Gastkommentar von Achim, 18.02.2006

BVB – Werder 0 : 1, Signal-Iduna-Park, 75.000 Zuschauer

Das Stadion nicht ausverkauft – wahrscheinlich wegen des wirklich beschissenen Wetters: Dauerregen und Temperaturen knapp über 0 C°. Dessen ungeachtet ein stürmischer Beginn des Tabellendritten, der von der ersten Minute loslegt wie die Feuerwehr. Der BVB wird in den ersten 20 Minuten in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Angetrieben vom überragenden Frings kombiniert das Bremer Mittelfeld nach Belieben und souverän den Ball in die Spitze, wo Valdez und der noch von einer Erkältung geschwächte Ivan Klasnic ihr Glück versuchen. Heraus springen ein Eckenverhältnis von 5:0 und drei Großchancen, die beste vergibt Valdez, der auf Weidenfeller zulaufend diesen ebenso geschickt überlupft wie das Gehäuse. Bei einem weiteren Versuch übersieht der notorisch eigennützige Valdez den besser postierten Klasnic, Weidenfeller kann sein Geschoss gerade noch entschärfen. Der BVB erwacht in der Mitte der ersten Halbzeit aus seinem Dornröschenschlaf, kommt dann aber gleich mehrfach gefährlich vor das Bremer Tor. Gambino taucht frei vor Wiese auf, doch sein Lupfer ist zu harmlos. Fahrenhorst kann eine Hereingabe vom pfeilschnellen Odonkor gerade noch vor dem einschussbereiten Smolarek wegspitzeln, Kringe trifft nach einer Ecke nur den Innenpfosten. Im Gegegnzug macht es Werder besser: Valdez verstolpert ein Zuspiel von Owomoyela, überlässt dem heranbrausenden Klasnic die Kugel, der aus halbrechter Position von der Strafraumgrenze trocken abzieht und die Führung herstellt (37. Minute). Eine sehr muntere und abwechslungsreiche Partei, die Führung zu diesem Zeitpunkt zwar etwas überraschend, weil Dortmund gerade am Drücker war, aber insgesamt nicht unverdient.

In der zweiten Halbzeit lassen es beide Teams zunächst gemächlich angehen, dann aber geht der BVB entschlossener zu Werke und versucht immer wieder, den Bremer Abwehrriegel über die rechte Außenbahn zu knacken, wo Schulz gegen den quirligen Odonkor denkbar alt aussieht – der Junge ist einfach zu schnell für Schulz. Die Dortmunder erarbeiten sich einige gute Chancen, doch der überzeugende Wiese, der ein weiteres Mal Glück hat bei einem Pfostenschuss von Odonkor (63. Minute), hält sicher und lässt sich nach dem Spiel zurecht von den Fans feiern – mit seiner ansprechenden Leistung ist der stets gegelte Edelproll aus Kölle bei den Bremer Fans angekommen. Bremer Offensivbemühungen gibt es kaum noch. Das in Halbzeit eins noch überragende Mittelfeld hat den Schongang eingelegt, Borowski und Micoud sind auf Tauchstation gegangen, lassen nur noch sehr sporadisch ihr Können aufblitzen (während Borowski wenigstens in der ersten Halbzeit noch eine prima Leistung gebracht hatte, schob sich "Le Chef" fast die ganze Partei mit aufreizendem Phlegma über den Rasen und erinnerte mich dabei sehr an den immer mal wieder bummelstreikenden Sergej Barbarez). Trainer Schaaf holt den erschöpften Klasnic, der gegen den souverän verteidigenden Wörns kaum Land gesehen hat, vom Feld und stärkt mit Vranjes die Defensivabteilung. Die Bremer können das 1:0 über die Bühne schaukeln, zum einen, weil die Chancenauswertung des BVB echt mies ist, zum anderen, weil die Borussen gefühlte 54mal in die Bremer Abseitsfalle gelaufen sind. Ob man bei der Bremer Abwehr von einem „Riegel“ oder doch eher von einem „Torso“ sprechen sollte – ich tendiere eher zum letzteren. Die Abseitsfalle funktioniert zwar fast tadellos, hier also eine deutliche Verbesserung, auch haben sich alle Abwehrspieler durch gelungene Einzelaktionen auszeichnen können – dennoch tauchte der BVB viel zu oft aussichtsreich vor dem Bremer Tor auf und hätte eigentlich den Ausgleich erzielen MÜSSEN. In der Champions League kommen sie damit nicht durch – die Idealbesetzung der Abwehr hat Trainer Schaaf noch immer nicht gefunden.