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19.9.2005. Nordpark Gladbach-Werder
2 : 1
Voller Vorfreude auf
den Tabellenzweiten von der Weser und auf einen Auswärtssieg spekulierend
machen mein Vater, Thorsten und ich uns auf den Weg in den Nordpark. Wir
bekommen noch Tickets für die Werder-Fankurve, 40.000 Zuschauer, prima
Atmosphäre, Flutlichtspiel! Bei Werder sind alle Mann an Bord, lediglich
Schulz musste nach seinen zuletzt indisponierten Auftritten auf der linken
Abwehrseite dem Belgier van Damme weichen. Besonders gespannt sind wir
natürlich auf den K & K-Sturm und die Vorstellung von Johann "Le Chef"
Micoud. Um es gleich vorweg zu nehmen: so ein kurioses Spiel habe ich
noch nie gesehen!
Werder schaltet nach wenigen Minuten den "Turbo" ein und entfaltet einen
Riesendruck aufs Gladbacher Gehäuse. Herrlich lassen sie den Ball durch
die Reihen laufen. Enorm ballsicher, viele Doppelpässe, die Gladbacher
werden schwindlig gespielt, sie kommen überhaupt nicht ins Spiel.
Angriff auf Angriff rollt auf Casey Keller zu. Schon in der 5. Minute
müsste es eigentlich klingeln: Micoud herrlich geschickt von Klasnic,
er läuft allein auf Keller zu und hebt den Ball elegant ... auf das Tornetz!
7. Minute: diesmal nimmt Klose Kurs auf das Gladbacher Gehäuse, den macht
er normalerweise im Schlaf, aber er schießt Keller an! In den nächsten
Minuten drei Eckbälle für Werder, alle gefährlich, Andreasen köpft das
Spielgerät nur Zentimeter am Tor vorbei. Von den Gladbachern ist überhaupt
nichts zu sehen, sie stehen nur wie die Slalomstangen rum, einmal gelingt
ihnen ein Konter, heraus springt aber nur ein kläglicher Torschussversuch.
Dann in der 23. Minute endlich das längst fällige 0:1: Wieder ein schön
hereingetretener Eckball vom überragend aufspielenden Frings, van Damme,
der im übrigen eine sehr solide erste Halbzeit spielt, steht 5 Meter in
der Luft und rammt die Kugel in den rechten Winkel: Keller chancenlos.
Na endlich! freuen wir uns: der Bann ist gebrochen! Doch zu früh gefreut,
das Gladbacher Tor ist wie vernagelt, ist es Pech oder Unvermögen, dass
einfach kein zweiter Treffer fallen will? Die Gladbacher haben noch eine
Chance kurz vor der Halbzeit, als nach einem Freistoß und anschließendem
Gewühl der Ball auf einmal Kahe vor die Füße kullert, der sofort abzieht,
doch Reinke kann parieren.
Mein Vater macht sich Sorgen wegen der ausgelassenen Chancen, ich beruhige
ihn, denn nach so einer Grottenleistung der Gastgeber erscheint es mir
unvorstellbar, dass Werder dieses Spiel noch verlieren kann. So kann man
sich täuschen. Ich weiß nicht, was der Köppel denen in den Pausentee gekippt
hat, jedenfalls kommen die"Fohlen" wesentlich aggressiver und beherzter
aus der Kabine. Es gelingt ihnen, die Werder-Abwehr unter Druck zu setzen,
der Ball kommt am Sechzehner zu Broich, der mit einem feinen Schlenzer
den Ball an den Innenpfosten zirkelt: 1:1. Ich bleibe optimistisch, doch
die Gladbacher wittern Morgenluft, die Bremer Abwehr wirkt dagegen alles
andere als sattelfest. Naldo, van Damme, Owomoyela, in der ersten Halbzeit
noch hervorragend positioniert, zeigen Unsicherheiten. In der 60. Minute
dribbelt sich Marcel Jansen auf der linken Seite durch, spielt das Leder
in den Innenraum, wo allerdings kein Gladbacher zu sehen ist. Doch dann
kommt Baumanns Auftritt: völlig unbedrängt schießt er den Ball in der
Manier eines Stürmers unhaltbar für Reinke ins linke Eck. Unfassbar. WAS
ERLAUBE BAUMANN?? Jetzt ist die Bremer Ordnung völlig dahin, es dauert
Minuten, bis sie wieder zu einem einigermaßen flüssigen Kombinationsspiel
zurückfinden, das allerdings bei weitem nicht das meisterliche Niveau
der ersten Halbzeit erreicht. Hunt wird eingewechselt, die Bremer erarbeiten
sich noch einige Chancen und hätten den Ausgleich erzielen MÜSSEN. Doch
das Tor ist immer noch wie vernagelt. Klasnic hatte zwei gute Chancen,
doch anstatt spektakulär aber aus ungünstiger Position draufzudreschen,
hätte er wohl besser den in der Mitte lauernden Klose bedient. Genauso
Hunt. Die Gladbacher schaffen fast noch das 3:1, weil die Bremer durch
ihr Powerplay der letzten Viertelstunde hinten aufmachen müssen. Dann
ist das Spiel zu Ende. Ein schmeichelhafter Sieg für Gladbach, die Bremer
müssen lernen, aus ihren wahnsinnig vielen Chancen mehr zu machen. Mit
einem 3:0 in der ersten Halbzeit, über das sich die Heimmannschaft nicht
hätte beschweren dürfen, hätten sie den Sack locker zumachen können. Tja:
können!
Treffend fasste nach dem Spiel übrigens Ivan Klasnic das Geschehen zusammen:
"Wir waren einfach nicht eiskalt genug vor dem Tor. Gladbach hatte den
Sieg nicht verdient, aber wir waren zu doof."
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