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31. bis 34. Spieltag
Vorhang auf zur vorletzten Vorstellung!
Das Premiumprodukt des DFB, die 3. Liga, biegt auf die Zielgerade ein.
Und eins kann man jetzt schon sagen, so beknackt die ein oder andere Regelung
ist, die die Herrschaften sich da gebastelt haben, um die Vereine aus
der 1. und 2. Liga so gut es geht zu schützen (Zweite Mannschaften
in der 3. Liga, Relegation), spannend ist es auf jeden Fall. Was naturgemäß
dazu führt, dass die Nerven bei dem ein oder anderen blank liegen.
Da dies in den letzten Wochen leider nicht nur für die Fußballer
galt, komme ich bei dieser Zusammenfassung leider nicht drum herum, quasi
ständig von kleinen, grünen Männchen zu fabulieren. Leider
über welche, die ich mir nicht eingebildet habe. Obwohl es ja mit
diesen Gestalten eigentlich recht gut los ging in Offenbach. Dann ließ
es aber stark nach.
Ein schöner Osterausflug
Am Ostersamstag, 11.04.2009, trat Fortuna auf dem Bieberer Berg bei den
Offenbacher Kickers an. Eines dieser viel besungenen 6-Punkte-Spiele.
Offenbach hatte zuvor in der Rückrunde gut gepunktet und stand fünf
Zähler hinter uns. Würden sie gewinnen, wären es plötzlich
nur noch deren zwei. Würden wir allerdings siegen, könnte man
mit Offenbach den nächsten Konkurrenten wohl endgültig abhängen.
Es war ein Samstag mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen weit über
zwanzig Grad. Schön, wenn dann auch noch die Anreise dazu passte.
Offenbach ist für mich ja quasi ein Heimspiel, keine 200 km von Bonn
aus. Da ist es umso erfreulicher, wenn man die gesamte Strecke staufrei
zurücklegen kann und schon relativ zeitig am Stadion ist. Einige
andere waren allerdings noch zeitiger. Der Gästeparkplatz war zu
diesem Zeitpunkt (zwei Stunden vor dem Spiel) schon gut gefüllt und
ließ erahnen, was da noch so alles anrücken würde. Fortuna
rief, und alle kamen, möchte man fast sagen. Sogar der Reisebus der
DEG wurde von Fortuna-Fans gechartert, ist doch egal, was drauf steht,
wichtig ist der Inhalt. Es waren insgesamt über 3.000 Fortunen in
Offenbach an jenem Nachmittag.
Anderswo zum Beispiel in Düsseldorf, wie noch zu zeigen sein
wird kommt die Polizei dann in Schwierigkeiten, wenn sie einen
An- und Abmarsch von mehr als 500 Fans zu begleiten hat, besonders, wenn
diese samt und sonders vom DFB schon seit Jahren den Stempel Problemfans
unsichtbar auf der Stirn tätowiert haben. Hier war es nicht der Fall,
und wenn das schon mal vorkommt, sollte man dies auch entsprechend würdigen.
Die Truppe, die an jenem Samstagnachmittag rund um den Bieberer Berg aufgefahren
war, gehörte mit zum Besten, was man in diesem Bereich bislang gesehen
hat. Energisch, aber höflich, kompetent und auskunftsfreudig, immer
bemüht, möglichst nur dabei zu sein anstatt mittendrin. Und
wenn es die Situation erlaubte, eben auch so locker drauf wie man es sich
wünscht. Als ich vom Gästeparkplatz ging, war in der Nähe
meines Wagens gerade ein kleiner Van angekommen. Sechs, sieben Leute stiegen
aus und begannen, angesichts der Mittagsstunde und des schönen Wetters,
die Grillutensilien auszupacken! Anderswo z.B. in Düsseldorf
hätten man die gefährlichen Pyrotechniker sofort mal
eingekesselt und die Personalien festgestellt. Hier ließ man sie
gewähren. Man musste außerdem feststellen, dass die hessische
Polizei bei ihren Einstellungskriterien für weibliche Kräfte
wohl auch ein gutes Händchen beim optischen Eindruck hatte; mehrere
Fortuna-Fans verliebten sich unsterblich in diese hübschen Mädels.
Einer wagte sich sogar an die Dame seines Herzens heran und fragte locker
nach ihrer Telefonnummer. Daraufhin erhielt er nicht wie z.B. in
Düsseldorf die Antwort: Verpiss dich, sondern
ein ebenso lockeres Versuch doch mal die 110. Gerüchteweise
soll er es auch probiert haben, aber es war nur ihr Freund dran
Einige Damen der Reiterstaffel ließen sich auch hoch zu Ross mit
einigen Fans ablichten. Dabei wurde sogar nett in die Kamera gelächelt
und der Fotograf nicht wie z.B. in Düsseldorf abgeführt
und die Kamera konfisziert.
Einen anderen Fan möchte ich hier aus dem Fortuna-Forum zitieren:
So, bisher alles schon geschrieben worden, bis auf ein Top: Nach
Ankunft mit dem normalen Zug (der S-Bahn) in Offenbach-Ost von nettem
Team Green/Blue zum Stadion geleitet worden. Der Chef hatte ein Funkmikro
und hat den DJ gemacht. Ruft irgendjemand zum Spaß: Mach doch ma
Mucke! - Drei Minuten später liefen über die fetten Tröten
des Einsatzwagens die Toten Hosen mit dem FC Bayern-Lied. Unglaublich.
Ergänzung von mir: Zum Glück gibts keine Fotos oder Videos
von dem Vorgang, nicht dass der Mann noch Ärger bekommt
So einfach geht das. Aber es scheint ja nicht gewollt zu sein. Deshalb
sollte man es ruhig mal erwähnen, wenn es denn schon vorkommt. Wird
auch in der Folgezeit des Berichts weniger werden, versprochen. Leider.
Nun, da die Polizei und die Gästefans nicht weiter negativ auffielen,
mussten wohl die Gastgeber in die Bresche springen. Sorry, liebe Offenbacher,
ich weiß
Bieberer Berg, Tradition und so aber das bedeutet
nicht, dass man solch einen Trümmerhaufen von Gästeblock anbieten
muss. Außerdem frage ich mich immer, worin der Sinn besteht, wenn
Gästekarten zwei Wochen vorher an den Gastverein zum Verkauf abgegeben
werden. Das könnte dazu dienen, sich ein ungefähres Bild zu
machen, wie viele Gäste denn so anrücken werden. Eins stand
ziemlich schnell fest: mit 3.000 hatte niemand gerechnet. Der Gästeblock
ist der einzige Teil des Offenbacher Stadions, welcher nicht überdacht
ist. Da pferchte man einen Großteil der Fans in der prallen Sonne
ein und stellte ihnen, weil man großzügig sein wollte, einen
Verpflegungsstand zur Verfügung. Einen! 15 Minuten nach Spielbeginn
war bei dem sogar das Wasser (!) ausgegangen, das muss man sich mal vorstellen.
Vorstellen darf man sich auch gerne, wie die 5 (fünf) Dixie-Klos
ausgesehen haben mögen, die sich dort befanden. Aber am besten nicht
grad beim Essen. Das war schon kein Witz mehr, das war unmöglich.
In der Pause brauchten einige Fans bis zu 30 Minuten, um sich am nachbelieferten
Stand etwas zu trinken zu besorgen. Was sie dadurch verpassten, wird noch
zu berichten sein, aber selbst wenn auf dem Rasen absolut nix passiert
wäre, diese Zustände waren wirklich unhaltbar und lassen einen
darüber nachdenken, was man beim DFB allgemein so von Gästefans
hält, wenn man solche Bruchbuden ohne Auflage genehmigt. Natürlich
kommen sonst nicht so viele Gästefans dorthin, wenn man gegen Sandhausen,
Unterhaching oder Emden spielt. Dann aber einfach zu ignorieren, dass
man Vereine wie Fortuna, Dynamo Dresden oder Eintracht Braunschweig in
der Liga hat, ist schon eine sträfliche Nachlässigkeit. Die
konnten froh sein, dass es nicht den einen oder anderen Hitzekollaps im
Block gab. Wahrscheinlich wieder mal frei nach dem Motto: solange nix
passiert, gehts ja noch.
Nach so viel Vorgeplänkel konnte nunmehr zum Spiel geschritten werden,
über dessen Wichtigkeit ja schon gesprochen wurde. In der ersten
Halbzeit vor 13.000 Zuschauern war davon allerdings noch nicht viel zu
merken, oder anders: keine einzige echte Torchance für Fortuna. Die
eigentlichen Highlights waren eher im hinteren Bereich zu finden. Ex-Offenbacher
Sieger entpuppte sich als der große Pechvogel in der alten Heimat:
nach 6 Minuten sah er Gelb, nach 10 Minuten war die Partie mit Verletzung
für ihn bereits beendet. Und die Saison wahrscheinlich auch, denn
mit Innenbandeinriss hat er mindestens vier Wochen Pause. Diese Rückkehr
hatte sich Sieger, der vier Jahre am Bieberer Berg kickte, sicher anders
vorgestellt, zumal er im Stadion von den meistens Fans und auch vom Stadionsprecher
eigentlich recht herzlich begrüßt worden war. Reichlich unaufgewärmt
kam Claus Costa für ihn ins Spiel, und der schöne Claus machte
aus dem Stand eines seiner besten Spiele für Fortuna. Erstaunlich
auch der junge Kai Schwertfeger aus der Zwoten, der von Beginn an als
linker Verteidiger auflief, und zwar derart, dass man den etatmäßigen
Spieler auf dieser Position, Fabian Hergesell, kein Stück vermisste,
zumal der zuletzt völlig außer Form spielte. Offenbach hatte
in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel, aber mehr als eine dicke Chance
für Becker, der einen schönen Pass in den Strafraum mit langem
Bein aufs Netz lupfte, sowie kurz vor der Pause ein Fast-Eigentor vor
Schwertfeger nach Hereingabe von links sprang nicht heraus. Fortunas Abwehr
stand recht sicher, und auch Melka griff nur einmal am Ball vorbei, aber
da stand niemand hinter ihm.
Anfang der zweiten Halbzeit hielt Melka erst noch einen Flachschuss von
Haas, dann knipste Fortuna den OFC binnen 5 Minuten aus. In der 50. Minute
wird Heidinger von Jovanovic angespielt, setzt sich rechts im Strafraum
durch, und als alles auf den Pass in die Mitte wartet, wuchtet er die
Kugel ins lange Eck. Guck an, der Heidi, wird langsam wirklich noch zum
Torjäger bei uns, schon sein zweites Tor binnen noch nicht mal 14
Tagen! Fünf Minuten später staubte Jovanovic zum vorentscheidenden
2:0 ab, als die Offenbacher nach einer Ecke den Ball nicht wegbekamen.
Und plötzlich lief das Bällchen. Wiederum vier Minuten später
hätte Caillas alles klar machen müssen, aber er trampelte auf
unseren Nerven herum, indem er völlig frei an Wulnikowski scheiterte.
Jovanovic hatte rechts an der Torauslinie mit einem einfachen Hackentrick
gleich zwei Offenbacher stehen lassen, war in den Strafraum gelaufen,
hatte den dritten Abwehrspieler auf sich gezogen und dann Caillas bedient,
der am 5-m-Raum völlig frei stand, und der brachte das Kunststück
fertig, den Ball nicht richtig zu treffen, sodass Offenbachs Keeper Wulnikowski
noch parieren konnte. Unglaublich. Anschließend versuchten die Offenbacher
zwar Powerplay, aber es sprang dabei nur noch ein gefährlicher Schuss
heraus, den Melka gut parieren konnte. Zum Schluss hätte es für
die Kickers noch richtig bitter werden können, aber wieder scheiterte
Caillas völlig frei an Wulnikowski, nachdem er mit beeindruckendem
Solo über den halben Platz die Offenbacher Abseitsfalle ausgehebelt
hatte. Auch Kastrati und der eingewechselte Lawaree hätten noch einnetzen
können. Das wäre in dieser Höhe sicherlich nicht gerechtfertigt
gewesen, aber es zeigt, dass Fortuna eine richtig gute zweite Halbzeit
ablieferte.
Wermutstropfen: alle drei Wechsel (Sieger, Jovanovic, Schwertfeger) erfolgten
verletzungsbedingt, hat man ja auch nicht alle Tage. Zum Glück war
es bei Jovanovic und Schwertfeger nichts Ernstes.
Nach dem Spiel gab es aufgrund einer etwas unverständlichen Polizeitaktik
noch einen kleinen Ausflug, aber auch völlig ohne Stress: Man durfte
nicht vom Gästeparkplatz auf die Hauptstraße fahren, keine
Ahnung, warum, die Straße war in dieser Richtung dicht gemacht.
Man musste hintenrum, wurde über Stock und über Stein und an
ein paar Schrebergärten vorbei gelotst, nur um anschließend
festzustellen, dass der Zubringer zur Autobahn A 661 ebenfalls dicht gemacht
war. Also weiter zur nächsten Auffahrt. Das gab dann einen netten
Autokorso durch die Offenbacher Innenstadt, inklusive Rathaus und Marktplatz.
Nach einer Niederlage hätte man sicherlich mehr geflucht, natürlich,
aber so war es fast schon ein Spaß. Zumal man am Ende noch etwas
geboten bekam, der nächste Zubringer war nämlich ein wahrhaft
riesiger Kreisverkehr (Taunusring?), den man an der letzten Ausfahrt zur
Autobahn hin verlassen musste, also quasi einmal komplett durchfahren
musste. So ein großes Teil hab ich noch nie gesehen, als ich auf
der Außenbahn fuhr, dachte ich, ich werde gleich in
die Erdumlaufbahn geschossen. Im Endeffekt ein sehr gelungener Osterausflug.
Man lernt ja gerne dazu. Genau wie die Mannschaft anscheinend. Die hatten
sich eine Halbzeit lang angeschaut, was Offenbach machte und dann eiskalt
zugeschlagen. Warum nicht immer so?
Ein Kessel ist ein Kessel ist ein Kessel oder
Was vom Spitzenspiele übrig blieb
Am Sonntag, den 19.04.2009, erschien der Tabellenführer und sichere
Aufsteiger Union Berlin zum Spitzenspiel in der LTU-Arena. Was davon als
erwähnenswert übrig blieb, fasste der Verein Fortuna Düsseldorf
noch am selben Abend in eine Pressemitteilung, die ich hier zitieren möchte:
Pressemitteilung 046/2009 vom 19.04.2009
Fortuna Düsseldorf distanziert sich von Polizeieinsatz
Bei Meisterschaftsspiel gegen Union Berlin am Sonntagnachmittag
Fortuna Düsseldorf distanziert sich vor dem Hintergrund der zurzeit
vorliegenden Fakten in deutlicher Form vom massiven Einsatz von Polizeikräften
gegenüber Fußballfans von Union Berlin und Fortuna Düsseldorf
im Rahmen des Meisterschaftsspiels am Sonntagnachmittag.
Wie Rücksprachen ergaben, ging nach Kenntnisstand des Vereins weder
von Fortuna- noch Union-Fans vor, während oder nach dem Spiel vorsätzliche
Gewalt aus.
Vor allem die über Stunden dauernde Festsetzung von Anhängern,
aber auch unbeteiligten Personen in einem Restaurant in der Nähe
der LTU arena wird vom Verein kritisiert. Es war nicht möglich, von
den verantwortlichen Einsatzkräften eine Begründung hierfür
zu erhalten.
Weiterhin verurteilt Fortuna Düsseldorf unberechtigte, körperliche
Übergriffe auf Mitarbeiter des Vereins, obwohl diese lediglich von
ihrem verbrieften Hausrecht Gebrauch machten und deeskalierend auf die
Gesamtsituation einwirken wollten.
Fortuna Düsseldorf wird in den kommenden Tagen sachdienlichen Hinweisen
nachgehen und zur weiteren Aufklärung aktiv das Gespräch mit
den verantwortlichen Polizeikräften suchen. Danach wird sich der
Verein zu dem Gesamtverhalt nochmals äußern.
Die Hintergründe:
Überschattet wurde das Spiel von einer Präventivmaßnahme
der Polizei wie zu ganz alten Zeiten. Im Vorfeld der Partie wurden ca.
250 Fans an einer Kneipe in Stadionnähe von der Polizei eingekesselt
und mehrere Stunden festgehalten, weil sie, so die offizielle Angabe der
Polizei, einen aggressiven Eindruck machten. Mehrere Stammgäste
der Kneipe in gesetzterem Alter müssen wohl auch bedrohlich den Krückstock
geschwungen haben, die
wurden nämlich auch gleich da behalten und gezwungen, den Rest des
Nachmittages in der Kneipe zu verbringen. Wohlgemerkt, es gab keinen einzigen
Vorfall vor dem Spiel, die sahen halt nur so aggressiv aus. Die Kneipe
wurde anschließend vom Polizeisprecher öffentlich als Hooligan-Kneipe
diffamiert, was die meisten Leute, die dort regelmäßig verkehren,
ziemlich erstaunen dürfte, zumal sie mangels Kenntnis wahrscheinlich
Schwierigkeiten hätten, das Wort beim ersten Aussprechen unfallfrei
zu buchstabieren. Somit auch noch eine Rufschädigung erster Garnitur
für den Pächter, am nächsten Tag in jeder Düsseldorfer
Zeitung nachzulesen. Gestützt wurde diese Erkenntnis natürlich
auf interne Quellen, die den Vorteil haben, dass man sie nicht
offen legen muss. Somit also auch keine Begründung. Angeblich hatte
man sich eine richterliche Anordnung zur Durchführung dieser Maßnahme
besorgt, die allerdings auch noch kein Mensch gesehen hat. Es sollte mich
auch schwer wundern, wenn sich ein Richter dazu bereit erklärt hätte,
mehrere Hundert Personen aufgrund eines negativen Eindrucks stundenlang
festzusetzen. Falls es eine entsprechende Anordnung geben sollte, ist
diese vom Einsatzleiter sicherlich etwas weiter als beabsichtigt
ausgelegt worden.
Diese Kneipe ist der Polizei schlicht ein Dorn im Auge. Das hat allerdings
nix mit Hooligans zu tun, sondern mit der Tatsache, dass es die letzte
Kneipe vor der Arena ist, nur eine U-Bahn-Station entfernt, was dazu führt,
dass sich dort vor einem Spiel eben mehr Fans treffen als zum stilvollen
Gedankenaustausch am Rheinufer. Besonders verdächtig ist die Tatsache,
dass es vor dem Ziehen dieses Kessels keinen einzigen Zwischenfall an
jenem Tag gegeben hatte. Es war also von etwas längerer Hand geplant,
an diesem Tag mal richtig präventiv zuzuschlagen.
Übrigens war dies erst die zweite Begründung. Die erste war
dermaßen lächerlich, dass man nicht glauben kann, dass Beamte
des höheren Dienstes sich überhaupt trauen, so etwas rauszuhauen.
Zunächst hieß es nämlich, die Polizei habe ca. 150 Berliner
Hools aus den Augen verloren, man befürchte einen Aufmarsch an der
Kneipe, um Gewalttätigkeiten auszutauschen. Daher zog man einen Kessel
um die Lokalität. Man muss sich das wirklich auf der Zunge zergehen
lassen: diejenigen, die als potentielle Straftäter, Berliner
Hools, bezeichnet wurden, und die man aus den Augen verloren
hatte (150 Mann!), die ließ man ungehindert zur Arena gelangen,
diejenigen, die man laut dieser Aussage schützen wollte,
sperrte man ein und erklärte den Spieltag für beendet. Bzw.
nicht, denn um die Deeskalation noch auf die Spitze zu treiben, wurde
den Leuten im Kessel versichert, sie würden pünktlich zum Spielbeginn
in der Arena sein. Und ich wette, eine dieser Blitzbirnen hat das auch
noch um 14.30 Uhr gesagt
Wer aus der Kneipe vor 16.00 Uhr raus wollte, durfte dies auch. Und zwar
in Polizeigewahrsam, nebst Feststellung der Personalien.
Dasselbe versuchte man übrigens mit ca. 150 Union-Fans, denen man
den Einlass in die Arena verweigern wollte, ebenfalls ohne Begründung.
Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um den verlorenen Haufen
handelte, der, wenn er denn ach so gefährlich war, schon längst
hätte festgesetzt werden müssen. Hier überließ man
das Problem den Ordnern, und die überließen es schleunigst
den Berliner Fans, die, als sich dies herumsprach, zu Beginn des Spiels
zahlreich den Gästeblock verließen und dafür sorgten,
dass diese Leute noch ins Stadion durften.
In der Arena selbst wurden noch während des Spiels ca. 80 Personen
aus dem Fortuna-Fan-Block, die aus Protest das Stadion verlassen wollten,
von der Polizei festgehalten. Die waren jetzt plötzlich verdächtig,
pyrotechnisches Material am Mann bzw. an der Frau zu haben. Verdachtsmomente:
keine, es war im Umfeld des Spiels außer Zigaretten nichts gezündet
worden. Der Fan-Beauftragte und der Sicherheits-Beauftragte des Vereins,
mit so etwas Demokratisch-Albernem wie Hausrecht ausgestattet, die beide
deeskalierend eingreifen wollten, störten da natürlich die Stimmung
der Polizei, mal ein Zeichen setzen zu wollen. Dementsprechend fiel auch
deren Behandlung aus. Im Falle des Fan-Beauftragten sagte der Polizeisprecher
genüsslich: Er wurde fünfmal des Platzes verwiesen und
anschließend entfernt. Nebenbei stolperte er wohl noch unglücklich
und zog sich Prellungen und Schürfwunden zu. Niemals würde ich
sagen, dass er vorsätzlich den ein oder anderen Was-auch-immer von
der Staatsmacht kassierte. Muss ich auch gar nicht, waren ja genug Zeugen
dabei. Der Sicherheitsbeauftragte hingegen wurde geradezu sträflich
vernachlässigt, da er mit ein paar Ohrlaschen davon kam und das Feld
räumte, nachdem auch ihm ein ordentlicher Schellenbaum angekündigt
wurde. Dieses tätliche Vorgehen gegen Angestellte des Vereins war
auch der Grund, warum Fortuna so kurz nach dem Spiel die oben zitierte
Presseerklärung veröffentlichte. Normalerweise macht man so
etwas nicht, und normalerweise, muss man ja auch sagen, geht einer solchen
Eskalation meist auch eine Provokation seitens der Fans voraus (über
die dann eingesetzte Verhältnismäßigkeit der Mittel ließe
sich auch in diesen Fällen natürlich trefflich streiten). Aber
diesmal war absolut nichts vorgefallen. Vielleicht wollte man ja auch
präventiv die Besucher der DTM-Saisoneröffnung vor möglichen
Besuchen des Packs schützen? Die fand zeitgleich auf
der Kö statt und zog immerhin 200.000 Leute an. Ich könnte mir
das vorstellen.
Und wenn es bis hierher schon unglaublich war, dann wird es jetzt noch
besser. Und deshalb sollten auch diejenigen, die sich nicht für Fortuna
und nicht für Fußball interessieren (trifft beides zu, dann
herzlichen Dank, dass ihr trotzdem hier lest), das nachfolgende Zitat
ganz langsam lesen, meinetwegen auch mehrfach. Denn neben den Fußball-Fans,
die sich an jenem Tag nicht das Geringste zu Schulden hatten kommen lassen,
waren ja auch gänzlich am Fußball Unbeteiligte dabei, die in
der Kneipe oder draußen im Biergarten saßen, und die sich
dann auch einen schönen langen Sonntag machen durften,
entweder in der Kneipe unter Verschluss oder in Polizeigewahrsam.
Wenigstens zu denen wurde der Herr Polizeisprecher befragt, und ich hoffe
mal für ihn, dass er bei der Antwort nicht breit grinsen musste.
Wie es Leute halt tun, die wissen, dass sie sich alles erlauben können,
weil man sie sowieso nicht dran kriegen kann. Hier die Antwort des Polizeisprechers
Rodax (okay, der konnte sicherlich nix dafür, der ist ja nur der
Lakai, der es übermitteln muss), die ich besonders all jenen ans
Herz legen möchte, die immer noch glauben, wir lebten in einem Rechtsstaat
und nicht in den USA:
Aber wer sich an einem solchen Tag in so ein Lokal begibt, muss
im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass er Opfer von Maßnahmen
wird, die ihm nicht passen.
Und ich bitte, diese Lektion nicht zu vergessen, die die Polizei uns hier
am 19.04.2009 erteilte: Fußball-Fans = asozial. Mehr als, sagen
wir, 50 Fußball-Fans in und vor einer Kneipe = aggressiver Eindruck.
Kneipe, die mehr als 50 solcher aggressiven Eindrückler beherbergt
= Hooligan-Treff. Maßnahme: Kessel, Freiheitsentzug für mehrere
Stunden ohne Begründung. Und wenn Du zufällig an einem so strahlend
schönen Tag wie jenem Sonntag spazieren gehst und bekommst Hunger
oder Durst, und Du stehst zufällig grad vor solch einem Hooligan-Treff,
wo die Leute Dich auch mit einem solch aggressiven Eindruck
anscheinend nicht davon abhalten können, das Lokal zu betreten
dann hast Du halt Pech gehabt. Kessel, Polizeigewahrsam und Aufnahme der
Personalien als Maßnahme, die Dir nicht passt. Dazu mit ziemlicher
Sicherheit die Aufnahme in die Datei Gewalttäter Sport.
Und das alles nur, weil Du bei dem schönen Wetter mal eben raus wolltest
Schlusswort: die Polizei bezeichnete die Aktion am Abend als gelungen.
Ich glaube, das sollten wir auch. Hätten ja auch alles Terrorverdächtige
sein können, dann wäre es noch ganz anders abgegangen
aber
geben wir der Düsseldorfer Polizei doch noch drei, vier Spiele
Ach ja, Fußball gespielt wurde auch. Fortuna verlor 0:1 durch ein
Tor von Benyamina in der 75. Minute - es war der zweite Torschuss des
Aufsteigers im Spiel. Der Rest war wie in jedem der letzten Heimspiele,
die alle unentschieden ausgingen. Fortuna hat einfach nicht die Qualität,
sich gegen Teams durchzusetzen, die nur hinten drin stehen. Selbst Union-Trainer
Neuhaus war nach dem Spiel unzufrieden mit seiner Mannschaft, die überhaupt
nicht versucht hatte, nach vorn zu spielen. Die legten eine richtige Null-Bock-Stimmung
an den Tag, als sei ihnen eh alles egal. Aber was Unsere in dieser Saison
dann aus dieser Feldüberlegenheit machen, ist ja nicht erst seit
diesem Spiel bekannt. Ich könnte noch nicht einmal große Torchancen
schildern, die man sich aufgrund der permanenten Überlegenheit heraus
spielen konnte, es gab keine. Zu nennen wäre ein Schuss von Heidinger
vom linken Strafraumeck, nachdem er einen Freistoß schwach in die
Mauer gebolzt hatte, erwischte er den Abpraller, setzte sich gegen seinen
Gegenspieler durch und schlenzte die Kugel von links Richtung rechter
oberer Winkel. Durchaus Tor des Monats-verdächtig, ein
tolles Ding, aber mit einer ebensolchen Parade kratzte Union-Keeper Jan
Glinker den Ball noch über das Tor. Dann vielleicht noch, dass Lambertz
am 5-m-Raum von rechts schön bedient wurde und wahrscheinlich selbst
überrascht war, so frei zu stehen. Prompt traf er den Ball nicht
richtig, somit keine Gefahr für Glinker. Aber sonst? Mir fällt
nix mehr ein, zu ideenlos war das Anrennen gegen einen Gegner, der sich
lediglich in der Abwehr zweitligareif präsentierte. Nach vorne kam
von denen so gut wie gar nix, aber das musste ja auch nicht. Sie wussten,
sie würden die eine Möglichkeit noch bekommen, wenn bei uns
die Konzentration nachlassen würde. Sie bekamen sie, machten sie
rein und gewannen das Spiel. Der größte Aufreger des Spiels
kam eigentlich danach, als der Ex-Fortune Macchambes Younga-Mouhani behauptete,
er sei vom Noch-Fortunen Olivier Caillas während des Spiels in einer
Szene rassistisch beleidigt worden. Jedoch hatte es niemand außer
ihm gehört, auch nicht FIFA-Schiedsrichter Stark (mittwochs noch
Arsenal gepfiffen, sonntags zu Fortuna gegen Union, ich hoffe, er hat
das nicht als Strafe empfunden), der in unmittelbarer Nähe stand
und Caillas nicht des Feldes verwies. Das juckte in Berlin allerdings
niemanden, die Aussage von Younga-Mouhani wurde einfach als Tatsache akzeptiert
und genau so veröffentlicht. Dies veranlasste Caillas, seine Anwälte
einzuschalten, die in der B.Z. (Berliner Zeitung) eine Gegendarstellung
schalten ließen:
22. April 2009 12.11 Uhr
Gegendarstellung von Olivier Caillas.
Auf www.bz-berlin.de haben Sie unter der Überschrift Union-Skandal
- Younga als Neger bechimpft unter anderem behauptet, ich habe Macchambes
Younga-Mouhani einen Neger genannt.
Diese Behauptung trifft nicht zu. Ich habe mich weder wörtlich noch
sinngemäß so geäußert.
Olivier Caillas
Düsseldorf, im April 2009
Und was antwortet eine Redaktion, von der man eigentlich meinen sollte,
sie sei bei der Berichterstattung der journalistischen Sorgfaltspflicht
zugetan? Genau, Folgendes:
Herr Caillas hat Recht, die Redaktion.
Jaja, Rufmord ist halt im Verein am schönsten. Und wenn die B.Z.
dahin gehend noch Nachholbedarf haben sollte, kann sie ja noch mal beim
Düsseldorfer Polizeisprecher anfragen. Der hat bestimmt noch ein
paar Tipps übrig.
Union steigt also auf, wir seit jenem Spieltag erstmals nach Wochen noch
nicht mal mehr über die Relegation, denn die SpVgg Unterhaching,
die derzeit einen Lauf hat und alles wegknallt, gewann auch in Stuttgart
und zog an uns vorbei. Außerdem verlor Paderborn sein Heimspiel
gegen Dresden. Fortuna somit nur noch Vierter, drei Punkte Rückstand
auf Paderborn (und wieder mal eine Chance verpasst, gleichzuziehen) und
zwei auf die Bobfahrer aus dem Münchner Süden.
In den Ereignissen rund um das Spiel ging völlig unter, dass Fortuna
einen neuen Zuschauerrekord für die noch junge 3. Liga aufstellte.
Und vor allem, dass dies ein Verdienst der Fans war, die quasi eigenmächtig
die Aktion 25.000 + auf die Beine gestellt und durchgezogen
hatten. Hierüber habe ich schon im letzten Bericht geschrieben. Als
Krönung des Einsatzes ungezählter Fans, die wirklich überall
in der Stadt Flyer verteilten und Plakate aufhängten (wo es ihnen
erlaubt wurde), setzte der neue Pächter des Vereinsheim, das seit
der Pachtübernahme nunmehr BAR95 heißt, noch einen
drauf: er ließ die Bar in den letzten Tagen vor dem Spiel 24 Stunden
am Tag geöffnet und verkaufte zu jeder Tages- und Nachtzeit Eintrittskarten.
Eigentlich unglaublich, genau wie der weitere Einsatz der Fans, die die
Botschaft unters Volk brachten. Das Ergebnis waren 27.300 Zuschauer. In
der 3. Liga. Obwohl das Spiel auf Sonntag verlegt wurde. Und obwohl Fortuna
in den Wochen zuvor grausam gespielt hatte (Ausnahme nur die zweite Hälfte
in Offenbach). Und obwohl zeitgleich auf der Kö die DTM ihre Saisoneröffnung
feierte. Ein Ergebnis, das zeigt, was hier alles gehen könnte. Vor
allem aber ein Ergebnis, auf das die Initiatoren und die Beteiligten der
Fan-Aktion verdammt stolz sein können. Ich hoffe, sie sind es auch.
Denn die ihnen eigentlich zustehende Anerkennung ging nach dem Spiel völlig
unter in einem Polizeieinsatz, den bis heute niemand nachvollziehen kann.
War halt auch so eine Maßnahme, die einem nicht passte. Daher auch
an dieser Stelle von mir noch mal herzlichen Dank an alle, die an der
Initiative beteiligt waren.
Offenbarungseide
Dass ich in diesem Bericht leider weiterhin nicht um den Themenkreis Polizei,
Ordner, Organisation von Fußballspielen, insbesondere Risikospielen
herum komme, liegt an der auf das Union-Spiel folgenden Paarung. Nur 5
Tage später fand nämlich das statt, was man in der Stadt mit
der Schwebebahn für ein Derby hält: das Spiel der Fortuna beim
Wuppertaler SV. Und eingedenk der Vorkommnisse im Hinspiel (siehe dort)
und des Einsatzes der Polizei nur fünf Tage zuvor (siehe oben), musste
man eigentlich schon mit dem Schlimmsten rechnen. Und das gab es auch.
Allerdings eher nicht neben dem Rasen, obwohl es dort auch nicht schön
war.
Am 24.04.2009 musste Fortuna also beim Wuppertaler SV antreten. An einem
Freitag. Das war schon selten intelligent. Zusätzlich wurde der Anstoß
sogar noch eine Stunde vorverlegt, auf 18.30 Uhr. Wer sich das ausgedacht
hat, den hätte ich gern mal am Ausgang der Schwebebahnhaltestelle
Zoo festgebunden. Damit er mal so einen Eindruck bekommt, wie es sich
anfühlt, wenn er ein Hochsicherheitsspiel nicht nur auf einen Wochentag
verlegt, sondern auch ohne Not dafür sorgt, dass der Berufsverkehr
auch noch was davon hat. Der WSV wollte das Spiel samstags austragen,
konnte sich aber nicht durchsetzen. Natürlich.
Und so gab es wieder mal das übliche Bild: Polizei, wohin man schaute,
Hunde, mobile Arrestzellen, alles am Start. Eintrittskarten für Gäste
gab es nur im Vorverkauf, nur bei der Fortuna-Geschäftsstelle, nur
für Mitglieder und Dauerkartenbesitzer. Man könnte glatt meinen,
dass man sich daraus vor dem Spiel ein Bild hätte machen können,
wie viele Gästefans anreisen würden, um dies bei der Organisation
ein wenig zu beachten. Aber das hatte ich ja schon zum Offenbach-Spiel
geschrieben. Selbstverständlich war dies auch in Wuppertal nicht
der Fall. 6.000 Fortunen in Wuppertal, schon brach so einiges zusammen.
Insbesondere die Einlasskontrolle im Gästeblock, die so langsam von
statten ging, dass die Leute zum Teil eine Stunde vor dem Eingang standen
und keinen Schritt vorwärts kamen. War ja auch soooo schlecht vorhersehbar,
wenn die Passagiere eines kompletten Sonderzugs zu Fuß zum Stadion
geleitet werden, dazu noch die Fortunen aus den regulären Bahnen,
die man ebenfalls am Bahnhof Sonnborn aus dem Zug holte (das hat Tradition)
und zu Fuß anmarschieren ließ, um zu verhindern, dass sie
alle die Schwebebahn enterten, denn die Schwebebahnhaltestelle Zoo liegt
nun mal direkt am Heimeingang. Hätte man sich also denken können,
dass mit diesen Maßnahmen einige Tausend Gästefans gleichzeitig
am Gästeeingang aufschlagen würden. Aber zum Denken hatte man
offensichtlich keine Lust.
Um kurz nach 18 Uhr wurde bekannt gegeben, dass das Spiel erst um 18.40
Uhr angepfiffen werden würde, wegen des großen Gästeandrangs.
Ach nee. Um 18.40 Uhr wurde bekannt gegeben, dass das Spiel erst um 19.00
Uhr angepfiffen werden würde, wegen des großen Gästeandrangs.
Ach nee. Kurz nach Spielbeginn musste ein kleiner Zusatzblock direkt neben
dem Gästeblock geöffnet werden, um noch Fans unterzubringen,
wegen des großen Gästeandrangs. Ach nee. Das kam alles ja so
richtig überraschend
Da fand ich es schon eher überraschend, dass es verhältnismäßig
ruhig blieb. Dabei hatten beide Seiten durchaus wieder Personal am Start,
welches man ansonsten wohl eher selten beim Spiel sieht. Auf Wuppertaler
Seite schossen einige dieser Honks mit Leuchtspurmunition auf Düsseldorfer,
die gerade aus Versehen an der Schwebebahnhaltestelle gestrandet waren.
Dies hatte wohl auch die Polizei so sehr verwirrt, dass sie es vergaßen,
die Täter einzukassieren, obwohl es genug Zeugen gab. Auf unserer
Seite enterten einige Blitzbirnen den Würstchenstand im Gästeblock
und bewarfen anschließend die Wuppertaler Ultras auf der Haupttribüne
mit Brötchen. Das konnte man ja noch unter dem Motto Brot statt
Böller sehen, allerdings waren die entsprechenden Böller
schon vorher auf dem Marsch vom Bahnhof zum Gästeblock gezündet
worden. Ist ja auch unterhaltsam, das in einer großen Menschenmenge
zu machen. Der Wuppi-Stadionsprecher ermahnte die Gästefans noch,
nicht mit Lebensmitteln zu werfen, da warfen die Heimfans die Teile auch
schon zurück, sodass ihm die Argumente ausgingen. Kindergarten halt.
Umso erstaunlicher, dass dies die einzigen Zwischenfälle im Stadion
waren.
Nach dem Spiel fuhren zwei Bahnen vom Bahnhof Wuppertal-Sonnborn Richtung
Düsseldorf. Eine um 21.03 Uhr und eine um 21.06 Uhr. Beides kaum
zu schaffen, man siehe oben, denn das Spiel war ja mit 30 Minuten Verspätung
angepfiffen worden, was wiederum die Deutsche Bahn nicht im Geringsten
kümmerte. Die stellte dann den Bahnverkehr gleich mal völlig
ein, Grund: Am Bahnhof in Hagen sei ein verdächtiger Gegenstand auf
den Gleisen gefunden worden, der nun erst begutachtet werden musste. Ca.
2.000 Leute warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf den Abtransport am Bahnhof
Sonnborn, der leider nur für 800 Menschen ausgelegt ist. Die Polizei
tat das, was sie in solchen Momenten tun muss, sie sperrte den Bahnhof.
Da man aber anscheinend auch nicht wollte, dass 2.000 Leute in Sonnborn
herumliefen, bis die Bahn sich geruhte, den Zugbetrieb wieder aufzunehmen,
griff man zum nun schon erprobten Mittel und kesselte die Fans vor dem
Bahnhof eine Stunde ein. Hier und da kam es dann natürlich zu Zwischenfällen,
die mal von der einen, aber auch von der anderen Seite ausgingen, denn
wie gesagt, auch bei uns war wieder einiges an asozialem Personal am Start,
das man bei Auswärtsspielen über 30 km Entfernung nie sieht.
In diesen Fällen müssen wir uns somit durchaus auch an die eigene
Nase packen. Dass es allerdings sogar Anwohner gab, die den wieder mal
eingekesselten Fans, die sich nicht vom Fleck rühren durften, Wasserflaschen
reichten, sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Schließlich
nahm die Bahn den Zugverkehr wieder auf (der verdächtige Gegenstand
in Hagen war wohl ein Autoersatzteil, das von einer nahe gelegenen Brücke
auf die Gleise geworfen worden war), und es kamen auch noch Busse, die
die Wartenden zum Düsseldorfer Hauptbahnhof brachten. Eins wurde
dabei wieder mal mehr als klar: einen Plan B hatte es nicht gegeben. Dann
lieber wieder ein paar Leute einkesseln und sich in Ruhe eine Lösung
überlegen. Ganz schwach. Organisatorisch sowie vom Verhalten einiger
weniger Bekloppter auf allen drei Seiten (Wuppis, Fortunen, Polizei) war
das mal wieder ein Offenbarungseid.
Ich persönlich hatte, weil ich so früh angereist war, einen
klasse Parkplatz, ziemlich direkt am Stadioneingang. Von dort kommt man
direkt auf die Hauptstraße, die auch nach kurzer Zeit auf die Autobahn
führt (A 46). Problem: diese Hauptstraße war von der Polizei
komplett gesperrt, weil sich dort noch einige Wuppertaler Freunde der
dritten Halbzeit versammelt hatten. Da ist dann guter Rat teuer, das kann
Stunden dauern. Aber es muss ja auch mal einen Vorteil haben, wenn man
in dieser Gegend aufgewachsen ist. Ich fuhr also mit dem Auto hintenrum,
will sagen, hinter dem Stadion den Berg hoch, und das ist ein Hügelchen,
an dem man schön sehen kann, warum die Gegend Bergisches Land
heißt, wirklich steil bergauf, mit Serpentinen, mieser Straße
und schummriger Beleuchtung. Als habe man sich verfahren und sei im Hochschwarzwald
gelandet. Der Berg heißt übrigens "Todtenberg", und
ich glaube, seit jenem Freitag weiß ich, warum, wenn man da oben
früher die Leute gehenkt hat, konnte man die wirklich noch meilenweit
zur Abschreckung sehen. Auf der anderen Seite des Stadions ging es wieder
genauso steil runter et voilà - richtig kalkuliert, genau vor der
Sperrung raus gekommen, die begann auf der Hauptstraße rechts von
mir, ich bog lässig nach links ab und war in zwei Minuten auf der
Autobahn. Ein Hoch auf noch rudimentär vorhandene Ortskenntnisse!
Zwischendurch gab es natürlich auch Fußball. 0:0. Und das war
der eigentliche Offenbarungseid.
Der WSV war das mit Abstand schlechteste Team, das ich in dieser Rückrunde
gesehen habe. Die schafften es, in neunzig Minuten nicht eine einzige
Torchance herauszuspielen, gegen uns in der aktuellen Form sicherlich
schon eine Leistung. Die waren so schwach und harmlos
in der Pause
konnte ich mir Wuppertaler Verbalinjurien gegen die eigene Mannschaft
auf der Haupttribüne anhören, die ich hier gar nicht wiedergeben
kann, ohne das Niveau noch weiter runter zu ziehen. Ca. zehn Minuten vor
Spielende verließ ein Strom Heim-Besucher vorzeitig die Tribüne
und wanderte ab beim Stande von 0:0, nicht 0:4! So schlecht waren
die! Tja, und wer gegen solch eine Truppe noch nicht einmal irgendwie
einen Ball ins Netz mogelt, der hat`s dann auch nicht verdient. Und der
steigt auch nicht auf.
Die 1. Halbzeit war von beiden Teams dermaßen schlecht die
könnte den insgesamt 13.000 Zuschauern eigentlich nur damit entschuldigt
werden, dass beide Seiten noch erklären, es wäre Teil einer
besonderen Deeskalationsstrategie gewesen, um die gereizten Fangruppen
nicht weiter zu provozieren. Falls es das war Glückwunsch,
gelungen, alle waren sprachlos. Falls es das nicht war ebenfalls
Glückwunsch, zur schlechtesten Halbzeit, die ich in dieser Saison
gesehen habe. Der größte Aufreger in diesen 45 Minuten war
die Auswechslung von Olivier Caillas in der 21. Minute Bruch des
Wadenbeinköpfchens, mindestens vier Wochen Pause, Saison wohl auch
für ihn vorbei. Na klar, was sonst? Hätte mich auch gewundert,
wenn wir in der Rückrunde von weiteren langwierigen Verletzungen
verschont geblieben wären. Ansonsten gibt es nichts, über das
man berichten könnte, keine zwingende Torchance, keine knifflige
Situation nichts!
In der 2. Halbzeit spielte Fortuna offensiver, und schon ergaben sich
die Chancen. Ja guck, hätte man das doch mal früher gemacht!
Aber so richtig zwingend war das auch nicht. Zwei ganz dicke Dinger gab
es. Zum einen steckte Lawaree einen brillanten Ball am Sechzehner durch
an einen Mitspieler, der dadurch plötzlich völlig frei zum Schuss
kam. Leider war es der schöne Claus, wie immer vom Torjäger
weiter entfernt als eine Kuh vom Eierlegen, und deshalb schaufelte er
den Ball auch souverän direkt in die Arme von Keeper Maly. Zum anderen
war es Lambertz, der sich kurz vor Schluss mit dem Mute der Verzweiflung
gegen drei Gegenspieler durchsetzte und ebenfalls den Siegtreffer auf
dem Schlappen hatte. Anschließend rutschte ihm der Ball beim Abschluss
aus 10 Metern allerdings über denselben, anstatt Richtung lange Ecke
flog der Ball auf die kurze, und da Maly gerade dort in der Nähe
stand, konnte er parieren und war damit der Matchwinner für die Gastgeber,
zumindest, was den einen Punkt betraf.
Fast wären es sogar noch drei geworden. Denn in der letzten Aktion
des Spiels kam der WSV mit Hammes tatsächlich erstmals in der 2.
Halbzeit in den Fortuna-Strafraum. Anschließend stolperte er über
Langeneke, und nicht nur ich dachte, dass jetzt noch der entscheidende
Pfiff kommen würde. Aber der Schiri ließ weiter spielen, was
einigermaßen unverständlich war. Allerdings konnte man hinterher
im Fernsehen sehen, dass Langeneke noch versucht hatte, zurück zu
ziehen, Hammes aber den Kontakt gesucht und gefunden hatte, vielleicht
lag es ja daran. Oder am schlechten Gewissen, denn der Ball kam nur zu
Hammes, weil sich Mahrt zuvor am Sechzehner mit gestrecktem Bein, Sohle
nach vorn, gegen zwei Düsseldorfer durchgesetzt hatte. Dermaßen
eindeutig, dass niemand weiß, warum der Schiri das nicht abpfiff.
Die Elfmeter-Szene hätte also gar nicht erst entstehen dürfen.
Vielleicht ist das dem Schiri ja zwei Sekunden später spontan eingefallen.
Glück für uns, obwohl ein Sieg für den WSV wirklich die
letzte große Unverschämtheit an jenem Abend gewesen wäre.
Somit war das ganze Spiel eigentlich viel Lärm um Nichts. Wie so
oft bei Fortuna.
Offenbarungseide, so weit das Auge reichte. Ein Abend für Gerichtsvollzieher,
nicht für Fußball-Fans. Schön, dass es vorbei ist.
An jenem Spieltag siegte die SpVgg Unterhaching übrigens 1:0 bei
Union Berlin, natürlich. Sie baute ihren Vorsprung damit auf vier
Punkte gegenüber Fortuna aus. Paderborn hingegen verlor 0:2 in Braunschweig,
sodass wir mit diesem Gruselkick sogar noch einen Punkt gut machten und
zwei Zähler hinter Paderborn lagen. In Paderborn erzürnte das
den Präsidenten Wilfried Finke so sehr, dass er gleich mal zurücktrat.
Aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass er auch als
großsponsernder Alleinunterhalter abtreten wird. Außerdem
wurde Stürmer Güvenisik suspendiert, der sich bei seiner Auswechslung
in Braunschweig etwas zu sehr aufgeregt und sein Trikot auf den Boden
geworfen hatte. Dicke Luft also derzeit beim Top-Aufstiegsfavoriten, der
sogar eine noch schlechtere Rückrunde spielt als wir.
Vor das Spiel gegen Dynamo Dresden am 02.05.2009 hatte der Fußballgott
noch die Jahreshauptversammlung gestellt. Und da ging es mehr rund als
am Freitag zuvor auf dem Platz. Der allseits beliebte und als kompetent
anerkannte Vorstandsvorsitzende Dr. Ernst erklärte mal flugs seinen
Rücktritt, weil er sich von den maßgeblichen Leuten im Verein
nicht genügend unterstützt fand. Und das zu recht, wer bei Fortuna
kompetent auftritt, hat nichts zu lachen bei den ganzen kritikresistenten
Pöstchenklebern, die im Verein durchaus an entscheidenden Stellen
sitzen. Georg Koch, der sich mit viel Mediengetöse um einen Sitz
im Aufsichtsrat hatte bewerben wollen, zog diese Kandidatur angesichts
des Rücktritts des Vorsitzenden, mit dem er zusammen arbeiten wollte,
gleich mal zurück, ebenso wie die meisten der anderen Kandidaten,
sodass gar nicht erst gewählt wurde. Der aktuelle Vorstand wurde
bei der Einzelentlastung schön abgewatscht, drei der vier Herren,
darunter Thomas Allofs wurden zwar entlastet, aber die Nein-Stimmen und
Enthaltungen zusammen waren jeweils höher als die Ja-Stimmen, drei
schallende Ohrfeigen für die Herren, deren Echo sie allerdings noch
nicht vernommen haben, denn zum Zeitpunkt, da ich dies hier schreibe,
hat von denen immer noch keiner was vom Rücktritt erklärt. Der
Vierte im Bunde, Hermann Tecklenburg, früher Chef beim KFC Uerdingen
und amtlich anerkannter Grund für dessen Regionalliga-Lizenzentzug
2005 (bei Interesse bitte dort nachlesen, ich schmeiß ja nix weg),
kam nicht so billig davon, er wurde nicht entlastet, was ihm wenigstens
mal das debile Grinsen aus dem Gesicht zauberte, mit dem er an diesem
Abend bis zu diesem Zeitpunkt geglänzt hatte. Insgesamt also ein
formvollendetes Misstrauensvotum. Und während der zurückgetretene
Aufsichtsratsvorsitzende mit null Gegenstimmen entlastet und mit standing
ovations und der Bitte, es sich noch mal zu überlegen, entlassen
wurde, stellte sein Stellvertreter Dr. Heinrich Pröpper, einstmals
anerkannter Vasall des besten Oberbürgermeisters aller Zeiten, wohl
einen neuen Vereinsrekord auf: null Stimmen für eine Entlastung!
Der konnte sich selbst noch nicht mal eine Trostsimme geben, der Herr
war nämlich gar nicht anwesend. Und wurde mit diesem beeindruckenden
Votum sogar noch kommissarisch Aufsichtsratvorsitzender, denn der eigentliche
Vorsitzende war ja zuvor zurückgetreten. Sieg mit null Stimmen. Sensationell.
Wir sind Fortuna, wir können alles. Sogar binnen der nächsten
drei Monate zu einer außerordentlichen Versammlung antreten. Da
darf man wirklich gespannt sein, was bis dahin und natürlich dann
geschehen mag
Mitbekommen habe ich immerhin noch ein negatives Vereinsvermögen
von 3,14 Mio. Euro sowie eine festgeschrieben Schuld von 7 Mio. Euro bei
der sportwelt, die aber jetzt geregelt abgezahlt werden kann, wie ich
in einem der früheren Berichte ja schon geschrieben hatte. Ausgehandelt
hatte dies der bereits genannte (Ex-)Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Ernst.
Das war dann wohl ein Stück zu kompetent für diesen Verein
Letztes Aufbegehren?
Dann kam der erwähnte 02.05.2009. Mit einem glücklichen, aber
letztlich nicht unverdienten 1:0-Sieg über Dynamo Dresden blieb Fortuna
tatsächlich an den Aufstiegsplätzen dran. Vor 15.000 Zuschauern
darunter über 3.000 aus Dresden erzielte Kapitän
Lambertz in der 40. Minute das Tor des Tages, nach Traumpass von Christ
und schöner Vorarbeit von Jovanovic. Gegen zehn Dresdner (Rot für
Hübener wegen groben Foulspiels in der 75. Minute) musste man bis
zum Schluss zittern (Freistoß für Dynamo aus 17 m in der 93.
Minute), weil man sich in der zweiten Halbzeit weigerte, auch klarste
Chancen auszunutzen.
Fortuna ohne Sieger, Caillas und Cebe (alle verletzt) hatte zwar über
weite Strecken der ersten Halbzeit mehr Spielanteile, aber Dynamo kam
zwischenzeitlich gut auf und nutzte vor allem die Räume im Mittelfeld.
Sie hatten auch die ersten 100%ige Chance im Spiel, die es aber eigentlich
nicht geben durfte, denn als Savran frei gespielt wurde, stand er nu wirklich
einen Meter weit im Abseits, und der Assi hatte besten Blick auf das Geschehen,
wirklich rätselhaft, warum da die Fahne nicht hoch ging. In diesem
Fall hatte der Fußballgott allerdings ein Einsehen, Savran lupfte
an Melka vorbei, der Ball sprang jedoch an den Innenpfosten und dann wieder
ins Feld zurück. Bezeichnend für eine gewisse Ideenlosigkeit
der Fortuna war die Tatsache, dass man mit der ersten richtigen eigenen
Torchance kurz vor der Pause direkt einnetzte: nach tollem 30 m-Pass von
Christ setzt sich Jovanovic links durch, gibt flach nach innen, und das
hat ihm wohl nur Lambertz zugetraut, der als Einziger mitgelaufen ist
und völlig frei und unbedrängt am kurzen Pfosten aus 5 m ins
kurze Eck einschießen kann. Sollte wohl eine Dresdner Abseitsfalle
sein, deshalb lief keiner der Schwarz-Gelben übermäßig
motiviert hinterher, somit kein Problem für Lambertz.
Nach der Pause wurde Dresden noch offensiver, Fortuna hielt dagegen, sodass
sich Riesenchancen ergaben. Auf der einen Seite kratzte Kai Schwertfeger
einen Ball vor einem einschussbereiten Dresdner von der Linie, als Melka
schon geschlagen war, auf der anderen Seite vergab Lawaree zwei Bälle
freistehend, Jovanovic animierte Dresdens Keeper Benjamin Kirsten, Sohn
von Stürmerlegende Ulf Kirsten in seinem ersten Pflichtspieleinsatz
für Dynamo, mit zwei Schüssen aus 16 Metern zu tollen Flugeinlagen;
als der Stürmer allerdings eine Viertelstunde vor Schluss das Kunststück
fertig brachte, auf Vorarbeit von Lawaree aus fünf Metern das leere
Tor nicht mal ansatzweise zu treffen, war jedem klar, dass der seiner
Form weiterhin meilenweit hinterher läuft. Folgerichtig wurde er
gegen Kastrati ausgewechselt, folgerichtig vergab der kurz vor Schluss
den nächsten Hochkaräter, als er frei vor Kirsten diesen überlupfte,
der Ball aber nur auf dem Tornetz landete. Dank der Treffsicherheit
unserer Stürmer blieb es somit spannend bis zum Schluss, aber Fortuna
schaffte es endlich mal wieder, den Vorsprung über die Zeit zu retten
und erstmals in einer Saison beide Spiele gegen Dynamo zu gewinnen, sogar
beide zu null..
Und da Unterhaching am Tag danach tatsächlich nur 1:1 gegen den Wuppertaler
SV spielte, was mich sehr erstaunte, da ich nach der Vorstellung des WSV
gegen uns hätte wetten mögen, dass bei denen niemand in der
Lage sein würde, überhaupt mal in die Nähe des Hachinger
Tores zu kommen, sind wir tatsächlich wieder oben dran. Vier Spiele
verbleiben noch, eine englische Woche ist dabei. Derzeit sieht es wie
folgt aus:
1 Union Berlin 71 Punkte
2 Paderborn 61 Punkte
3 Unterhaching 61 Punkte
4 Fortuna 59 Punkte
Union ist durch, der Rest wird ein Nervenspiel. Hinzu kommt, dass alle
drei Vereine nur noch Gegner aus der unteren Tabellenhälfte haben,
wobei wir nächsten Sonntag in Braunschweig direkt mal einen dicken
Brocken vorgesetzt bekommen. Oben sind also alle Messen gesungen, wer
die besseren Nerven gegen die nun wohl zahlreich auftretenden Maurerbrüder
aus der unteren Tabellenhälfte hat, der macht das Rennen. Dafür
sind wir ja bekanntermaßen so richtig gut geeignet. Außerdem
sind wir auf die Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen, die wir in der
Vergangenheit eigentlich stets elegant nicht ausnutzen konnten, wenn sie
denn vorkamen. Und somit bin ich weiter skeptisch, denn wir sind nicht
weiter als zu Beginn des Jahres: auf dem undankbaren Platz 4. Immerhin,
Emden haben wir überholt und abgehängt, dafür hatte aber
niemand mit Unterhaching gerechnet.
Und so endet die vorletzte Zusammenfassung der Saison. Zwei Tage vor dem
Spiel gegen Dresden sah ich übrigens den Kinofilm The Knowing
mit Nicholas Cage. Ich mag ja solche Mystery-Thriller. Der war auch so
ca. 75 Minuten lang einer, bis man der Meinung war, jetzt könne man
mal ein paar Außerirdische ins Spiel bringen, um den Film irgendwie
beenden zu können. Unglaublich, ich bin immer noch sprachlos über
diesen Mist. Warum ich das erwähne? Nun, wie man an dieser Zusammenfassung
sehen kann, besteht anscheinend ein gewisser Zusammenhang zwischen überforderten
Organisatoren von Fußballspielen und Drehbuchschreibern mit Schreibblockade
nach Seite 300: wenn ihnen nix mehr einfällt, holen sie die kleinen
grünen Männchen. Und heutzutage ist es dann reine Glückssache,
ob die zu einem Happy End verhelfen oder noch mehr Unfug anrichten.
Eigentlich hatte ich aufgrund der wirklich schlechten Leistungen, die
die Mannschaft in den letzten Wochen teilweise abgeliefert hat, den Aufstieg
abgeschrieben. Aber auch wenn die Aufgabe in den letzten vier Spielen
nicht leichter wird, zumal bei unserer aktuellen Verletztenliste, so muss
ich nach dem Ergebnis des Dresden-Spiels sagen: solang die dicke Frau
noch singt, ist die Oper nicht zu Ende
Holt jetzt schon Luft für die finale Arie: janus
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