Vom Trainer ist in solchen Situationen in Köln eigentlich weniger
die Rede, der kann machen, was er will. Dazu gehört auch, dass ihm
keine lästigen Fragen gestellt werden, wie zum Beispiel, warum er
beim Tabellenvorletzten mit einer ganzen Spitze antritt oder wieso die
Mannschaft an jenem Karnevalssonntag eigentlich noch schlechter spielte
als in der Hinrunde, obwohl unter anderem vier Neuzugänge auf dem
Platz standen, die er selbst geholt hatte. Nicht dass der Erlöser
plötzlich schlechte Laune bekommt! Köln dürfte somit so
ziemlich die einzige Stadt auf Erden sein, in der man erst die Jünger
kreuzigt, bevor man sich an den Messias rantraut. Hallelujah! Sehr unterhaltsam.
Fortuna machte in der Woche vor dem nächsten Spiel dann noch Nägel
mit Köpfen und verlängerte den Vertrag mit Trainer Uwe Weidemann
um zwei Jahre bis 2009.
Das Unentschieden, das nach gar nichts aussah
Weiter ging es am 24.02.2007 um 14.00 Uhr im Steigerwaldstadion bei Rot-Weiß
Erfurt. Aber zuvor wurde mal wieder gezeigt, auf wen beim Amateur-Fußball
zwingend Rücksicht zu nehmen ist. Das kostet den DFB nur ein unterwürfiges
Jawoll!, und schon kommt eine Meldung wie die folgende vom
23.02.2007 zustande:
Der Regionalliga-Ausschuss beim Deutschen Fußball- Bund (DFB)
hat mehrheitlich dem Antrag des SV Werder Bremen zugestimmt, die für
Sonntag angesetzte Partie der Werder-Reserve gegen den FC St. Pauli auf
Ende März/Anfang April zu verlegen. Das bestätigte der DFB.
Die Bremer hatten die Verlegung beantragt, weil sonst der Rasen im Weserstadion
zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werde. Dort sollte die Partie aus Sicherheitsgründen
ausgetragen werden, weil nach Polizei-Schätzungen rund 5.000 St.Pauli-Fans
anreisen wollten.
Alles klar? Wenn ein Bundesligist sich nicht den Rasen versauen lassen
will, dann sagt er halt in der Regionalliga mal eben kurz das Spiel ab.
Ist ja kein Problem, das Einzige, was man beim DFB hört, wenn so
etwas mal aufkommt, ist das Zusammenschlagen der Hacken. Denn es war ja
nicht das erste Mal. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir im Sommer
2001 zum Meisterschaftsspiel bei Bayer Leverkusen II antreten sollten.
Auch dieses Spiel fiel aus, weil wir in der BayArena hätten spielen
sollen. Dort wurde aber vier Tage später Champions-League-Quali gegen
Roter Stern Belgrad gespielt, also konnte unser Spiel leider erst einige
Wochen später stattfinden. Prioritäten, you know? Ebenso wurde
unsere Partie im September 2004 gegen den 1.FC Köln II verlegt, weil
denen 2 (zwei) Spieler fehlten, die im Mittelrhein-Pokal eingesetzt wurden.
Eine Aufgabe, die sie dermaßen mitnahm, dass sie zum Nachholtermin
fünf Tage später gar nicht erst eingesetzt wurden, dafür
aber als Ersatz sieben Spieler aus dem Profi-Kader. Sie machen halt, was
sie wollen, weil sie wissen, dass sie es sich leisten können. Selbst
wenn so ein Bundesligist für seine zweite Mannschaft kein Stadion
zur Verfügung hat, weil das kleine aufgrund vieler anreisender Gäste-Fans
eben den Sicherheitsstandards nicht genügt, und das große nicht
betreten werden darf, um den Rasen zu schonen, dann gibt es keinen Punktabzug,
nein, da wird das Spiel einfach abgesagt. Dies mit einem schönen
Gruß nach Dresden ist dort nicht die Lizenz in Gefahr, wenn
die kein neues Stadion bauen? Ach, wär man doch wieder Bundesligist...solche
Extravaganzen möchte ich mir auch mal wieder leisten! Einfach mal
gucken, wie die Mannschaft aktuell so spielt (Werder II zu jenem Zeitpunkt
recht schlecht), und wenns einem nicht passt, dann muss halt der
Rasen geschont werden. Praktische Lösung.
Aber zurück zu den niederen Amateuren. RW Erfurt besitzt im Gegensatz
zu Werder Bremen anscheinend ein regionalligataugliches Stadion, denn
es konnte gespielt werden. Mit dem 1:1 vor 6.968 Zuschauern holte Fortuna
einen Punkt, der durchaus zwiespältig zu betrachten ist. Zum einen
konnte man mit diesem Auswärtspunkt zufrieden sein, stand Erfurt
doch nur einen Zähler hinter uns, ist somit beileibe kein sportliches
Leichtgewicht. Zum anderen wäre mit ein wenig mehr Einsatz eventuell
sogar ein Sieg drin gewesen. Und damit hätte man wirklich der Konkurrenz
eine lange Nase drehen können, denn Wuppertal, Lübeck und auch
Dresden waren so freundlich, gleichzeitig ihre Spiele zu verlieren. So
machte Fortuna leider nur einen Punkt auf die Rivalen gut und musste den
dritten Tabellenplatz sogar an Kickers Emden abgeben, die die Gewinner
des Verfolgerfelds waren. Sie ermurmelten sich ein 1:0 bei Hertha II und
standen plötzlich auf einem Aufstiegsplatz. Aber verloren war diesbezüglich
für Fortuna nach dem Remis in Erfurt natürlich nichts.
Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten, in den ersten
45 Minuten durchaus flott anzuschauen, hier wurde auch der Grundstein
für das Unentschieden gelegt. Die Erfurter legten vor mit einem Pfostenschuss
des Ex-Düsseldorfers Moritz Stoppelkamp, die Fortunen zogen nach,
als Albertz einen Freistoß an Freund und Feind vorbei gegen den
linken Innenpfosten semmelte. Und als Fortuna in der 30. Minute in Führung
ging, weil ein Erfurter Abwehrspieler bei der Abseitsfalle pennte und
Marcus Feinbier aus 16 m flach vollstrecken konnte, da glichen die Erfurter
direkt mal im Gegenzug aus, nach einer Ecke von links über sämtliche
im Strafraum anwesenden Köpfe hinweg konnte Kumbela die Kugel von
rechts nochmals in den Strafraum heben, und Junioren-Nationalspieler Tom
Bertram glich per Kopf aus. Naja, und was so ausgeglichen ist, das kann
ja auch nix werden, dachten sich wohl die Spieler und stellten über
den größten Teil der zweiten Halbzeit die Arbeit ein, Mit Ausnahme
eines Fernschusses von Andreas Lambertz, den Erfurts Keeper Orlishausen
sicher parieren konnte, sowie auf der anderen Seite einer Chance für
Stoppelkamp, dessen Schuss Kronholm jedoch abwehrte. Dann war es vorbei,
und man hatte einen Punkt in Erfurt geholt, von dem niemand so richtig
wusste, was man davon halten sollte genau wie beim 2:2 im Vorjahr.
Erfurt gibt uns halt immer Rätsel auf. Kein Rätsel, sondern
einfach nur ärgerlich war die 5. Gelbe für Henri Heeren (auch
noch für Unsportlichkeit, als er nach einem Abseitspfiff des Schiedsrichters
den Ball noch ins leere Erfurter Gehäuse schob). Er würde somit
beim nächsten Spitzenspiel, dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden am
03.03.2007, fehlen.
Das Unentschieden, das wie ein Sieg aussah
Dieses Spiel stand von Anfang an unter keinem guten Stern, für beide
Seiten. Am Sonntag, 6 Tage vor dem Spiel, nach der Heimniederlage der
Dynamos gegen Osnabrück, tauchten mal eben 50 unzufriedene Anhänger
der Dresdner beim Training auf. Da sie sich zu diesem Zwecke zum großen
Teil vermummt hatten, war eigentlich nicht zwingend von einer friedlichen
Demonstration auszugehen. Es ging dann wohl doch ohne Ausschreitungen
über die Bühne, sie werden sich also wirklich nur vermummt haben,
weil sie sich so schämten, Dynamo-Fans zu sein, das muss man verstehen.
Oder weil sie einfach nur alle unheimlich wichtig sein wollten und schon
lange nicht mehr im Fernsehen waren. Nun, die Dresdner Spieler empfanden
es als das, was ich auch dazu gesagt hätte, nämlich als Bedrohung.
Irgendwo hört es wirklich mal auf. Die ganze Aktion sorgte für
erhebliche Unruhe in Dresden. Des weiteren waren einiger der Dresdner
Ultras unglaublich künstlerisch kreativ und komponierten ein nettes
Bildchen (vielleicht war es auch ein Flyer, ich habs nur im Internet gesehen),
auf dem ein Bomber-Flugzeug im Sturzflug auf die LTU-Arena ansetzt, schlicht
übertitelt mit Angriff 03.03.. Ja, das kommt anscheinend
davon, wenn man am Fußballspiel selbst nur nebensächlich interessiert
ist.
Für Unruhe in Düsseldorf hingegen sorgte vor dem Spiel eigentlich
wieder mal nur der ortsansässige Boulevard, der den schlechten Ruf
der Dynamo-Anhänger allgemein sowie diesen Auftritt beim Training
speziell dafür zum Anlass nahm, vor dem kommenden Spiel eher zu warnen
als Werbung dafür zu machen. Man hätte meinen können, Attila
der Hundekönig würde wieder mal aus dem Osten einfallen. So
kann man Zuschauer natürlich auch vom Stadion fernhalten.
Nachdem also von beiden Seiten hinlänglich demonstriert wurde, dass
Fußball nicht zwingend etwas mit Fußballspiel zu tun haben
muss, wollte die Mannschaft der Fortuna anscheinend nicht zurückstehen,
ein Teil hielt sich dann auch mal fern. Heeren war ja eh wegen der fünften
Gelben Karte gesperrt, er zog sich dann aber auch gleich noch eine Adduktorenzerrung
zu. Somit war die Position des linken Verteidigers vakant. Die hätte
Tim Kruse ausfüllen können, aber der laboriert seit der Winterpause
an einem Außenbandriss. Kein Problem, zur Not kann auch Erdal Eraslan
diese Position bekleiden. Allerdings nicht mit der Rippenprellung, die
er sich in der Woche vor dem Spiel zuzog. Drei Spieler für eine Position,
alle gleichzeitig verletzt muss man auch erst einmal schaffen.
Das muss Trainer Weidemann nun so verwirrt haben, dass er zu einer ganz
anderen Lösung kam: Stürmer Yusuf-Muri Jupp Adewunmi
hatte wohl im Trainingslager beim Spiel gegen die albanische Nationalmannschaft
mal auf dieser Position ausgeholfen. Da das Spiel 0:0 geendet hatte, konnte
er somit nicht alles falsch gemacht haben, sodass der Trainer auf die
Idee kam, den Jupp gegen Dresden als linken Verteidiger aufzubieten. Ein
sehr großes Risiko, meiner Meinung nach hätte es eine Umstellung
innerhalb der übrig gebliebenen Abwehrspieler auch getan.
Dann allerdings ging es Schlag auf Schlag. Zwei Tage vor dem Spiel meldete
sich Marcel Podszus mit einer Knöchelprellung ab, für ihn würde
Neuzugang Sebastian Kneißl von Beginn an stürmen. 24 Stunden
vor dem Spiel war selbiges auch für Mittelfeld-Stratege Markus Anfang
und Abwehr-Recke Jens Langeneke schon vorbei, sie mussten aufgrund einer
fiebrigen Erkältung passen. Derselbe Virus fand dann, dass aller
guten Dinge bekanntlich drei seien und legte am Morgen vor dem Spiel auch
noch Trainer Weidemann flach. Der beorderte noch mit letzter Kraft wieder
einmal zwei Spieler der Zweiten Mannschaft auf die Ersatzbank und musste
anschließend das operative Geschäft auf ebendieser Bank seinem
Co-Trainer Uwe Klein überlassen.
Das Spiel selbst geriet für Fortuna zu einem ziemlichen Alptraum.
Dieser hatte sogar einen Namen: Oliver Herber. Bei dem jungen Mann handelt
es sich um den Dresdner Torwart. Nicht um die Nr. 1, im übrigen,
die heißt Tino Berbig und konnte ebenfalls wegen Grippe nicht spielen.
Warum auch, wenn man solche Ersatztorhüter hat! Herber hatte seinen
ganz großen Tag, war der Mann der tausend Arme. Fortuna war über
die gesamte Spielzeit drückend überlegen, spielte eine Großchance
nach der anderen heraus, aber egal, wohin sie den Ball schossen
Herber war schon da. Und so konnte man sich im Verlauf des Spiels nur
noch ungläubig an die Stirn fassen da trafen sie endlich mal
so oft aufs Tor wie sie sonst Einschussmöglichkeiten Richtung Eckfahne
oder in den Oberrang zimmern, und trotzdem klappte es wieder nicht mit
dem Toreschießen, weil dieser Wahnsinnige im Dresdner Tor flog und
hechtete, fing und faustete, als ob es kein Morgen geben würde.
Seine Feldspieler hingegen war ausschließlich zum Toreverhindern
angereist, einen solch destruktiven Aufstiegskandidaten hat man in der
LTU-Arena lange nicht gesehen. Aber effektiv waren sie: mit dem ersten
und einzigen Torschuss in der 1. Halbzeit machte Vorbeck das 1:0 für
Dynamo in der 23. Minute, als ein abgefälschter Schussversuch bei
Orman landete, der Vorbeck den Ball zum Abstauben an den 5-m-Raum servierte.
Aber auf der anderen Seite: allein dreimal verhinderte Herber einen Düsseldorfer
Treffer gegen den besonders in der 1. Halbzeit sehr agilen Jörg Albertz.
Oliver Barth, als 6er im defensiven Mittelfeld quasi beschäftigungslos,
weil die Gäste ja größtenteils gar nicht nach vorne spielen
wollten, hätte an jenem Nachmittag zum Torschützenkönig
avancieren können, aber egal, ob er aus 12, 16, 20 oder 25 Metern
abzog, Herber hatte die Finger dran. Und als der bei einem Barth-Kopfball
in der 2. Halbzeit dann doch mal geschlagen war, rettete Cozza auf der
Linie. Es war zum Wahnsinnigwerden.
Zum Kopfschütteln animierte auch die Leistung der übrigen Dresdner,
die außer Foul spielen und Provozieren wirklich nichts drauf hatten.
Fünf Fouls in den ersten sechs Minuten zeigten von Beginn an recht
deutlich, wie der Hase laufen sollte. Ermuntert wurden sie dazu allerdings
durch Bundesliga-Schiri Kinhöfer, der, wie alle Erstliga-Schiris,
die in die Regionalliga abkommandiert werden, erst mal ein wenig internationale
Härte einfließen lassen wollte, und daher ein volles Dutzend
gelbwürdiger Fouls zwar mit Freistößen, aber nicht mit
Gelben Karten ahndete. Natürlich kam es, wie es kommen musste, kurz
nach dem Wiederanpfiff griff er erstmals in die Brusttasche und verwarnte
Marcus Feinbier weil der sich über ein weiteres Foul beschwert
hatte (als Kapitän!). Fußball ist schließlich ein Männersport.
Dann aber, wie schon so oft in dieser Saison gesehen, drehte er richtig
auf und zeigte eine Gelbe nach der anderen, einem Herrn sogar zweimal,
Gelb/Rot für Dresdens Hauser nach 69. Minuten. Das war kein übles,
noch nicht einmal ein taktisches Foul gewesen, er war einfach bei einem
Zweikampf zu spät gekommen. In der ersten Halbzeit wäre er wohl
mit einem Kopfnicken des Schiris davon gekommen, nun war das Maß
voll. Ich frage mich immer wieder, wo die Herren Bundesliga-Schiris so
etwas lernen.
Als Herber noch sein Glanzstück ablieferte, nämlich binnen drei
Sekunden dreimal gegen Feinbier (aus 5 m), gegen Cakir (aus 3 m) und vor
Adewunmi (1 m) zu retten, gab ich die Hoffnung so langsam auf. Wer solche
Dinger nicht rein macht, der kann normalerweise zwei Stunden weiter spielen,
ohne ins Tor zu treffen. Obwohl, einmal hatten sie ja getroffen, beim
einzigen Fehler von Herber ließ der im Luftkampf einen Ball fallen,
und Feinbier netzte ein. Schiri Kinhöfer pfiff Behinderung des Torwarts,
obwohl dieser sich meilenweit außerhalb des 5-m-Raums befand. Etwas
merkwürdig, gelinde gesagt.
Co-Trainer und Chef für einen Tag Uwe Klein griff zum
Äußersten, wechselte mit Cebe, Pusic und Wolf noch mehr Offensivdrang
ein. Letzterer hatte in den ersten beiden Spielen des neuen Jahres gar
nicht erst im Kader gestanden, zu schwach waren seine Trainingsleistungen
gewesen. Deshalb war er wohl auch der letzte Spieler, der eingewechselt
wurde, er kam erst in der 87. Minute. Schiri Kinhöfer ließ
vier Minuten nachspielen, eigentlich zu wenig, denn die Dresdner hatten
wirklich alles Menschenmögliche versucht, um Zeit zu schinden, dazu
hatte es noch einige Verletzungsunterbrechungen gegeben. Und vielleicht
wäre schon alles vorbei gewesen, wären die Dresdner nicht auf
die intelligente Idee gekommen, mitten in der Nachspielzeit noch einmal
zu wechseln, wobei sich keiner der Herren auf dem Platz zum Verlassen
desselben aufgefordert fühlte. Es dauerte derart offenkundig lange,
dass der Schiri nochmals ein paar Sekunden drauf packte. Die nutzte zunächst
Torwart Herber mal wieder für eine spektakuläre Flugeinlage,
mit der er ein Volleygeschoss von Ivan Pusic entschärfte. Letzte
Ecke für Fortuna, von Feinbier nach innen gebracht, und da stand
Denis Wolf, ca. 10 Meter vor dem Tor, nicht gerade als Kopfballungeheuer
bekannt und vielleicht deshalb auch nicht so sehr von der Abwehr beachtet,
die waren wohl mehr auf Torwart Kronholm fixiert, der schon seit zwei
Minuten nur noch im gegnerischen Strafraum herumturnte. Und dieser Wolf,
wie gesagt: erst in der 87. Minute eingewechselt, hielt die Rübe
hin und zimmerte den Ball genau links oben in den Winkel, wo Herber beim
besten Willen nicht mehr herankommen konnte. Es passte zu diesem Spiel,
dass ausgerechnet einer der Kleinsten im Fortuna-Trikot per Kopf den Ausgleich
markierte. Der war aber auch so was von verdient, das sieht man selten.
Ich hab schon 1:1-Spiele von Fortuna gesehen, sowohl in der Arena als
auch im Flinger Broich als auch im Rheinstadion, da war bei jedem Gottesdienst
der katholischen Kirche mehr los. Diesmal war es die gerechte Belohnung
für ein sehr gutes Spiel, und deshalb wurde der späte Ausgleichstreffer
auch wie ein Sieg gefeiert. Obwohl es eigentlich zu wenig war. Ich hoffe
nur, jemand redet den beiden Trainer-Uwes fürs nächste Mal die
Nummer mit Jupp als linkem Verteidiger aus. Zum Glück hatte er nicht
viel zu tun, seine Nervosität war allerdings unverkennbar, hinzu
kam, dass der vor ihm im linken Mittelfeld postierte Albertz doch eher
offensiv agierte und Adewunmi des Öfteren allein auf seiner Seite
zurückließ. Dieses Experiment würde ich tunlichst nicht
allzu oft wiederholen, es könnte auch mal gegen Mannschaften gehen,
die auch Lust haben, nach vorne zu spielen, und die würden diesen
Schwachpunkt schnell ausmachen und ausnutzen.
Noch eine Anmerkung zum befürchteten Gästeanhang: ca. 3.000
Dresdner waren unter den insgesamt 18.000 Zuschauern in der Arena, verhielten
sich völlig friedlich und machten ordentlich Stimmung. Die erneut
zu erwartende Geldstrafe für Fortuna resultierte vielmehr aus der
Rauchentwicklung und dem Werfen von Gegenständen aus der Fortuna-Fan-Kurve,
wahrscheinlich mal wieder durch absolute Stimmungsexperten,
die sich anschließend wohl gratuliert haben mögen, dem modernen
Fußball wieder einmal erfolgreich (und vor allem für sie kostenlos)
die Stirn geboten zu haben. Im übrigen verwehrte Fortuna vor der
Partie sowohl den Journalisten des ZDF als auch einem Kamerateam von spiegelTV
die Akkreditierung. Beide hatten Reportagen zum Thema Gewalt unter
Fußball-Fans drehen wollen, spiegelTV wollte sogar
im Dresdner Fan-Pulk mitreisen. Fortunas Geschäftsstellenleiter Paul
Jäger lud die Fernseh-Teams mit der Begründung, dass es bei
dem Spiel um Fußball gehe und den möglichen Chaoten kein Forum
geboten werden sollte, offiziell wieder aus. Ein Schritt, den ich gut
nachvollziehen kann. Und hinterher war die ganze Panikmache auch wieder
völlig unnötig gewesen.
Das Unentschieden, das wie eine Niederlage aussah
Fortuna schloss ihre Ost-Wochen am 10.03.2007 mit dem Spiel
beim 1.FC Magdeburg ab. Zuvor gab es allerdings das, was irgendwann einmal
fällig war, nämlich eine Ankündigung des DFB, dass bei
nächsten Vorkommnis, an dem Fortuna-Fans beteiligt sein würden,
nicht nur die übliche Geldstrafe (die jetzige wurde übrigens
in fünfstelliger Höhe in Aussicht gestellt), sondern auch eine
Platzsperre bzw. ein Geisterspiel fällig sein würden. Ich bin
sicher, das Volk, welches so gerne Gegenstände auf den Rasen wirft,
wird das auch nicht die Bohne jucken, und die Hüter der wahren
Fan-Kultur, die nur durch den Einsatz von Rauch & Pyro ein Fußballspiel
genießen können, werden sich wohl auch nur temporär davon
beeindrucken lassen. Ich gehe somit davon aus, dass wir in dieser Saison
noch mindestens einmal vor leeren Rängen antreten dürfen. Und
da darf doch mal eine Nachfrage erlaubt sein. Sicherlich gab es in den
letzten Jahren zahlreiche Vorfälle bei Fortuna-Spielen, in denen
die bereits genannten Tätigkeiten eine eher unrühmliche Rolle
spielten. Und vielleicht ist die Androhung dieser geharnischten Strafe
aus Sicht des DFB vielleicht sogar gerechtfertigt, nachdem sich trotz
wiederholten Verhängens beeindruckender Geldstrafen nicht wirklich
etwas gebessert hat. Aber da ich ein großer Fan von Gleichberechtigung
bin, sei die Frage erlaubt, warum zum Beispiel Dynamo Dresden (jaja, ich
weiß, immer auf die bösen Ossis, aber es ist nur das eklatanteste
Beispiel, das mir auf Anhieb einfällt, andere Vereine dürfen
sich genauso angesprochen fühlen) überhaupt noch Heimspiele
vor Publikum austragen darf bzw. noch nicht an sechsstelligen Geldstrafen
pleite gegangen ist. Wenn ich bedenke, dass bei unserem Gastspiel dort
in jeder Ecke des Spielfelds Regenschirme bereit gelegt und von den Ordnern
auch genutzt wurden, um unsere Spieler beim Ausführen von Eckbällen
vor fliegenden Gegenständen zu schützen, wenn ich bedenke, welches
Liedgut dort manchmal aus den Fan-Blöcken erklingt, und
wenn ich weiter bedenke, was dort so alles im Umfeld eines Spiels passiert,
dann kann ich nur zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass der DFB
hier mit zweierlei Maß misst. Besonders wenn man es unter dem Stichwort
Wiederholungstäter betrachtet, das ja zumindest in unserem
Fall für den DFB doch eine gewisse Rolle zu spielen scheint. Vielleicht
haben sie bei einigen Auswüchsen ja auch zuviel Respekt bekommen
und fürchten, bei der Verhängung einer entsprechenden Strafe
mal Besuch von einer Fan-Abordnung vor der eigenen Zentrale in Frankfurt
zu bekommen? Etwas weit hergeholt, zugegeben, aber eine andere Erklärung
habe ich derzeit wirklich nicht. Gleiche Behandlung von gleichen Sachverhalten
sieht für mich jedenfalls anders aus.
Fortuna beendete ihre Ost-Wochen selbstverständlich mit einem Unentschieden,
2:2 hieß es nach 90 Minuten in Magdeburg. Was denn sonst. Somit
sind wir endgültig die Remis-Könige der Liga, schon zehnmal
gab es in dieser Saison eine Punkteteilung. Kurioserweise sind wir dadurch
das Team mit den wenigsten Niederlagen. Kurios deshalb, weil uns dies
nichts nützen wird. Nur mit Unentschieden steigt man nämlich
dummerweise auch nicht auf, da kann man noch so selten verlieren.
Diesmal war es ein Unentschieden der etwas merkwürdigen Art. Zunächst
glücklich, weil Magdeburg eindeutig mehr vom Spiel hatte. Besonders
in der 2. Halbzeit holten sie den Hammer raus und spielten dermaßen
druckvoll nach vorne, dass Fortuna nur noch selten überhaupt einmal
hinten rauskam. Da sollte man mit einem Punkt schon sehr zufrieden sein.
Besonders wenn man sich mal wieder die Verletztenliste anschaut, von den
fehlenden Spielern der Vorwoche war lediglich Markus Anfang wieder dabei,
und das auch nur auf der Bank, für 90 Minuten reichte es noch nicht,
er wurde im Verlauf der 2. Halbzeit eingewechselt. Auch Trainer Weidemann
musste vor seiner verschleppten Nasen-Nebenhöhlenvereiterung erneut
kapitulieren, Co-Trainer Uwe Klein war wieder der Mann an der Linie. Insoweit
sicherlich ein Punktgewinn.
Dass der sich im Gegensatz zur Vorwoche eher wie eine Niederlage
anfühlte, lag an einer besonderen Konstellation zur Pause: da führte
Fortuna nämlich mit 2:0. Und auch, wenn das nicht unbedingt verdient
war, wenn man aufsteigen will, muss man in solchen Rumpelspielen auch
mal eine Führung ins Ziel retten.
Natürlich war es Marcus Feinbier, der beide Treffer erzielen konnte,
der hat momentan einfach einen Lauf und trifft alles. Kaum vorstellbar,
wo wir stehen könnten, wäre er in der Hinrunde nicht drei Monate
verletzt gewesen. Aber es ist müßig, darüber nachzudenken,
denn auch in der feinbierlosen Zeit gab es einige Spiele, die man hätte
gewinnen müssen, in denen man sich aber nur die Punkte teilte.
Das Besondere an den Treffern war, dass er sie im Abstand von 68 Sekunden
erzielte. In der 37. Minute spielte Cebe am Sechzehner drei Gegenspieler
schwindlig, steckte den Ball dann zu Feinbier durch, die Kugel wurde von
einem Magdeburger noch abgefälscht und fiel dem Torjäger sogar
noch passgenau vor die Füße, Flachschuss aus ca. 8 Metern ins
kurze Eck, drin. Nach dem Anstoß eroberten die Fortunen sofort wieder
den Ball, langer Pass auf rechts, wieder auf Cebe, der brachte die Pille
volley in die Mitte, und da kam wieder Feinbier und nickte aus vollem
Lauf und ungefähr zehn Metern Entfernung gegen die Laufrichtung von
Torwart Beer ein. Feinbiers Gegenspieler, der ihn bis dahin absolut im
Griff hatte, muss gedacht haben, er sei im falschen Film. So muss ein
Stürmer agieren. Eigentlich ein tragischer Witz für uns, dass
der Mann schon 37 Jahre alt ist.
Aber ein 2:0 heißt bei Fortuna ja noch gar nichts, besonders wenn
man sich die Anschlusstreffer immer so früh fängt. Diesmal war
es in der 55. Minute, und es war eine Premiere: Magdeburg spielt ja seit
November 2006 in einer neuen, schmucken kleinen Arena und hatte in den
zwei bis dato ausgetragenen Heimspielen dort noch keinen Treffer markieren
können. Kullmann war derjenige, der die Kugel im Anschluss an eine
Ecke im Gewühl aus kurzer Distanz über die Linie drückte,
wobei das Gewühl so groß war, dass niemand genau sehen konnte,
was eigentlich geschah. Aber auch das half Kullmann nicht, er wurde als
Torschütze erkannt und muss daher nunmehr den Preis entgegen nehmen,
der für das erste Heimtor des FCM im neuen Stadion ausgelobt war:
eine Dauerkarte für die Heimspiele, und zwar für den Rest seines
Lebens. Ich hoffe, er wird glücklich damit, werde aber trotzdem in
den nächsten Wochen mal bei eBay reinschauen, was so an Tickets für
Heimspiele des 1.FC Magdeburg angeboten wird...
Falls noch eine zweite Dauerkarte zur Verlosung stand, dann geht die nach
Düsseldorf. Zwar ließ sich beim Ausgleich in der 77. Minute
Sven Kubis enthusiastisch für ein besonderes Bravourstück feiern:
er wurde eingewechselt, rannte nach vorne und köpfte 12 Sekunden
nach seiner Einwechslung einen Freistoß zum 2:2 ein. Allerdings
war es dann doch eher eine Eigentor von David Krecidlo, der den Ball raffiniert
über Schlussmann Kronholm ins Netz hob. Wieder nix mit einem Sieg,
die Remis-Könige waren wieder da. Wir schaffen das, und wenn wir
selbst mit Hand anlegen müssen!
Wie gesagt, es war ein glücklicher Punkt, Torwart Kronholm hatte
eigentlich seine erste große Bewährungsprobe, die Magdeburger
ballerten aus allen Rohren, er musste allein dreimal gegen Spieler parieren,
die frei vor ihm auftauchten. Bis auf eine Flanke, die er unterlief, machte
er ein gutes Spiel und rettete der Mannschaft das Unentschieden.
Tja, und nu? Nu sind wir Tabellen-3., was momentan einen Aufstiegsplatz
bedeutet, da auf Platz 2 weiterhin die Zweitvertretung des HSV steht.
Aber hat das etwas zu bedeuten? Mitnichten, denn bis auf Platz 13 sind
es nur unglaubliche 3 Punkte Vorsprung. So etwas hat man lange nicht gesehen,
und mit den ganzen Unentschieden kann man sich aus diesem Pulk auch nicht
besonders gut absetzen. Wenn man etwas mit dem Aufstieg zu tun haben will,
sollten auch mal wieder Siege her. Im März wird es noch reichlich
Gelegenheiten dafür geben, zunächst kommt am nächsten Samstag
(17.03.) der punktgleiche Wuppertaler SV zum Nachbarschaftsderby nach
Düsseldorf, anschließend geht es in den Signal-Iduna-Park,
eines der schönsten zukünftigen Zweitliga-Stadien, zum Spiel
bei Borussia Dortmund II (24.03.), das nächste Spitzenspiel dann
am Mittwoch, 28.03., zuhause gegen den VfB Lübeck, und abgeschlossen
wird der März mit der Partie am 31.03. bei unserem Lieblingsgegner
Werder Bremen II, gegen den wir noch nie gewonnen haben, der uns aber
diesmal gerüchteweise das Weserstadion und nicht diesen Nebenplatz
11 als Spielort kredenzen will.
Es darf somit weiterhin nach oben geschaut werden, allerdings durchaus
auch nach unten. Noch muss man sich auch auf Platz 13 keine Sorgen machen,
im Aufstiegskampf nicht mehr eingreifen zu können. Ich schätze
mal, Ende März wird dies nicht mehr der Fall sein, daher sollte man
sich von solchen Tabellenregionen ab sofort tunlichst fernhalten, will
man die Saison nicht bereits Anfang April wieder abhaken können.
Also, Jungs: tut was! Am besten gewinnen. Nur mal so als Tipp.
Unentschieden sind doof, aber immer noch besser als nix, meint: janus
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