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Ende, Aus, Mickymaus
Ja, liebe Freunde der Regionalliga Nord, das war es tatsächlich!
Die Liga hat ihre drittklassigen Pforten am 31.05.08 für immer (oder
bis zur nächsten DFB-Reform) geschlossen. Zwei Spiele schulde ich
der geneigten Leserschaft noch, und da will ich mich nicht lumpen lassen,
und ausführlich über die letzten elf Tage Regionalliga berichten.
Auch wenn es am Anfang (und zwischendrin) durchaus auch wieder um Dinge
geht, die im ersten Anschein nicht viel mit Fußball zu tun haben.
Aber genug geschwätzt, fangen wir doch einfach an richtig
zu schwätzen!
Betrübliches
In der Woche vor dem Spiel gegen Babelsberg verstarb am 20.05.2008 der
Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Joachim Erwin, nach
langjähriger Krankheit doch ein wenig überraschend, denn kurz
zuvor hatte er noch einen Dienstbesuch in China absolviert. Dass dies
natürlich eine menschliche Tragödie ist, braucht nicht weiter
erläutert zu werden. Man darf aber auch nicht übersehen, dass
es für Fortuna ebenfalls von nicht unerheblicher Bedeutung war. Joachim
Erwin war Vorsitzender des Aufsichtsrats von Fortuna sowie im Aufsichtsrat
aller Unternehmungen, die etwas mit Fortuna zu tun haben: bei der Stadt-Sparkasse
und den Stadtwerken Düsseldorf, den beiden Hauptsponsoren der Fortuna,
oder bei der Arena-Betreibergesellschaft, die Fortuna, wie unlängst
auf der Jahreshauptversammlung bekannt wurde, bislang einen nicht unerheblichen
Teil der Stadionmiete stundet. Und da darf man sich schon mal die Frage
stellen, wie es zukünftig mit Fortuna weitergehen wird, jetzt, wo
der starke Mann von eigenen Gnaden nicht mehr da ist. Besonders
was die Arena betrifft, denn bezüglich deren Finanzierung liegt ja
bis heute einiges im Dunkeln, weil der Oberbürgermeister erfolgreich
einen allzu tiefen Blick in die Unterlagen verhindert hatte. Man kann
nur hoffen, dass diesbezüglich nicht irgendwann etwas ans Licht kommt,
das auch Fortuna noch in die Bredouille bringt. Um mehr darüber zu
schreiben, fehlt mir als Außenstehender eindeutig der innere Einblick,
weshalb ich es auch dabei bewenden lassen möchte. Seine Leistungen
für Fortuna sind unbestritten, auch wenn die Art und Weise manchmal
nicht mal mehr diskussionswürdig war. Möge er in Frieden ruhen
und den Verein nicht irgendwann einmal aus dem Grab heraus in selbiges
hinein manövrieren, weil sie im Rathaus vergessen haben, irgendeine
Unterlage Nr. 3157 b ordnungsgemäß zu schreddern. Man weiß
doch, wies läuft.
Herzschlaghalbfinale
Am 24.05.2008 erschien Absteiger SV Babelsberg 03 zum letzten Heimspiel
in dieser Saison in der LTU-Arena. Die Ausgangslage war klar: man würde
spielen können wie man wollte wenn Oberhausen sein Heimspiel
gegen Erfurt gewinnen würde, waren die auch bei einem Fortuna-Sieg
durch, mit vier Punkten Vorsprung vor dem letzten Spieltag. Sollten ihnen
allerdings die Nerven flattern, dann könnte es am letzten Spieltag
nochmals interessant werden. Dafür mussten wir aber natürlich
selbst gegen Babelsberg gewinnen. Das war leichter gesagt als getan, schließlich
hatte man in der Hinrunde in Potsdam ein demütigendes 0:3 kassiert
und in der Gesamtstatistik bei drei Spielen gegen Babelsberg genau null
Punkte geholt. Aber wenn man am letzten Spieltag noch etwas zu kamellen
haben wollte, musste gewonnen werden.
Klar, dass die Babelsberger etwas dagegen hatten. Schließlich wollten
sie sich keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen. Leider ließ
ihre Taktik, möglichst lange das 0:0 halten wollen, darauf schließen,
dass sie das mit der Wettbewerbsverzerrung nicht allzu genau nahmen. Ihre
Methode bestand nämlich darin, sich schon zu frühester Spielzeit
alle paar Minuten ermattet zu Boden zu legen, wenn sie mal in einen Zweikampf
gerieten, um sich anschließend minutenlang behandeln zu lassen.
Eine so offenkundige Schauspielerei hat man wirklich selten gesehen. Hinzu
kam, dass jeder Pfiff des Unparteiischen Anlass zu einer Grundsatzdiskussion
bei Gästen gab. Ich wette, hätte der einfach mal so Elfmeter
für sie gepfiffen, selbst darüber hätten sie noch gemeckert,
um die unbedingt erforderlichen fünf Minuten bis zur Ausführung
rauszuholen. Nun, in diese Verlegenheit kamen sie nicht, weil sie in der
ersten Halbzeit kaum in der Nähe des Düsseldorfer Strafraums
anzutreffen waren, und wenn doch, dann meist auf dem Boden liegend. Ziemlich
traurig, was diese Truppe ablieferte.
Fortuna somit natürlich von Anfang an überlegen, aber anders
als in den letzten beiden Heimspielen zuvor, als man jeweils nach einer
Minute in Führung gehen konnte, konnten sie diesmal kein Kapital
daraus schlagen. Im Gegenteil, fahrig, verkrampft und nervös wirkte
das Aufbauspiel, gute Chancen wurden fast gar keine herausgespielt, man
merkte deutlich, dass der Mannschaft irgendwie der Stift ging. In der
24. Minute bekam man dann die Chance zur Führung auf dem Silbertablett
serviert. Nach einem Freistoß hatte Cebe aus sechzehn Metern abgezogen,
ein Babelsberger im Strafraum relativ klar mit der Hand abgewehrt. Der
Schiri pfiff den Elfer, den er in vergleichbarer Situation schon in der
4. Minute hätte geben können, aber das war ihm wohl zu früh.
Lawaree schoss ziemlich schwach, Babelsbergs Keeper Busch konnte parieren,
der Nachschuss ging neben das Tor. Besser kann man Nervenflattern nicht
zeigen. Aber die Gäste wollten uns nicht verdrießen, legten
sich weiterhin brav auf den Boden und versuchten gar nicht erst, selbst
mal ein bisschen Druck zu entwickeln. So konnte man sich wieder beruhigen
und ein wenig ins Spiel zurück finden.
Sekunden vor der Pause war es dann soweit: auf der linken Seite dribbelt
sich Caillas an der Torauslinie fest, kann aber noch auf Hergesell zurück
passen. Der hat alle Zeit der Welt, der Ball anzunehmen, zu schauen und
zu flanken (ich glaube, sein Gegenspieler hatte sich schon mal prophylaktisch
auf den Boden gelegt). In der Mitte schubst Lawaree seinen Gegenspieler
leicht weg, wobei der allerdings fast das halbe Trikot unseres Stürmers
mitnimmt, so liebevoll hat er diesen festgehalten, weshalb der Schiri
das Spiel wohl auch laufen lässt, und Lawaree nickt die Kugel gegen
die Laufrichtung des Keepers ein. 1:0 in der 45. Minute und ein Steinschlag
dürfte ein Dreck gegen die Felsmassen sein, die den Spielern und
den 12.000 Zuschauern in der Arena vom Herzen fielen. Und verdient war
es allemal, denn der Gegner mühte sich ja nach Kräften, nicht
mitspielen zu wollen.
Dies änderte sich grundlegend nach der Pause. Zunächst fiel
auf, dass sie nach dem Gegentreffer tatsächlich alle Bemühungen
einstellten, durch intensives Herumwälzen wirklich jeden Quadratzentimeter
des Rasen kennen lernen zu wollen. Es kam einfach nicht mehr vor, scheint
demnach wirklich Absicht gewesen zu sein. Aber jetzt spielten sie plötzlich
auch nach vorne und überraschten die Fortunen damit doch sehr. Die
hatten in der Halbzeitpause nichts von ihrer Wackligkeit eingebüßt,
daher ziemlich schlecht, dass jetzt auch noch die Abwehr ran musste, die
war dafür an jenem Tage nicht wirklich gut gerüstet. Binnen
der ersten zehn Minuten in der zweiten Halbzeit gab es drei dicke Chancen
für Babelsberg, zweimal verzog Stürmer Frahn nur knapp, und
als Krönung musste Caillas für den bereits geschlagenen Ratajczak
auf der Linie klären, als ein Schuss nach einem Eckball irgendwie
den Weg durch sämtliche Spielerbeine hindurch Richtung Tor fand.
Man mochte schon gar nicht mehr hinsehen. Fortuna würgte sich durch
das Spiel, immerhin stand nach knapp einer Stunde die Abwehr halbwegs
ordentlich, sodass man auch mal wieder kontrolliert nach vorne spielen
konnte, auch wenn nicht viel dabei rum kam. Aber man war ja schon dankbar,
wenn sich der Ball nicht allzu sehr in die Düsseldorfer Spielfeldhälfte
verirrte. Somit war das Spiel bis zur 81. Minute relativ offen. Dann legte
Kastrati den Ball von der Strafraumgrenze auf Caillas zurück, der
zirkelte eine präzise Flanke in den Strafraum, und wieder war Axel
Lawaree mit dem Kopf da und markierte seinen 15. Saisontreffer. Der Kerl
treibt mich zur Verzweiflung. Als nicht gerade hochgewachsener Stürmer
macht der zwei Kopfballtore, verschießt aber Elfmeter. Er ist wohl
wirklich eher für die komplizierten Dinge des Lebens zuständig.
Dieser schöne Treffer wirkte wie ein Befreiungsschlag. Plötzlich
lief das Bällchen, wurde schnell nach vorne gespielt, der Gegenspieler
fungierte nur noch als Statist. In den letzten zehn Minuten nahm man Babelsberg
auseinander und hätte noch für einen Kantersieg sorgen können.
Kastrati verzog knapp, und Lambertz und Erwig hatten noch zwei Hundertprozentige,
allein vor dem Torwart. Lambertz schickte ihn in die falschen Ecke, verfehlte
aber das Tor, während Erwig an Busch scheiterte. Besonders diese
letzte Chance hätte ein Tor verdient gehabt, resultierte sie doch
aus drei-, viermaligem Direktspiel um und im Babelsberger Strafraum, bevor
dem eingewechselten Erwig die Kugel auf den Fuß serviert wurde.
Das wäre wirklich ein Traumtor geworden, war aber wohl zu einfach.
Schade.
Kurz darauf war das Spiel zu Ende, und es durfte durchgeatmet werden.
Ein schweißtreibender Arbeitssieg gegen einen größtenteils
harmlosen Gegner, der dann aber noch fast alles kaputt gemacht hätte.
Apropos kaputt: nutzte dieser Sieg denn überhaupt noch
etwas? Direkt nach Spielschluss kam die Durchsage, dass es in Oberhausen
weiterhin 0:0 stand, aber noch zwei Minuten nachzuspielen seien. Es durfte
also noch gezittert werden. Aber Erfurt rettete das torlose Remis auch
in der Nachspielzeit, und so gab es an jenem Nachmittag für uns noch
mehr zu jubeln. Die Mini-Chance auf den Aufstieg wurde also bis zum letzten
Spieltag aufrecht erhalten.
Noch ein Wort zu den Babelsberger Fans. Die reisten mit knapp 150 Mann
an und feierten eine lustige Party. Besonders beeindruckend, wie ein Teil
der Leute kurz vor Schluss zur Polonäse durch den ganzen Block antrat.
Einige Fortuna-Fans aus Berlin hatten übrigens die Chance genutzt
und waren einfach in einem Fan-Bus der 03er mit nach Düsseldorf gereist,
weil es für sie die kostengünstigste Alternative war. Auch dies
klappte ohne Probleme. Ein netter Haufen, der sich da in der Arena tummelte.
Muss man auch mal sagen, wenns schon vorkommt.
Die Überschrift des Herzschlaghalbfinales zu diesem Spieltag
ergab sich übrigens am Abend, als ich mir die Aufzeichnung des Spiels
Oberhausen gegen Erfurt anschaute. Was die Gastgeber an klaren Chancen
verballerten, ging schon auf keine Kuhhaut mehr. Die mussten längst
vor Spielende den Aufstieg klar gemacht haben. Prunkstück war Torjäger
Terranova, der in der zweiten Halbzeit sogar schon den Erfurter Keeper
ausgetanzt hatte und den Ball zum Siegtreffer und Aufstieg ins leere Tor
schob, dies aber so lässig (oder verkrampft) tat, dass Erfurts albanischer
Verteidiger Rrustemi die Kugel mittels Riesen-Blutgrätsche noch vor
der Torlinie wegbefördern konnte. Und das als Ex-Mönchengladbacher,
alle Achtung! Hätte nicht gedacht, dass die uns auch mal einen Gefallen
tun. Der Präsident der Oberhausener, der angekündigt hatte,
im Falle eines Aufstiegs nackt durchs Stadion zu laufen, und den der WDR
bei dieser Großchance natürlich im Bild hatte, biss fast die
Zigarette durch, die ihm aus dem Mund hing, und er stammelte nur fassungslos:
Der war doch schon drin.... Das hätte ich an seiner Stelle
auch gesagt, als Heim-Zuschauer wäre ich wohl in diesem Moment aus
dem Stadion gegangen, weil es gesundheitlich zu anstrengend geworden wäre.
So blieb es dort beim 0:0, und man musste die ganzen Freibier-Fässer
wieder in den Keller räumen. Immerhin blieb dem neutralen Zuschauer
dadurch auch der flitzende Präsident erspart, denn er hatte vorher
schon angekündigt, dass diese Wette nur für das Heimspiel gelten
würde. Vielen Dank!
Da Union Berlin in Lübeck mit 7:3 gewonnen hatte (so muss man in
Lübeck antreten...), ergab sich vor dem letzten Spieltag folgendes
Tabellenbild:
1. RW Ahlen 64 Punkte
2. RW Oberhausen 63
3. Fortuna 61
4. Union Berlin 60
Ahlen war durch, weil sie über das Torverhältnis nicht mehr
einzuholen waren, für den zweiten Aufstiegsplatz ergaben sich folgende
Konstellationen: Oberhausen reichte aufgrund des ebenfalls guten Torverhältnisses
bereits ein Unentschieden im letzten Spiel, ausgerechnet bei Union Berlin.
Fortuna würde nur, und nur dann, aufsteigen, wenn Oberhausen verlöre
und man gleichzeitig in Erfurt gewänne. Sollte Fortuna in Erfurt
nicht gewinnen, wäre auch Union wieder im Rennen. Zwar war man acht
Tore schlechter als Oberhausen, aber da man direkt gegeneinander spielte,
würde ja jedes Tor, das Union gut machte, gleichzeitig bei den Oberhausenern
für einen Verschlechterung des Torverhältnisses sorgen, sodass
Union ein Sieg mit vier Toren Unterschied reichen würde, um Oberhausen
zu überholen. Für eine Mannschaft, die gerade sieben Stück
in Lübeck versenkt und darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer
Chancen vergeben hatte, kein unmögliches Unterfangen, auch wenn deren
18-Tore-Stürmer Shergo Biran aufgrund der fünften Gelben Karte
im letzten Saisonspiel fehlen würde. Für Spannung war also gesorgt.
Finalvorbereitungen
Die Woche vor dem letzten Spieltag am 31.05.2008 war wohl die turbulenteste
der gesamten Saison, zumindest organisatorisch. Karten für das Spiel
gegen Erfurt konnte man schon Wochen vorher auf der Geschäftsstelle
der Fortuna ordern. Die Bestellungen hielten sich im Rahmen, es hatte
kaum jemand geglaubt, dass das Spiel noch wichtig werden würde. Dies
änderte sich nach dem Spiel gegen Babelsberg grundlegend. Aus Erfurt
wurde dem schon vorab Rechnung getragen, indem man ein Kontingent von
3.700 Karten zur Verfügung stellte, das Doppelte dessen, was den
Gästen eigentlich zugestanden hätte. Die Karten gingen am Montag
Vormittag in den Verkauf und waren nach zwei Stunden ausverkauft. Diejenigen,
die aber trotzdem noch Karten haben wollten, sorgten anschließend
für ein wenig Chaos, auch begünstigt durch die Modalitäten,
die es bei Erfurt bezüglich des Kartenverkaufs gibt: man kann sich
dort nämlich Tickets über die vereinseigene Website nicht nur
bestellen, sondern mittels praktischer print@home-Funktion auch gleich
ungeprüft ausdrucken (wie dies z.B. auch bei der Deutschen Bahn möglich
ist). Und so gingen am Montag noch mehrere Hundert Tickets für die
Erfurter Blöcke über den virtuellen Tisch nach Düsseldorf,
ehe dies dort erkannt und der Ticketshop gesperrt wurde. Nun hatten die
Erfurter allerdings das Problem, dass dies selbst beim DFB aufgefallen
war. Dieser hatte sich eingeschaltet und ein verschärftes Sicherheitskonzept
verlangt. Da man sich sicher sein konnte, somit quasi aus höchster
Höhe bei diesem Spiel beobachtet zu werden, kam es zu folgenden Richtlinien,
die auf der Fortuna-HP am 26.05.08 veröffentlicht wurden:
Mit jeder Stunde, die es auf den Anpfiff zum letzten Meisterschaftsspiel
am kommenden Samstag zugeht, wächst die Spannung. Die Fortuna kämpft
im Erfurter Steigerwaldstadion um drei wichtige Punkte, die jedoch nur
dann zum Aufstieg reichen, wenn Oberhausen gleichzeitig in Berlin patzt.
Jeder eingefleischte Fortune würde am liebsten mitfahren, doch die
Kapazitäten in Erfurt sind beschränkt. Da die Sicherheitsbestimmungen
in der thüringischen Landeshauptstadt am Samstag strikt umgesetzt
werden, birgt eine Fahrt in den deutschen Osten ohne gültiges Ticket
das Risiko, das Spiel nicht einmal in der Nähe des Stadions erleben
zu dürfen.
Nachdem das Gästekarten-Kontingent in Düsseldorf ausverkauft
war, hatten sich viele Fortuna-Fans Eintrittskarten für das Steigerwaldstadion
besorgt, die in den übrigen Teilen des Stadions liegen. Dazu gehören
auch absolute No-Go-Areas wie die Blöcke D, E, H, I und
Block 3. Um eine mögliche Konfrontation zwischen den Fangruppen zu
vermeiden, hat der Veranstalter in enger Zusammenarbeit mit Fortuna Düsseldorf
inzwischen eine Lösung erarbeitet: Alle Düsseldorfer Fans, die
sich (versehentlich) Karten für die Erfurter Bereiche gekauft haben,
sollen sich direkt zum Gästeblock begeben, wo sie gegen Vorlage der
falschen Eintrittskarte und eines Ausweises ohne Probleme
eingelassen werden.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Anhänger aus Düsseldorf,
die sich Zugang in die Erfurter Blöcke verschaffen wollen, natürlich
nicht eingelassen werden, denn auch hier werden neben der Eintrittskarte
die Vorlage eines Ausweises verlangt. Damit folgt der gastgebende Verein
im Übrigen auch einer strikten Anweisung des DFB und wird daher in
jedem Fall durchgesetzt.
Rot-Weiß Erfurt ist weiterhin bemüht, die Kapazität des
Gästeblocks noch zu erweitern, damit auch die Düsseldorfer Fans
mit Eintrittskarten aus den Erfurter Blöcken dort untergebracht werden
können. Entsprechende Puffer hierzu wurden eingerichtet. Eine Ausweitung
des Düsseldorfer Kartenkontingents wird es allerdings definitiv nicht
geben.
Eintrittskarten erhalten an den Tageskassen nur noch Erfurter Fans, die
beim Kauf einer Karte auch ihren Ausweis vorlegen müssen. Damit soll
vermieden werden, dass weitere Karten an Fortuna-Fans verkauft werden.
Auf den Punkt gebracht: Es ist sinnlos, ohne gültiges Ticket in Erfurt
anzureisen. Insofern sei einer Aufforderung, wie sie mit den Worten Keine
Karte - egal - es geht um den Aufstieg in einem Fan-Forum nachzulesen
war, ausdrücklich widersprochen. Denn die Erfurter Polizei wird durch
eine große Aufenthalts-Verbotszone und dementsprechenden Platzverweisen
präventiv reagieren wollen. Im Falle der Nichtbeachtung werden die
entsprechenden Maßnahmen eingeleitet und können mit einer sofortigen
Festsetzung einhergehen.
Die aus Düsseldorf anreisenden Busse werden von der Polizei aufgenommen
und direkt zum erweiterten Gästeblockbereich (Mozartallee) geleitet.
Dort finden Fortuna-Fans auch gleich den Eingangsbereich zum Gästeblock,
wo sich auch die Taschenabgabe befindet. Dort müssen ausnahmslos
sämtliche Taschen (ebenso wie Rucksäcke, Beutel, Bauchtaschen
etc.) abgegeben werden, die bis nach Spielschluss verwahrt werden. Die
Busse werden im Verlauf der Mozartallee geparkt und können somit
nach Spielende auch gleich wieder zur Abfahrt genutzt werden.
Der Gästeblock wird am Spieltag ab 11.00 Uhr geöffnet sein.
Der Transport der Zugreisenden zum Stadion und zum Bahnhof zurück
findet unter Begleitung der Polizei und zu Fuß statt. Hierbei gilt
zu beachten, dass die letztmögliche Rückfahrt-Möglichkeit
vom Erfurter Hauptbahnhof in Richtung Düsseldorf um 17.11 Uhr besteht.
Für den Rückweg vom Stadion zum Bahnhof sollte man mindestens
eine Stunde Fußweg einkalkulieren, so dass Fans spätestens
um 16.00 Uhr die Heimreise ab Stadion antreten sollten.
Rot-Weiß Erfurt empfiehlt allen Düsseldorfer Fans, die mit
dem PKW anreisen, das Parkhaus an der Johann-Sebastian-Bach-Straße
/ Ecke Mozartallee zu nutzen. Weitere Parkmöglichkeiten sollten östlich
des Stadion aufgesucht werden.
Zu einer frühzeitigen Anreise nach Erfurt sei nochmals ausdrücklich
geraten, denn trotz des großen Zuschaueraufkommens wird das Spiel
aufgrund der Hörfunk und TV-Live-Übertragung in jedem Fall pünktlich
um 13:30 Uhr angepfiffen.
Beachtlich übrigens der letzte Satz. Nachdem der MDR und der RBB
schon angekündigt hatten, live von den Spielen zu berichten, zog
sogar der gute alte WDR nach und klinkte sich in die Live-Übertragung
ein, obwohl noch nicht mal ein Kölner Karnevalsprinz auftreten würde.
Natürlich nicht freiwillig, sie mussten erst von vielen gutgemeinten
Zuschriften überredet werden. Somit gab es an jenem Nachmittag tatsächlich
mal ein Live-Spiel (sogar eine Konferenz!) im WDR. Eigentlich fast nicht
zu glauben. Und genau so wurde es dann auch, aber davon später mehr.
Das plötzliche Interesse an diesem Spiel trieb in Düsseldorf
noch weitere Blüten. So wurde im Stahlwerk, einem alten
Fabrikgebäude, das eigentlich Disco bzw. Veranstaltungsort für
Konzerte ist, eine Großleinwand aufgestellt und Public Viewing für
1.000 Zuschauer ermöglicht. Fast jede Kneipe in der Alt- oder Innenstadt,
die einen Fernseher in ihren Räumen stehen hatte, kündigte an
(auf Werbetafeln oder einfach auf die Fenster gemalt), das Spiel am Samstag
zu zeigen. Und da wir bei den meisten Gegnern ja eh als arrogante
Düsseldorfer verschrieen sind, musste es natürlich auch
noch etwas Besonderes sein: Air Berlin, einer der eher kleineren Sponsoren
der Fortuna, hatte sich wohl schon lange zuvor ein Kontingent von knapp
150 Karten gesichert, weil Erfurt sowieso einer der Flughäfen ist,
die diese Linie regelmäßig anfliegt. Diese Karten vertickte
man jetzt inklusive Hin- und Rückflug sowie Transfer zum und vom
Stadion für 250 Euro. Dienstags mittags Angebot gemacht, dienstags
abends ausverkauft. Ein Sonderflug zu einem Regionalligaspiel...selbst
Herr Hopp vom Erstliga-Aufsteiger SAP Hoffenheim dürfte anerkennend
die Augenbrauen hochgezogen haben. Einen Sonderzug hingegen gab es nicht.
Unbestätigten Meldungen zufolge wären Bahn und Polizei wohl
damit einverstanden gewesen, Fortuna allerdings nicht. Wenn man weiß,
wie die meisten Sonderzüge aussehen, wenn sie wieder zuhause sind,
und wer dafür bezahlen darf, eine nicht unlogische Entscheidung.
Wenn es denn so stimmen sollte.
Insgesamt war es eine aufregende Woche, die zeigte, was in der Stadt Düsseldorf
eigentlich alles möglich wäre, wenn der Verein nur erfolgreicher
wäre. Aber das ist wohl überall so. Da wir so etwas lange nicht
erlebt haben, war es doch mal ganz nett.
Am Ende waren es zwischen 5.000 und 6.000 Fortunen, die nach Erfurt reisten.
Und egal, wie es ausgehen würde, eins würde es mit Sicherheit
sein: die letzte Reise in der Regionalliga Nord. Die würde nämlich
Punkt 15.15 Uhr an jenem Samstag Geschichte sein. Grund genug, noch einmal
etwas ausführlicher davon zu berichten.
Finale Anreise
Wir starten um 7 Uhr in Bonn. Da hat meine Fahrerin schon eine Stunde
Fahrt hinter sich, sie kommt nämlich aus Aachen. Zunächst wird
ein wenig Autobahn-Hopping betrieben, von der A 565 geht es über
die A 59 und die A 560 am Autobahnkreuz Bonn/Siegburg auf die A 3 Richtung
Süden. Hier begrüßt uns der Finaltag mit kräftigem
Nebel. Da die Autobahn hier in manchen Abschnitten eher einer Berg-und-Tal-Bahn
gleicht, zieht es die Nebelfetzen teilweise auch bis auf die Straße
runter, 50 m Sichtweite ist schon ganz ordentlich. Zum Glück herrscht
eher wenig Verkehr. Von den angekündigten 30 Grad Außentemperatur
ist hier noch nicht wirklich etwas zu spüren.
An der Anschlussstelle Limburg-Nord müssen wir von der A 3 auf die
Bundesstraße abfahren, um somit quasi über Eck die A 5 zu erreichen.
Um die Monotonie der Landschaft aufzulockern, hat man sich hier natürlich
etwas ausgedacht, die Abfahrt ist mittels dieser lustigen Hütchen
zu einem Großteil abgesperrt, und zwar ohne dass man jenseits der
Hütchen auch nur irgendetwas sehen würde, das entfernt nach
Baustelle aussieht. Da ist einfach nichts, es sieht wirklich so aus, als
ob jemand nur diese Hütchen aufgestellt hätte, um sich einen
Spaß zu machen. Dadurch wird die Länge der Ausfahrt jedoch
auf ca. 20 Meter verkürzt. Anschließend soll man links Richtung
Heckholzhausen abbiegen, was leider auch nicht geht, da man sofort nach
rechts auf die Bundesstraße abgeleitet wird. Also geht es weiter
ins nächste Kaff, wo ein beeindruckender U-Turn hingelegt wird. Beeindruckt
allerdings niemanden, denn es ist niemand auf der Straße. Scheint
noch zu früh zu sein, um in Hessen den Tag zu beginnen.
Und während wir über die B 54 und B 49 doch recht flott durch
den menschenleeren Lahn-Dill-Kreis reisen, wird anderswo wohl richtig
Alarm sein: im Radio kommt nämlich die Nachricht, dass in Hessen
zahlreiche Züge aufgrund von Oberleitungsschäden nach Unwettern
ausfallen oder weil sie umgeleitet werden müssen erhebliche
Verspätung haben werden. Und dies betrifft natürlich alle Fans,
die von Düsseldorf nach Erfurt reisen. Ich als alter Bahn-Kenner
kann mir gut vorstellen, wie es da jetzt aussieht...
Als wir am Industriegebiet Oberbiel vorbei fahren, gibt es doch noch etwas
Bemerkenswertes: nach links ausgeschildert ist ein Bergwerk, welches man
wohl besichtigen kann. Name: Grube Fortuna. Wenn das mal kein
gutes Omen ist! Zumal neben dem Schild ein weiteres steht, das für
dieselbe Richtung auch noch das Kloster Altenberg ausweist. Sind wir mit
höheren Mächten im Bunde? Als weiteres Highlight erblicken wir
zwei Minuten später den ersten Wagen, der mit Fortuna-Devotionalien
geschmückt ist. Davon wird es bald noch mehr zu sehen geben.
Schließlich geht es in Wettenberg auf die A 480 Richtung Kassel
und Marburg und Erfurt, erstes Autobahnschild, das auf unser Ziel
hinweist. Noch 205 km.
Diese dreistelligen Autobahnen zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie
schön kurz sind und auf ihnen nix los ist. Diese hier ist keine Ausnahme,
nach knapp fünfzehn Kilometern geht sie am Reiskirchener Dreieck
in die A 5 über und die große weite Autobahnwelt hat uns wieder.
Und das gleich richtig, denn auf der Strecke zwischen dem Reiskirchener
und dem Hattenbacher Dreieck, an dem es auf die A 7 geht, befindet sich
eine 10 km lange Baustelle der feineren Art. Die kenne ich
noch aus dem letzten Jahr, als wir für eine Tour von Neuss nach Dresden
(nix Fußball, Hochzeit) am Pfingstfreitag schluffige zehn Stunden
brauchten, was u.a. auch an dieser Baustelle lag. Da es zu Berufsverkehr
oder Hauptreisezeiten hier sowieso zu Staus kommt, hat man sich etwas
Besonderes ausgedacht: exakt alle zwei Kilometer kommt ein Schild mit
zwei kleinen Kindern, ein Mädchen, ein Junge, sie trägt sogar
eine dieser orangenen Bauarbeiterwesten. Die machen auf jedem Schild entsprechende
Grimassen oder Faxen, wobei die Aufschrift dann die Reststrecke der Baustelle
angibt: Oh, eine Baustelle, noch 10 km, Puh, noch 8
km, Nur noch 6 km usw. Ja, das ist bestimmt nett gedacht.
Wenn man aber, wie ich im letzten Jahr, wirklich zwei Stunden in dieser
Baustelle verbringt und es kaum vorwärts geht, man an diesen ganzen
Baulöchern und Erdhügeln vorbei kriecht, bei schwülem Wetter
und um die 30 Grad...und wenn man dann noch diese Schilder sieht...also
ich bekam im letzten Jahr durchaus Lust, so ein Schild mal auszurupfen
und dem erstbesten Bauarbeiter zu schenken. War aber natürlich
keiner da, war ja Pfingsten. Diese Schilder sind doch eine Provokation,
der man nicht entkommen kann! Aber natürlich muss ich da ruhiger
werden. Denn eigentlich ging es uns damals noch recht gut in dieser Situation.
Wir sahen diese quängelnden Kinder nur auf den Schildern draußen
rechts neben dem Auto wir hatten sie nicht auf der Rückbahn
IM Auto! Man muss auch dankbar für die Kleinigkeiten im Leben sein.
Aber die Erinnerung an jenen Pfingstfreitag 2007 ist natürlich sofort
wieder da, als die ersten Schilder auftauchen. Diesmal kommen wir glatt
durch die Baustelle, es ist nicht viel los. Und so langsam aber sicher
kann man beim Betrachten der überholten oder überholenden Weggefährten
den Eindruck gewinnen, außer einigen Lkw sind nur noch Fortunen
unterwegs.
Die A 7 führt nur ein kurzes Stück bis zum Kirchheimer Dreieck,
wo es dann auf die finale Autobahn nach Erfurt geht, die A 4. Jetzt noch
115 km geradeaus, dann sind wir da. Gleichzeitig fängt der Himmel
an, aufzuklaren. Es ist zwar noch dunstig am fernen Horizont, aber über
uns scheint nun die Sonne, es wird gleichzeitig binnen weniger Minuten
warm. Ziemlich warm, um genau zu sein. Weiter geht es an den drei Burgen
vorbei, die rechts und links entlang der Autobahn stehen und die den Namen
Die drei Gleichen haben. Den kann ihnen nur jemand verpasst
haben, der sie mal von weitem gesehen hat, aber immerhin sind sie ein
netter Anblick, denn ansonsten gibt es rechts und links nicht viel zu
sehen. Und so ist auch der Beifahrer erleichtert, als endlich die Abfahrt
Erfurt-West auftaucht.
Anschließend geht es über die B 4 zum Stadion. Praktischerweise
befindet sich hinter dem Gästeblock ein Parkhaus, in dem man für
pauschal zwei Euro parken kann. Direkt neben dem Eissportzentrum, bei
dem man sich darüber streiten kann, ob der Begriff Eissportzentrum
oder die an der Außenseite angebrachte Benennung Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle
umständlicher ist. Es ist kein Problem, im Parkhaus eine Stellfläche
zu finden, da wir sehr früh dran sind. Für einige allerdings
nicht früh genug: als wir aus dem Parkhaus kommen, begrüßt
uns rechter Hand ein Wasserwerfer der Polizei, während über
uns auch schon zu dieser frühen Stunde ein Hubschrauber kreist, und
zwar nicht der des ADAC. Willkommen zum Fußball in Thüringen!
Ja, der DFB hat gerufen, und alle, alle kommen...Da wir anschließend
eine gute Stunde vor dem Haupteingang des Stadions verbringen, kann ich
auch gleich sagen, dass diese Aussage wörtlich zu nehmen ist. Was
da auf Erfurter Seite alles anrückt...mein lieber Schwan. Als wir
sehen, wie eine kleine Gruppe, die auf einer Bank vor dem Eingang sitzt,
gleich mal von der Polizei nach kurzer Kontrolle weggeheftet wird, wissen
wir, dass hier heute wohl ziemlich bestimmte Klientel zu erwarten
ist.
Es tauchen auch die ersten Überlebenden des hessischen Bahn-Massakers
auf. Erst in Mietwagen, da wurde der Frankfurter Hauptbahnhof kurzerhand
ausvermietet. Diejenigen, die dort zu spät kamen, haben
sich Großraumtaxen geteilt: mit sechs oder sieben Leuten rein in
die Kiste, und ab nach Erfurt, Preise zwischen 250 und 350 Euro. Normalerweise
packt man sich an den Kopf, aber hier und heute gibt keiner auf, nur weil
die Bahn in Kassel oder Frankfurt den vorzeitigen Feierabend eingeläutet
hat.
Apropos man packt sich am Kopf: ca. 1 Stunde vor dem Spiel
traue ich meinen Augen nicht, als auf der Straße vor dem Stadion
eine Stretchlimousine heranrauscht, mit aufgesteckten Fortuna-Autofahnen.
Ein paar Wahnsinnige haben das Teil gemietet, um damit am letzten Spieltag
vorzufahren. Allerdings nicht vom Erfurter Flughafen, sondern aus Remscheid
im Bergischen Land! Was die Jungs allein jetzt schon an Sprit verfahren
haben dürften dagegen wäre ein Großraumtaxi von
Frankfurt aus wohl ein Schnäppchen gewesen. Aber immerhin ein hübscher
Anblick...
Finale
Das Spiel beginnt um 13.30 Uhr, und ich bin schweißgebadet. Nicht
weil sich schon so viel tun würde, sondern weil es mittlerweile doch
über 30 Grad im Stadion sind, drückend, schwül, absolut
windstill. Aber zwei Spieler wollen direkt mal ein Zeichen setzen: Thiago
Rockenbach da Silva, uns aus den letzten Jahren als emsiger Torschütze
und Vorbereiter gegen Fortuna bei Werder II nur allzu ungut in Erinnerung,
hakelt mal eben kurz gegen Ahmet Cebe nach, ziemlich harmlos, was diesen
jedoch dazu bewegt, seinen Gegenspieler nach knappen fünfzehn Sekunden
Spielzeit ordentlich anzusaugen. Der ist auch nicht auf den Mund gefallen,
und so muss Bundesliga-Referee Knut Kircher schon zum ersten Mal besänftigend
eingreifen. Rockenbach versucht dann, nur eine Minute später direkt
mal einen Elfer rauszuschinden, als er im Zweikampf gegen Cebe einfädelt,
aber Kircher winkt nur ab. Nach zwei Minuten ist also schon Feuer im Spiel.
Und so geht es weiter. Meistens in Richtung Fortuna-Tor, denn Erfurt ist
in der ersten Halbzeit klar tonangebend, besonders Rockenbach und Ex-Fortune
Denis Wolf (allerdings ohne Chance auf den Schönheitspreis, denn
Claus Costa steht ebenfalls auf dem Platz) wirbeln mächtig über
die Außen. Aber es kommt nichts dabei rum, Torwart Ratajczak muss
an alter Wirkungsstätte nur zweimal eingreifen, bei einem Freistoß
von Rockenbach, der eh ins Aus gegangen wäre, aber von unserem Keeper
zu einer schönen Flugeinlage genutzt wird, und nochmals gegen Rockenbach,
als dieser aus der Drehung im Strafraum frei zum Schuss kommt, allerdings
keinen Druck hinter den Ball bekommt. Die beiden dickeren Chancen hat
Fortuna: in der 5. Minute ein Traumpass auf Caillas, der überläuft
die Abseitsfalle der Gastgeber und kurvt links im Strafraum auf Torwart
Orlishausen zu; aus ca. zehn Metern zieht er ab, trifft aber den Ball
nicht voll und produziert ein Kullerchen, das weit rechts am Tor vorbei
hoppelt. Nach einer knappen halben Stunde setzt sich Sahin doch etwas
überraschend gegen drei Gegenspieler durch und versucht, Orlishausen
mit einem Lupferchen vom rechten Strafraumeck zu narren, doch der Erfurter
Keeper ist auf dem Posten und kann mit guter Abwehr zur Ecke klären.
Der Rest der ersten 45 Minuten gehört Erfurt, ohne dass sie noch
sonderlich große Chancen herausspielen können. Falls dieses
Vorgehen von Fortuna-Seite so beabsichtigt war, ist endlich mal eine sinnvolle
taktische Marschroute auch ordentlich umgesetzt worden: man lässt
die Erfurter sich schön in der Schwüle kaputt laufen, ohne dass
es negative Folgen hätte. Zur Pause 0:0.
Leider ist zu diesem Zeitpunkt die Aufstiegsfrage bereits entschieden,
denn Oberhausen führt 2:0 in Berlin, und Union verliert kurz vor
der Pause auch noch Mattuschka mit Platzverweis nach Tätlichkeit.
Das Ding ist durch, und damit das auch auf dem Rasen alle mitkriegen,
skandieren die Erfurter Fans alle paar Minuten enthusiastisch Oberhausen
führt! und 3. Liga, Fortuna ist dabei! Ja, Schadenfreude
ist die schönste Freude, das würden wir nicht anders handhaben.
Vielleicht dass wir es nicht alle fünf Minuten schmettern müssten
wie es hier geschieht. Wer sich schon dermaßen mit anderen Vereinen
prostituieren muss, um dem Gast eins auszuwischen, weil die eigene Mannschaft
nichts auf die Kette bekommt...na ja, wers braucht. Auch der zweite
Sprechchor ist mal richtig intelligent, schließlich haben sie noch
nie gegen uns gewonnen, das sind wieder mindestens vier sichere Punkte
für uns in der nächsten Saison. Aber wems Spaß macht...Und
zumindest ist es kreativ.
Nach der Pause könnte man denken, dass die Mannschaft jetzt einer
müden ersten eine müde zweite Halbzeit folgen lassen wird, denn
es geht ja um nichts mehr. Weit gefehlt: jetzt und hier zeigen die Jungs
den Charakter, der ihnen im April irgendwie kurzfristig abhanden gekommen
ist. Sie ziehen mal kurz das Tempo an und knipsen Erfurt binnen acht Minuten
aus. In der 58. Minute überrennt Cebe wieder mal eine Abseitsfalle
der Gastgeber und wird von Torwart Orlishausen von den Beinen geholt
klare Sache, Elfmeter. Da dies in letzter Zeit allerdings nicht immer
eine klare Sache für unseren Standard-Schützen Lawaree war,
überreicht er mit nobler Geste Jens Langeneke die Kugel, der sie
dann humorlos mittig in die Maschen haut 0:1. Keine zwei Minuten
später wieder ein schneller Angriff über rechts, die Abwehr
ist ausgehebelt, Andreas Lambertz strebt in den Strafraum, hebt den Kopf
und spielt quer auf den langen Pfosten, wo Caillas mutterseelenallein
zum 0:2 abstaubt. Und wiederum sechs Minuten später der nächste
Düsseldorfer allein im Erfurter Strafraum: der eingewechselte Kastrati
köpft zunächst seinen Gegenspieler an, als alles Handspiel reklamiert,
interessiert den Stürmer das nicht die Bohne, er lupft den Abpraller
über seinen Gegenspieler und zieht ab, ein anderer Abwehrspieler
fälscht ins Tor ab 0:3. So einfach kann Fußball sein.
Hätten sie es doch mal öfter so gemacht. Nun gelingen auch Sachen,
die man vorher gar nicht sah, so läuft Cebe mit dem Ball durchs Mittelfeld
und dann man glaubt es kaum zieht der aus zwanzig Metern
einfach ab, anstatt zum Saisonabschluss noch mal drei bis acht Gegenspieler
zu umspielen; und auch dieses Ding passt rechts unten ins Eck 0:4
in der 77. Minute. Danach macht man es gnädig, der eingewechselte
Heidinger verpasst noch das 5:0, zuvor will Torwart Ratajczak, wahrscheinlich
aus alter Verbundenheit, den Gastgebern noch ein Ehrentor schenken, als
er nach einer Ecke in der Luft mal wieder daneben greift, doch den anschließenden
Schlenzer holt ausgerechnet Lawaree per Kopf von der Torlinie,. Wenn er
vorne schon nicht trifft, dann verhindert er hinten wenigstens noch Gegentreffer,
wie gesagt, jetzt klappt halt alles. Die letzten zehn Minuten verbringen
die Spieler größtenteils damit, sich nicht mehr gegenseitig
weh zu tun, und dann pfeift Knut Kircher ab Ende des Spiels, Ende
der Saison, Ende der Regionalliga Nord, willkommen 3. Liga, denn Oberhausen
hat sich natürlich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen und
3:0 bei Union Berlin gewonnen. Die waren also leider chancenloser als
erwartet.
Finales Nachspiel
Nach dem Spiel ist erst mal Zeit für Hohlbirnen, mit denen das Erfurter
Publikum an jenem Tage überreichlich gesegnet ist. Ein kleiner Teil
stürmt den Platz, kommt zu den Gästeblöcken und provoziert
die 5.000 Fans, die noch in selbigen stehen, weil die Mannschaft sich
am Zaun von ihnen verabschiedet; der Kindergarten pöbelt natürlich
aus sicherer Entfernung, vom Spielfeldrand, zwischen sich und den Gästeblöcken
eine Reihe Security und eine Reihe Polizei, und ist wahrscheinlich heilfroh,
dass dort nicht mal zufällig ein Tor aufgeht. Auch muss man sagen,
dass unser Anhang sich überhaupt nicht provozieren lässt und
die kleinen Spinner kurzerhand mit Ihr seid so lächerlich!
abfrühstückt. Das hat man sicherlich auch bei uns schon anders
gesehen und ist ebenso sicherlich auch dem Ergebnis und der Tatsache geschuldet,
dass der Aufstieg eigentlich schon nach 15 Minuten erledigt war, aber
dennoch kann man durchaus ein Kompliment für das besonnene Verhalten
der Gästefans zollen.
Das wird auf dem Abmarsch aus dem Stadion nunmehr jedoch auf eine harte
Probe gestellt, denn überall rund ums Stadion und in den vielen praktischen
Seitengassen rottet sich der Pöbel zusammen anders kann man
das nicht nennen und sucht mal ein wenig Krawall, wobei man sich
natürlich stets zahlenmäßig weit unterlegene Gruppen (oder
einzelne Leute) ausguckt und auch vor Eltern mit Kindern nicht halt macht.
Frauen werden genauso bespuckt wie mir mindestens ein Kind bekannt ist,
das geschlagen wird, und immer wieder wird man von dem Gesocks darauf
hingewiesen, wo man herkommt bzw. gefälligst wieder hin soll: Wessi-Schweine
ist noch das Harmloseste, was nach dem Spiel zu hören ist. In wessen
Köpfen da mal wieder eine Mauer aufgebaut werden soll, ist an jenem
Nachmittag relativ unstreitig zu hören, für den Fall, dass wir
es schwarz auf weiß benötigen, trägt ein nicht unerheblicher
Teil dieses Packs auch Ostdeutschland-T-Shirts. Besonders
traurig ist dies, weil es sich bei diesen Leuten fast durchgängig
um Jugendliche handelt, die die Mauer nur noch aus den Erzählungen
von Papi und Mami kennen, weil sie definitiv noch nicht mal auf der Welt
waren, als es die Wiedervereinigung gab. Also selbst wenn die klischeemäßig
alle arbeitslos wären, sind sie wohl eher in die Rubrik Wohlstands-Krawallos
einzusortieren. Eine Mauer im Kopf, die sie selbst nie kennen lernen mussten
muss richtig Spaß machen, das an anderen auszulassen.
Eins sei hier ganz klar gesagt: auch wir haben sicherlich diese Leute
in unseren Reihen. Und es werden wohl auch zu 99 % normale nette Erfurter
im Stadion gewesen sein (okay, sagen wir 95 %), die außer sportlicher
Rivalität und ein paar Spottgesängen nichts weiter im Sinn hatten.
Aber die waren nach dem Spiel entweder schon alle weg oder noch im Stadion
(wo die Saisonabschlussparty der Gastgeber startete), auf jeden Fall hab
ich keine mehr gesehen. Nur dieses unfassbare Gesocks, das um jeden Preis
Ärger machen wollte. Traurig, traurig. Abseits des Steigerwaldstadions
kann man Erfurt eigentlich nur empfehlen, eine sehr interessante und nett
anzuschauende Stadt. Aber an jenem Nachmittag ist man doch froh, als es
im Auto Richtung Heimat geht. Ein ganz armseliges Bild von Erfurt, das
ein Haufen Idioten da abgegeben hat. Schade um die schöne Stadt und
ihre überwiegend zivilen Einwohner.
Die Heimfahrt verläuft bemerkenswert ruhig und ungestört, von
einem schönen Gewitter bei Gotha abgesehen sowie einer unfassbaren
Verkehrsdurchsage auf der A 5, zum Glück für die Gegenrichtung:
Achtung Autofahrer auf der A 5 Frankfurt Richtung Kassel, zwischen
Blablabla und Hassenichtgesehen laufen vier Kamele auf der Fahrbahn. Kein
Witz! Ich hab ja schon viel gehört, aber das ist mir doch neu.
Bei uns sind es ja meistens Rehe oder Pferde, in Norddeutschland waren
es regelmäßig Kühe, die die Fahrbahn enterten, und wenn
die gerade Melkzeit hatten, dann eben Schafe. In Hessen halten sie sich
anscheinend freilaufende Kamele. Ein schöner Hinweis, wie tief wir
in der Wüste waren...
At the End of it all
Gegen 19.30 Uhr erreiche ich die heimische Wohnung, die Saison ist damit
abgeschlossen. Natürlich schreite ich sofort zur Nachbetrachtung,
indem ich mir die Sondersendung des WDR auf Video anschaue. Mein Gott!
Jetzt weiß ich, warum die sich immer gegen Live-Übertragungen
und anschließende Zusammenfassungen der anderen Spiele, die man
binnen einer halben Stunde zusammen puzzlen muss, sperren! Und ich dachte
immer, das ist, weil sie als Kölner Sender eh keine Lust haben, von
etwas anderem als dem neuesten Event an der großen Bahnhofskapelle
zu berichten. Nein, die machen das deshalb nicht, weil sie es nicht können!
Soviel Dilettantismus ist schon Aufsehen erregend. Besonders bei der Zusammenfassung
kann man von völlig unfähigen Reportern quasi jede Minute ein
neues Highlight erleben. Da wird z.B. die Chance von Caillas aus der 5.
Minute gezeigt, und während die Kamera den Unglücksraben in
Großaufnahme zeigt, behauptet der Reporter immer noch steif und
fest, es würde sich um Lawaree handeln. Bei RW Ahlen fällt die
geniale sprachliche Verirrung Die Ahlener haben heute den Aufstieg
auch theoretisch klar gemacht nebst falschem Ergebnis des letzten
Ahlener Spiels in Babelsberg. Davon wahrscheinlich innerlich befeuert,
blendet man auch gleich noch die falsche Tabelle ein, nämlich die
des 34. Spieltags, da hatte man wohl etwas mit der 1. Bundesliga verwechselt
als ob ihr Dilettanten jemals von der Ersten Liga berichten würdet!
Und so weiter und so fort, man kann wirklich nur noch lachen. Am Ende
der Sendung ist mir eins klar: danke, lieber WDR, für eure bisherige
Weigerung, live bzw. sehr zeitnah von den Spielen zu berichten. Ihr habt
am 31.05.08 eindrucksvoll bewiesen, warum. Entweder seid ihr so unfähig
wie ich denke oder es war akute Unlust und somit eine ziemliche Frechheit
für den gemeinen Gebührenzahler. Wie dem auch sei behaltet
eure Verweigerung bitte auch in Zukunft bei! Wenns um Regionalliga
live geht, sind MDR und RBB euch so weit voraus, da kauft man sich lieber
einen DVB-T-Receiver oder meldet sich für digitales Fernsehen an,
anstatt euch noch einmal ertragen zu müssen. Und als ich dann am
Sonntag noch erleben durfte, wie sich eure blonde Ulknudel Okka Gundel
mittlerweile sogar durch die ARD-Sportschau grinsen und stottern darf,
da wusste ich: ihr müsst auch gar nix können, was halbwegs guten
Sportjournalismus ausmachen könnte, um beruflich weiter zu kommen.
Haltet euch also in Zukunft wieder daran und verschont uns mit weiteren
solcher Darbietungen. Danke schön.
Und das war das Ende der Regionalliga-Saison 07/08. Die Aufsteiger in
die 2. Liga aus dem Norden heißen RW Ahlen und RW Oberhausen, aus
dem Süden kommen der FC Ingolstadt und der FSV Frankfurt. Beim DSF
werden sie Purzelbäume vor Freude gemacht haben, da bin ich mir sicher.
Andererseits sage ich, wer nach 38 bzw. 34 Spieltagen (Regionalliga Süd)
auf den Plätzen 1 und 2 steht, der hats verdient, also: meinen
herzlichen Glückwunsch nach Ahlen, Oberhausen, Ingolstadt und Frankfurt.
Auch bemerkenswert, dass mit Oberhausen und Frankfurt gleich zwei Teams
den direkten Durchmarsch schafften. Hut ab.
Dramatisch ging es noch bei den Abstiegsplätzen zu. Im Norden stand
RW Essen vor dem letzten Spieltag auf dem rettenden Platz 10, dahinter
Braunschweig und Magdeburg. Essen hätte mit einem Sieg gegen Absteiger
Lübeck eine tolle Aufholjagd krönen können, die sie am
vorletzten Spieltag mit dem 1:0 in Magdeburg erstmals seit Monaten wieder
auf den Nichtabstiegsplatz gebracht hatte. Sie brachten das Kunststück
fertig, es zu vergeigen, schossen nicht nur kein Tor, sondern kassierten
kurz vor Schluss sogar noch eins und verabschiedeten sich mit einem 0:1
in die vierte Liga. Die Spieler verabschiedeten sich sogar ziemlich schnell,
da nach Spielschluss einige frustrierte Herrschaften das Feld stürmten
und den Kickern an die Wäsche wollten, sodass es ein wenig Knüppel-aus-dem-Sack
zwischen abgestiegenen Wüterichen und Ordnungshütern gab. Hiervon
profitierte Eintracht Braunschweig, das mit einem 2:0 gegen Dortmund II
doch noch den rettenden Platz 10 erklomm, sehr zum Leidwesen des FC Magdeburg,
das doch recht überraschend beim vor der Saison schon als Aufsteiger
feststehenden Wuppertaler SV mit 2:1 gewann (die Wuppis wurden übrigens
guter Sechster mit nur acht Punkten Rückstand auf Platz 2, was selbstverständlich
voll ins Konzept der stufenweise Übernahme des Weltfußballs
von WSV-Präsident Friedhelm Runge passt). Magdeburg lief punktgleich
mit Braunschweig auf Platz 11 ein und muss absteigen, weil drei Tore fehlten.
Das Spiel benutzten beide Fan-Gemeinden übrigens zu einem
regen Austausch von Leuchtspurgeschossen in die Zuschauerblöcke,
nach dem Spiel blockierten 500 Magdeburger den Umsteigebahnhof Minden.
Das mit dem blockieren hab ich aus dem Videotext, man kann
sich wohl ungefähr vorstellen, wie es da ausgesehen haben mag. Gegen
die gehts uns doch eigentlich ganz gut...
Im Süden konnten sich die Enttäuschten wenigstens noch gegenseitig
trösten. Der Tabellen-12. Sportfreunde Siegen empfing den Tabellen-10.
SSV Reutlingen. Man siegte 2:1 und schoss die Reutlinger noch in die neue
viertklassige Regionalliga, wurde aber selbst nur Elfter, weil die zuvor
an 11 platzierten Stuttgarter Kickers 2:0 in Elversberg siegten und damit
am letzten Spieltag noch auf Platz 10 zum Klassenerhalt hüpften.
Somit gab es im Siegener Stadion an jenem Nachmittag nur Verlierer. Auch
hier gab es unschöne Reaktionen, sowohl von Fan- als auch von Vereinsseite:
150 frustrierte Anhänger der Sportfreunde wollte eine Autobahnzufahrt
blockieren. Ich hätte sie ja gelassen, es hätte kaum Gefahr
bestanden, wann kommt da schon mal freiwillig ein Auto vorbei? Als die
Polizei aber eingreifen musste, wurde sie noch mit Steinen und Flaschen
beworfen, ein etwas ungemütlicher Ausklang des Wochenendes. Und da
setzte der Verein noch eins drauf, indem man am Montag direkt mal Insolvenz
anmeldete. Den Sportfreunden Siegen fehlen derzeit 1,8 Mio. Euro für
die Lizenz der Regionalliga. Wieder ein Verein, der Vabanque gespielt
und alles verloren hat, beim DFB kann man einen weiteren Strich in der
Liste machen. Alles Gute nach Siegen, vielleicht klappt es ja noch mit
der Vierten Liga.
Und Fortuna? Die wurde Dritter, mit 64 Punkten, eigentlich eine sehr gute
Saison, aber Platz 3 ist nun mal der Arschkartenplatz. Beste Abwehr der
Liga, zu Beginn der Saison über 800 Minuten ohne Gegentor, zum Schluss
mit 16 Punkten aus sechs Spielen noch mal von Platz 10 hoch gekommen,
insgesamt für unsere Verhältnisse unfassbare zwanzig Spiele
ohne Gegentor reichte alles nicht, weil am Ende zwei Punkte fehlten.
Bzw. drei, denn bei zwei Punkten mehr wäre man am Torverhältnis
gescheitert. Es fehlten also drei Punkte und somit ein zusätzlicher
Sieg zum Aufstieg. Wo wir den verspielt haben, kann sich natürlich
jeder selbst aussuchen, waren ja genug unnötige Niederlagen dabei.
Für mich wird es immer die Pleite im Nachholspiel in Lübeck
bleiben. Hätte man diese insolvente Bubi-Truppe nur richtig Ernst
genommen...man hätte ja auch keinen Schönheitspreis gewinnen,
sondern sich irgendwie nur ein 1:0 ermurmeln müssen. Aber nein, da
blamiert man sich lieber bis auf die Knochen, und hinterher sagt der Torwart
noch lässig: Die haben wir wohl auf die leichte Schulter genommen!
Das habt ihr wohl in der Tat, und wie befürchtet hat es euch zum
Schluss eingeholt. Im Endeffekt war es also eine einzige Unaufmerksamkeit,
die euch und uns jetzt in die Röhre schauen lässt.
Übrigens, wer anhand dieser Zeilen wieder mal den Spruch auf der
Zunge hat: Es war noch nie so leicht, aufzusteigen!, dem sei
gesagt, dass dies nicht stimmt. Die 64 Punkte hätten in der letzten
Saison nicht nur zum Aufstieg sondern auch noch zur Meisterschaft gereicht.
Es war also doch ein wenig schwieriger, umso ärgerlicher, dass es
an purem Leichtsinn scheiterte.
Der neue Trainer Norbert Meier konnte überzeugen. Tja, und wer hat
das bei seiner Verpflichtung am 01.01.08 sofort gesagt??? Keine Ahnung,
ich auf jeden Fall nicht. Ich hatte und habe weiterhin so meine Bedenken,
aber auch ich erkenne an, dass die Mannschaft bei allen Rückschlägen
und Blamagen (FVN-Pokalfinale, Lübeck, Ahlen) doch im Laufe der Zeit
eine gewisse Leistungssteigerung erkennen ließ. Streng neutral betrachtet
hat der Trainerwechsel nichts gebracht, als man Uwe Weidemann im November
entließ, stand die Mannschaft auf Platz 3, da steht sie jetzt immer
noch bzw. auch wieder. Wäre schön, wenn man da in der nächsten
Saison wieder ansetzen könnte. Und es mindestens um eins steigern
könnte.
Apropos nächste Saison: willkommen im Gruselkabinett des Profi-Fußballs.
So liest sich zumindest für mich die Besetzung der neuen eingleisigen
3. Liga, die ab dem 26.07.08 mit 20 Vereinen an den Start gehen wird.
Voilà:
Fortuna Düsseldorf
Kickers Offenbach
Erzgebirge Aue
SC Paderborn
Carl Zeiss Jena
Union Berlin
Werder Bremen II
Wuppertaler SV
RW Erfurt
Dynamo Dresden
Kickers Emden
Eintracht Braunschweig
SV Sandhausen
VfR Aalen
VfB Stuttgart II
Jahn Regensburg
SpVgg Unterhaching
Wacker Burghausen
Stuttgarter Kickers
Bayern München II
Außer dem WSV und Paderborn kein Club mehr aus NRW dabei, auch meine
geliebten Nordtouren nach Kiel, Lübeck und Hamburg sind passé,
aber ausgerechnet der Drecksnebenplatz 11 in Bremen, den ich nie wieder
sehen wollte, ist dabei, dazu noch Emden, ansonsten nur Ost- und Süddeutschland
das ist für mich in etwa so interessant wie die Westdeutsche
Meisterschaft im Hallenhalma. Zumal diese ganzen für uns eher unattraktiven
Süd-Klubs blöderweise auch noch Fußball spielen können,
ich befürchte, da werden sich einige Leute noch umschauen, was sogenannte
Dorfvereine wie Sandhausen, Aalen oder Burghausen betrifft.
Außer Emden, Offenbach und den StuKis, vielleicht noch Sandhausen
(weil bei meinem Studienort Mannheim gelegen), ist wenig dabei, was mich
wirklich reizt und kaum etwas unter 400 km, einfache Fahrt, versteht
sich. Aber wir sind ja hier nicht bei Wünsch dir was.
Wir haben uns für diese Liga qualifiziert, und es hat viel Schweiß
gekostet, bei den Spielern genauso wie bei den Fans. Also werden wir auch
diese Liga annehmen. Und wer weiß, vielleicht mutiere ja ausgerechnet
ich Norddeutschland-Liebhaber nach dieser Saison zum Fan der Schwäbischen
Alb? Ich kanns mir zwar nicht vorstellen, aber ich wills versuchen.
Wer fährt, kanns doof finden. Aber wer nicht fährt, wird
auch niemals wissen, was er verpasst. Also her mit dem Routenplaner!
Bleibt abzuwarten, mit welchem Etat der Verein ins Rennen gehen kann,
wie man die Mannschaft aufstellen kann. Eine qualitative Verschlechterung
zu dieser Saison darf es nicht geben, ansonsten denke ich, wird man sich
schwer umschauen. Da die finanzielle Situation des Vereins natürlich
wieder mal ungeklärt ist (außer dass Herr Kölmel mal wieder
in die Röhre schaut, weil wir den Aufstieg und somit den Beginn der
Rückzahlung seines sportwelt-Darlehens erneut routiniert verpasst
haben), werden es spannende sieben Wochen, bis die Saison losgeht. Immerhin
konnten kurz vor bzw. am Wochenende die Verträge mit den Abwehrrecken
Jens Langeneke, Robert Palikuca und wohl auch Hamza Cakir bereits verlängert
werden, ein positives Signal. Die wichtigste Personalie aber ist noch
ungeklärt: Andreas Lumpi Lambertz, das Eigengewächs,
der Publikumsliebling und Langzeit-Ersatzkapitän, der in seinem Vertrag
einen Passus stehen hat, der ihm im Falle des Nichtaufstiegs einen Wechsel
für eine festgeschriebene Ablösesumme von 400.000 Euro ermöglicht.
Zumindest der VfL Osnabrück hat schon angefragt, es soll auch andere
Interessenten geben. Niemand wäre ihm ernstlich böse, wenn er
diese Chance nutzen würde, er hat sich in den letzten fünf Jahren,
seit er aus der A-Jugend direkt in die Erste Mannschaft kam, stets den
Hintern aufgerissen für den Verein. Aber wenn man den halten könnte
das wäre ein Signal, dass man auch die neue 3. Liga offensiv
angehen will. Und vielleicht wird es ja endlich mal etwas mit dem Aufstieg.
Das war es von der Saison 07/08. Im Großen und Ganzen hat sie mir
viel Spaß gemacht, auch weil die Fan-Szene sich nach den unwürdigen
Ereignissen vom Spiel in Essen doch einigermaßen zusammengerissen
und -gerauft hat. Von einigen Ausnahmen abgesehen, machte das Verhalten
und der Support in der Rückrunde durchaus Lust auf mehr. Genau wie
die letzten Spiele der Mannschaft. Wollen wir also hoffen, dass diese
Saison einen Impuls geben kann für eine neue, noch erfolgreichere
Spielzeit auch wenn es diesmal wieder so ausging wie üblich,
mit leeren Händen nämlich. Diesem traurigen Umstand ist auch
das Zitat am Ende des Textes gewidmet. Aber die vielen positiven Eindrücke
der Saison lassen doch hoffen, dass dies ja nicht zwangsläufig so
bleiben muss, denn: eine neue Liga ist wie ein neues Leben!
3. Liga, wir kommen! Und ich geh jetzt in die Sommerpause. Ihr wart wie
immer ein wundervolles Publikum. Danke! sagt: janus
But in the End
It all stays the Same
No Changes made
No Lessons learned
Lâme immortelle
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