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15.4.2006
MSV-HSV: 0 : 2
Bin das erste Mal in
der neuen Arena von Duisburg, nettes Stadion, 28.000 Leute sind gekommen,
um den zukünftigen Champions-League-Teilnehmer zu sehen. Vor dem
Anpfiff erfahre ich, dass Van der Vaart nicht spielen wird - Knöchelverletzung,
schade, auf den hatten mein Vater und ich uns besonders gefreut. Zumal:
ohne ihn hat der HSV noch kein Auswärtsspiel gewonnen. Dafür
sind Barbarez und vor allem: AAAAAAAIIIILTON mit von der Partie.
Den Ton geben allerdings zunächst die künftig in Liga zwei kickenden
Westwestfalen an. Sie entfalten einen gehörigen Druck und belagern
den Hamburger Strafraum. Nach einer Viertelstunde steht es nach Ecken
5:1! Der HSV kommt kaum über die Mittellinie, allerdings kann man
kaum von ernsthaften Chancen der Heimmannschaft berichten. Erschreckend
harmlos ihre Angriffsbemühungen, die Hamburger Abwehr um Bouhlaruz,
Reinhardt, Mahdavikia und Atouba haut fast alles raus, Kirsche
wird nicht ernsthaft geprüft, weil Chancentod Lavric seinem Namen
wieder einmal alle Ehre macht. Atouba zeigt seinem Gegenspieler schon
bei seinem ersten Ballkontakt mit einem wagemutigen Dreifachdribbler seine
fußballerischen Grenzen auf. Irgendwann geht das mal schief, soviel
steht fest. In der 20. Minute kombinieren sich die Norddeutschen zum ersten
Mal vielversprechend nach vorne. Kurze Ecke, Atouba flankt scharf rein
und erzwingt gleichsam das Eigentor von Duisburgs Möhrle Pech
für ihn, eine etwas schmeichelhafte Führung. Die Duisburger
haben durch das Tor ihren Schwung verloren, das Spiel wird kampfbetonter,
es kommt zu einigen Nickligkeiten, wobei vor allem Jarolim, der ungerechterweise
ohne gelbe Karte bleibt, und de Jong herausstechen. Der Typ wird in der
Liga nicht alt, wenn er so weiter macht, wieder einmal haarscharf an der
Arschkarte vorbei, er ist mit Gelb bestens bedient. In der 30. Minute
die schönste Szene des gesamten Spiels: Demel luchst im Mittelfeld
den Ball dem Gegner ab, lässt diesen mit einem Übersteiger ins
Leere laufen und schiebt die Pille zu Barbarez. Der sieht geistesgegenwärtig,
dass der Kugelblitz Fahrt aufgenommen hat und schickt diesen
mit einem Traumpass auf die Reise. Der Rest ist Formsache. Ailton flitzt
Richtung Strafraum und besitzt noch die Frechheit, den Ball unter dem
herausstürzenden Koch hindurch zu schießen. Kalte Dusche: 0:2!
Die Duisburger Fans verstehen die Welt nicht mehr, denn das Ergebnis entspricht
sicher nicht dem Spielverlauf, die Hamburger sind einfach immens abgezockt.
Nur wenig später hätte sich der MSV sogar über ein 0:3
nicht beschweren können, nur ist halt Trochowski nicht der Kugelblitz
und so streicht sein ebenfalls nach sehenswerter Kombination abgezogener
Schuss knapp an Kochs Gehäuse vorbei.
Wer in der zweiten Halbzeit eine brutale Aufholjagd der Hausherren erwartet
hatte, sieht sich bald getäuscht. Der Wille ist deutlich zu sehen,
aber ebenso das spielerische Unvermögen. Die Hamburger hingegen schalten
zwei Gänge zurück, ihnen genügt offensichtlich das 2:0,
sie verwalten das Ergebnis, wie man so schön sagt. Mir ists
recht, auch wenn ich gerne noch mehr Tore gesehen hätte. Völlig
ungefährdet fährt der HSV seinen zehnten Auswärtssieg der
Saison ein. Ailton hat wieder einmal ein überzeugendes Argument für
einen festen Vertrag geliefert, Barbarez muss eigentlich gehalten werden,
die beiden bilden trotz ihres Alters ein kongeniales Duo. Die überlisten
auch noch mit 40 die ein oder andere Abwehr. Nachher in der Sportschau
ärgere ich mich noch ein bisschen über die unverfrorenen und
abenteuerlichen Kommentare des ARD-Chef-Komikers Steffen Simon, aber was
solls. Bald kann man wieder HSV-Spiele auf einem anderen Kanal und
in voller Länge verfolgen.
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