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Hurra, hurra, die Fortuna ist
wieder da! Oder um es direkt mal staatsmännisch zu formulieren
wir sind wieder wer! Und das sagen nicht nur wir, das sagen auch noch
ganz andere. Fortuna in der 2. Liga, wir haben lange darauf warten müssen.
Und wer so lange auf etwas wartet, der neigt dann auch dazu, direkt mal
in die Vollen zu gehen, wenn er es denn endlich hat. Getreu dieses Mottos
legten auch wir los wie die Feuerwehr. Ereignislose Sommerpause war gestern
beziehungsweise letztes Jahr. Somit tut eine kurze Zusammenfassung Not,
damit der geneigte Leser weiß, wo er steht bzw. wir stehen, wenn
die neue Saison losgeht.
Alles neu hinter den Kulissen
Zunächst mal ohne Fußball auf dem Rasen. Dies mag in der Sommerpause
nicht verwundern, aber wie gesagt wir sind wieder wer. Und deshalb
wäre Fortuna nicht Fortuna, wenn das lustige Tralala hinter den Kulissen
nicht schon losgegangen wäre, als die letzte Saison noch gar nicht
zu Ende gespielt war.
Anfang Mai, Fortuna hatte gerade durch das 1:0 gegen Dynamo Dresden nach
sportlich durchwachsenem April in letzter Sekunde noch die Abzweigung
zum Aufstiegsrennen genommen, erschien ein kurzer Artikel in der weltbesten
Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Demnach hatte sich der deutsch-israelische
Geschäftsmann Daniel Jammer schon zwei Wochen zuvor bei der Fortuna
gemeldet, um ein etwaiges Engagement im Verein zu besprechen. Worum es
da genau ging, war dem Herr Jammer dabei sogar ziemlich egal: Ich
könnte mir vieles vorstellen. Investor, Sponsor, Berater. Ich
persönlich hätte dem gerne noch Balljunge hinzugefügt,
dann wäre ich nicht so leicht besorgt gewesen.
Denn hinter Jammer verbirgt sich die Fußball-Philosophie eines Mini-Abramovic.
Verein kaufen, mit ordentlich Kohle nach oben bringen, und wenns dann
nicht mehr so läuft, sich aus dem Staub machen. Angeblich natürlich
nur mit Vorteilen für den Verein. Diese Nummer hatte er bereits in
Rumänien durchgezogen, der Namen des Vereins ist mir entfallen. Den
brachte er auch in die 1. Liga, verlor dann das Interesse und stieg wieder
aus. Das nächste Investitionsobjekt auf seiner Liste war der israelische
Club Maccabi Netanya. Und da wird es dann interessant. Denn als Besitzer
dieses Vereins holte er natürlich gleich einen neuen Trainer. Dessen
Name: Lothar Matthäus. Laut Aussage Jammers war Matthäus nicht
nur irgendein Trainer, sondern mittlerweile auch ein guter Freund von
ihm. Und als man einige Monate zuvor wohl mal freundschaftlich beisammen
saß, da soll ihm der Lothar für weitere Investitionen einfach
mal Düsseldorf empfohlen haben. Ich stelle mir das auch irgendwie
ganz romantisch vor: da sitzen zwei gute Kumpels beim Hausherrn und Clubbesitzer
abends auf der Terrasse, der Eine mit einem guten Gläschen Roten,
der Andere mit ner Sportcola, die gerade aktuelle Lebensgefährtin
des Gastes poliert sich die Fingernägel, alles erfreut sich am schönen
Sonnenuntergang, da sagt der Hausherr: Lothar, es wird Zeit, mein
sauer verdientes Geld auch mal in meiner alten Heimat unters Volk zu bringen.
Hättest Du als Kenner nicht eine Idee? Und der Lothar wiegt
den Kopf ein-, zweimal bedächtig hin und her und antwortet nach kurzem
Nachdenken: Ein Lothar Matthäus kennt sich aus, schließlich
hat er überall gespielt. Wie wär`s denn mit Düsseldorf?
Zum Einen kommt Deine Großmutter von dort, zum Anderen haben die
damals bei meinen Gastspielen dort meine erste, nein, zweite Frau ,
er stockt einen Moment, rechnet im Geiste nach,
ja, stimmt,
meine zweite Frau, also die Lolita, so nett beleidigt. Die verstehen also
was von Frauen. Und die Kö soll auch immer noch stehen. Und
Jammer ist direkt begeistert, dann haben ja alle was davon, die aktuelle
Lebensgefährtin des Gastes schenkt nochmal nach und alle gehen zufrieden
ins Bett. So oder ähnlich werden dort heutzutage Geschäfte gemacht,
oder? Also wenn der mehrfache Millionär und Fußball-Investor
seinen Trainer um Rat fragt, wo er denn demnächst seine Kohle versenken
soll, und er diesen Rat anscheinend noch Ernst nimmt, dann kann ich mir
irgendwie kein anderes Szenario vorstellen. Übrigens soll der Lothar
dem Jammer als Alternative noch Leipzig genannt haben. Was dort dabei
rausgekommen ist, dürfte mittlerweile wohl jedem Fußballinteressierten
bekannt sein. RasenBall Leipzig, ein Ableger von RedBull Salzburg, schickt
sich dort an, in den nächsten Jahren von der fünften in die
erste Liga durchzustarten. Eigene Trikots haben sie zwar noch nicht, aber
wen stört das, wenn die Clubkasse stimmt? Und gegen den dortigen
Investor, diesen österreichischen Plörre-Fabrikanten, kommt
selbst ein Jammer nicht an. Blieb also nur noch Düsseldorf.
Den Rest erledigte dann die Presse in ihrer bekannten Art. Jammer verkündete,
dass er sehr gerne seinen guten Freund Lothar mit nach Deutschland nehmen
bringen würde. Mehr nicht. Dazu passte dann aber auch, dass der Vertrag
von Matthäus bei Netanya auslief. Da braucht man dann gar nichts
mehr sagen, jeder Anfänger im Boulevardgeschäft hätte die
Assoziation gezogen und seine Großmutter für die Schlagzeile
verkauft, die sich daraufhin aufdrängte, und die dann natürlich
auch kam: Matthäus als Trainer bei Düsseldorf!
Wohlgemerkt, alles während der noch laufenden Saison. Aber das machte
ja nichts, in einem Nebensatz konnte man mal schnell darauf hinweisen,
dass der aktuelle Trainer zum damaligen Zeitpunkt eh nur einen Vertrag
bis Saisonende hatte. Und wer ist schon Norbert Meier im Vergleich zu
einem Lothar Matthäus? Der kann doch höchstens Kopfstöße,
ein Lothar Matthäus sogar Kopfbälle. Welch ein Nachweis seiner
Qualifikation als Trainer!
Diese Schlagzeilen sorgten natürlich für erhebliche Unruhe zum
Abschluss der Saison. Zum Glück ließ sich die Mannschaft davon
nicht anstecken und schaffte in einem Kraftakt noch den Aufstieg, und
Trainer Meier konnte sich bei der Pressekonferenz nach dem Aufstiegsspiel
einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. Zu Manager Wolf Werner gewandt,
sagte er: Da kannst Du mal sehen, was für einen Super-Trainer
Du geholt hast. Mit Recht.
Nun wurde es ziemlich schwierig, den erfolgreichen Aufstiegstrainer loszuwerden,
schließlich sind wir hier nicht in Paderborn, wo deren Alleinherrscher
Finke genau dieses Kunststück im Jahr 2005 mit Pavel Dotchev fertig
gebracht hatte. Für unseren Investor, den Mann mit dem Fußballsachverstand,
wäre das natürlich kein Problem gewesen. Genau so hatte er nämlich
zuvor Matthäus bei Netanya ins Amt gehievt und anschließend
Folgendes verbreitet: Aber in den Medien gibt es ein paar kritische
Stimmen, die nicht verstehen, warum ich mich dazu entschieden habe, den
vorherigen Trainer nach zwei erfolgreichen Jahren zu ersetzen. Aber darüber
bin ich erhaben. Es war meine Entscheidung und ich kann sie rechtfertigen.
Ich hätte zu diesem Zeitpunkt keinen besseren Mann als Lothar Matthäus
nach Israel bringen können.
Selbstverständlich kann ein Mann, der zwei Jahre lang erfolgreich
gearbeitet hat, einem Lothar Matthäus nicht das Wasser reichen. Zumindest
nicht in der Medienpräsenz. Aber da der Investor bei uns erst im
Gespräch und noch nicht in Amt und Würden war, konnte man das
natürlich nicht bringen, also fabulierte der Boulevard kurz um und
schwupps, war Matthäus plötzlich als Sportdirektor im Gespräch,
zumal ja Wolf Werner auch schon ein pensionswürdiges Alter erreicht
hat. Dafür hatte Matthäus zwar außer mein guter
Freund nun überhaupt keine Qualifikation, aber wo kämen
wir denn hin, wenn wir nicht auch mal Anfängern eine Chance geben
würden? Gerade wir, ich sage nur, Thomas Berthold in der Oberliga.
Schließlich verzichtet man nicht so einfach auf bundesweite Schlagzeilen.
Dachte sich übrigens wohl auch der Lothar. Denn man muss zwar zu
seiner Ehrenrettung sagen, dass er selbst niemals behauptet hatte, Trainer
oder Sportdirektor oder auch nur Hütchenaufsteller bei der Fortuna
werden zu wollen. Allerdings dementierte er auch mit keinem Wort, als
sein Name plötzlich täglich wieder in den Medien auftauchte.
Schlechte Präsenz ist halt besser als gar keine.
Was dieser Investor jetzt genau für seine Kohle haben wollte, blieb
bis zuletzt im Dunkeln. Eine komplette Übernahme des Vereins ist
natürlich (noch) nicht möglich, da kann ein Herr Kind in Hannover
wettern wie er will. Aber man muss ja nicht unbedingt selbst die absolute
Mehrheit haben, um das Sagen zu haben, wer wüsste das nicht. Dazu
noch die eigenen Vertrauten in den wichtigen Positionen installiert, und
das Ergebnis ist dasselbe. Jammer erzählte dann mal was von drei
Spielern, die er mitbringen wollte, absoluten Granaten. Die könnten
dann bei uns spielen, und wenn sie, wie bei uns ja nicht anders zu erwarten,
richtig einschlagen und weiter verkauft werden würden, könnte
sich Fortuna den Erlös mit ihm teilen. Wie immer, natürlich
alles ohne Risiko für den Verein. Dass der Boulevard von Herrn Jammer
recht angetan war, zeigt sich schon daran, dass der von einem dieser Spieler,
dem Südafrikaner Fransman, schwärmte: Ihn sehe ich beim
Eröffnungsspiel der WM 2010 auf dem Rasen stehen. Die BILD
brauchte dafür keine bewusstseinssteigernden Mittel, um so etwas
zu sehen, sondern funktionierte den Spieler ab diesem Bonmot
mal sofort zum Nationalspieler und Leistungsträger
um. Es gibt Karrieren, die sind nur in der Presse möglich.
Nun, der Verein misstraute dem Herrn Jammer dann doch wohl ein wenig,
denn eine Zusammenarbeit kam nicht zustande. Bis zuletzt deckte der seine
Karten nicht auf, sagte nie genau, was er eigentlich als Gegenleistung
für all seine Millionen haben wollte, ließ vornehmlich über
die Presse verkünden, dass er enttäuscht sei, dass man ihn nicht
in Bausch und Bogen als neuen Heilsbringer akzeptierte. Zum Schluss hielt
man dann doch noch ein Treffen ab, in dem man sich verständigte,
dass man sich aktuell nichts zu sagen habe, man aber gerne in Kontakt
bleiben könne. Das kennt jeder von einem enttäuschend verlaufenen
Date, es gibt beiden Seiten so schön die Chance, das Gesicht zu wahren.
Ich war sehr froh darüber, auf solche Investoren kann ich gut verzichten.
Bei dem Treffen brillierte der Jammer unter anderem mit seinen visionären
Ideen, den Fußball doch nach amerikanischem Vorbild zu gestalten.
Er könne sich zum Beispiel vorstellen, in der Ersten Liga einfach
die Absteiger abzuschaffen, wie es hierzulande vor einiger Zeit ja auch
schon von der Deutschen Eishockey-Liga vorgemacht worden war (und nach
zwei Jahren wieder eingedampft wurde). Und ich hätte mir gut vorstellen
können, dem Mann, wäre ich bei solch einem Treffen anwesend,
nach solch einer Äußerung umgehend zu zeigen, wo der Maurer
das Loch in der Wand gelassen hat. Denn solche Leute, die ihr eigenes
Fußball-Manager-Spiel spielen (bitte nicht mir ankreiden, auch diese
Formulierung stammt von Jammer persönlich), die hätten mir gerade
noch gefehlt, Millionen hin, Millionen her.
Und so bleibt Herr Jammer mit seinem Geld erstmal da, wo der Pfeffer wächst,
und wo er mit seinem guten Freund Lothar Matthäus dann abends wieder
Schirmchendrinks bei Sonnenuntergang nehmen kann. Ich zweifle keine Sekunde
daran, dass, hätte man dem Jammer den Einstieg ermöglicht, der
Lothar spätestens 48 Stunden später unser neuer Trainer gewesen
wäre. Begründung siehe Netanya. Und ganz so weit muss man sich
doch auch als Zweitliga-Neuling nicht erniedrigen. Sagte sich übrigens
auch Arminia Bielefeld. Die sind ja ebenfalls neu in der Spielklasse,
nur kommen sie von der anderen Seite. Dort war Matthäus anschließend
als Trainer im Gespräch. Und obwohl sein Gehalt von einem externen
Sponsor hätte übernommen werden können (diese lustige Pudding-Firma
in der Nähe von Bielefeld), obwohl der Verein zu diesem Zeitpunkt
ohne Trainer da stand und ohne einen Großteil der Mannschaft, die
sich nach dem Abstieg in alle Winde zerstreut hatte, trotzdem sagte der
Verein ab. Vielleicht sind die ja auch mit ein bisschen Weitblick gesegnet.
Lothar Matthäus jammerte anschließend in seiner Kolumne in
der SportBild rum, warum ihn in Deutschland eigentlich keiner mehr lieb
habe, vergaß dabei aber, sich die Frage auch mal selbst zu stellen,
und verschwand wieder ins Sommerloch. Der kommt schon früh genug
wieder daraus hervor, da bin ich sicher.
Dieses peinliche Theater hielt uns eigentlich nur auf. Denn Geld musste
her, soviel war klar. Zwar erhielt man als Aufsteiger 3,3 Mio. Euro Fernsehgelder,
eine geradezu utopische Summe für unsere Verhältnisse in den
letzten Jahren, aber davon gingen 1,1 Mio. Tacken direkt wieder ab in
die Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Millionäre mit
ganz viel Fußballsachverstand sprich an Herrn Kölmel
und seine Sportwelt, unser zehn Jahre alter Deckel bei denen wurde mit
dem Aufstieg reaktiviert. Fortuna stellte mit 4,9 Mio. Euro den mit Abstand
kleinsten Etat aller Zweitligisten auf. Zum Vergleich: Mitaufsteiger Union
Berlin, seit kurzem wieder an der Alten Försterei im eigenen Stadion
zuhause, handgeschnitzt anscheinend, wenn ich mir die Lobeshymnen in der
Presse in Erinnerung rufe, Eisern Union also hat nicht nur
zwei Millionen Euro für den Umbau durch die tatkräftige Unterstützung
der eigenen Fans gespart, sondern auch noch eine Investmentgruppe aus
Dubai gefunden, die binnen der nächsten fünf Jahre zehn Millionen
Euro in den Verein pumpen wird. Derzeitiger Etat des Mitaufsteigers: 12,2
Millionen Euro. Und noch ein Vergleich, der ein wenig zum Lachen oder
Weinen, je nach Gemütslage, animiert: RW Essen wird in dieser Saison
mit einem Etat von 6,6 Millionen Euro an den Start gehen. Und zwar zwei
Ligen unter der Fortuna, in der Regionalliga. Dort trifft man unter anderem
auf Fortuna II
Da wir aber mittlerweile wieder irgendwer sind, ließ das nächste
Geschäft nicht lange auf sich warten. Plötzlich kommen da drei
renommierte Herren aus der Höhle und haben noch was im Gepäck.
Oder um die heimische Presse zu zitieren: Eine Gruppe von Schwergewichten
aus der Wirtschaft und wirtschaftsnahen Kreisen. Hans Schwarz, von
1996 bis 2005 Vorstandsvorsitzender der Stadt-Sparkasse, Christian Veith,
Seniorpartner des Unternehmensberaters Boston Consulting, und als Grandseigneur
Albrecht Woeste, Aufsichtsratsvorsitzender der Henkel AG, praktischerweise
übrigens der Urenkel des Firmengründers Fritz und Neffe des
langjährigen Konzernchefs Konrad Henkel, nicht dass da Fragen wegen
der Qualifikation aufkommen. Diese drei entdeckten pünktlich nach
dem Aufstieg, das, was sie in den letzten zehn Jahren wohl gar nicht vermutet
hatten, nämlich dass man Fortuna in die Spur setzen müsse, wobei
es kein Stück um einen selbst ginge, sondern einzig und allein
um den Verein (Schwarz). Die drei Herren wollen sich am 25.08.2009
bei der Außerordentlich Mitgliederversammlung auf die drei neu zu
besetzenden Aufsichtsratsposten setzen und hatten dafür auch gleich
was im Gepäck: einen Deal mit dem Sportrechtevermarkter Sportfive.
Sportfive bot einen mehrjährigen Vertrag mit einer millionschweren
Anschubfinanzierung. Natürlich völlig ohne Risiko für den
Verein, das musste man ja schon bei Jammer immer betonen. Und das Zauberwort
Anschubfinanzierung wurde auch gleich noch damit unterfüttert,
dass es sich dabei nicht um ein Darlehen handeln würde, das eventuell
irgendwann zurückzuzahlen wäre. Sportfive will seinen
Profit aus den 20 Prozent ziehen, die es von jedem seiner Sponsoring-Abschlüsse
für Fortuna bekommt. (Schwarz) Dies bedeutet, dass Sportfive,
um eine in Fortuna investierte Million wieder hereinzubekommen, Verträge
in Höhe von fünf Millionen abschließen muss, von denen
der Klub dann vier Millionen erhielte. Fernsehgelder seien davon übrigens
nicht betroffen, hier greift die weiter oben erwähnte Einigung mit
der Sportwelt.
Ein tolles Angebot, so auf den ersten Blick, sicherlich ganz ohne Kleingedrucktes.
Ach doch, etwas gab es da schon, nur eine Kleinigkeit: dieser Deal käme
erst zustande, wenn die drei benannten Herren in den Aufsichtsrat kämen.
Also die, denen nur das Wohl des Vereins am Herzen liegt. Klar, die haben
diesen Deal vermittelt, deshalb will Sportfive ja auch seine
Leute in den entscheidenden Gremien haben. Durchaus verständlich,
ein normaler Vorgang heutzutage. Was wollte nochmal der Jammer? Egal.
Pech nur: die Herren hatten ihre Liebe zur Fortuna etwas spät entdeckt.
Der Aufsichtsrat, in Fan-Kreisen an guten Tagen reichlich diplomatisch
mit unfähig charakterisiert, war nämlich schneller
und über ihren derzeitigen Aufsichtsratschef Dr. Kall (persönliche
Charakterisierung siehe Aufsichtsrat) mit einem anderen Vermarkter über
eine kleinere Lösung verhandelt. Dieser Vermarkter ist Infront, wohlbekannt
durch die Beteiligung des Ewigen Scheitels Günter Netzer, und unter
anderem seit 25 Jahren Vermarktungspartner des DFB. Dieser Vertrag läuft
zunächst nur ein Jahr, quasi auf Probe. Oder um den Aufsichtsratsvorsitzenden
in seiner Sprache zu zitieren: Diese Vereinbarung wurde bewusst
in gemeinsamer Absprache getroffen. Denn sie bietet beiden Seiten viele
Vorzüge, in der man über die Initialisierungsphase auch konkrete
Ergebnisse fundiert abschätzen und so eine optimierte Prognose für
die Zukunft stellen kann. Heißt dasselbe, nur mit mehr Worten.
Dabei fehlt leider die Anschubfinanzierung, man ist vom ersten Moment
an darauf angewiesen, welche Werbepartner Infront möglichst zügig
akquirieren kann.
Aufgrund dieses Zitats des Aufsichtsratsvorsitzenden weiß der geneigte
Leser nun auch schon, wofür sich die Fortuna entschieden hat, ich
habe hier also vorgegriffen. Die Meldung stammt vom 23.07.2009. Dazwischen
lagen auf der einen Seite anscheinend wochenlange Verhandlungen
es wurde betont, dass man mit vier möglichen Partnern verhandelt
habe, bevor man sich für Infront entschied , auf der anderen
Seite wochenlange lustige Wahlkämpfe bei Leuten, die schon immer
alles wussten. Weshalb ich jetzt auch auf weitere Details der jeweiligen
Vermarktungspläne verzichten kann. Wer sich ernsthaft dafür
interessiert, wird im Forum der Fortuna bestens bedient. Hunderte Seiten
mit Einträgen von Leuten, die ganz genau wissen, was das Beste für
den Verein ist. Und Ahnung haben die alle! Ich bin wirklich erstaunt,
wie viele verkappte Unternehmensberater bei den Fans plötzlich auftauchen.
Und allen stand natürlich die Anschubfinanzierung ins
Gesicht geschrieben. Ein paar Millionen, jetzt sofort, völlig ohne
Risiko, natürlich! Sie müssen nur noch hier unterschreiben!
Leute, die mit den Verhandlungen und den Details nicht das Geringste zu
tun haben, wissen plötzlich, dass es nur eine Lösung geben kann.
Zur (Aargumentations-)Not muss dann halt die Mannschaft herhalten, die
sei viel zu schwach, um den Klassenerhalt zu schaffen, da müssten
sofort Verstärkungen her. Das nenn ich mal ein Vertrauen ins Team.
Millionen vor den Augen, den Durchmarsch im Blick (schließlich sind
wir wieder wer), da kann man schon mal alles geben. So machte ein Mitglied
des Forums wochenlang Stimmung für den Sportfive-Deal (was sein gutes
Recht ist), verplapperte sich dann einmal und durfte nachher zugeben,
dass er in diesem Konsortium selbst im Hintergrund mitarbeitet, und zwar
nicht erst seit gestern. Die Forumsbetreiber, offenkundig von einem Insider
mit ein paar Zahlen versorgt (wer das wohl sein könnte?), schlugen
sich einhellig auf die Seite von Sportfive und den drei Granden und ziehen
den Vertragsabschluss mit Sportfive gerne mal durch den Kakao, alles zum
Wohle des Vereins natürlich. Einer verstieg sich sogar zu der Bemerkung,
allein der Name Woeste garantiere einen Brückenschlag
zur einheimischen Wirtschaft, anschließend könne man sich nur
noch selbst schlagen. Da musste ich allerdings auch erst zweimal hinschauen.
Mag sein, dass der Mann in der Wirtschaft kompetent ist, bis der Arzt
kommt, aber Geschwafel von wegen, dass es allein der Name mache (ohne
Programm, ohne Konzept), kenne ich noch von früher und dachte eigentlich,
dass wir über diesen Punkt hinaus wären. Anscheinend nicht.
Wenn die Millionen vor der Tür stehen, hat der Verstand schon mal
Pause. Aber die Außerordentliche Mitgliederversammlung kommt bestimmt,
und die drei Herren stehen ja auf der Kandidatenliste. Da muss man schon
was tun. Zum Wohle des Vereins, sagte ich es bereits?
Nun, wie aus obigem Zitat schon erkennbar, sah der Vorstand (Charakterisierung
siehe Aufsichtsrat) die Sache wohl ähnlich wie der Aufsichtsrat und
steuerte die entsprechenden Unterschriften zum Vertrag mit Infront bei.
Auch dies hinterlässt natürlich ein gewisses Geschmäckle,
denn das Ganze geschah dann doch überraschend zügig, man wollte
offenkundig schnell Nägel mit Köpfen machen. Nicht um selbst
irgendetwas Vorzeigbares in der Hand zu haben, nein, zum Wohle des Vereins.
Ich kanns nicht mehr hören bzw. lesen. Und so geht es dann lustig
weiter hin und her. Infront hat direkt nach Vertragsabschluss zwei Sponsoren
präsentiert, die den Verein jeweils mit einer nicht genannten Summe
unterstützen werden. Sind natürlich alles nur Peantus, verglichen
mit der schönen Anschubfinanzierung. Aber immerhin läuft der
Deal mit Infront ja nur ein Jahr. Mit den richtigen Leuten in Vorstand
und Aufsichtsrat kann man dann ja in der nächsten Sommerpause mal
schauen, ob die Anschieberei vielleicht doch noch vorwärts kommt.
Damit es nicht langweilig wird.
Alles neu auf dem Rasen
Wenden wir uns nun dem sportlichen Aspekt der Angelegenheit zu, davon
soll es in der Sommerpause ja auch das Ein oder Andere geben. Nach Ende
der Saison trennte man sich von einigen Spielern. Der größte
spielerische Verlust war sicherlich unser Fummelkönig Ahmet Cebe,
der sich einen lang gehegten Traum erfüllte und in der türkischen
Liga bei Denizlispor unterschrieb. Da musste er zwar noch eine Woche zittern,
denn die türkische Saison lief noch, und Denizlispor war bis zum
letzten Spieltag abstiegsgefährdet, aber es ging alles gut. Es sei
ihm gegönnt, dass es ihm in der alten Heimat gut geht. Und warum
auch nicht, am Ball kann der Mann alles, sogar Eckfahnen umdribbeln, wenn
kein Gegner mehr da ist. Vielleicht lernt er in der Türkei ja endlich,
das Spielgerät auch ab und zu mal abzugeben. Wenn er bei uns mal
daran dachte, waren dies nämlich regelmäßig seine besten
Spiele. Sein kämpferischer Einsatz, der stets stimmte, auch wenn
er manchmal doch reichlich überzogen wirkte, wird uns fehlen. Aber
ich denke, er wird es schaffen, sich durchzusetzen.
Simon Terodde war ja nur vom MSV Duisburg ausgeliehen, der ging wieder
zurück (und wurde in der Zwischenzeit an Köln II ausgeliehen).
Die Verträge von Bekim Kastrati, Clement Halet und Bruno Custos wurden
nicht verlängert. Dies war zu erwarten, Kastrati hatte wirklich die
Seuche in puncto Verletzungen, Halet spielte nach seiner Verletzung in
der Vorrunde erstaunlich konstant, verspielte aber seine Vertragsverlängerung
wohl durch einige unterirdische Vorstellungen zum ungünstigsten Zeitpunkt,
nämlich zum Saisonende. Bruno Custos hatte gar keine Chance, irgendetwas
zu verspielen, er spielte nämlich so gut wie nie. Ich wünsche
auch diesen dreien alles Gute, Kastrati hat mittlerweile bei Dynamo Dresden
unterschrieben.
Nachdem auch Nachwuchs-Verteidiger Johannes Walbaum gegangen war, er geht
zum FC Wegberg-Beeck, nicht weil er so schlecht wäre, sondern weil
er sich mehr auf sein Studium konzentrieren möchte, waren die Fronten
geklärt, und Wolf Werner konnte ans Einkaufen gehen. Da hatten wir
auch einen gewissen Nachholbedarf, nachdem es im letzten Jahr während
der Sommerpause ja nur zwei Neue gegeben hatte. Der Stamm der Aufstiegsmannschaft
wurde gehalten und um echte Verstärkungen und gute Alternativen ergänzt.
Im Tor bleibt alles beim Alten, Michael Melka mit einer Nasenspitze vor
Michael Ratajczak, aber besonders die Abwehr wurde aufgepeppt, wen wundert`s,
dies dürfte der Mannschaftsteil sein, der in der Zweiten Liga am
meisten Arbeit bekommen wird.
Aus Mönchengladbach holte man Johannes van den Bergh (dessen Bruder
Lukas schon seit einiger Zeit bei Fortuna II spielt), eine ziemliche Granate
für die linke Verteidigerposition, bereits mit Bundesliga-Einsätzen
unter Trainer Hans Meyer. Was allerdings bei den Vorbereitungsspielen
auffiel: der Mann ist im Spiel nach vorne eine Wucht, schlägt auch
schön präzise Flanken. Könnte glatt sein, dass die Defensive
nicht sein Ding ist, das muss man abwarten.
Für die rechte Abwehrseite holte man Christian Weber, einen hochinteressanten
Mann. Den eiste man aus Griechenland vom AE Larisa los. Interessant ist
der deswegen, weil er als gerade mal 24jähriger bereits über
hundert Zweitliga-Spiele und zwei Dutzend Erstliga-Einsätze mit Saarbrücken,
Greuther Fürth und dem MSV Duisburg auf dem Buckel hat. Weber debütierte
bei Saarbrücken bereits als 17jähriger in der 2. Liga, bringt
also viel Erfahrung mit, und zeigte auch eine starke Vorbereitung.
Dann eine echte Düsseldorfer Verpflichtung: der in der letzten Rückrunde
von Leverkusen nach Osnabrück ausgeliehene Brasilianer mit dem klangvollen
Namen Anderson Bamba Soares de Oliveira wurde geholt. Er kam,
sah und verletzte sich direkt beim ersten Training. So soll es
sein, so kennen wir es, einer dieser Kategorie muss bei uns dabei sein,
sonst würde uns etwas fehlen. Er kam erst relativ spät in der
Vorbereitung wieder dazu, zeigte aber im Härtetest gegen Vitesse
Arnheim eine ansprechende Leistung, die Hoffnung macht.
Als Backup in der Innenverteidigung wurde Yuki Kozo von JEF
United aus Japan verpflichtet. Die Entscheidung für ihn fiel, weil
japanische Firmen sich bereit erklärten, sein Gehalt zu übernehmen.
Er bleibt zunächst eine Saison und ist dazu da, das Risiko zu minimieren,
wenn die Verletzungen mal wieder überhand nehmen. Kaum hatte man
sich gedacht, dass das doch ein wenig übertrieben sein könnte
verletzte sich Innenverteidiger und Führungsspieler Langeneke.
Na klar. Innenbandeinriss im rechten Knie, er fehlt auf unbestimmte Zeit.
Da könnte unser Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne schneller
zum Einsatz kommen als er gedacht hätte.
Im Mittelfeld wurde der Konkurrenzkampf richtig geschürt. Mit Oliver
Fink aus Unterhaching, der eine starke Vorbereitung spielte und auf der
rechten Seite eingesetzt wurde, wurde den Etablierten mächtig Feuer
unterm Hintern gemacht. Man legte sogar noch nach und holte Patrick Zoundi,
der dieselbe Position spielen kann, quasi ein Ersatz für Ahmet Cebe,
ein Fummelkönig erster Garnitur. Der Mann aus Burkina Faso hatte
2001 bis 2005 in Belgien für Lokeren gespielt, bevor er sich ein
wenig in Griechenland herumtrieb, bei Vereinen, deren Namen ich leider
nicht aussprechen geschweige denn korrekt niederschreiben kann. Da seine
Familie in Belgien blieb, zog es ihn jetzt wieder zurück in ihre
Nähe. Damit hat der Trainer jede Position im Mittelfeld doppelt besetzt,
im Kampf um den Sechser hat derzeit wohl Stephan Sieger die Nase vor dem
schönen Claus, der mir immer sympathischer wird, der gibt und gibt
nicht auf, obwohl er zu Saisonbeginn nie zum Stamm zählt. Aber man
kann sich auf ihn verlassen, wenn er traditionell zum Ende der Saison
wieder ran muss. Auf der linken Mittelfeldseite heißt das Duell
Olivier Caillas gegen Sebastian Heidinger. Auch hier dürfte sich
zunächst die Routine durchsetzen, zumal Caillas in der Vorbereitung
teilweise ganz schön zauberte. Aber man sollte Heidi nicht aus den
Augen verlieren, der im April und Mai einer der besten Spieler der Aufstiegself
war, auch als Caillas sich nach dem WSV-Spiel mit schwerer Verletzung
für den Rest der Saison abmelden musste.
Blieben noch die beiden Platzhirsche Marco Christ und Andreas Lambertz.
Marco Christ, der Aufstiegsgarant mit seinen Toren und Vorlagen in den
letzten Saisonspielen, derzeit uneingeschränkt bester Mann, mit bärenstarker
Vorbereitung, macht zurzeit den Chef auf dem Platz. Andreas Lambertz,
unsere stadtbekannte Wühlmaus, braucht traditionell etwas länger,
um in Fahrt zu kommen, dann aber gewaltig. Diesmal hatte er allerdings
richtig Pech, er zog sich in der Vorbereitung einen Außenbandriss
zu, anscheinend die nicht ganz auskurierte Verletzung aus dem Aalen-Spiel
am vorletzten Spieltag, die da wieder zuschlug. Wochenlang fehlte er und
stieß erst knapp eine Woche vor Ende der Vorbereitung wieder zum
Kader. Man wird abwarten müssen, wie schnell er wieder reinkommt.
Also, im Mittelfeld hat der Trainer die Qual der Wahl, im Sturm hätte
er sowas gerne mal. Der Angriff ist mal wieder das Sorgenkind des Teams.
Oldie Axel Lawaree und Storch im Salat Ranisav Jovanovic sagen
zwar beide, dass sie heiß sind auf die neue Saison, leider waren
sie in der Vergangenheit auch recht verletzungsanfällig und brauchten
lange, um wieder in Form zu kommen. Dahinter stehen mit Deniz Kadah und
Marcel Gaus nur noch zwei Nachwuchsstürmer. Da musste noch jemand
her. Es wurde Dmitri Bulykin, russischer Stürmer vom RSC Anderlecht,
ehemaliger Nationalspieler und auch mal eine Saison bei Bayer Leverkusen
unter Vertrag, bevor er nach Belgien ging. Ein echtes Schwergewicht, nicht
nur von der Statur her. Dem passte sich das Ausleihgeschäft dann
auch an, es war ein wenig schwerfällig, diplomatisch formuliert.
Oder anders: ein endloser Hickhack, der sich über Wochen hin zog
und somit Bulykin der Möglichkeit beraubte, sich mit der Mannschaft
einzuspielen. Endgültig klar gemacht wurde das Geschäft erst
am letzten Donnerstag. Immerhin hatte er bis dahin die Vorbereitung in
Anderlecht mitgemacht, eine gewisse Fitness darf also vorausgesetzt werden.
Und da uns ja noch einer fehlt, der sich in der Sommerpause stets verlässlich
zu Wort meldet, auch wenn er nachgewiesenermaßen keine Ahnung hat,
worum es eigentlich geht, hier ist er: Fortuna-Vorstand Hermann Tecklenburg
posaunte mal wieder aus, dass er dem Verein jetzt mal einen Klassestürmer
spendieren wolle, wie jedes Jahr halt. Er wollte die Ausleihe von Bulykin
finanzieren. Dann wurde es lustig: der Tecki setzte sich in den Urlaub
nach Mallorca ab, hinterließ aber alle Unterlagen unterschriftsreif.
Sagte er. Als der Restvorstand in die letzten Verhandlungen mit Anderlecht
trat, fehlte da aber plötzlich wohl doch noch so einiges, wie Vorstandssprecher
Frymuth via Presse angesäuert verkündete. Der Tecki war aber
anscheinend nicht von seinem Sangria-Eimer auf Malle wegzubewegen, also
fand man die Lösung, Bulykin ohne ihn zu finanzieren, durch die neuen
Sponsoreneinnahmen. Mir war sehr wohl dabei, denn Tecki hatte es sich
zwischenzeitlich anders überlegt und wollte dem Verein das Geld nun
nicht mehr nur bereitstellen, sondern über die Zuschauereinnahmen
plötzlich auch wieder zurück haben. Und wenn der von einem Verein
was will, beschleicht mich sofort ein ungutes Gefühl, schließlich
weiß ich noch, warum der KFC Uerdingen zum Ende der Saison 2004/05
seine Lizenz verlor. Wer das nicht weiß, kann es hier gerne im entsprechenden
Artikel nachlesen, nochmal alles aufzuschreiben habe ich keine Lust. Um
den sollte man bei solchen Geschäften einen weiten Bogen machen,
so mein Eindruck. Und Fortuna schaffte es dann ja auch. Dann hielten Bulykin
und Anderlecht selbst noch den Verkehr auf, indem sie sich über die
Modalitäten der Vertragsgestaltung (Anderlecht soll ja einen Teil
des Gehalts von Bulykin übernehmen) nicht einig wurden,, und deshalb
ist Bulykin erst seit einer halben Woche bei uns. Er kommt natürlich
mit hohen Erwartungen, eine Riesen-Verpflichtung für einen Zweitliga-Aufsteiger.
Wollen wir hoffen, dass er sie wenigstens halbwegs erfüllen kann.
Außerdem derzeit noch am Start: Abdelaziz Ahanfouf, ehemaliger Torjäger
aus Unterhaching und Duisburg, auch als Stinkstiefel bestens
bekannt, insoweit ein prima Ersatz für den in der Winterpause abgewanderten
Kenan Sahin. Ahanfouf erlitt im Dezember 2007 einen schweren Autounfall,
brauchte sehr lange für die Reha und kommt seitdem nicht mehr in
Tritt. Er trainiert weiterhin mit, man hat ihm das Angebot gemacht, bei
uns erst einmal richtig fit zu werden und dann weiter zu sehen. Natürlich
mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Ahanfouf seine beste Zeit in Duisburg
unter dem damaligen Trainer Norbert Meier hatte. Wenn den also
einer wieder hinkriegen könnte, dann er. Und eine solche Alternative
im Sturm wäre natürlich sehr wünschenswert. Aber wie gesagt,
da muss man erst einmal abwarten, wie die weitere Entwicklung des Spielers
verläuft.
Soweit der neue Kader. Und das alles ohne Anschubfinanzierung, man möchte
es kaum glauben. Die Vorbereitung verlief eigentlich normal, von den schweren
Verletzungen von Lambertz und Langeneke mal abgesehen. Zunächst wurde
ordentlich Kondition gebolzt, mit kleineren Einlagen, bei denen einige
Spieler des aktuellen Kaders im Nachhinein wohl froh sind, erst so spät
verpflichtet worden zu sein. Beispiel gefällig?
Wir haben uns mal eine kleine Treppe angeschaut, wurde Trainer
Meier eines schönen Tages zu Beginn der Vorbereitung zitiert. Das
war nett ausgedrückt von ihm - auf der Landschaftstreppe der Halde
Norddeutschland wurde der Kader satte 359 Stufen hochgejagt.
Ich bin selbst auch gelaufen, fügt Meier an. Und
zwar vom Auto bis zum Fuß der Treppe. Das ehrt ihn
Felix Magath hätte hier sicherlich ein Megafon zum Einsatz gebracht.
Danach ging es ans Spielen, wobei der Trainer zum Einrollen
wie üblich klassentiefere Gegner wählte, um auch die Erfolgserlebnisse
nicht zu kurz zu gestalten. So gab es allein in den ersten fünf Vorbereitungsspielen
48 Treffer, der höchste Sieg gelang mit 19:0 gegen Randerath/Porselen
in der niederrheinischen Walachei. Gegen Ende der Vorbereitung kamen dann
noch zwei echte Gradmesser: der rumänische Erstligist FC Vaslui,
seines Zeichens Euro-League-Teilnehmer sowie der niederländische
Ehrendivisionist Vitesse Arnheim. Beide Spiele wurden 1:0 gewonnen, was
ich doch einigermaßen verblüffend fand. Das Team scheint gerüstet.
Das sollte es auch sein. Denn zum Auftakt bekam man direkt einen Hammer.
Ungläubig verfolgte ich im Juni in der ARD-Sportschau die Auslosung
zur ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Verein um Verein wurde gezogen,
wir waren nicht dabei. So langsam schaute ich Glücksfee Renate Lingor
beim Ziehen der Lose schon zwischen die Beine, sprich: auf den Boden,
ob sich die Kugel mit unserem Namen nicht versehentlich dorthin verirrt
haben könnte. Dann, als drittletztes Los kamen wir doch noch, und
während ich noch überlegte, welcher Verein sich noch im anderen
Topf befinden könnte, wurde auch schon der HSV gezogen. Das hielt
ich erst für einen schlechten Witz, aber es stimmte tatsächlich.
Nun ist der HSV bekanntermaßen mein heimlicher Zweitverein, deshalb
bin ich über diese Ansetzung auch immer noch etwas unglücklich.
Klar wäre das eine nette Partie gewesen so in etwa ab Halbfinale.
Aber gleich in der 1. Runde? Naja, man bekommt halt nichts geschenkt im
Leben. Und der HSV spielt ja auch in dieser Saison Euro-League, da haben
sie noch was, auf das sie sich anschließend konzentrieren können.
Also freue ich mich auf diesen dicken Brocken, der sogar noch live im
Fernsehen übertragen wird, wobei der Anstoßtermin dadurch auf
morgen, Montag, den 03.08.2009, 20.30 Uhr, rutschte. Wir haben eigentlich
keine Chance, aber nutzen wir die einfach. Wobei mir das heutige lockere
5:0 von Werder Bremen bei Mitaufsteiger Union Berlin dann doch zu denken
gibt
Auf jeden Fall geht es morgen wieder los. Das ist auch ganz gut so, damit
die ganzen Diskussionen mal ein Ende finden. Wobei ich noch etwas sauer
auf die DFL bin: die beschert uns nämlich ab nächster Woche
zum Auftakt der Zweitliga-Saison direkt beide Mitaufsteiger, erst Heimspiel
gegen Paderborn, dann auswärts bei Union. Toll, da fühlt man
sich ja direkt wie in der 2. Liga
Aber das spielt alles keine Rolle. Das Abenteuer 2. Liga nach 10 Jahren
beginnt!
Mit dabei: janus
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