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So, zum Ende des Jahres gibt
es noch einmal mächtig Stoff. Sechs Spiele in der Meisterschaft gilt
es aufzubereiten. Das Ergebnis zu Beginn der Winterpause ist recht zufriedenstellend.
Fortuna hält oben mit, schon geistert das Wort Aufstieg
vermehrt durch die Fan-Gemeinde. Allerdings gab es auch in den zurückliegenden
Wochen viele Baustellen, die nur teilweise abgearbeitet werden konnten.
Man darf gespannt sein, ob dies in der Winterpause gelingt.
Wieder einen abgebrochen
Fortuna holte am 04.11.06 nur ein 1.1 gegen Bayer Leverkusen II und verpasste
damit erneut die Tabellenführung in der Regionalliga Nord. Das Führungstor
durch Marcel Podszus, der auf herausragende Vorarbeit von Lambertz bereits
in der 6. Minute endlich mal wieder traf, reichte ebenso mal wieder nicht
zum Sieg, weil man sich in der 86. Minute den Ausgleich durch Tiberkanine
einfing. Dazwischen lagen ein halbes Dutzend hochkarätiger Chancen,
die Fortuna leichtfertig versemmelte, sowie ein eigenartiges Schiri-Gebaren:
nachdem in der 1. Halbzeit schlicht gar nichts Aufregendes im Hinblick
auf Hektik oder Spielunterbrechungen zu verzeichnen war (dafür war
Fortuna zu überlegen und Leverkusen zu schlecht), zeigte der lustige
Pfeifenmann zu Beginn der 2. Halbzeit Tiberkanine nach 30 Sekunden Gelb.
Dies war aber leider nur der Auftakt zu einem sportlichen Amoklauf des
Referees, der sein Ende erst nach 6 Gelben und einer Roten Karte, dem
Übersehen klarster Fouls sowie dem Abpfeifen von 16 (mitgezählt!)
Vorteilssituationen fand, darunter eine besonders bittere, als Podszus
allein aufs Tor zulief und fünf Sekunden später durch einen
Pfiff gestoppt wurde, der Freistoß für Fortuna an der Mittellinie
signalisierte. Seit jenem Samstag, 15.45 Uhr, wird übrigens massiv
eine Untersuchung darüber gefordert, was Schiedsrichtern in der LTU-Arena
zur Pause an Getränken gereicht wird. Es war wirklich unfassbar.
Höhepunkt sicherlich die Rote Karte für Cebe in der 67. Minute,
die an sich berechtigt war, weil Cebe wie ein Idiot seinen Gegenspieler
in dessen Hälfte von der Seite ummähte, andererseits aber ganz
klar in der Verantwortung des Schiedsrichters lag, der Sekunden zuvor
ein Foul an Lambertz nicht pfiff, das bis unter das Tribünendach
zu sehen war (fast wäre Lambertz oben ohne rumgelaufen, so sehr wurde
am Trikot gezerrt); aus diesem Ballverlust resultierte dann das dämliche
Frustfoul. Eine ganz große Leistung dieser Pfeife, dessen Namen
ich verdrängt habe. Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, und nicht
entscheiden diesem Herrn war dieser Grundsatz eindeutig zu langweilig.
Trotzdem waren die drei Spiele Sperre, die Cebe aufgebrummt bekam, für
diese Blutgrätsche natürlich völlig in Ordnung.
Im Endeffekt vergab Fortuna den Sieg natürlich selbst, Podszus, Cebe
und Adewunmi hatten zum Teil gleich mehrfach die Entscheidung auf dem
Schlappen, dazu sah Torwart Deuß beim Gegentor mal wieder so richtig
sicher aus, als er sich aus spitzem Winkel tunneln ließ. Zwei verlorene
Punkte, die am Ende noch richtig weh tun können, denn Bayer war wirklich
harmlos. Und irgendwann muss es doch auch mal jemand von den Verantwortlichen,
sprich: den Spielern, merken: ihr könnt kein 1:0 über die Zeit
spielen. Ihr konntet es nie, und ihr werdet es nie! Versucht es also erst
gar nicht. Und an die Adresse der Trainer wäre zu richten, dass man
gerne regelmäßig den gemeinen Konter trainieren lassen kann.
Da scheinen einige Spieler in der Jugend nämlich öfter mal gefehlt
zu haben. Was hier erneut an guten Überzahl-Gelegenheiten vertändelt,
verschossen oder verpasst wurde, war eigentlich schon nicht mehr besonders
überraschend, da es bereits mehrfach in dieser und in der letzten
Saison gesichtet werden konnte. So brachte sich die Mannschaft selbst
leichtsinnig um ihren Lohn, hatte man in der ersten Halbzeit doch den
Gegner klar dominiert. Aber wenn da nicht das 2:0 nachgelegt wird, darf
regelmäßig gezittert werden. Das muss doch nicht sein.
Respekt übrigens noch an die handgezählten 11 Leverkusener im
Gäste-Fanblock und das, obwohl deren eigene Erste nahezu zeitgleich
in der BayArena spielte. Da war es wenigstens geheizt.
Erst Glück, dann Geschick
Am 08.11.06 fand der 15. Spieltag der Regionalliga Nord statt. Allerdings
ohne Fortuna. Dieses Spiel hatte man bereits am 13.09.06 gespielt und
mit einer echten Grottenleistung 0:1 bei Kickers Emden verloren. Somit
war dieser Spieltag für uns schon verdorben. Aber siehe da, in dieser
Saison ist uns auch mal das Glück hold: obwohl wir beim eng zusammenstehenden
vorderen Tabellenfeld und den Konstellationen der anderen Spiele mit ganz
viel Pech bis auf Rang 9 hätte durchgereicht werden können,
gab es kaum Verluste beim Tabellenplatz, da die anderen Vereine mehr oder
weniger für uns spielten, vorzugsweise unentschieden. Also konnte
man sich mit einem Sieg im Spiel gegen den FC St. Pauli am darauf folgenden
Spieltag in der Tabelle wieder nach oben orientieren. Der Tag dazu war
wie geschaffen: der 11.11.06. Helau! Die fünfte Jahreszeit begann!
Bahn frei für Mummenschanz und neue Promille-Rekorde! Wobei ich ehrlich
zugebe, dass ich mit Karneval genau gar nichts anfangen kann. Ich habe
aber Verständnis dafür, dass an solchen Tagen viel Alkohol fließen
muss. Denn könnte ich etwas mit Karneval anfangen und würde
verkleidet durch die Straßen oder in die Sitzungen ziehen
ich müsste mich auch hemmungslos besaufen, um mein Aussehen und den
Anblick dessen zu ertragen, was hierzulande unter Brauchtum
verstanden wird. Ich war und bin schon gespannt, wie viele brauchtümliche
Elben, Darth Vaders oder Draculas mir in dieser Session begegnen werden.
Bei manchem närrischen Trunkenbold war ich zuvor auch schon ins Grübeln
gekommen, ob derjenige sein entsprechendes Kostüm von Halloween bis
zum 11.11. überhaupt gewechselt oder praktischerweise gleich aufgetragen
hatte und selbiges auch für die Zeitspanne bis zum Rosenmontag plante.
Einfach mal am Wochenende abends oder nachts U-Bahn fahren, dann wisst
ihr, was ich meine...
Aber egal, wir Düsseldorfer feiern natürlich nicht nur unter
uns, wir laden uns an solchen Tagen auch Gäste ein. Vorzugsweise
solche, die von dem bunten Treiben nicht die geringste Ahnung haben, in
der Hoffnung, sie dadurch so zu verwirren, dass es bereits vor dem Anpfiff
zu derartigen Konzentrationsstörungen kommt, dass die Heimmannschaft
anschließend leichtes Spiel hat. Diesmal kam also der FC St. Pauli
aus Hamburg. Nun, die würden vielleicht nicht so überrascht
sein wie gewünscht, denn die kennen ja eine solche Ansammlung leicht
debil grinsender Leute, die alle ordentlich einem im Tee haben und schmutzige
Lieder grölen, eigentlich als ganzjährige Veranstaltung. Nennt
sich dort nur nicht Karneval, sondern Reeperbahn
und ist bei denen direkt um die Ecke. Insoweit durften sie ein wenig vorgewarnt
sein. Und ich hoffte, dass die fortunistische Gastfreundschaft nicht so
weit ging, anschließend 11 betrunkene Statisten als Fußballer
verkleidet aufs Spielfeld zu schicken, die orientierungslos über
das Feld irrten und nur dann sportliche Aktionen zeigten, wenn es darum
ging, einen flotten Can-Can auf den Rasen zu legen. Nein, drei Punkte
für Fortuna durften es schon sein!
Fortuna schlug den FC St. Pauli mit 2:0 und blieb an den führenden
Teams der Regionalliga Nord dran. Das Spiel begann mit einer halben Stunde
Verspätung, weil die Rheinbahn pünktlich zum Karnevalsbeginn
auch ein Schelmenstück beitragen wollte und mal kurz ihre Oberleitungen
zwischen Altstadt und LTU-Arena lahmlegte. Tausende saßen in den
Bahnen und mussten mit Ersatzbussen oder Taxen zum Stadion gebracht werden.
Das schien aber auch gelungen zu sein, es waren fast 25.000 Zuschauer
im Stadion, natürlich Saisonrekord. Und vielleicht haben ja tatsächlich
alle das Führungstor der Fortuna mitbekommen. Ausgerechnet Ex-Pauli-Spieler
Robert Palikuca köpfte nämlich bereits nach 10 Minuten einen
Albertz-Freistoß zum 1:0 in die Maschen. Dem Torschützen war
das sichtlich peinlich, und er unterließ überschwängliches
Jubeln, weil er, wie er in einem Interview offen zugab, noch sehr viele
Sympathien für St. Pauli hat. Meinetwegen, solange er mithilft, sie
abzuschießen, kann er Sympathien haben, soviel er will. St. Pauli
nach dem frühen Gegentor druckvoller, mit einigen guten Chancen,
aber Fortuna konnte dagegen halten und ihrerseits gute Gelegenheiten herausspielen.
Leider verwechselten die Kiezkicker zeitweise Kampfspiel mit rüdem
Spiel, was Schiri Trautmann jedoch bis zur Pause ungeahndet durchgehen
ließ. Danach wurde es auch ihm zu bunt, und er zog den ein oder
anderen Karton, bis hin zu Gelb/Rot für Ian Joy in der 64. Minute.
Obwohl der Sünder sich im Zuge der Rudelbildung nach seiner Blutgrätsche
gegen Lambertz an der Mittellinie listig ganz weit vom Ort des Geschehens
entfernt hatte, grub der Schiri ihn nach einigem Suchen am eigenen Strafraum
aus und stellte ihn völlig zu Recht vom Platz. Damit war die Partie
entschieden, denn St. Pauli hatte sich unmittelbar nach Wiederanpfiff
selbst das zweite Gegentor ins Netz gelegt, als Lechner nach Lambertz-Flanke
vor dem frei stehenden Canale retten wollte und die Kugel dabei ins eigene
Netz lenkte. Nach dem Platzverweis hatte St. Pauli nur noch eine Chance
durch Braun, die Deuß großartig parieren konnte, während
Fortuna in gewohnter Manier noch ein halbes Dutzend Konterchancen vertändelte.
Dies war auch der einzige Kritikpunkt des Trainers für ein ansonsten
unterhaltsames Spiel, welches in Fortuna einen verdienten Sieger fand.
Nun galt es zu hoffen, dass die Spieler nicht nur in der Heimat vor 25.000
Zuschauern bestehen konnten, sondern auch am nächsten Spieltag auf
dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz in Hamburg beim Spiel gegen die HSV-Reserve.
Verspülte Tabellenführung
Weil der DFB das Spiel beim Hamburger SV II auf Sonntag, den 19.11.2006,
verschoben hatte, lockte nicht nur ein ganzes Wochenende in Hamburg, nein,
auch der Spielplan gab Entsprechendes her. Und so gab es ein norddeutsches
Fußball-Weekend der recht unterhaltsamen Art.
Zunächst besuchten wir am Freitag die Partie unseres letzten Gegners.
Der FC St. Pauli empfing am heimischen Millerntor RW Erfurt. Da St. Pauli
durch die Niederlage gegen Fortuna in der Tabelle etwas zurückgefallen
war, Erfurt hingegen mit der Empfehlung von neun ungeschlagenen Spielen
in Folge anreiste, war klar, dass es für uns nicht ganz ungünstig
wäre, wenn die Hamburger die Konkurrenten aus Thüringen mal
ein wenig in die Schranken weisen würden. Wer hier sonst noch wen
in die Schranken weisen wollte, wurde uns sofort klar, als wir mit dem
Auto über die Reeperbahn düsten, auf der Suche nach einem Parkplatz:
das erste Fahrzeug, das uns den Weg versperrte, war ein Wasserwerfer.
Auch sonst war der Stadionvorplatz sowie das Heiligengeistfeld, auf dem
grad der Winterdom stattfand (quasi ein Art Kirmes, für die Rheinländer
unter den Lesern) ziemlich gut in öffentlich-rechtlicher Hand. Fantechnisch
war RW Erfurt erstaunlich gut vertreten und machte auch ordentlich Stimmung.
Und kaum hatten wir uns überlegt, dass ein Unentschieden vielleicht
auch nicht ganz so übel wäre, da stands schon 1:0 für Erfurt.
Torschütze wie üblich: Björn Brunnemann. Jedesmal wenn
der gegen Fortuna spielt oder ein Fortune ihn spielen sieht, trifft der,
als ob er wüsste, wer zuguckt. Ich hatte im Sommer schon geschrieben,
den würde ich mit der Schubkarre aus Erfurt abholen, wenn wir ihn
holen könnten. Wir konnten es leider nicht. Wenn Fortuna ihr Angebot
erneuern könnte, wäre ich sogar bereit, den Flug zu sponsern,
der muss ja nicht wirklich in der Schubkarre bei uns anreisen.
Der Rest des Spiels ist schnell erzählt, St. Pauli schaffte noch
den Ausgleich, und die Partie endete tatsächlich 1:1. Sie hatte zwei
Tore, drei Lattentreffer und einmaliges Retten auf der Linie für
den bereits geschlagenen Torwart zu bieten und war trotzdem grottenschlecht,
denn diese Szenen waren auch wirklich die einzig Erwähnenswerten
über 90 Minuten, ansonsten gab es nur planloses Gebolze von hinten
raus, Fehlpässe nach vorne und vor allem in der zweiten Halbzeit
unzähligen Unterbrechungen wegen kleinerer Fouls. Die Besucher der
Haupttribüne vertrieben sich die Zeit damit, sich pro oder contra
Trainer Bergmann einzustellen und dies auch lautstark kund zu tun. Mein
persönliches Highlight war hierbei eine etwas ältere Dame hinter
mir, die eigentlich permanent mit beachtenswerter Akustik und herrlich
norddeutschem Dialekt gegen den Trainer wetterte, höchstens mal mit
kurzzeitigen Unterbrechungen, wenn sie flüssigen Nachschub organisieren
musste. Schlussendlich wollte sie ihren Begleiter auch in die Diskussion
einbeziehen und fragte ihn daher lautstark, was er denn davon halte würde,
woraufhin dieser diplomatisch antwortete: Versteh ich nix von.
Sehr unterhaltsam, das Ganze.
Warum ich dies alles so ausführlich erwähne? Nun, am Montag
danach las ich den entsprechenden Spielbericht im kicker. Und dort wurde
diesem Graupenkick, insbesondere der unansehnlichen zweiten Halbzeit,
ausdrücklich das Prädikat hochklassig verliehen!
Und während ich noch rätselte, bei welchem Spiel entweder der
entsprechende Artikelschreiber oder aber ich gewesen sei, lief online
schon die Meldung ein, dass St.Pauli-Trainer Bergmann beurlaubt worden
sei. Sicherlich auch aufgrund des hochklassigen Spiels, das
seine Mannschaft gegen Erfurt abgeliefert hatte. Also, liebe kicker-Redaktion:
weniger ist manchmal mehr. Wenn von euch schon keiner Lust hat, sich das
Spiel anzusehen, dann schreibt das doch auch. Kommt besser, als sich bei
irgendjemandem zu erkundigen, wie denn das Spiel gewesen sei, um sich
dann anscheinend komplett veräppeln zu lassen. Seriöse Berichterstattung
sieht irgendwie anders aus...
Am Tag darauf zog es uns in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt,
wo Holstein Kiel gegen den Tabellenführer VfL Osnabrück spielte.
Die Kieler, Top-Aufstiegsfavorit und mit dem höchsten Etat der Liga
in die Saison gestartet, dann aber grandios abgestürzt und schon
seit Wochen auf einem Abstiegsplatz, hatten sich kurz zuvor einen neuen
Trainer zugelegt, Stefan Böger hatte den erfolglosen Frank Neubarth
beerbt. Und wieder griff das Prinzip der gut kehrenden neuen Besen, der
Liga-Primus aus Osnabrück hatte über das gesamte Spiel nicht
eine einzige herausgespielte Torchance und war mit dem 0:2 noch gut bedient.
Das fand auch deren Trainer Pelé Wollitz, der ob der Nichtleistung
seiner Mannschaft viel zu verdutzt war, um vor Wut in die Werbebande zu
beißen, wie ich es mir gewünscht hätte. Für Fortuna
ein Warnschuss zur rechten Zeit, denn der nächste Heimspiel-Gegner
würde Holstein Kiel heißen. Andererseits aber auch ein schönes
Ergebnis, denn dadurch war die Chance gegeben, am nächsten Tag mit
einem Sieg die Tabellenführung zu übernehmen
Aber der Dauerregen von Hamburg spülte die mögliche Übernahme
der Tabellenspitze den Bach runter - 1:1 und somit Tabellenplatz 3 hieß
es nach 90 Minuten.
Das Spiel fand auf einer Anlage statt, der ich höflich vollste Verbandsligatauglichkeit
attestieren kann, die aber für die 3. Liga und die zweite Mannschaft
eines angeblichen Bundesligisten eher Richtung Unverschämtheit tendierte.
Schon die Organisation war vom Feinsten. Die letzten beiden Gastspiele
der Fortuna beim HSV fanden in der AOL-Arena statt, die Zuschauerresonanz
war jeweils dreistellig. Da dachte sich nun der HSV, für die paar
Männeken machen wir doch unser großes Stadion nicht noch einmal
auf! Um dies zu untermauern, beorderte man bereits am Montag zuvor, also
volle sechs Tage vor dem Spiel, das dem Gastverein überlassene Kartenkontingent
von der Fortuna-Geschäftsstelle zurück. Da bis dato wen
wunderts nur 200 Karten verkauft waren, hatte man nun ein
schönes Argument, die Partie auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz in
Stellingen, in unmittelbarer Nähe des Tierparks Hagenbeck, stattfinden
zu lassen. Aber um den Besucherstrom noch mehr in Grenzen zu halten, erzählten
sie das nicht jedem. Bis zuletzt war auf der offiziellen Homepage als
Spielort evt. AOL-Arena ausgewiesen, die Tickets, die man
erwerben konnte, lauteten auch unüberlesbar auf AOL-Arena,
und noch drei Tage vor dem Spiel wurde eine telefonische Anfrage, wo das
Spiel denn nun stattfände, auf der Geschäftsstelle des HSV wortwörtlich
mit: AOL-Arena wo denn sonst? beantwortet. Gastfreundschaft
der etwas anderen Art, allerdings nichts Neues bei den Hanseaten, die
beim Spiel in der vorletzten Saison (aber im Jahr 2005, im April) noch
den umgekehrten Weg gegangen waren und Karten für den Wolfgang-Meyer-Sportplatz
verkauft hatten, obwohl das Spiel dann in der Arena stattfand. Und zwar
aus gutem Grund, wie man nach Erreichen der Spielstätte feststellen
konnte. Ich habe diesen Sportplatz (im Stadionheft wieder mal pfiffig
und durchaus korrekt mit WM-Stadion abgekürzt) im Jahr
2004 schon einmal besichtigt und beschrieben, kann daher auf die dort
gemachten Erfahrungen verweisen. Es hat sich nichts geändert, es
ist zwar ganz lustig, so etwas mal zu sehen, aber in meinen Augen trotzdem
eine Frechheit, dass dort dritte Liga gespielt wird, vor allem von einem
Bundesligisten. Sicherheitsstandards gelten für wichtige Erstligisten
anscheinend nicht. Und der Verein selbst tat ja sein Möglichstes,
um irgendwelche Gästefans vom Besuch des Spiels abzuhalten. Da fragt
man sich schon, mit welcher Begründung diese Herrschaften denn 3.
Liga spielen wollen, wenn sie so wenig an den Spielen der eigenen Mannschaft
interessiert sind. Wenigstens erfüllte der HSV an jenem Nachmittag
alle Amateur-Standards. Wenn schon das Klo und der Verpflegungsstand außerhalb
der Anlage liegen (ebenso wie die Gästetribüne, die hinter dem
Zaun steht, der den Sportplatz auf der Gegengeraden eigentlich begrenzt),
dann schickt man auch ein paar Ordner vor, die der Meinung sind, nicht
jeder dürfe sich noch eine Tribünenkarte kaufen und praktiziert
Blocktrennung auf der kleinen Tribüne mittels eines rot-weißen
Trassierbandes. Ich bin sicher, mit derlei Schutzmaßnahmen kann
man nächstes Jahr auch hierhin gegen Burghausen ausweichen, allerdings
mit der ersten Mannschaft, was die aktuelle Bundesliga-Tabelle ja durchaus
hergeben würde. Auch hat so eine Amateur-Veranstaltung meistens einen
Depp vom Dienst, oft ist diese Rolle für den nörgelnden Platzwart
reserviert, und auch da wollten die Hamburger nicht zurückstehen:
es erschien also kurz vor dem Spiel der Herr Stadionsprecher an seiner
Kabine, ausgestattet mit einem monströsen Diplomatenkoffer, in den
so manch geheime Abrüstungsunterlage gepasst hätte. Als er ihn
dann stolz aufschraubte, befanden sich darin nichts weiter als ein paar
Blatt Papier, bei denen es sich um Mannschaftsaufstellungen handelte.
Das war schon aller Ehren wert, aber es kam noch besser: er schloss den
Koffer und wollte sein telefonzellengroßes Reich entern, leider
war die Tür abgeschlossen, und er fand den Schlüssel nicht.
Nach minutenlangem Suchen, Fragen und Sichaufregen kam ihm die Erleuchtung:
noch einmal wurde der Ich war mal Referent bei Genschman-Gedächtnis-Koffer
geöffnet, und siehe da: unter den drei Blatt Papier fand sich auch
der Schlüssel, der also mit höchstmöglicher Sicherheit
transportiert worden war. Daumen hoch für diese gelungene Slapstick-Einlage!
Es passte halt einfach alles. Im übrigen waren es insgesamt 1.200
Zuschauer, da hatte der HSV mit seiner Ihr interessiert uns einen
feuchten Dreck-Taktik also lediglich erreicht, dass noch mehr Leute
neugierig auf das Spiel geworden waren, denn gut dreiviertel der Anwesenden
drückten Fortuna die Daumen. Obwohl es ja eigentlich eher traurig
ist, denen für diese Organisation noch Geld in den Rachen
zu werfen.
Immerhin, während die zwei vor der Begegnungsstätte
des Spiels gelegenen Aschenplätze schon zur Pause Landunter
meldeten (sie waren beide vollgelaufen und verbanden sich zu einem einzigen
großen See), konnte auf dem Geläuf des Wolfgang-Meyer-Sportplatzes
noch zu Ende gespielt werden Trotz des strömenden Dauerregens zeigten
die Fortunen gelungenes Passspiel und teilweise schöne Angriffe.
Nur vergaß man wieder mal das Toreschießen, allen voran Marcel
Podszus, der aus 8 Metern völlig frei versuchte, die Kugel in die
angrenzende Eishockeyhalle zu pöhlen, was ja bei ihm in dieser Saison
leider nichts Neues ist (bis auf die Eishockeyhalle vielleicht). Aber
auch Wolf, Canale, Lambertz und Anfang vergaben aus aussichtsreichen Positionen.
Den einzigen Treffer für Fortuna erzielte erneut Robert Palikuca,
der einen Anfang-Freistoß in der 58. Minute zum 1:1 einnickte. Kurz
nach der Pause waren die HSV-Bubis, die sich im wesentlichen auf Kampf
beschränkten, durch einen verwandelten Foulelfmeter von Cannizzaro
mit 1:0 in Führung gegangen, zuvor hatten Anfang und Lambertz den
Ball 20 m vor dem eigenen Tor vertändelt, ein schneller Pass in die
Spitze, und Deuß konnte den gegnerischen Stürmer nur noch fällen,
klare Sache. Im Anschluss an den Gegentreffer verlor Fortuna kurz die
Ordnung und hatte Glück, dass der HSV nicht das zweite Tor nachlegte.
Durch den schnellen Ausgleich fing man sich jedoch wieder und war bis
Ende des Spiels tonangebend, musste aber immer vor den schnellen Kontern
der Gastgeber auf der Hut sein. Ein Sieg war durchaus möglich, aber
auch eine Niederlage wäre drin gewesen, sodass man auch hier zufrieden
sein musste.
Nachtrag: am gleichen Tag sollte in der Verbandsliga Niederrhein (5. Liga)
Fortuna II zum Spitzenspiel bei RW Essen II antreten. Der Fußball-Verband
Niederrhein verschob aufgrund von Sicherheitsbedenken die Partei von Sonntag
auf Dienstag und verdonnerte RWE dazu, das Spiel in deren Stadion an der
Hafenstraße stattfinden zu lassen! Was bei ca. 400 Zuschauern auch
wirklich erforderlich war...Beim Spiel HSV II Fortuna war die dreifache
Zuschaueranzahl anwesend, ohne eine ernsthafte Sicherheitsvorkehrung.
Aber wie gesagt, wenn man Bundesligist ist, hat man es natürlich
auch beim Verband erheblich leichter. Warum sollte sich auch ein wichtiger
DFB für den Wolfgang-Meyer-Sportplatz interessieren? Die hatten ganz
andere Sorgen, schließlich musste deren Präsident, der falsche
Fünfziger, nahezu gleichzeitig an jenem Sonntag in dieser DSF-Korsakow-Syndrom-Runde
(bitte im Pschyrembel nachschlagen), mal flott verkünden, er sehe
die Rückkehr von Christoph Daum in die Bundesliga, wenn auch vorerst
nur in die Zweite, durchaus kritisch, weil der Christoph, der olle Kokser,
sich erst noch soziale und moralische Glaubwürdigkeit
wieder erarbeiten müsse, und das sehe er, Zwanziger, jetzt noch nicht
so ganz. Da sag ich natürlich auch Keine Macht den Drogen!,
und dem DFB ein kräftiges Prost! vom langjährigen
Hauptsponsor, der ja auch munter sein Scherflein dazu beiträgt, dass
in diesem Land jährlich Zigtausende an Alkoholmissbrauch verrecken
und einige es vorher schaffen, wenigstens noch ein paar Nüchterne
plattzufahren. Wie bigott darf Politik eigentlich sein? Aber Rauchverbot
im Stadion diskutieren, und bei Trainern, die einem nicht passen, die
Moralkeule schwingen, jaja. Da wirds vom Hauptsponsor bestimmt ein
ordentliches Weihnachtspräsent geben...
Last Orders, please!
Am 25.11.06 stand sodann das letzte Heimspiel des Kalenderjahres 2006
an. Wie erwähnt kam Holstein Kiel und wie befürchtet waren sie
auf dem aufsteigenden Ast. In der ersten Halbzeit machten sie der Fortuna
das Leben schwer, standen sehr gut hinten drin und spielten munter nach
vorne. Stürmer Pavel Dobry sorgte für ziemlichen Alarm in der
Fortuna-Hälfte und hatte auch zwei gute Chancen. Zudem wurde der
eh schon ziemlich gebeutelte Fortuna-Kader nochmals kalt erwischt: in
der 18. Minute musste Robert Palikuca, zuletzt immerhin zweifacher Torschütze,
mit einer Zerrung vom Platz humpeln. Für ihn kam Erdal Eraslan, der
nach dem ersten Sprint die Gangart von Palikuca nachahmte und zur Pause
ebenfalls mit Zerrung draußen blieb. Auch Jörg Albertz kehrte
nicht wieder, der im Training lädierte Zeh, um dessentwillen er vor
dem Spiel eine schmerzstillende Spritze erhalten hatte, muckte wieder
auf. Somit war das Wechselkontingent schon zur Pause erschöpft, und
alle drei Wechsel erfolgten verletzungsbedingt. Muss man auch erst einmal
schaffen. Umso besser, dass diejenigen, denen auf dem Platz jetzt wirklich
nichts mehr passieren durfte, auch gar nicht daran dachten, sich zu verletzen,
sondern noch mehr Druck nach vorn entfachten, und in der 54. Minute auch
belohnt wurden, als Canale in einem seiner wenigen lichten Momente einen
schönen Pass von links in die Mitte zu Markus Anfang spielte. Dieser
hatte 20 Meter vor dem Tor alle Zeit der Welt, den Ball zu stoppen, zu
gucken, und die Kugel dann volley links oben in den Giebel zu hauen. Ein
Traumtor, welches völlig zurecht auch in der Sportschau-Auswahl
zum Tor der Woche auftauchte. Kiel musste nun aufmachen, kam
auch noch einmal gefährlich vor das Fortuna-Tor, wiederum Dobry zielte
nur Zentimeter neben den linken Pfosten, aber dann war das Spiel durch,
weil sich gleich zweifach Wundersames ereignete: zum einen nutzte Fortuna
endlich, endlich mal eine Konterchance, zum anderen war es ausgerechnet
der Chancentod der letzten Wochen, Marcel Podszus, der auf herausragende
Vorarbeit von Lambertz, der mal eben vier Kieler auf sich zog und dann
im richtigen Moment abspielte, das entscheidende 2:0 erzielte. Tja, und
wenn schon Podsche trifft, der bislang in dieser Saison wirklich
die Seuche am Fuß hat, dann kann ja nix mehr passieren! Und so war
es auch, das 2:0 wurde locker nach Hause gespielt. Somit hat Fortuna im
Kalenderjahr 2006 nur ein einziges Heimspiel verloren, im August gegen
RW Ahlen. Das war übrigens das einzige Heimspiel in 2006, bei dem
ich nicht vor Ort war, ich persönlich kann also wirklich nicht klagen.
Fortuna keucht sich auf Platz 2
Mit dem letzten Aufgebot und ein wenig Glück erreichte Fortuna am
02.12.06 ein 1:1 bei Mönchengladbach II. Da gleichzeitig der Wuppertaler
SV in Emden mit 1:3 verlor, kletterte die Fortuna durch dieses Unentschieden
tatsächlich noch auf Platz 2 und beendete die Hinrunde damit auf
einem Aufstiegsplatz.
Dies war allerdings auch so ziemlich das einzig Erfreuliche an diesem
Spiel. Fortuna fehlten Lambertz, Albertz, Feinbier, Cakir, Eraslan und
Costa, allesamt verletzt, immerhin saß Oliver Barth nach mehrwöchiger
Verletzungspause wieder auf der Bank und wurde in der zweiten Halbzeit
auch eingewechselt. Neben ihm wärmten sich übrigens neben Ersatztorwart
Kronholm sowie Wolf und Adewunmi drei Spieler aus dem Verbandsliga-Kader
die Hintern an, mehr Personal hatte Trainer Weidemann nicht mehr zu bieten.
Außerdem war man am Dienstag zuvor im FVN-Pokal zum dritten Mal
hintereinander in der dritten Runde beim Wuppertaler SV ausgeschieden
(jaja, das wird ja immer ausgelost), das war allerdings nichts
Neues, leider jedoch gab es die spielerische Höchststrafe,
sprich 120 Minuten ohne Tore und anschließendes Elfmeterschießen,
das der WSV mit 4:2 gewann (Heeren und Kruse verschossen). Entsprechend
fit war man am Spieltag (und Wuppertal ja auch, wie das Ergebnis
in Emden zeigt). Fortuna bekam die Partie vor 4.500 Zuschauern im Borussia-Park
zu keiner Zeit in den Griff, in der zweiten Halbzeit hatte der Tabellenletzte,
der schon seit Wochen Komplimente bekommt, dass er da eigentlich gar nicht
hingehört, mehrere hochkarätige Chancen, die aber allesamt derart
kläglich vergeben wurden, dass Torwart Deuß nicht einmal eingreifen
musste, die schossen von ganz allein drüber oder vorbei. Da konnte
man sehen, warum diese Mannschaft, die spielerisch eine Menge drauf hat,
so abgeschlagen am Tabellenende steht. Beeindruckend immerhin der Auftritt
des erst 17jährigen Marko Marin im Gladbacher Mittelfeld. Er war
es auch, der, als niemand mehr damit rechnete, in der 90. Minute das 1:0
erzielte, wobei er allerdings gleich doppelt Glück hatte: zum einen
war der Freistoß vom Schiri geschenkt, zum anderen hätte der
Fohlen-Nachwuchs, wie schon beschrieben, auch noch zwei Stunden
weiterspielen können, ohne das Tor zu treffen, deshalb wurde der
harmlose Freistoß von einem Kopf in der Mauer abgefälscht und
landete unerreichbar für Torwart Deuß in der langen Ecke. 1:0
in der 90. Minute gegen eine II-Mannschaft ist aber im Jahr
2006 bei Fortuna kein Grund, das Stadion wutentbrannt zu verlassen. Am
Karnevalssamstag diesen Jahres spielte Fortuna zuhause gegen den HSV II,
0:1 in der 91. Minute, 1:1 in der 92. Ende September war Bremen II zu
Gast und freute sich, 1:2 in der 89. Minute, dennoch gab es lange Gesichter
bei den Bubis, 2:2 in der 90. Minute. Und so auch hier: da sich die Gladbacher
mental wohl schon auf der Ehrenrunde befanden, konnte Palikuca im Gegenzug
noch den glücklichen Ausgleich erzielen und ein komplettes Desaster
vermeiden, wobei er ein grobes Missverständnis in der Gladbacher
Abwehr zum Abstauber nutzte: nach einem langen Pass in den Gladbacher
Strafraum waren sich zwei Abwehrspieler und der herausstürzende Torwart
Richter nicht einig, wer den Ball nehmen sollte, nach dem Motto: Nimm
du ihn, ich hab ihn sicher! ließen sie ihn alle drei durch,
und als netten Nebeneffekt grätschte Richter beim Verfehlen des Balles
auch noch seinen eigenen Mann um. Die Kugel hoppelte weiter Richtung leeres
Tor und wurde vom mitgelaufenen Palikuca verwertet, der sich erst sehr
über den Treffer wunderte, er dachte wohl, der Schiri habe Abseits
gepfiffen, und die drei Jungs vor ihm wollten mit ihrer Hampelei nur Zeit
schinden. Aber das Tor zählte natürlich, und Fortuna rettete
einen Punkt, denn der Schiri ließ gar nicht mehr anpfeifen. Und
wenn wir den Gladbachern schon ein Tor schenken, ist es nur gerecht, wenn
die sich im Gegenzug revanchieren. Fair play vom Tabellenletzten (oder
vielleicht auch nur eine Entschädigung für unglaubliche fünf
Euro Parkgebühr die wissen wirklich, wo beim Fan das Geld
sitzt...), und nur ein blaues Auge für den neuen Tabellenzweiten.
Da die kläglichen Überreste der Mannschaft wirklich nur noch
auf dem Zahnfleisch gingen bzw. humpelten, war es fast schon erfreulich,
dass vor der Winterpause nur noch ein Spiel anstand, am 09.12.06 bei Zweitliga-Absteiger
RW Ahlen.
Ausgeknockt
Tja, wer müde ist, der schläft gerne lang. Und das auch zu den
unpassendsten Zeitpunkten. Die Elf, die Trainer Uwe Weidemann, an jenem
schönen, sonnigen Dezember-Samstag aufs Feld schickte, suchte sich
dafür leider die ersten zwanzig Minuten des Spiels aus. Und deshalb
gab es auch eine derbe 1:4-Klatsche. Die erste Niederlage seit dem 13.09.06.
Es musste irgendwann passieren, hätte allerdings nicht unbedingt
so deutlich sein müssen.
Schon nach 78 Sekunden durfte Torwart Deuß die Kugel zum ersten
Mal aus dem Netz holen: langer Pass auf die rechte Seite zu Toborg, wenn
ich höflich bin, sag ich mal, die Abwehr wollte auf Abseits spielen,
und das ging schief, aber eigentlich haben sie nur gepennt, Toborg brachte
den Ball in die Mitte und Glöden staubte ab. Eigentlich kein Grund
zur Beunruhigung, noch 88 Minuten Zeit, dies zu korrigieren. Da kam aber
nix. Und nach 20 Minuten hätte man abpfeifen können. Freistoß
von rechts, Bäumer zieht die Kugel mit links flach in den Fünfer,
und dann kommt das bekannte Bild: ungefähr zwanzig Mann rutschten
am Ball vorbei, der Torwart kann nix sehen, und die Kugel hoppelt ins
lange Eck. Klar, sieht ein Torwart da blöd aus, aber wenn ein Dutzend
Spieler vor ihm rumhampeln und keiner den Ball berührt, kann er meiner
Meinung nach nichts dafür. 2:0 und Feierabend. Denn es erfolgte kaum
ein Aufbäumen. Viel zu langsam, viel zu schwach in den Zweikämpfen
und vor allem viel zu lauffaul zeigten sich die Akteuren in schwarz. Cebe
hatte noch Pech mit einem Pfostenschuss, als wirklich einmal schnell kombiniert
wurde, dann war auch schon Pause. Was ganz besonders auffiel: beide Abwehrreihen
waren gedanklich wohl schon beim Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.
Auch wenn die Fortuna mal zwei Minuten Druck machte, bekamen die Ahlener
den Ball nicht weg, schlugen Fehlpässe vor dem eigenen Strafraum,
und selbst deren Torwart Völzow in der Pause noch als bester
Ahlener Spieler der Vorrunde ausgezeichnet griff lustig an Flanken
vorbei. Aber es nutzte niemand aus, deshalb konnten sie sich das erlauben.
Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt, aber ich hoffe, dass sie
Trainer und Spieler analytisch noch ein bisschen beschäftigen wird,
Ahlen zeigte nämlich perfektes Konterspiel, was zu zwei weiteren
Toren durch Stahlberg und Großkreutz führte. Besonders das
3:0 war wirklich erstklassig herausgespielt, in zehn Sekunden vom eigenen
zum gegnerischen Tor, Überzahl ausgenutzt, Pass im genau richtigen
Moment, überlegter Abschluss. Das Ding als Lehrvideo zum Üben
in der Winterpause!
Es war auch gleichzeitig die Entscheidung, zuvor hatte ausgerechnet der
Ex-Ahlener Langeneke den so wichtigen Anschlusstreffer vergeben, er scheiterte
aus fünf Metern an Völzow. Im Gegenzug fiel das 3:0, und das
Spiel war durch. Der vierte Ahlener Treffer sowie das Ehrentor, ein schöner
direkt verwandelter Freistoß von Markus Anfang, waren nur noch Zugaben.
So richtig interessierte das eh niemanden mehr, hatte sich doch anderweitig
etwas zugetragen.
Mitte der 2. Halbzeit wurde in einem Teil des Fortuna-Fan-Blocks Rauch
gezündet (der gut gefüllte Fan-Block, ca. 2.000 Leute, war durch
Zäune in drei Abschnitte geteilt). Über den Unsinn dieser Fan-Kultur
brauche ich kein weiteres Wort zu verlieren, meine diesbezügliche
Einstellung ist bekannt. Auf jeden Fall marschierte die anwesende Hundertschaft
neben dem Block auf und legte in aller Ruhe und vor aller Augen Kampfmontur
an. Anschließend wurde, unmittelbar, nachdem das 0:3 gefallen war,
der Block geentert, um entweder die Rauchbombenzünder oder die zwei
Jungs, die sich auf dem Zaun aufgehalten hatten, herauszuholen. Die Begründung
ist noch widersprüchlich, eins ist jedoch sonnenklar, sowohl die
Rauchverbreiter als auch natürlich die Zaun-Jongleure
waren bereits auf dem Polizeivideo erfasst, man hatte die ganze Zeit mitgefilmt.
Warum man dann nicht in aller Ruhe bis nach Spielschluss wartete, um sich
die Leute zu greifen, wird das Geheimnis des Einsatzleiters bleiben. Wahrscheinlich
war ihm kalt. Die Polizei betrat somit den Block mit zehnminütigem
Ansagen und der Einschüchterung, direkt in vollem Einsatzanzug einzurücken.
Als man auf das stieß, was man für Widerstand hielt,
wie man es ja anscheinend auch erwartet hatte, wurde mal eben wahllos
eine Schneise in den Block geknüppelt, auch Tränengas kam zum
Einsatz. Die Reaktion fiel allerdings anders aus als erwartet, die Menge
der Fans drückte die Polizei wieder aus dem Block heraus. Man kann
auch sagen, sie wurden ordentlich verdroschen, weil sie hoffnungslos in
der Unterzahl waren. Was dem Einsatzleiter auch schon vorher klar gewesen
sein musste. Es gab hüben wie drüben Verletzte, erst als die
Polizei den Block zwangsweise wieder räumte, herrschte Ruhe.
Wer meine Artikel regelmäßig liest, der weiß, dass ich
weit entfernt davon bin, jede Aktion von Fortuna-Fans gutzuheißen.
Es ist eher das Gegenteil der Fall, ich kann Leute, die sich zu wichtig
nehmen und die ihre Art von Kultur ausleben, ohne Rücksicht
auf die anderen zu nehmen (vom Verein wollen wir hier gar nicht sprechen,
ist in solchen Aktionen sicherlich zu abstrakt), nicht besonders leiden.
Und die waren natürlich auch hier wieder anwesend, es waren diejenigen,
die erst provozierten, was das Zeug hielt, und die sich dann, als es eskalierte,
auf die höheren Treppenstufen zurückzogen, die unteren Reihen
gegen die Polizei schubsten und anschließend beide Gruppen mit vollen
Bierbechern bombardierten. Die sich wahrscheinlich danach die Hände
schüttelten und von einem gelungenen Nachmittag sprachen.
Klar, ausbaden mussten es die Leute in den unteren Reihen. Die wollten
sich allerdings diesmal nichts gefallen lassen und reagierten.
Ich habe in dieser Saison schon das Verhalten einzelner angeblicher Fortuna-Fans
genauer beschrieben, besonders, was dieses unsägliche Spiel in Wuppertal
angeht. Und ich bin jemand, der das Wort Polizeiwillkür
niemals leichtfertig in den Mund nehmen bzw. in die Tastatur hämmern
würde. Was jedoch an diesem Samstag in Ahlen abging, war dermaßen
erkennbar eine solche, dass man eben auch nicht daran vorbei kommt, dies
entsprechend zu würdigen. Eine gewollte Eskalation der Ordnungsacht,
nichts anderes. Da kann die Presse schreiben, was sie will, da kann sich
der Einsatzleiter rechtfertigen, wie er will, jeder, der Augen im Kopf
hatte, musste das sehen. Wenn man schon so scharf darauf war, die einzelnen
Leute mitzunehmen, dann hätte dies auf ganz andere Art und Weise
gelöst werden können. Man war aber eindeutig auf Krawall gebürstet
und lebte dies dann auch aus. Und genau, wie es nicht sein kann, dass
irgendwelche Spinner Leuchtspurmunition in den gegnerischen Block ballern
(um noch mal auf Wuppertal zu kommen), genauso wenig kann es sein, dass
sich die Ordnungsmacht so verhält wie in Ahlen. Denn bei denen scheint
es zum Programm zu gehören. In der vorletzten Saison, als mit Eintracht
Frankfurt ein ähnlich großer Anhängertross anrückte,
gab es haargenau dieselben Probleme. Komischer Zufall. Wollte ich dann
auch nur noch einmal drauf hinweisen. Fortuna-Fans genießen durchaus
auch aufgrund einiger Spinner in ihren Reihen auswärts keinen besonders
guten Ruf. Dies heißt allerdings auch nicht, dass man sie dazu benutzen
kann, einfach mal aufzuräumen oder durchzugreifen,
wenn die Maßnahme in keinerlei Verhältnis zur Straftat
steht. Mit Knüppeln und Tränengas gegen Leute vorzugehen, die
auf dem Zaun sitzen (wie übrigens im Mai schon in Jena von einer
bayrischen Hundertschaft vorexerziert), ist in etwa vergleichbar mit lebenslänglich
für den Diebstahl eines Kaugummis. Ich hoffe nur, dass dies für
diese Saison ein Einzelfall bleibt.
Apropos Saison: die ist ja nun in der Winterpause. Fortuna steht mit 31
Punkten so ungefähr da, wie der Trainer es vor Saisonbeginn vermutet
hatte. Womit er sicherlich nicht gerechnet hatte, ist, dass es damit für
Platz 4 in der Tabelle und nur einen Punkt Rückstand zum Aufstiegsplatz
reicht. Letztes Saison wäre man mit dieser Punktausbeute um diese
Uhrzeit nur Achter gewesen. Natürlich waren einige schlechte Spiele
dabei. Natürlich reicht dies einigen Leuten, den Kopf des Trainers
und mindestens vier neue Spieler in der Winterpause zu fordern. Diese
Herrschaften machen somit Trainer und Spieler für die schlechte Platzierung
verantwortlich. Ihrer Meinung nach müsste man also mit einem solchen
Kader bereits mit sechs Punkten Vorsprung die Tabelle anführen. Mit
Leuten wie Feinbier, der bislang genau siebeneinhalb Spiele in dieser
Saison gemacht hat, oder wie Albertz, Anfang und Palikuca, die auf eine
Einsatzzeit von knapp der Hälfte aller Spiele kommen, ansonsten stets
verletzt waren. Der Trainer setzt ja auch regelmäßig Spieler
aus der Verbandsliga-Mannschaft auf die Ersatzbank, weil es ihm Spaß
macht und er den Jungs mal die große weite Regionalliga-Welt zeigen
möchte, nicht, weil er muss. Solche Nörgler finde immer recht
erheiternd, zeigen sie doch sehr deutlich, wie weit sie sich von der Realität
entfernt haben. Zumal sie anscheinend der Meinung sind, beim Gegner spielen
eh nur Krampen. Und die, wenn solche Arroganz dann bestraft wird, die
Schuld sofort bei den Verantwortlichen suchen. Da wir das Kalenderjahr
mit einem äußerst ungünstigen Ergebnis abgeschlossen haben,
werden diese Leute in der Winterpause natürlich reichlich Auftrieb
bekommen und ihre Weisheiten zuhauf absondern. Denn sie wollen doch nur
das Beste, da muss man schon mal mit dem eisernen Besen kehren.
Oder anders formuliert: durchgreifen und aufräumen. Insgeheim hoffen
sie natürlich, dass es nicht so kommen wird, da sie dann nächstes
Frühjahr bei verpasstem Aufstieg ihre Schuldigen schon haben. Die
haben sie ja immer. Manchmal schon merkwürdig, wie sich manche Leute
für ihren (angeblich) Verein interessieren...
Ich persönlich glaube immer noch nicht, dass die Truppe für
einen Aufstieg gut genug ist, die Konkurrenz ist mir einfach zu groß.
Dies ist allerdings nur meine persönliche Meinung. Aber wenn die
anderen Vereine so dämlich sind, und ihre Chancen nicht nutzen, wenn
wir patzen (so wie wir umgekehrt schon mehrfach zu blöd waren, unsere
Chance zu nutzen, wenn die anderen patzten), wenn also alles so eng beieinander
bleibt warum sollten wir dann keine Chance auf den Aufstieg haben?
Selbst mit diesem Trainer, der anscheinend keine Ahnung hat, selbst mit
dieser Trümmertruppe, die Woche für Woche von denselben Leuten
niedergemacht wird? Doch, ich glaube, wir haben eine Chance, zumal wir
ja für eine gute Rückrunde bekannt sind. Ich glaube, im März
2007 wird man es wissen. Die ersten drei Heimspielgegner in der Rückrunde
lauten: VfL Osnabrück (derzeit Tabellenführer), Dynamo Dresden
(5.), Wuppertaler SV (2.), der erste Auswärtsgegner RW Erfurt (3.).
Sollte man nach diesen Spielen noch oben mit dabei sein, wird noch etwas
gehen. Der Grundstein dafür wurde in der Hinrunde gelegt, egal, wie
schwach mancher Akteur auf dem Rasen herumdilettierte. Deshalb gibt es
von mir auch keine Einzelkritik zum bisherigen Saisonverlauf, alle hatten
sie Licht und Schatten, der eine mehr, der andere weniger. Ich hoffe,
dass sie in der Rückrunde alle erleuchtet sein werden. Wenn dabei
der Aufstieg rausspringt, sehr schön. Wenn nicht? Ich bin relativ
sicher, dass auch am Morgen danach die Sonne wieder aufgehen wird. Und
dass bei Fortuna dann auch immer noch Fußball gespielt werden wird.
Oder was mancher dafür hält.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch: janus
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