Gastkommentar von Achim, 18.09.2005

19.9.2005. Nordpark Gladbach-Werder 2 : 1

Voller Vorfreude auf den Tabellenzweiten von der Weser und auf einen Auswärtssieg spekulierend machen mein Vater, Thorsten und ich uns auf den Weg in den Nordpark. Wir bekommen noch Tickets für die Werder-Fankurve, 40.000 Zuschauer, prima Atmosphäre, Flutlichtspiel! Bei Werder sind alle Mann an Bord, lediglich Schulz musste nach seinen zuletzt indisponierten Auftritten auf der linken Abwehrseite dem Belgier van Damme weichen. Besonders gespannt sind wir natürlich auf den K & K-Sturm und die Vorstellung von Johann "Le Chef" Micoud. Um es gleich vorweg zu nehmen: so ein kurioses Spiel habe ich noch nie gesehen!

Werder schaltet nach wenigen Minuten den "Turbo" ein und entfaltet einen Riesendruck aufs Gladbacher Gehäuse. Herrlich lassen sie den Ball durch die Reihen laufen. Enorm ballsicher, viele Doppelpässe, die Gladbacher werden schwindlig gespielt, sie kommen überhaupt nicht ins Spiel.
Angriff auf Angriff rollt auf Casey Keller zu. Schon in der 5. Minute müsste es eigentlich klingeln: Micoud herrlich geschickt von Klasnic, er läuft allein auf Keller zu und hebt den Ball elegant ... auf das Tornetz! 7. Minute: diesmal nimmt Klose Kurs auf das Gladbacher Gehäuse, den macht er normalerweise im Schlaf, aber er schießt Keller an! In den nächsten Minuten drei Eckbälle für Werder, alle gefährlich, Andreasen köpft das Spielgerät nur Zentimeter am Tor vorbei. Von den Gladbachern ist überhaupt nichts zu sehen, sie stehen nur wie die Slalomstangen rum, einmal gelingt ihnen ein Konter, heraus springt aber nur ein kläglicher Torschussversuch. Dann in der 23. Minute endlich das längst fällige 0:1: Wieder ein schön hereingetretener Eckball vom überragend aufspielenden Frings, van Damme, der im übrigen eine sehr solide erste Halbzeit spielt, steht 5 Meter in der Luft und rammt die Kugel in den rechten Winkel: Keller chancenlos. Na endlich! freuen wir uns: der Bann ist gebrochen! Doch zu früh gefreut, das Gladbacher Tor ist wie vernagelt, ist es Pech oder Unvermögen, dass einfach kein zweiter Treffer fallen will? Die Gladbacher haben noch eine Chance kurz vor der Halbzeit, als nach einem Freistoß und anschließendem Gewühl der Ball auf einmal Kahe vor die Füße kullert, der sofort abzieht, doch Reinke kann parieren.

Mein Vater macht sich Sorgen wegen der ausgelassenen Chancen, ich beruhige ihn, denn nach so einer Grottenleistung der Gastgeber erscheint es mir unvorstellbar, dass Werder dieses Spiel noch verlieren kann. So kann man sich täuschen. Ich weiß nicht, was der Köppel denen in den Pausentee gekippt hat, jedenfalls kommen die"Fohlen" wesentlich aggressiver und beherzter aus der Kabine. Es gelingt ihnen, die Werder-Abwehr unter Druck zu setzen, der Ball kommt am Sechzehner zu Broich, der mit einem feinen Schlenzer den Ball an den Innenpfosten zirkelt: 1:1. Ich bleibe optimistisch, doch die Gladbacher wittern Morgenluft, die Bremer Abwehr wirkt dagegen alles andere als sattelfest. Naldo, van Damme, Owomoyela, in der ersten Halbzeit noch hervorragend positioniert, zeigen Unsicherheiten. In der 60. Minute dribbelt sich Marcel Jansen auf der linken Seite durch, spielt das Leder in den Innenraum, wo allerdings kein Gladbacher zu sehen ist. Doch dann kommt Baumanns Auftritt: völlig unbedrängt schießt er den Ball in der Manier eines Stürmers unhaltbar für Reinke ins linke Eck. Unfassbar. WAS ERLAUBE BAUMANN?? Jetzt ist die Bremer Ordnung völlig dahin, es dauert Minuten, bis sie wieder zu einem einigermaßen flüssigen Kombinationsspiel zurückfinden, das allerdings bei weitem nicht das meisterliche Niveau der ersten Halbzeit erreicht. Hunt wird eingewechselt, die Bremer erarbeiten sich noch einige Chancen und hätten den Ausgleich erzielen MÜSSEN. Doch das Tor ist immer noch wie vernagelt. Klasnic hatte zwei gute Chancen, doch anstatt spektakulär aber aus ungünstiger Position draufzudreschen, hätte er wohl besser den in der Mitte lauernden Klose bedient. Genauso Hunt. Die Gladbacher schaffen fast noch das 3:1, weil die Bremer durch ihr Powerplay der letzten Viertelstunde hinten aufmachen müssen. Dann ist das Spiel zu Ende. Ein schmeichelhafter Sieg für Gladbach, die Bremer müssen lernen, aus ihren wahnsinnig vielen Chancen mehr zu machen. Mit einem 3:0 in der ersten Halbzeit, über das sich die Heimmannschaft nicht hätte beschweren dürfen, hätten sie den Sack locker zumachen können. Tja: können!

Treffend fasste nach dem Spiel übrigens Ivan Klasnic das Geschehen zusammen: "Wir waren einfach nicht eiskalt genug vor dem Tor. Gladbach hatte den Sieg nicht verdient, aber wir waren zu doof."