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Lang, lang ists
her: vor über drei Monaten hatte ich zuletzt etwas über die
Fortuna geschrieben. Dann kam die WM, und während man sich schon
auf die neue Saison vorbereitete, machten mir einige persönliche
Verwirrungen einen Strich durch die Rechnung, schon eher von der besten
Mannschaft der Welt zu berichten. Nunmehr aber, nach durchgeführtem
privaten Umzug, erfolgreichen, wenn auch ziemlich unglaublichen Scharmützeln
mit der Telekom, mich wieder ans Netz anzuschließen sowie dem ersten
wochenübergreifenden Urlaub in diesem Jahr vor der Brust, kann es
endlich mit Volldampf an die erste Berichterstattung gehen. Es gibt viel
zu tun packen wirs an!
Sommerpausen-Possen
Die Sommerpause war eigentlich erstaunlich ruhig bei Fortuna. Mit der
abgelaufenen Rückrunde, die am Ende in Platz 5 gipfelte, konnte man
zufrieden sein. Kein einziger Leistungsträger verließ den Verein.
Die Transferpolitik beschränkte sich daher auf ein Mindestmaß.
Die Neuzugänge Palikuca (St. Pauli), Costa (VfL Bochum II) und Langeneke
(LR Ahlen) standen schon bald nach Saisonschluss fest, ebenso die Verpflichtung
von drei (!) neuen Torleuten, von denen zwei allerdings für die Zweite
Mannschaft in der Verbandsliga bestimmt sind, und nur Kenneth Kronholm
(Wormatia Worms) den Sprung auf die Reservebank der Ersten schaffte. Also
musste jemand anders in die Bresche springen, um es am Flinger Broich
wenigstens ansatzweise rund gehen zu lassen. Dieser andere war der lustige
Herr Kaenzig, Manager einer Lachnummer namens Hannover 96. Es ging natürlich
um Denis Wolf. Unser Flügelflitzer war ja lediglich für die
letzte Saison ausgeliehen. Aus Hannover hatte man allerdings schon seit
einem Jahr vernommen, man wolle ihn nicht zurückhaben, da er dort
keine Perspektive habe und nur im dortigen Oberliga-Kader zum Einsatz
käme. Wolf selbst erklärte, in Düsseldorf bleiben und einen
Vertrag über ein Jahr unterschreiben zu wollen. Das ist allein deshalb
bemerkenswert, weil es eine Reduzierung seiner Bezüge bedeutete,
in Hannover hätte er einiges mehr bekommen auch in der Oberliga!
Also, Hannover wollte den Spieler nicht mehr, Fortuna wollte ihn, der
Spieler wollte auch alles klar. Frohgemut meldete man die Kunde
der Presse und nahm mal kurz Tuchfühlung mit den Niedersachsen auf,
um die Auflösung von Wolfs Vertrag dort zu initiieren.
Mit reichlich belämmertem Gesicht kehrte man zurück. 96 war
nämlich jetzt nach einem Jahr! plötzlich auf die
Idee gekommen, eine Ablöse zu fordern! Und zwar eine ordentliche.
Jaja, den Spieler will man nicht mehr, hat ihn auch schon längst
nicht mehr im Budget, aber wenn der dann wechseln will, holt man noch
so viel Kohle wie möglich für ihn raus. Und wenn das nicht klappt,
lässt man ihn eben in der Oberliga versauern. Und das, nachdem man
ein Jahr lang verkündet hatte, keinen Wert mehr auf seine Mitarbeit
zu legen. Ein völlig normaler Vorgang im heutigen Geschäft Fußball,
den ich zwar erbärmlich finde, aber ich hab ja mit dem Geschäft
auch nichts zu tun, nur mit der Sportart.
Das war aber fast gar nix gegen das, was man anderntags in der Zeitung
lesen konnte. Da erklärte der gefühlte Bundesliga-Top-Manager
Ilja Kaenzig mal, was er von Fortuna so hielt. Milde ausgedrückt:
es war nicht viel. Er echauffierte sich unglaublich über die Verhandlungen,
schreckte auch vor der ein oder anderen Beleidigung bezüglich der
von Fortuna gebotenen Ablösesumme nicht zurück und verkündete,
sein Verein werde nie mehr Geschäfte mit Fortuna machen. Diese Amateure
hatten wirklich geglaubt, wenn man einen Spieler nicht mehr will, gibt
man den einfach so sehr! Diese Komiker vom Rhein!
Ganz besonders prickelnd wurden die Schmähungen des Managerleins,
als Fortuna-Geschäftsführer Jäger einen Tag später
erklärte, Kaenzig sei bei den Verhandlungen gar nicht dabei gewesen.
Diese wurden mit dessen Adlatus, Ex-Profi Carsten Linke, geführt,
dem Jäger ausdrücklich ein vorbildliches Verhalten und eine
angenehme Gesprächsführung bescheinigte. Somit war es also erst
recht eine Frechheit, dass Kaenzig plötzlich wetterte wie ein Pariser
Marktweib. Ah, Bundesliga! Schön, wenn man mal sehen kann, wie professionell
dort hinter den Kulissen gearbeitet wird...
Das Ende vom Lied: Denis Wolf bleibt in der Tat für ein weiteres
Jahr in Düsseldorf. Nachdem 96-Managerchen Kaenzig lauthals seinen
Geschäftsboykott über Fortuna verhängt hatte, reichte ein
einziger Anruf auf der 96-Geschäftsstelle wahrscheinlich, als Kaenzig
grad mal auf dem Klo war, um den Deal klarzumachen. Wolf kostete 30.000
€ Ablöse, nein, da fehlt keine Null, Herr Kaenzig. Ich freute
mich, dass er bleibt und hoffe, dass er in dieser Saison an seine guten
Leistungen aus der letzten Rückrunde anknüpfen kann.
Ilja Kaenzig - ein schönes Beispiel dafür, was so passieren
kann, wenn sich Deutschlands Top-Manager in der Sommerpause
unterrepräsentiert fühlen...
Dafür verkündete Fortuna-Kapitän Dirk Böcker nahezu
zeitgleich, dass er ab sofort nur noch in der 2. Mannschaft antreten wollte.
Grund war sein Wunsch, sein Studium der BWL in Münster möglichst
zügig abzuschließen, er ist wohl auch schon im 17. Semester
oder so, und das wird heutzutage ja langsam teuer. Der Verein entsprach
diesem Wunsch, und Böcker ist seitdem nur noch Verbandsligist. Schade
drum, aber man muss es respektieren. Immerhin hätte er ja auch ganz
aufhören können.
Dann pfiffen es die Spatzen von den Dächern, dass Markus Anfang vom
MSV Duisburg einen Vertrag bei Fortuna unterschreiben sollte. Wieder so
ein verlorener Sohn wie Ali Albertz, 1995-97 schon bei Fortuna
in der 1. und 2. Liga gespielt, in Tirol dreimal Meister geworden, bei
Schalke, Kaiserslautern, Cottbus und Duisburg gespielt. Dort zuletzt nicht
mehr berücksichtigt, fand er es zu langweilig, sich mit 32 Jahren
dauerhaft auf der Tribüne einzurichten. Der MSV Duisburg hatte offensichtlich
einen intelligenteren Manager als Hannover 96 und legte Anfang keine Steine
in den Weg. Der Wechsel kam zustande, Anfang hatte allerdings erst noch
eine Menge Trainingsrückstand aufzuarbeiten.
Kurz vor Saisonbeginn wurde dann wenigstens noch ein Stürmer verpflichtet,
vom HSV II kam der Nigerianer Yusuf Jupp Adewunmi, der in
den letzten Jahren Stammspieler in der Regionalliga-Truppe des HSV gewesen
war, allerdings den Sprung in die Profi-Mannschaft nie geschafft hatte
und in diesem Jahr aus der U 23-Regelung der Zweitvertretungen herausgefallen
wäre. Beim HSV wollte man die erlaubten vier Plätze Ü
23 wohl anderweitig vergeben und hatte deshalb gegen einen Transfer
nichts einzuwenden.
Tja, und wenn dann spochtlich, d.h. bei der Zusammensetzung
des Kaders und auch durchaus bei den Testspielen (u.a 2:2 gegen Koblenz,
1:1 gegen Roda Kerkrade, 1:1 gegen die kubanische Nationalmannschaft),
alles recht zufriedenstellend verläuft, muss es halt hinter den Kulissen
krachen. Dem größten Oberbürgermeister aller Zeiten und
Weltrekordhalter im Besitz von Aufsichtsratsmandaten fiel mal wieder etwas
ein. Er hätte nach dem von ihm zu verantwortenden Berthold-Desaster
nun gern wieder einen sportlichen Direktor bei Fortuna. Der Moment, diesen
Einfall kundzutun, war dann auch gut gewählt: auf der Rheinwiesen-Kirmes
im Zelt, bei einer Talkrunde eines ortsansässigen Boulevard-Blatts
hatte Joachim Erwin wieder mal seinen großen Auftritt, der dem von
Ilja Kaenzig in nichts nachstand. Professioneller müsse alles werden,
ließ er hören. Insbesondere Geschäftsführer Paul
Jäger bekam sein Fett weg, hatte der es doch gewagt, zu dieser Zeit
in Urlaub zu fahren, ein entscheidender Zeitpunkt, so kurz vor Saisonbeginn.
Dies schien dem OB nun wirklich unerträglich, wahrscheinlich, weil
sich Jäger nicht bei ihm abgemeldet hatte. Das konnte man ja mal
durchaus professionell in einem Kirmeszelt klären. Aber zurück
zum Sportlichen Direktor: dass so etwas eine Woche vor Saisonbeginn eigentlich
ein ziemlicher Lacher ist, und dass so ein Mensch ja auch noch bezahlt
werden sollte, sind nur zwei Aspekte. Allerdings ist der OB ja gewohnt,
seine Meinung durchzusetzen, und so wurde bereits ein Name ins Spiel gebracht,
bei dem mir das Lachen dann verging: Christian Hochstätter wurde
ins Gespräch gebracht, allen voran vom Erwin-Spezi im Vorstand, Hermann
Tecklenburg. Dabei hat der noch einen Vertrag in Gladbach bis 2007, dürfte
also etwas teurer sein, außerdem würde er es in Düsseldorf
auch äußerst ungemütlich finden, denn im Gegensatz zu
Mönchengladbach, wo er das Geld mit vollen Händen für irgendwelche
Spieler aus dem Fenster werfen konnte, die dann nach einigen Monaten wieder
flugs verscherbelt wurden, weil sie es nicht brachten, gibt es bei Fortuna
leider kein Geld zum Verbrennen, das haben seine Vorgänger schon
äußerst gründlich besorgt. Außerdem, wenn der kommt,
ist auch über kurz oder lang sein Spezi Holgi Ich bin doch
immer Fortuna-Fan geblieben Fach wieder da, und das wäre wirklich
der Super-GAU. Nach meiner selbst durchgeführten Meinungsanalyse
von jenem Wochenende (Fortuna-Forum und Presseschau) kenne ich eigentlich
absolut niemanden, der Hochstätter haben will. Aber genau das könnte
Onkel Erwin natürlich reizen, ihn durchzudrücken.
Da lief es sportlich einigermaßen rund, Fortuna war auch in der
Stadt vor Saisonbeginn so angesagt wie schon lange nicht mehr, was man
bei einigen PR-Terminen beobachten konnte, man hätte fast von einer
positiven Aufbruchsstimmung in die Saison reden können - dann kam
der Strahlemann mit seinen Lakaien und mühte sich nach Kräften,
alles wieder durch sinnlose öffentliche Diskussionen kaputt zu machen.
Man kann schon nicht mal mehr mit dem Kopf schütteln...
Wenn es wirklich unbedingt jetzt noch ein Sportdirektor sein soll, böte
sich übrigens Ex-Fortune Michael Zeyer an. Im Gegensatz zu Hochstätter
hat der BWL studiert, auch schon die entsprechenden Praktika absolviert
(u.a. bei Spartak Moskau), wohnt immer noch in Düsseldorf, hat schon
seit langem Interesse an einer weiterführenden Tätigkeit im
Verein bekundet und wäre als Berufsanfänger wohl auch für
kleines Geld zu haben. Aber der wird wohl zu unwichtig sein.
Soviel also zu einer ruhigen Sommerpause bei Fortuna
*sing* Und schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part I
Am 05.08.2006 schraubte Fortuna weiter an dem ihr eigenen Mythos und gewann
auch zum 13. Mal in Folge (!) nicht das Auftaktspiel. Und da der Gegner
RW Ahlen es in der 2. Halbzeit dann frecherweise mit Fußball versuchten,
gewannen die sogar noch 3:0. Gemein!
Bei Fortuna fehlten Markus Anfang mit Trainingsrückstand, Adewunmi,
der sich im Testspiel gegen Kuba eine Oberschenkelverletzung zugezogen
hatte, sowie Robert Palikuca, der mal sofort am Meniskus operiert werden
musste, bis zum heutigen Tag kein Spiel für Fortuna bestreiten konnte
und sich somit in die lange Ahnengalerie von Fortuna-Spielern einreihte,
die direkt nach der Verpflichtung erst einmal für einen längeren
Zeitraum ausfielen. Schon erstaunlich, wie wir so etwas immer hinbekommen.
Die Parallelen besonders zum letztjährigen Start gegen Osnabrück
waren derart frappierend, dass man sich wirklich fragte, warum das Spiel
überhaupt angepfiffen wurde. In der ersten halben Stunde war Fortuna
klar überlegen, Zweitliga-Absteiger Ahlen, seit 01.07.2006 in Rot-Weiß
umbenannt (was bei einer Fusionstruppe namens LR, die einst
aus den zwei Vereinen TuS und Blau-Weiß
entstanden war, eigentlich nur bedingt logisch ist, aber wer weiß
schon, wie diese Münsterländer ticken?), RW Ahlen also, fand
überhaupt nicht statt. Als Costa per Kopf nur die Latte traf, schwante
einigen schon Böses, kurz darauf Albertz per Fuß nur an den
Pfosten, da war den Berufspessimisten schon alles klar. Obwohl Ahlen es
spannend machte, und ihre einzige klare Tormöglichkeit in der 1.
Halbzeit, eine sogenannte "Millionenprozentige", dergestalt
vergaben, dass Torjäger Toborg das Kunststück fertig brachte,
die Kugel nach feiner Vorarbeit von Laumann aus 10 Metern am leeren (!)
Tor vorbei zu schieben. Dafür hätte ihm eigentlich sofort das
Goldene Fortuna-Trikot verliehen werden sollen.
Auch in der 2. Halbzeit ging es nahezu exakt so weiter wie letztes Jahr
(damals 0:1 54. Minute, 0:2 62. Minute), nur noch ein bisschen schneller,
der erste Ahlener Torschuss war auch gleich drin (Kaminski,51.), der zweite
auch (Laumann, 55.), damit war das Spiel durch, zumal Fortuna keinerlei
Aufbäumen zeigte und richtig schlecht spielte. Im letzten Jahr gegen
Osnabrück gelang ja wenigstens noch das Ehrentor. Da man diesmal
aber nach vorne in der 2. Halbzeit überhaupt nichts zustande brachte,
wollte man sich wenigstens noch einen Scorerpunkt sichern, mit einer sehenswerten
Vorarbeit: Pino Canale, hinten links an der Außenlinie gegen drei
Gegenspieler von seinen Mitspielern völlig im Stich gelassen, versuchte
einen raffinierten Rückpass mit dem Außenrist auf Torwart Deuß,
übersah aber leider, dass der ihm schon entgegen gekommen war und
spielte den Ball raffiniert an ihm vorbei auf Ahlens Stürmer Laumann,
der lässig ins leere Tor vollendete...Saisonauftakt bei Fortuna
wie üblich nur noch zum Kopfschütteln...
Wie alle Jahre wieder versemmelte Fortuna den Auftakt, spielt erst gut,
aber unglücklich, dann schlecht, zum Schluss blamabel, und deshalb
ging die Niederlage auch in Ordnung, weil in der zweiten Halbzeit nach
dem Rückstand nicht der Ansatz eines Aufbäumens zu erkennen
war. Obligatorische Auftaktpleite vor 12.087 Zuschauern (letztes Jahr
gegen Osnabrück waren 12.100 und ein paar Kleine, wie gesagt, es
war alles dasselbe). Und wieder mal verspielte eine Fortuna-Mannschaft
die Chance, die in der Sommerpause geweckte vorsichtige Euphorie im Umfeld
zu steigern und die Menschen vielleicht wieder neugierig auf den Verein
zu machen. Man könnte fast schon Absicht vermuten. Aber es ist halt
nur Fortuna, und deswegen warten wir weiter auf den ersten Auftaktsieg
seit 1994. Auch bei uns wird er kommen irgendwann einmal...
Übrigens: Ahlens Doppeltorschütze Laumann, auch ansonsten bester
Mann auf dem Platz, ist nicht etwa, wie es ja öfters vorkommt, ein
Ex-Fortune. Nein, der war nur einigen Wochen zuvor bei Fortuna im Probetraining,
wurde aber von Trainer Weidemann abgelehnt, weil er noch nicht so
weit sei. Er wechselte dann vom FC Schalke II nach Ahlen.
Da bin ich aber froh, dass der noch nicht so weit ist. Wer weiß,
was der sonst noch so angestellt hätte...
*sing* Und schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part II
Das nächstes Spiel stand bereits drei Tage später an, beim VfL
Osnabrück. Nicht nur, dass es dort traditionell ziemlich wenig zu
holen gibt, der DFB hatte auch Sinn für Humor und besorgte für
diese Partie den besten Schiri, den man für Geld und gute Worte bekommen
kann: Manuel Gräfe, Fortuna-all-time-darling aufgrund einer unfassbaren
(und meiner Meinung bis heute nach: absichtlichen) Fehlleistung am Ostersamstag
2005 im Spiel...Fortuna gegen VfL Osnabrück. Da muss beim DFB wirklich
ein Nostalgiker sitzen, der über die Schiedsrichter-Ansetzungen entscheidet.
Der wollte mal ein bisschen unterhalten werden, anders ist das wirklich
nicht zu erklären. Wenn man so etwas mit den großen Bayern
macht, läuft Uli Hoeneß einmal rot an, und beim DFB kuschen
sie sofort. Aber bei uns Amateuren...ja, manchmal ist es nicht leicht.
Fortuna verlor 0:1, hatte somit 0 Punkte und 0 Tore aufzuweisen, sowie
den souveränen letzten Tabellenplatz, genau wie letztes Jahr, genau
wie 2002 - warum wir im August überhaupt noch in der Regionalliga
antreten, weiß schon längst niemand mehr. Die Niederlage vor
12.500 Zuschauern war überflüssig wie ein Kropf, zumal Osnabrück
bei weitem nicht so stark war wie erwartet. Die hatten ihr allererstes
Saisonspiel, weil sie am 1. Spieltag spielfrei gewesen waren, und da hakte
wohl noch einiges bei ihnen. Bei Fortuna fehlte unter anderem Markus Anfang,
weil er noch Trainingsrückstand aufwies. Die erste Halbzeit ging
noch ganz klar an die Hausherren, Fortuna war richtig schwach. Viele Chancen
spielte Osnabrück allerdings auch nicht heraus, und so war es ein
Standard, der in der 31. Minute das Goldene Tor brachte: Foul von Langeneke
kurz vor dem Strafraum, Osnabrücks Neuzugang Aziz (vom FC Schalke
II die scheinen Fortuna in dieser Saison nicht sonderlich zu mögen...)
schaufelte die Kugel im Zeitlupentempo über die Mauer ins Eck, Torwart
Deuß guckte mal interessiert hinterher, reagierte aber ansonsten
kein Stück. Wenn der Nulle letzte Saison so einen gekriegt hätte...nicht
auszudenken...
In der 2. Halbzeit war Fortuna ganz klar am Drücker, von den Hausherren
kam so gut wie gar nix mehr, aber wenn man solche Chancen vergibt (Lambertz
allein vor Gößling - abgewehrt, Podszus allein vor Gößling
- daneben, Kruse völlig frei beim Kopfball - daneben, Cebe völlig
frei aus 12 Metern - drüber) und noch ein bisschen Pech hat (Heber
von Wolf über Gößling - von Ndjeng auf der Linie geklärt),
dann verliert man halt und steht zurecht am Tabellenende. Gegen Ahlen
war die erste Halbzeit okay, gegen Osnabrück die zweite. Wenn man
es jetzt irgendwie schaffen könnte, so etwas in ein einziges Spiel
zu legen und nebenbei auch mal ins Tor zu treffen, könnte das glatt
was werden. Zeit zum Üben hatten sie anch dem Spiel genug, Fortuna
hatte am 3. Spieltag spielfrei und trat erst am 19.08.2006 zuhause gegen
RW Erfurt wieder. Die Chancen standen aber gut, dass sie bis dahin wieder
alles vergessen haben würden.
Noch ein Wort zu meinem Lieblingsschiri Herrn Gräfe: der und Fortuna
werden wirklich nie mehr Freunde, auch bei diesem Spiel gab es wieder
die ein oder andere Merkwürdigkeit, allerdings sollte man die Niederlage
nicht an ihm festmachen. Aber: das Foul von Langeneke, das zum Freistoß
und damit zum Tor führte, war ein leichter Rempler. Den kann man
geben, muss man aber nicht. Wenn man den allerdings gibt, dann musste
man in der 80. Minute auch zwingend Elfmeter für Fortuna pfeifen,
als Cebe im Strafraum von gleich zwei Osnabrückern weggerempelt wurde.
Besonders, wenn man sich erinnert, wofür dieser Vogel Ostersamstag
2005 in der 95. Minute Elfer für Osnabrück gepfiffen hat...
Aber was solls, den Elfmeter hätten sie an jenem Abend wahrscheinlich
auch noch verschossen.
Noch mehr Parallelen
Am 19.08.2006 gab es den erster Saisonsieg für Fortuna mit einem
3:2 gegen Erfurt. Ganz Fußball-Düsseldorf konnte sich allerdings
beim Schiri dafür bedanken, dass er alle kniffligen Situation gegen
Erfurt auslegte, ansonsten hätte es wohl ordentlich auf die Mütze
gegeben. Björn Brunnemann, den Fortuna noch immer Sommer haben wollte,
und den ich damals schon persönlich mit der Schubkarre aus Erfurt
nach Düsseldorf gekarrt hätte, wenn er sein Ja-Wort gegeben
hätte, netzte bereits nach zwei Minuten aus 12 Metern ein, nach sensationellem
60-Meter-Pass von Görke und dem ebenso sensationellen Versuch der
Fortuna-Abwehr, ein lustiges Abseits zu spielen, was grandios daneben
ging. Nach 17 Minuten mähte Torwart Deuß den quirligen Erfurter
Stürmer Kumbela kurz vor dem Strafraum um und hatte Glück, dass
er nur Gelb sah. Die Entscheidung ist vertretbar, denn Kumbela war zwar
vorbei, zog aber nach außen, also nicht direkt zum Tor, außerdem
war in der Mitte noch Lambertz mitgelaufen, Deuß somit nicht letzter
Mann. Trotzdem hätten die meisten Schiris wohl Rot gegeben.
Zur Leistung der Fortuna in der 1. Halbzeit sag ich nur: Gott, war das
schlecht. Das war so schlecht, dass ich direkt mit der zweiten weitermache.
Und hier liegt auch meines Erachtens der Knackpunkt. Denn Erfurt legte
nach der frühen Führung gegen desolate Fortunen nicht nach.
Wieder einmal. Dreimal haben wir in den letzten 12 Monaten gegen die gespielt,
dreimal führten sie in der ersten Halbzeit 1:0, dreimal brachten
sie es nicht über die Runden. Selbst Schuld.
Zu Beginn der 2. Halbzeit die nächste strittige Situation, Feinbier
und Holst im Zweikampf in der linken Erfurter Strafraumecke, der Schiri
gab Elfmeter. Ich stand auf gleicher Höhe am Spielfeldrand mit bester
Sicht und sag mal: prima abgehoben von Feinbier. Aber auch dumm reingegrätscht
von Holst, er traf Feinbier auch, als der schon im Flug war, für
den Schiri, der die Szenerie von hinten sah, musste es nach Foul aussehen,
zumal Feinbier zuvor noch den Ball spielte. Jens Langeneke machte den
Elfmeter rein 1:1 in der 49. Minute, das erste Fortuna-Tor der
Saison 2006/07! Jetzt bekam der Schiri reichlich Arbeit, binnen kurzer
Zeit fiel erst Erfurts Kapitän Hebestreit im Strafraum, aber Barth
hatte eindeutig den Ball gespielt, dann wurde Lambertz im Erfurter Strafraum
umgestoßen, das war eher ein Elfer als der an Feinbier, aber der
Schiri wollte auch hier nicht mehr. Nachdem beide Teams dies gemerkt hatten,
besannen sie sich endlich aufs Fußballspielen, und es wurde ein
offener Schlagabtausch. Bei Erfurt war besonders Kumbela nie auszuschalten,
und Brunnemann spielte Jojo mit der Fortuna-Abwehr, traf einmal das Lattenkreuz,
zielte ein anderes Mal Zentimeter am Tor vorbei, beim dritten Mal klärte
ein Fortune per Kopf seinen Schuss von der Strafraumgrenze, der Deuß
schon passiert hatte, zusätzlich bereitete er immer wieder über
rechts vor unseren Erstliga-Fans sei hier die Gelegenheit zu fassungslosem
Gelächter gegeben: die Verpflichtung dieses Brunnemann scheiterte
an 100.000 €, die Fortuna im Sommer nicht hatte.
Schlussendlich war es Fortuna, die das Spiel für sich entscheid,
weil die Mannschaft ihre Chancen im Gegensatz zu Erfurt nutzte und zwei
prima herausgespielte Tore machte. Zunächst das 2:1 in der 74. Minute
mit überragender Vorarbeit von Feinbier, der am Torwart vorbeizog,
dann die Übersicht behielt und von der Torauslinie in die Mitte flankte,
wo der zweitschlechteste Mann auf dem Platz, Stehgeiger Marcel Podszus,
zur Führung einnickte. In der 84. Minute das 3:1 durch Ahmet Cebe,
nachdem Claus Costa allein aufs Erfurter Tor zulief und am 5-m-Raum noch
mal quer spielte. Wenn das nix gegeben hätte, wären wohl beide
gelyncht worden, so sah es aber natürlich toll aus.
In der 89. Minute noch die Lachnummer des Tages, als der schlechteste
Mann auf de Platz, Fortuna-Torwart Deuß, sich ein Schüsschen
von Holst eher versehentlich ins eigene Netz faustete. Der sollte so langsam
mal auf die Suche seiner Form der letzten Rückrunde gehen, derzeit
schießt er mehr Böcke als er gute Aktionen hat.
Insgesamt ein glücklicher Sieg der Fortuna, die wohl auseinander
gefallen wäre, wenn Erfurt in der ersten Halbzeit das 2:0 nachgelegt
hätte. So aber fing man sich und bot wenigstens in der zweiten Halbzeit
einen offenen Schlagabtausch. Nachdem man in Osnabrück für die
gute zweite Halbzeit nicht belohnt wurde, reichte es diesmal zum ersten
Dreier.
Aber einen Tipp hatte ich noch an die Mannschaft: wenn sie in der Woche
darauf beim Aufstiegsfavoriten Dresden gedachte, eine ähnliche erste
Halbzeit hinzulegen, wäre ich an ihrer Stelle gar nicht erst hingefahren.
Dann wäre das Spiel nur 0:3 gewertet worden, und vielleicht wird
das Torverhältnis ja noch mal wichtig...
Ach ja, die Parallelen: zuletzt spielte Erfurt im März diesen Jahres
in Düsseldorf. Das Ergebnis: 3:2 für Fortuna. Für Erfurt
traf Brunnemann, für Fortuna unter anderem Podszus. Einen umstrittenen
Elfer für Fortuna gab es auch, damals allerdings in der 95. Minute
zum Siegtreffer. Ich wage aber mal, zu behaupten, dass der jetzige wichtiger
war, weil er die Mannschaft überhaupt erst ins Spiel brachte. Abhaken,
drei Punkte einstecken, nach vorne schauen.
Ein ganz normaler Tag in Dresden
Fortuna erkämpfte sich am 26.08.2006 vor 15.000 Zuschauern ein 0:0
beim Aufstiegsfavoriten Dynamo Dresden. Es war nicht unverdient, da man
in der Abwehr größtenteils gut stand und nach vorne nicht ungefährlich
war, allerdings auch ein wenig glücklich, da in der Dresdner Sturmphase
Mitte der 2. Halbzeit deren Stürmer Vorbeck und Ludwig binnen weniger
Minuten nur Pfosten und Latte trafen. Auch hätte man sich in der
ersten Halbzeit über einen Elfmeterpfiff nicht beschweren können,
als Langeneke im Strafraum mit dem langen Bein gegen Ludwig stocherte
und dabei den Ball nicht traf, Ludwig allerdings fädelte so offenkundig
ein und drehte ein solch schöne Pirouette, dass der Schiri sofort
abwinkte. So etwas sollte dann doch eher spontan erfolgen und nicht im
Training geübt werden, so mein Eindruck...Außerdem forderten
die Dresdner noch einen zweiten Strafstoß, als Barth am Boden liegend
an die Hand geschossen wurde, aber das wäre wirklich lächerlich
gewesen.
Dynamo fiel in der ersten Halbzeit nicht viel ein, um Fortuna unter Druck
zu setzen. Selbst als die Dresdner im Verbund mit dem Schiri dafür
sorgten, dass sie einige Minuten 11 gegen 9 spielen konnten. Zunächst
wurde Podszus weggecheckt und musste mit Kopfplatzwunde am Spielfeldrand
behandelt werden. Als er aufs Feld zurückkam, wurde er von Langeneke
abgelöst, der ebenfalls nach ungeahndetem Ellbogencheck ebenfalls
wegen Kopfplatzwunde behandelt werden musste. Anschließend gefiel
dem Schiri die Verarztung von Podszus' Verletzung nicht, und er schickte
ihn wieder vom Feld, sodass Dynamo kurzfristig zwei Mann mehr auf dem
Platz hatte. Aber auch das konnten sie nicht nutzen. Beide Spieler wurden
übrigens in der Kabine vom Dresdner Mannschaftsarzt genäht.
In der zweiten Halbzeit war Dynamo klar tonangebend, aber außer
den erwähnten Aluminium-Treffern gab es nicht viele Chancen. Was
aufs Tor kam, konnte von Deuß gefischt werden, der einen seiner
besseren Tage hatte. Bei Kontern blieb Fortuna stets gefährlich,
sodass das Unentschieden alles in allem in Ordnung geht.
Traurig nur, dass Abwehrspieler Oliver Barth ausgewechselt werden musste,
nachdem Koziak im Fortuna-Strafraum den Schlappen draufgehalten hatte
(hierfür gab es wenigstens Gelb). Die Verletzung stellte sich als
Außenbandriss im rechten Knie heraus, sechs bis acht Wochen Pause,
bei Fortuna also eher zehn. Schade um den eminent wichtigen Abwehrspieler,
der in der Vorsaison exzellente Leistungen gebracht hatte. Hoffentlich
kommt er schnell wieder.
In Dresden übrigens wieder nicht am Start: Markus Anfang. Ich begann
schon zu glauben, den habe man nur geholt, um ihn von der Steuer abzusetzen...
Zum Dresdner Publikum fällt mir nur ein: über Ihr habt
bezahlt, ihr kriegt aufs Maul kann ich ja noch schmunzeln. Wer seine
Gäste allerdings anschließend mit Dönerverkäufer
- ihr seid nur Dönerverkäufer würdigt und schlussendlich
noch ein gut vernehmbares Fortuna - Juden, Juden, Juden aus
den K- und L-Blöcken erklingen lässt, wer farbige Ersatzspieler,
die sich vor dem Block warmlaufen müssen (Adewunmi) bespuckt und
beleidigt, wer gegnerische Spieler bei der Ausführung von Eckstößen
mit Gegenständen bewirft, was vom Verein Dynamo Dresden übrigens
dergestalt zur Kenntnis genommen wird, dass dort bereits vor dem Spiel
große Sonnenschirme bereit gelegt werden, mit denen die Ordner dann
die Spieler bei der Ausübung ihres Berufes schützen, und wer
dann von einer Minderheit spricht oder sich wundert, dass
man so oft in der Öffentlichkeit auftaucht, der hat wirklich nicht
mehr alle Latten am Zaun. Von einigen Jagdszenen vor dem Stadion, als
der Mob an der Ecke Schwimmhalle auf die abfahrenden Gäste wartete,
mal ganz abgesehen. Gibt auch nette Fotos von Dresdner Securities, die
vor Anlegen der Handschuhe den Schlagring nicht vergaßen. Außerdem
wurden mindestens zwei Dresdner Ordner dabei gesehen, wie sie eine Fortuna-Zaunfahne
zockten. Das ist solch ein armes Volk, dazu fällt einem nichts mehr
ein. Schade um die schöne Stadt.
Aber es gibt Hoffnung: eins der Unschuldslämmer, die natürlich
im Stadion waren, aber von alledem nichts bemerkt hatten, schrieb sich
in einem arbeitgeberinternen Forum meinerseits mal so richtig den Frust
von der Seele, weil er es mal wieder satt hatte, dass es immer die bösen
Dresdner seien. Hierzu erkläre ich ihm gerne, dass wir auch bei Fortuna
Leute dabei haben, denen Fußball allein zu langweilig ist, allerdings
nicht in solcher Anzahl und schon gar nicht in solcher Häufigkeit.
Die Jude, Jude, Jude-Rufe wurden allen Ernstes mit dem genauso
abartigen Juden-Plakat erklärt, das lustige Spaßmacher
von Energie Cottbus vor einigen Monaten gegen Dynamo enthüllt hatten.
Was Düsseldorfer Juden mit dieser Aktion zu tun hatten, konnte nicht
so richtig, sprich: gar nicht, erklärt werden, ebenso wenig die Osnabrück-Schals,
die im Fan-Block vom Zaun hingen (Dynamo hatte eine Woche zuvor in Osnabrück
gespielt), und die Transparente von Erzgebirge Aue, die man vor dem Spiel
irgendwie bekommen und an den Zaun gehängt hatte (einige
Auer pflegen eine Fan-Freundschaft zu einigen Fortunen). Aber es sei trotzdem
eine Sauerei, dass immer wieder Dynamo genannt werde... Summa summarum
kam bei dieser Rechtfertigung nur eins klar zum Ausdruck: so etwas gehört
in Dresden zu einem ganz normalen Fußballspiel. Ich wünsche
gute Besserung und bin froh, dass man nur einmal im Jahr dort antreten
muss. Abschließend schrieb er dann den Satz, der Hoffnung machen
muss: Es gibt auch Spieltage, an denen nichts passiert. Da
gratulier ich recht herzlich. Dass er und seine Kollegen nicht kapieren
wollen, dass dies die Regel, und nicht die Ausnahme sein sollte, ist das
eigentlich Traurige an der ganzen Angelegenheit.
Magdeburger Jungs
Das letzte Spiel für diese Zusammenfassung fand am 02.09.2006 statt,
wieder mal im Flinger Broich, weil in der Arena die Oper Aida
aufgeführt wurde. Gegner war Aufsteiger 1. FC Magdeburg, der eigentlich
noch nicht viel gerissen hatte, aber ausgerechnet eine Woche vor seinem
Gastspiel in Düsseldorf durch ein 2:0 über Osnabrück aufhorchen
ließ. Von wegen aufhorchen, man hätte direkt wieder
weghören können. Oder wie es Magdeburgs Trainer Dirk Heyne nach
dem Spiel enttäuscht formulierte: Ich kann mir nicht erklären,
wie eine Mannschaft in einer Woche so nachlassen kann. Zum Glück
meinte er seine eigene damit, sodass Fortuna verdient 3:1 gewann.
Zunächst einmal gab es Ungewohntes auf dem Rasen zu bestaunen: Markus
Anfang spielte, und zwar (Achtung: Nummer 1 der wahrscheinlich unendlichen
Anzahl von Kalauern mit seinem Namen) von Anfang an. Und ich sag mal:
mein Gott, muss der trainiert haben in den letzten Wochen! Von Trainingsrückstand
keine Spur, war er sofort Dreh- und Angelpunkt des Spiels, immer anspielbar,
immer mit Ideen, wohin der Ball nun fliegen könnte, und vor allen
Dingen mit einem guten Auge für den Nebenmann. Davon profitierte
auch Ali Albertz neben ihm, der sich zu eine der besten Leistungen aufschwang,
seitdem er wieder bei der Fortuna ist. Anfang zauberte, Albertz bekam
die 6. Luft und rannte alles in Grund und Boden, beide spielten die volle
Partie durch und mussten hinterher wahrscheinlich heimlich unters Sauerstoffzelt.
Das machte richtig Spaß, und Anfang setzte noch eins drauf, indem
er im Interview nach dem Spiel erklärte, er könne es sicherlich
noch besser. Nur zu!
Dafür fehlte diesmal Marcus Feinbier wegen einer Grippe, erstmals
seit der Partie gegen Köln II im Februar diesen Jahres musste Fortuna
ohne ihre Kapitän auflaufen, Marcel Podszus übernahm die Binde.
Der Sieg der Fortuna war hochverdient, weil Magdeburg nur aufs Torverhindern
aus war. In der ersten Halbzeit gelang ihnen dies noch recht gut, sie
hatten mit ihrem einzigen Torschuss der ersten 45 Minuten sogar die dickste
Chance, als Müller nach einem Missverständnis in der Fortuna-Abwehr
nach 40 Minuten an Torwart Deuß vorbeizog, aber aus spitzem Winkel
nur den Außenpfosten traf. Aber das wäre auch wirklich ein
ganz großer Witz gewesen.
In der 50. Minute packte dann Albertz mal den Hammer aus, Freistoß
aus gut 25 Metern, noch leicht abgefälscht, links unten ins Eck,
1:0. Vier Minuten später legte Cebe das 2:0 nach, ein herrliches
Tor, mit drei Spielzügen von hinten heraus gespielt, fein vorbereitet
von Kruse über links, mit ein bisschen Glück im Abschluss, denn
Magdeburgs Bester, Torwart Beer, war an Cebes Schuss aus 12 Metern noch
dran, aber die Kugel trudelte trotzdem über die Linie.
Da es nun schien, als würde man den Gegner demontieren können,
was man dem erfolgsverwöhnten Düsseldorfer Publikum (haha) selbstverständlich
nicht zumuten wollte, bockte die Fortuna-Abwehr vier Minuten später
kurz, und der eingewechselte Magdeburger Stürmer von der Weth schaffte
den Anschlusstreffer. Kurz darauf war auch der Ausgleich möglich,
aber Torwart Deuß, ansonsten wieder mit beeindruckenden Fehlabschlägen
im Repertoire, konnte einen Kopfball von Kukulies parieren. Das war dann
genug der Spannung, fanden die Spieler, drehten noch einmal auf und konterten
Magdeburg mustergültig aus. Allerdings musste man bis zur 95. Minute
warten, ehe das erlösende 3:1 fiel. Sekunden zuvor hatte der eingewechselte
Adewunmi noch das Kunststück fertig gebracht, die Kugel aus 3 Metern
(!) über das Tor zu grätschen, da verloren die Magdeburger beim
Spielaufbau den Ball, Anfang ging dazwischen, umkurvte Torwart Beer und
flankte nach innen, anstatt selbst abzuschließen. Dort stand Marcel
Podszus, der zuvor mit allen möglichen Schussversuchen rechts wie
links Großchancen versemmelt hatte, und gebrauchte endlich mal seinen
Kopf. 3:1 und gleichzeitiger Abpfiff des Schiris, verdientes Happy-End
vor 6.500 Zuschauern. Aber was für einen Aufwand das Team betreiben
musste, um diesen eher harmlosen Gegner in die Knie zu zwingen, stimmt
schon bedenklich. Zumal die Abwehr nahezu beschäftigungslos war.
Das muss besser werden.
Noch ein Wort zu den Gäste-Fans. An deren letztes Auftreten im Flinger
Broich im Jahr 2002 erinnerte man sich nicht so gerne, damals waren so
einige Verwirrte beider Fan-Lager nach dem Spiel aufeinander getroffen.
Deshalb war diese Partie auch als Sicherheitsspiel eingestuft worden.
Magdeburg kam mit 500 Mann, im Stadion blieb es absolut friedlich, und
sie boten einen durchgehenden Support. Dafür gibts großen
Respekt von mir, aber auch die Bitte, sich für das nächste Spiel
ein neues Lied auszudenken. Dieses Magdeburger Jungs, so ca.
75 der 90 Minuten lang dargeboten, klingelt mir heute noch im Ohr. Ein
wenig Kreativität wäre wünschenswert, zumindest für
meine Ohren...
Und so steht Fortuna nach de 6. Spieltag mit 7 Punkten auf Platz 10. Nach
dem erneuten Fehlstart fast schon eine gute Platzierung, zumal der Abstand
nach oben noch nicht allzu groß ist. Und wie es da oben so aussieht,
kann man nächsten Freitag (08.09.2006) gleich mal aus der Nähe
begutachten, da geht es nämlich zum derzeitigen Tabellen-2. Wuppertaler
SV. Mehr als ein Punkt war für Fortuna selten drin beim WSV, nebst
der bekannt unhöflichen Art des Gastgebers, Selbigen zu spielen.
Aber vielleicht wird in diesem Jahr ja doch alles anders? Schließlich
haben wir nicht vier Spiele am Stück zu Saisonbeginn verloren, sondern
nur zwei. Das lässt doch hoffen. Oder?
Ganz gespannt: janus
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