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Game over, Player One! Auch die zweite Regionalliga-Saison der Fortuna
nach dem Wiederaufstieg ist vorüber. Das schreit natürlich nach
einer kurzen Zusammenfassung der letzten vier Spiele sowie einem kleinen
allgemeinen Rückblick auf die Saison, die erst tiefdunklen Schatten,
dann aber auch sehr viel Licht zu bieten hatte.
Schlechtes Benehmen mit gutem Ergebnis
Zunächst gab es am 07.05.2006 das Spiel bei Preußen Münster.
Wie es zu diesem Spieltermin sonntags abends um 18.00 Uhr
kommen konnte, hatte ich gegen Ende des letzten Artikel schon ausführlich
geschildert, inklusive der Vermutung, dass nicht das jetzt schon legendäre
Volleyballspiel der Damen des USC Münster gegen den Schweriner SC
am Freitag zuvor Grund für die Spielverlegung war, sondern eher die
Angst der Verantwortlichen bei Preußen, zu diesem Termin nach desaströsen
Heimleistungen zuvor plötzlich fantechnisch ein Auswärtsspiel
zu haben. Diese Vermutung ließ sich in der Woche vor dem Spiel noch
untermauern: plötzlich griffen die Preußen ganz tief in die
Trickkiste, jeder Dauerkartenbesitzer konnte einen Fan zusätzlich
bei freiem Eintritt mitbringen, jeder Zuschauer, der im Preußen-Trikot
auflief, erhielt ebenfalls freien Eintritt, und ganze Schulklassen oder
Vereinsmannschaften, die sich bis anderthalb Stunden vor Spielbeginn auf
der Geschäftsstelle meldeten, konnten für den Pauschalpreis
von 20 Euro ins Stadion, unabhängig von der zahlenmäßigen
Stärke der jeweiligen Gruppe.
Dann wurde am Samstag vor dem Spiel noch bekannt, dass sich Unbekannte
mal den Gästeblock vorgenommen und dort alle Wellenbrecher mit einer
nicht näher definierten Substanz eingeschmiert hatten. Dies erwies
sich als wahr, und wie gesagt, es war 24 Stunden vor dem Spiel bekannt.
Reaktion des Vereins Preußen Münster: exakt null. Man wollte
also unbedingt ein richtiges Heimspiel, und wenn man dafür
die gegnerischen Fans durch Schikanen wie unglaubliche Spielverlegungs-Begründungen
oder Gästeblöcke, in denen man sich nicht einmal an Wellenbrechern
festhalten konnte, vergraulen muss so what? Wenns hilft,
den Abstieg zu vermeiden, muss man schon mal den Arsch rausholen. Das
hatte man ja schon kurz vor der Winterpause demonstriert, als man den
damaligen Trainer Colin Bell entließ, als er gerade mit einem Hörsturz
krank im Bett lag. Und wer hart gegen sich selbst ist, kann sich das auch
bei anderen leisten, ist schon klar. Auch das Ordnungspersonal auf der
Tribüne und im Innenraum, besonders diejenigen, die die Vorgesetzten
spielen sollten, war ein wenig auf Krawall gebürstet, sodass es rundum
eine wenig entspannte Angelegenheit wurde. Angesichts dieser Außendarstellung
dieses Vereins halte ich es für meine Pflicht, mich bei der Bewacherin
des VIP-Zeltes zu bedanken, die mir ermöglichte, gegen Vorlage einer
Pressekarte dortselbst eine Mannschaftsaufstellung abzuholen: Aber
nur bis zu dem Tisch, auf dem die Aufstellungen liegen, nicht weiter!
Weiter hätte ich mich auch nicht bewegen wollen, vielleicht wäre
mir der Geruch nicht bekommen. Eigentlich unbeschreiblich, aber ich habs
trotzdem versucht.
Da war es nur gut, dass Fortuna zur Deeskalation beitrug und das Spiel
mit 0:2 abschenkte. Preußen-Trainer Hans-Werner Moors, der mal wieder
eine Sperre wegen Schiedsrichterbeleidigung auf der Tribüne absaß,
das gehört bei ihm zum guten Ton, konnte mit dem Ergebnis zufrieden
sein. Mit dem Spiel jedoch nicht. Vor 8.000 Zuschauern an einem milden
Frühlingsabend war Fortuna in der erste Hälfte nämlich
ganz klar tonangebend, den Preußen flatterten gewaltig die Nerven.
Was die an Querschlägern im eigenen Strafraum produzierten, war schon
lustig anzuschauen. Der Preußen-Fan-Block versuchte alles, skandierte
bereits nach 20 Minuten und dem x-ten Aussetzer Aufwachen! Aufwachen!,
und forderte nach einer halben Stunde Wir wolln euch kämpfen
sehn! Nutzte alles nix, Preußen-Torwart Gößling
wurde vom Schiri ebenfalls nach 30 Minuten (!) ermahnt, weil er beim Stande
von 0:0 (!) auf Zeit spielte! Aber Fortuna hatte wohl keine Lust, noch
mehr Öl ins Feuer zu gießen, man spielte relativ unmotiviert
nach vorne und vergab die wenigen Chancen kläglich. Ich glaube, nach
einem 0:1 wären die Preußen auseinander gebrochen. So kamen
sie in der 40. Minute einmal nach vorne, und es stand 1:0. Auf links hatte
Bäumer die Kugel ganz klar mit der Hand mitgenommen, aber der Schiri
hatte wohl noch das Volleyballspiel im Kopf, und da ist so etwas ja erlaubt.
Ergo ließ er das Spiel weiterlaufen, Bäumer flankte, und Tino
Milde nickte völlig freistehend zur Führung ein. Dafür,
dass der so alleine fünf Meter vor dem Tor auftauchte, gab es nun
wirklich keine Entschuldigung mehr, außer vielleicht der Tatsache,
dass dies der erste Ball des Spiels war, der tatsächlich mal in den
Fortuna-Strafraum gelangte. Fortuna hatte sich schlicht einlullen lassen
und bekam nun die Quittung.
Anschließend sorgte sie auch gleich dafür, dass die Zuschauer
nicht durch das Spielgeschehen vom Sonnenbaden abgelenkt wurden, Handspiel
von Lambertz im Strafraum direkt nach der Pause, 51. Minute. Vom Schiri
mal wieder nicht gesehen (wie gesagt, beim Volleyball erlaubt), allerdings
vom Assistenten angezeigt. Kann man geben. Ex-Fortune Pico Niestroj machte
die Kugel zum 2:0 rein und erstickte damit jede wie auch immer von Fortuna-Trainer
Weidemann in der Pause geplante Aufholjagd im Keim. Da anschließend
auf dem Rasen nichts mehr passierte, übten sich die Preußen
wieder darin, nette Gastgeber zu sein: Preußen-Torwart Gößling
verbot seinem Balljungen, ihm ins Aus geschossene Bälle sofort wiederzuholen,
als ihm von anderer Seite dann doch mal erstaunlich schnell so eine Kugel
wieder entgegen flog, drosch er sie Richtung Gästeblock und fluchte
wie ein Kesselflicker, ohne dass es den Schiri interessiert hätte.
Anschließend machte ich noch Bekanntschaft mit einem Herrn Böckmann,
so stand es zumindest auf seinem Preußen-Trikot mit der großen
100, das diese Halboffiziellen alle an jenem Abend trugen (Herr Böckmann
wollte wohl Eintritt sparen), anscheinend eine Art Oberordner, der in
puncto Schikane auch gebrieft war und seinen diesbezüglichen
Job zur vollsten Zufriedenheit erledigte. Ohne näher darauf einzugehen,
möchte ich Herrn Böckmann nur eins sagen: auch Sie sind Oberliga,
viel Spaß dabei!
Wobei es mich nicht wundern würde, wenn die über ein Hintertürchen
doch noch drin bleiben würden, schließlich sind sie am letzten
Spieltag noch 15. geworden, das heißt, wenn es bei irgendeinem Verein
noch Lizenzprobleme für die neue Saison geben würde, wäre
Münster der erste Nachrücker. Und wer so viel Einsatz an allen
Fronten zeigt, der hätte es doch auch verdient, oder? Aber bis das
feststeht, wünsche ich erst mal viel Spaß bei den Spielen gegen
Sportfreunde Lotte und den VfB Hüls. Mal sehen, ob die auch alles
mit sich machen lassen.
Übrigens: der USC Münster verlor am Freitag zuvor in der Damen-Volleyball-Bundesliga
0:3 gegen den Schweriner SC. Größere Zwischenfälle sind
mir nicht bekannt. Man hatte in Münster also mal wieder alles richtig
gemacht. Genutzt hat es beiden Vereinen nichts.
Scheibenschießen
Fünf Tage später war somit Wiedergutmachung angesagt für
das besonders in der zweiten Hälfte ziemlich lustlose Auftreten der
Fortuna in Münster. Da kam der Gegner gerade recht, der Chemnitzer
FC war, wie im vorherigen Artikel von mir bereits vermutet, in der Zwischenzeit
abgestiegen. Leider gab es kein Wiedersehen mit unserem ehemaligen Stürmer
und Entertainer Frank Mayer, der war vom Chemnitzer Trainer in die 2.
Mannschaft geschickt worden, und da die an jenem Wochenende ein Heimspiel
hatten, durfte er nicht mit nach Düsseldorf. Schade eigentlich, ich
hätte ihn gerne noch einmal gesehen, aber wer weiß, vielleicht
taucht er ja schon bald wieder in unseren Gefilden auf, ich kann mir nicht
vorstellen, dass er mit Chemnitz in die Oberliga geht.
In einem abwechslungsreichen Freitagsspiel behielt Fortuna gegen das Schlusslicht
letztlich verdient mit 4:3 die Oberhand. Was sich zunächst zu einem
Debakel für die Gäste hätte entwickeln können, wurde
richtig spannend, weil Fortuna-Stürmer Marcel Podszus - bei der frühen
Führung in der 3. Minute durch Wolf noch genialer Passgeber - in
den ersten 20 Minuten gleich vier Hochkaräter versiebte. Der erste
Chemnitzer Ball, der aufs Fortuna-Tor kam, war auch gleich drin, ein Kopfball
von Baumann nach Ecke Tomoski, anschließend kullerte Marcus Feinbier
einen Freistoß aus 18 m ins Netz, den Torwart Süßner
zu spät sah. Und weil alle so gut drauf waren, erlaubte sich auch
Schiri Otte einen lustigen Scherz und pfiff in der 40. Minute einfach
mal Elfmeter, als Adamu sich erschöpft im Fortuna-Strafraum zu Boden
legte. Eine der größten Lachnummern der Saison, aber was solls
- Kapitän Görke verwandelte zum unverdienten Ausgleich und Pausenstand
von 2:2. Das Schiri-Gespann sorgte dann noch für weitere Lacher,
als der Assistent auf der Westtribünenseite in einem Fall Abseits
winkte, obwohl gleich zwei Chemnitzer hinter Feinbier standen, in einer
anderen Situation das Fähnchen ebenfalls hob, obwohl ein Rückpass
eines Chemnitzers vorlag. Großer Sport. Der Dritte im Bunde, der
bis dahin fehlerfreie Assistent auf der anderen Seite, entschloss sich
dann, sich dies nicht länger antun zu wollen und schied in der Pause
mit Verdacht auf Muskelfaserriss aus. Ein Ersatzmann wurde gesucht und
gefunden: unter den zahlreich angereisten Polizisten befand sich auch
ein Oberliga-Schiri, der bei seinem Einsatzleiter ausgelöst und zum
Dienst an der Linie verpflichtet wurde. Die Pause dauerte daher 15 Minuten
länger, aber es lohnte sich, auch seine Leistung war einwandfrei.
In der 2. Halbzeit spielte Chemnitz dann auch mit, und so ging es munter
hin und her. Lenk erzielte nach einer knappen Stunde Spielzeit die Führung
für Chemnitz, als die grad aufgrund einer Verletzung in Unterzahl
waren, ein tolles Tor. Natürlich darf der niemals so ungehindert
durchs Mittelfeld spazieren, aber der Abschluss, Vollspannstoß aus
16 m halbhoch ins Eck, der hatte was. Allerdings nur für ca. 90 Sekunden,
denn im Gegenzug glich Kopfballungeheuer Wolf nach Freistoß Feinbier
mit seinem zweiten Treffer im Spiel aus. Schließlich sorgte eine
Kopfball-Stafette von Heeren und Böcker, die der Kapitän mit
einer Bogenlampe abschloss, für den letztendlich verdienten Sieg.
Natürlich viel zu viele Gegentore gegen den Tabellenletzten, dafür
aber sehr unterhaltsam. Ein netter Abend! Dies sah auch Gästetrainer
Müller so, dem das Spiel ganz gut gefallen hatte, auch wenn er seiner
Abwehr für die erste Halbzeit das Prädikat Das ist halt
Oberliga! verlieh. Ein sympathischer Mann, dessen doch sehr ausgeprägter
sächsischer Dialekt sowie die beharrliche Bezeichnung seiner Stadt
als Karl-Marx-Stadt (in der Ansprache an Fortuna-Trainer Weidemann
gegen den er früher oft gespielt hat, Weidemann stammt ja aus Erfurt)
an frühere Zeiten denken ließ. Alles in allem ein harmloses
Spiel, das mit viel Abwechslung das Herz erfreute. Gerne mehr davon!
Nur Sieger auf dem Platz
Bitte schön, machen wir doch! Wir werden um unser Leben laufen!,
sagte - nicht Fortuna-Coach Uwe Weidemann, sondern Jena-Trainer Heiko
Weber vor dem Spiel. Sie wollten unbedingt den einen noch nötigen
Punkt zum Aufstieg holen. Klappte nicht, Fortuna siegte in einem flotten
Spiel 3:2 bei Carl Zeiss Jena, aber die Gastgeber stiegen durch die gleichzeitige
Niederlage des VfB Lübeck in Kiel trotzdem auf.
Es war ein Festtag in Jena, die Hütte war voll, über 12.000
Zuschauer bildeten einen prächtigen Rahmen für den Durchmarsch
der Jenenser aus der Ober- in die 2. Liga. Die sind mal wieder der lebende
Beweis, dass man eben nicht auf Teufel komm raus irgendwelche Stars verpflichten
muss, um Erfolg zu haben, eine sehr gut eingespielte Truppe mit quasi
blindem Verständnis reicht schon, wobei natürlich auch eine
gewisse fußballerische Qualität vorhanden sein sollte. Und
die war in der Tat vorhanden: vor dem Fortuna-Spiel hatte Jena im gesamten
Jahr 2006 noch nicht verloren und vor dem ersten Fortuna-Treffer über
700 Minuten kein Gegentor kassiert. Und wer solch souveräne Serien
hinlegt, der steigt verdient auf.
Nun, wir waren zwar zum Gratulieren gekommen, allerdings erst nach Spielende.
Was die Fortuna im letzten Jahr geschafft hatte, nämlich dem VfB
Lübeck in dessen letzten Heimspiel noch den Aufstieg zu vermiesen,
wollte man auch diesmal zumindest versuchen. In der ersten Halbzeit des
abwechslungsreichen Spiels waren zunächst die Freistoß-Strategen
am Zug: Feinbier semmelte die Kugel aus 20 m halbhoch ins rechte Ecke,
Jenas Kapitän Ziegner glich mit einem Schlenzer aus 16 m aus. Zu
Beginn der 2. Halbzeit legte Fortuna gegen zeitweise sehr nervöse
Gastgeber wieder vor, Podszus überwand Torwart Person, nachdem er
im Strafraum zwei Abwehrspieler schön hatte ins Leere laufen lassen.
Endlich mal wieder ein Tor durch Podszus, man hatte schon Angst, nach
den ganzen Torchancen, die er insbesondere in Leverkusen und gegen Chemnitz
ausgelassen hatte, wüsste er nicht mehr, wo sich das gegnerische
Tor befinden könnte. Jena schlug durch Zimmermann zurück, und
als sich die Thüringer anscheinend schon mit dem Unentschieden anfreundeten,
setzte Fortuna den entscheidenden Konter, den der eingewechselte Ivan
Pusic mit einem schönen Lupfer zum Siegtreffer abschloss. Eine beeindruckende
Leistung der Fortuna, vornehmlich jeweils zu Beginn der beiden Spielhälften
verdient, als man klar dominierte. Jena konnte aber jeweils zurückschlagen,
gab sich dann jedoch wohl zu früh mit dem Punkt zufrieden. Den brauchten
sie dann auch nicht mehr, denn der einzige Verfolger, der VfB Lübeck,
verlor im Holstein-Derby glatt 1:4 in Kiel und war damit auch aus dem
Rennen. Aber ich glaube nicht, dass dies während der Partie eine
Rolle gespielt hat. Den Spielern war nur das Pausenergebnis bekannt, und
das war nur ein 1:0 für Kiel. Jena-Trainer Heiko Weber war nach dem
Spiel auch ungefähr anderthalb Sekunden angesäuert und sagte:
Wir hatten nicht mit einer so starken Fortuna gerechnet. Klar,
wer steigt schon gerne mit der ersten Heimniederlage nach einem halben
Jahr auf? Sieht ja doch etwas doof aus. Aber direkt danach juckte ihn
die Niederlage auch nicht mehr (Die schönste Niederlage der
Vereinsgeschichte!), auch nicht, dass Fortuna das einzige Team der
Liga ist, gegen das sie in beiden Spielen der Saison keinen einzigen Zähler
einfahren konnten. Glückwunsch zum Aufstieg nach Jena, aber auch
ein großes Lob an die Fortuna, die mal wieder Tralala hätte
spielen können, es aber nicht tat. Somit hatte man inmitten der Aufstiegsfeierlichkeiten
im Ernst-Abbe-Sportfeld plötzlich noch die Möglichkeit, am letzten
Spieltag sogar noch am FC St. Pauli vorbeizuziehen und sich Platz 5 der
Abschlusstabelle zu sichern. Wer hätte das noch vor dem 12. Spieltag
(Platz 19) gedacht?
Abschluss, Ausblick, Rückblick, und tschüss alles in
einem
Letzter Aufgalopp der Fortunen vor der Sommerpause, am 27.05.06, im nunmehr
wirklich völlig bedeutungslosen Spiel gegen Holstein Kiel. Und damit
es nicht ganz so langweilig wurde, hatte die Ordnerfraktion bei Fortuna
mal etwas vorbereitet. Die waren in einer Sitzung unter Woche darauf hingewiesen
worden, dass ab jetzt der Sicherheitsstandard der WM zu gelten habe. Und
das wurde dann mal ordentlich durchgezogen. Es wurden zum Teil Regenschirme
von Besuchern im unüberdachten Teil des Stadions einkassiert, könnten
ja als Waffe missbraucht werden, auch vor der Inspektion von Schlüsseln
und Kleingeld (!) wurde nicht halt gemacht, könnten ja als Wurfgeschosse
Verwendung finden. Die Krönung war die gnadenlose Arrestierung eines
Brötchens, das von irgendso einem Hooligan in den Block geschmuggelt
werden sollte. Begründung auch hier: Wurfgeschossgefahr! Jemand im
Internet-Forum der Fortuna schrieb anschließend, dies sei nicht
unberechtigt, schließlich könne so ein Brötchen als Tarnung
für Boden-Luft-Raketen verwendet werden. Und wenn bei Fortuna schon
mit Brötchen geworfen wird, dann soll wenigstens der Caterer etwas
davon haben, schließlich kann man die Gegenstände,
getarnt als Frikadellenbrötchen, an jedem Verpflegungsstand im Stadion
zu zwei Euro Kaufkraft erwerben. Also mal ehrlich: wenn das WM-Standards
sind, dann freue ich mich jetzt schon darauf, am 13.06. in Frankfurt,
zum Spiel Südkorea-Togo, nackt in die Arena einmarschieren zu dürfen.
Sollte ich mir dort keine Lungenentzündung holen, würde ich
das Schauspiel dann zwei Tage später in Hamburg wiederholen. Spätestens
das wird mich dann ausknocken. Alberner geht wohl nicht.
Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch: Fortuna putzte Holstein
Kiel mit 3:0. Wurde auch langsam Zeit: seit 1935 (!) hatte man kein Pflichtspiel
gegen Kiel mehr gewinnen können. Da traf es sich gut, dass die Störche
am letzten Spieltag zu einem lockeren Trainingsspiel anreisten, denn ihre
Aufstiegschance hatten sie bereits vor einigen Wochen verspielt. Das Team
von Trainer Frank Neubarth agierte denn auch auffallend lustlos und ermöglichte
der Fortuna einen ungefährdeten 3:0-Sieg, wobei sich auch die Heimmannschaft
zurückhalten konnte, voller Einsatz war nicht mehr gefragt. Andy
Lambertz und Marcus Feinbier schossen die Gäste relativ problemlos
ab, es waren Lambertz' erster Doppelpack in Fortunas Erster Mannschaft
und Feinbiers 15. Saisontor. Da wie erwartet auch der FC St. Pauli keine
Lust mehr hatte, gegen eine Zweitvertretung noch einmal alles zu geben,
da kann es tausendmal die des HSV sein, spielte man am Millerntor nur
1:1 und überließ Fortuna mit 63 Punkten Platz 5 der Abschlusstabelle,
verdienter Lohn für eine engagierte Rückrunde.
Fortuna wird, wie gesagt, Fünfter, mit 63 Punkten und 62:47 Toren.
An den nackten Zahlen kann man sehr gut ablesen, woran es gelegen hat,
dass es in dieser Saison nicht noch höher hinausging: an der Abwehr
und an den Auswärtsspielen. 62 eigene Treffer sind der drittbeste
Sturm der Liga, nur RW Essen und Holstein Kiel waren erfolgreicher (okay,
eigentlich nur 61, im Hinspiel gegen Emden schoss man nur ein Tor, das
Spiel wurde aber mit 2:0 Toren gewertet; aber auch mit 61 Treffern wäre
man in der diesbezüglichen Statistik auf Platz 3, also egal). Beste
Torschützen bei Fortuna waren Marcus Feinbier mit 15 und Marcel Podszus
mit 14 Treffern, gemeinsam bilden sie das torgefährlichste Sturm-Duo
der Liga. Das kann sich alles sehen lassen. Dagegen steht man mit 47 Gegentoren
gerade mal auf Platz 9 der Abwehr-Wertung. Dasselbe bei der Heim-/Auswärtsbilanz:
zuhause wurden nach den beiden Auftaktniederlagen gegen Osnabrück
und Essen nur noch ganze vier Zähler abgegeben, verloren wurde überhaupt
nicht mehr Platz 3 in der Heimtabelle. Das Ausweichstadion Flinger
Broich erwies sich dabei als uneinnehmbare Festung: vier Spiele, vier
Siege, 11:4 Tore. Vielleicht könnte in der Arena ja demnächst
mal öfter eine lustige Veranstaltung stattfinden. Auswärts hingegen
sicherte man sich zwar noch Platz 5, allerdings mit 13 Punkten Rückstand
auf den diesbezüglichen Klassenprimus Jena (36/23).
In die 2. Liga aufgestiegen sind RW Essen und Carl Zeiss Jena, in die
jeweiligen Oberligen zurück müssen der Chemnitzer FC, der 1.
FC Köln II, RW Oberhausen, die SG Wattenscheid 09 sowie Preußen
Münster. Sollte es noch Lizenzentzüge anderer Teams geben, würden
diese Vereine in umgekehrter Reihenfolge davon profitieren, d.h. Münster
wäre die erste Mannschaft, die trotz Abstiegs noch drin bleiben würde,
dann Wattenscheid usw. Wäre aber mal nett, wenn die Saison tatsächlich
beendet wäre und nicht wieder über den Grünen Tisch verlängert
werden müsste (wie im letzten Jahr z.B. durch den Lizenzentzug für
Uerdingen).
Aus der 2. Liga kommt zumindest Ahlen, Dynamo Dresden und die Sportfreunde
Siegen wären auch noch möglich. Da jedoch der alte Traditionsverein
KSV Hessen Kassel endlich wieder den Aufstieg in die Regionalliga geschafft
hat, und die geographisch um einiges nördlicher liegen als die beiden
vorgenannten Vereinen, darf noch ein wenig gerätselt werden, wer
denn nun in die Nord- und wer in die Südgruppe kommt. Der DFB wollte
dies nämlich eigentlich zur neuen Saison eben nach geographischen
Gesichtspunkten entscheiden und nicht nach Zugehörigkeit zum Landesverband.
Letzteres würde z.B. für Kassel automatisch die Zugehörigkeit
zur Regionalliga Süd nach sich ziehen, da die aus dem Fußballverband
Hessen kommen und dieser wiederum zur Südgruppe gehört. Da der
DFB aber gewiss nicht mit einer solchen Ansammlung geographischer Grenzgänger
gerechnet hat (Kassel, Siegen, Dresden), darf man gespannt sein, wie das
Problem gelöst wird. Der DFB hat bereits den Termin 12.06. genannt,
bis zu diesem Tag müssen alle Unterlagen aller Vereine vorliegen,
damit entschieden werden kann, wer überhaupt Regionalliga spielen
darf in der nächsten Saison. Erst dann wird über die Liga-Zugehörigkeit
entschieden.
Dass Zweitliga-Absteiger nicht unbedingt Favoriten in der neuen Saison
sein müssen, hat man in dieser Spielzeit eindrucksvoll gesehen. Okay,
RW Essen riskierte alles, stellte einen Mörder-Etat und eine absolut
zweitligataugliche Truppe auf und schaffte die direkte Rückkehr.
Man hatte sogar noch Kleingeld übrig, um in der Winterpause Arie
van Lent und Daniel Stefulj zu verpflichten. Allein diese beiden Transfers
zeigen jedoch, wie sehr denen noch zu Beginn des Jahres der Arsch auf
Grundeis ging, sie könnten es nicht schaffen. Dann wäre es in
der nächsten Regionalliga-Saison nämlich finanziell sehr eng
geworden für die Rot-Weißen. Aber sie haben es ja gepackt.
Die anderen drei Absteiger aus der 2. Liga demonstrieren hingegen ihren
Fans, dass es immer noch schlechter geht. RW Erfurt fing ganz ordentlich
an, sackte dann aber stark ab und schaffte den Klassenerhalt nur aufgrund
der um vier Tore besseren Tordifferenz gegenüber den punktgleichen
Münsteranern. RW Oberhausen war dieses Glück nicht vergönnt,
am Ende fehlten drei Punkte zum Klassenerhalt, der schwächste Sturm
der Liga gab den Ausschlag, mit nur 30 erzielten Treffern schaffte man
den Durchmarsch in die Oberliga. Selbiges widerfuhr in der Südgruppe
Eintracht Trier, denen am Ende sogar vier Zähler fehlten. Daher sollten
sich auch die neuen Absteiger nicht allzu sicher sein, sofort wieder oben
mitzumischen oder automatisch ein Jährchen ruhige Konsolidierung
im Mittelfeld schieben zu können. Das kann ganz schnell anders ausgehen,
Nachfrage in Oberhausen und Trier genügt.
Aufsteigen in die Nord werden auf jeden Fall der SV Wilhelmshaven (es
sei denn, er hat seine Lizenzunterlagen beim DFB wieder mal per Fax eingereicht...*kicher*),
der 1.FC Magdeburg, Union Berlin und endlich mal wieder zwei Zweitvertretungen,
die aus Mönchengladbach und Dortmund. Hurra, endlich wieder vor 2.000
Zuschauern im Westfalenstadion spielen. Ich freu mich drauf...
Dies soll als kurzer Überblick über die Saison genügen.
Es bleibt die Hoffnung, dass Fortuna eventuell in der Saison wieder oben
mitmischen kann. Aktuell (Stand: 27.05.06) wird wohl tatsächlich
niemand aus der Stammelf den Verein verlassen, ein für Fortuna nahezu
unbekannter Vorgang, wenn es denn so bleibt! Bereits neu verpflichtet
wurden für das Mittelfeld Claus Costa vom VfL Bochum II und für
die Abwehr Robert Palikuca vom FC St. Pauli, sowie für das Tor Kenneth
Kronholm von Wormatia Worms. Da derzeit mit einer weiteren Etateinschränkung
für die kommende Saison zu rechnen ist, wird wohl nicht viel gehen,
was weitere Neuverpflichtungen betrifft. Aber vielleicht kommt in den
nächsten Wochen ja noch der ein oder andere Sponsor aus der Höhle.
Zumindest im Sturm dürfte es gerne noch etwas mehr sein, denn das
z.B. ein Marcus Feinbier, der wie am Fließband trifft oder Tore
vorbereitet, auch die nächste Saison dermaßen unverletzt übersteht
wie die abgelaufene Spielzeit, darf mal getrost bezweifelt werden. Handlungsbedarf
wäre in jedem Mannschaftsteil gegeben, mal sehen, ob noch etwas möglich
ist.
Schließen möchte ich die Saison mit meinen persönlichen
Highlights der Fortuna. Die Auswahl ist natürlich rein subjektiv
und erhebt niemals den Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit,
deshalb ist sie ja auch persönlich. Was wird mir also
von dieser Saison im Gedächtnis bleiben? Einfach nur eine Auswahl
an Stichpunkten für den hoffentlich interessierten Leser:
Sauna: mein erstes Sauna-Spiel! 1. Spieltag, Freitagabend, Heimspiel gegen
den VfL Osnabrück. Schwüles Wetter, anderthalb Stunden vor dem
Spiel Unwetterwarnung mit prognostizierten 70 Liter Regen auf den Quadratmeter.
Nach Rücksprache mit dem Schiri wird das Dach der Arena geschlossen.
Im Inneren klettern die Temperaturen während des Spiels an manchen
Stellen auf fast 40 Grad. Draußen regnet es natürlich nicht,
der große Wolkenbruch kommt erst nach dem Spiel beim Abmarsch auf
dem Parkplatz. Passend zum Ergebnis: 1:2 verloren.
Tennis-Arm: 4. Spieltag, Fortuna beeindruckt mit der schlechtesten Saisonleistung,
verliert 1:2 beim 1.FC Köln II. Kurz vor Schluss Rudelbildung, wilde
Handgemenge, ein Kopfstoß, ein kaputtes Nasenbein. Anschließend
beweist der Schiri Durchblick, zeigt binnen Sekunden Ali Albertz Rot und
zwei Kölner Gelb/Rot. Die Karten wedeln nur so durch die Luft, endlich
ist Platz auf dem Spielfeld und auch der Schiri übersteht die Situation
ohne Zerrung im rechten Arm. Das nenn ich mal wirtschaftliches Handeln!
Hertha BSC II: Ja, auch eine dieser langweiligen II-Mannschaften kriegt
eine eigene Erwähnung, ich bin fair! Und das gleich in drei Kategorien!
Lieblingsgegner: in zwei Jahren vier Spiele gegen Hertha II kein
Gegentor (2:0, 0:0, 3:0, 1:0). Find ich okay. Fortsetzung erwünscht!
Kuriosestes Tor: im Hinspiel in Berlin verwandelt Tim Kruse eine Ecke
direkt. Ein Kunstschuss gegen den vorderen Innen(!)pfosten und durch die
Beine von Torwart Stuhr-Ellegaard. Sein Glück: ausgerechnet bei diesem
Spiel ist keine einzige Fernsehkamera im Stadion. Prompt darf der Mann
in der nächsten Saison bei den Profis auf der Bank sitzen.
Tor fürs Guinness-Buch: selber Tag, selber Ort, selbes Spiel:
13 Sekunden nach Wiederanpfiff erzielt Marcus Feinbier das vorentscheidende
2:0 für Fortuna. Und das, obwohl bis dahin niemand geglaubt hätte,
dass der so schnell nach vorne laufen kann! Auch aus diesem Grund eine
erinnerungswürdige Aktion!
Kickers Emden: sympathischer Aufsteiger, dessen Präsidium vor Saisonbeginn
mal locker einen einstelligen Tabellenplatz als realistisches Ziel ausgab
sie wurden tatsächlich Neunter, Glückwunsch hierzu. Zwei
besondere Kuriositäten prägten unsere Spiele gegen die Ostfriesen:
im Hinspiel schaute der Emder Spieler und Torschütze Falk Schindler
etwas zu tief ins Haarwuchsmittel, weshalb wir die Punkte bekamen; im
Rückspiel verhinderte Fortuna-Torwart Deuß einen weiteren Eintrag
ins Fortuna-Guinness-Buch, allerdings einen der Sorte, die man dort nicht
unbedingt sehen will: er verhinderte das schnellste Gegentor der Vereinsgeschichte,
als er nach 8 (!) Sekunden gegen Grgic parierte, der völlig frei
vor ihm auftauchte. Danke, Pat, das sind verpasste Rekorde, die ich gern
vergesse!
Die besten Spiele: in dieser Reihenfolge:
Fortuna Carl Zeiss Jena 3:1
St. Pauli Fortuna 1:1
Holstein Kiel Fortuna 3:3
Letzteres wird auch mein persönliches Spiel der Saison: 11 Stunden
Anfahrt, weil im Münsterland plötzlich der Winter ausbricht,
eine tolle Leistung beim damaligen Spitzenreiter trotz unglücklichem
Ausgleich in der 96. (!) Minute, ein schönes Wochenende in Kiel und
eine Heimfahrt, die nur noch 5 Stunden dauert, vorbei an stromlosen Münsterländern
und umgeknickten Masten. So etwas kann man schlichteren Gemütern
auch als Event-Wochenende verkaufen, wenn man sie mal aus ihrem premiere-Fernsehsessel
hochbekommen würde! Dabei war es nur Fußball...
Und, und, und...diese Liste ließe sich wohl beliebig fortsetzen,
und jeder wird sie mit einem anderen Detail ergänzen können.
Aber ich wollte es ja nicht allzu lang machen.
v Deshalb ist jetzt auch Schluss. Ich warte jetzt schon auf den Spielplan
zur neuen Saison. Schön, wenn da zwischendurch eine vierwöchige
Werbemaßnahme das Warten verkürzt, weil zwischendrin auch Fußball
gezeigt wird. Was will man mehr? Ich sage absichtlich nicht Auf
Wiedersehen oder Bis bald, ich weiß, es ist jedes
Jahr dasselbe. Aber es stimmt nun mal. Well see.
Ihr wart ein ganz wundervolles Publikum, sagt mal wieder: janus
Das Wort ist der Mantel, in dem der Sinn schweigend auf seine Enthüllung
wartet.
Goethes Erben
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