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4.11.2006. Reichshauptstadt.
Hertha gegen den Club (2:1)
Das erste Mal Berliner Olympiastadion bin auf Besuch bei meinem
Kumpel Alex, der aus Franken stammt und begeisterter Anhänger des
Clubs ist. Seit Mayer dort als Trainer arbeitet, ist er Zeuge ungeahnter
Höhenflüge geworden, entsprechend optimistisch machen wir uns
auf die Reise in den weiten Westen der Reichshauptstadt, gewappnet mit
2 Kannen original-Hetzelsdorfer aus seiner fränkischen Heimat. Die
Anti-Nazi-Kontrollen passieren wir ebenso problemlos wie die übrigen
41.000 Zuschauer. In meiner Manager-Mannschaft spielen drei Nürnberger
keine Frage, welchem Team meine Sympathien gelten. Das Stadion
ist beeindruckend, auch wenn die Arno-Breker-Figuren am Eingang etwas
gewöhnungsbedürftig sind. Na ja, solange sie beim Einzug der
Mannschaften nicht Wagner einspielen, will ich mal nichts sagen. Gut erkennbar
auch die ehemalige Loge des Führers, die derselbe weiland wutentbrannt
verließ, als Jesse Owens vor Millionen Zeugen die Rassentheorie
widerlegte. Die (Sitzplatz)Tickets kosten 15 Jojos sehr human (allerdings
steht die Club-Kurve während des ganzen Spiels).
Beim Club sind keine Verletzten zu beklagen, bei Hertha fehlt Bastürk.
Das Spiel beginnt und plätschert unterhaltsam vor sich hin, wenn
auch ohne große Höhepunkte. Nürnberg eher vorsichtig,
Hertha dagegen bemüht zu zeigen, wer Herr im Haus ist. Der Abwehrverband
des Clubs um Beauchamp und vor allem Glauber wirkt sehr souverän;
die Berliner Angriffsbemühungen werden zumeist lässig pariert,
gleichwohl hapert es am geistreichen Spielaufbau. Es dauert geschlagene
20 Minuten, ehe endlich einmal Vittek die Kugel aufs Berliner Gehäuse
schießt und somit Fiedler zu seiner ersten wirklichen Ballberührung
verhilft. Hertha ist gefährlicher, allen voran Pantelic, dessen großer
Auftritt in der 29. Minute kommt: Gilberto bricht durch die Gasse und
rennt alleine auf Schäfer zu. Der kann geschickt abwehren, der Ball
trudelt zurück, Pantelic fackelt nicht lange und nagelt die Pille
mit dem Außenrisst (!!) in den Winkel. Sensationell! Die Führung
ist nicht unverdient, der Club nach wie vor zu ideenlos, Polak ist überhaupt
nicht zu sehen, Vittek und Saenko bekommen kaum Bälle, Galasek tändelt
irgendwo im Niemandsland herum. Kurz vor der Pause noch eine gefährliche
Flanke von Saenko von rechts auf Mintal, der aber im Eifer des Gefechts
die Kugel mit Fiedlers Kopf verwechselt (mit schmerzhaften Folgen für
den unsympathischen Herthaner Keeper) und vom guten Schiri Meyer zurückgepfiffen
wird. Da geht mehr, meint Alex, der sich vor allem über die pomadig
bis lustlos aufspielenden Polak und Saenko aufregt.
Denkt sich auch Mayer, der Polak gegen Banovic austauscht und damit ein
gutes Händchen beweist. 48. Minute: Sehenswerter Steilpass von Vittek,
Banovic schießt erst Fiedler an, köpft den Abpraller aber über
die Linie: der Ausgleich! Riesenstimmung in der Nürnberger Fankurve,
die jetzt Blut geleckt hat und endlich nach den gefühlten
17 Unentschieden in Folge einmal einen Auswärtssieg landen
will. Frenetisch wird der Club nach vorne gepeitscht, das Hertha-Gehäuse
wird die folgenden 20 Minuten belagert doch leider scheinen die
Jungs kein Zielwasser getrunken zu haben. Zu langsam, zu ungenau, zu durchsichtig
die Nürnberger Angriffe. Auf einmal, wie aus dem Nichts, ein Berliner
Konter: der junge Chahed von rechts auf den in der Mitte des Strafraums
lauernden Gimenez, der zieht ab, Schäfer kann den eigentlich
haltbaren Ball nur abklatschen, Pantelic steht wieder goldrichtig:
2:1. Dumm gelaufen. Es sind noch 25 Minuten zu spielen, aber die Nürnberger
werden einfach nicht gefährlicher und verstehen es nicht, die Feldüberlegenheit
in Zählbares umzumünzen. Herthas Abwehr hat die Schotten dicht
gemacht und schaukelt das 2:1 über die Bühne nicht einmal
unverdient. Den Nürnbergern tut diese Niederlage vielleicht ganz
gut, da muss es einfach mehr brennen im Angriff, so wie letzte Saison.
Mal sehen, wie Mayer seine Jungs auf Trab bringt.
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