Gedanken über die Kleiderordnung
oder
Was wollen Frauen eigentlich im Stadion?
Nach langem Nachdenken entschied ich mich schließlich gegen eine Kurzreise in den Iran. Obwohl das Angebot zunächst verlockend klang. Stadtrundfahrt, Stadionbesuch, und ein Spiel gegen einen sicher nicht uninteressanten Gegner vor einer Kulisse, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Und die wahrscheinlich einmalige Möglichkeit, dieses Land zu bereisen. „Na und!?“ meldet sich auf einmal eine freche Stimme in meinem Hinterkopf. „Willst Du überhaupt in dieses Land reisen?“ Und ich schenke der Stimme Gehör und denke noch einmal nach. Die letzten zwei Länderspiele habe ich dank unflexiblem Arbeitsverhältnis schon verpasst, allein das wäre schon ein Grund gewesen, die Elf, die seit meiner letzten Reise im Juni nicht mehr ganz dieselbe ist, mal wieder zu begleiten. Ich fing also an, mir Informationen bei Reisebüro, Auswärtigem Amt und anderen Quellen zusammenzusuchen. Wie ist das mit der Kleiderordnung? Und darf ich als Frau überhaupt ins Stadion? Ja, deutsche Fans bekämen eine Ausnahmegenehmigung erfuhr ich. Generell ist Frauen der Besuch des Stadions jedoch verboten, belegten meine Recherchen:
Als 1997 Autralien gegen Iran antrat, befand sich eine einzige Frau unter den über 120000 Zuschauern im Azadi Stadion. Eine italienische Journalistin hatte sich nach endlosen Verhandlungen den Weg ins Stadion erkämpft. Während der Qualifikation zur WM 2002 wurden erstmals nach der Revolution 1979 wieder Frauen ins Stadion eingelassen: ca. 50 irische weibliche Fans, die ihre Mannschaft zum Auswärtsspiel begleitet hatten, bekamen eine Sondergenehmigung, iranische Frauen waren und sind jedoch nach wie vor ausgeschlossen. Und ein Artikel vom August diesen Jahres berichtete über verschärfte Strafen für Verstöße von Frauen gegen die Kleiderordnung, wie z.B. das Tragen zu knapper Schleier, das eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten zur Folge haben kann.
Einen langen, untaillierten Mantel müsse ich anziehen, und einen Schleier, erfuhr ich also bei meinen Recherchen. Einen langen Mantel besitze ich nicht, schon gar nicht einen untaillierten. Als Schleier könnte man notfalls verschiedene Utensilien aus dem Kleiderschrank umfunktionieren, dachte ich. Die Deutschlandfahne jedoch, die ich mir als trauriges Souvenir aus Portugal mitgebracht hatte, hätte als Provokation empfunden werden können. Und in einigen Ländern sollte man sich mit Provokationen doch lieber in Acht nehmen.
Und schon befielen mich weitere Zweifel. Einerseits unterstütze ich natürlich vorbehaltlos die völkerverständigende Funktion eines solchen Spiels, und auch bin ich dafür, Bräuche und Sitten fremder Kulturen zu achten und als Besucher den nötigen Respekt entgegenzubringen. Da ich eine solche Achtung einem religiösen Fanatismus, deren frauenverachtende Grundsätze weit über die Kleiderordnung oder die Teilnahme an Sportveranstaltungen hinausgehen, nicht entgegenbringen kann, entschied ich mich also leicht wehmütig gegen die Reise und schaltete am Samstag um siebzehn Uhr pünktlich zu den Vorberichten das ZDF ein. Von einem begeisterten Empfang wurde dort berichtet, und sogar einige wenige iranische Frauen wurden von der Kamera eingefangen, die im Stadion das Spiel verfogten. Es handelte sich zwar nur um sehr vereinzelte Zuschauerinnen, anscheinend Angehörige von Mitarbeitern der deutschen Botschaft und einige Sportlerinnen, aber immerhin. Wer weiss, vielleicht ein Schritt, wenn auch ein winzig kleinerer in eine Richtung, die zumindest wir Westeuropäer als die richtige bezeichnen würden. Und vielleicht ist auch der Sport immer noch die beste Politik, und, was die Iran-Reise bewies, unser Bundestrainer auch sicher kein schlechter Botschafter.
Vor dem Spiel dann die vorgetragenen Suren, beobachtet von den das Stadion überblickenden Bildern der Religionsführer, darauf folgte die deutsche Nationalhymne, bei der der Kameraschwenk beabsichtigt oder unbeabsichtigt einen ganzen Fanblock einblendete, der dabei die rechte Hand zum Hitlergruß ausstreckte. Auch Bela Rethy schien etwas verwirrt, kündigte er doch gleich darauf die „irakische“ Nationalhymne an. Oder sollte ich selbst verwirrt gewesen sein und mich verhört haben?
Aber zurück zu den Frauen. Der Grund, warum Frauen nicht ins Stadion dürfen, hieß es, sei der, dass Frauen nicht öffentlich die unbekleideten Beine von Männern sehen dürften. Warum, das verstehe ich als einigermaßen emanzipierte Frau natürlich nicht. Klar kann ein Blick auf Michael Ballacks stramme (jedoch stets durch korrekt sitzende Stutzen verhüllte) Waden eine durchaus erotisierende Wirkung auslösen. Wenn ich jedoch im internationalen Sport etwas zu sagen hätte, würde ich mir andere Regeln und Verbote einfallen lassen. Zum Beispiel dürften sich Männer keine Beachvolleyballspiele mehr ansehen. Denn mal ehrlich, steht denn da der Sport im Vordergrund? Froh bin ich auch darüber, dass wir nicht gezwungen werden, uns den brasilianischen Sitten und Gebräuchen anzuschließen. Denn mal ehrlich, warum ist Brasilien denn nun tatsächlich so beliebt, wegen der überschätzten Jungs in gelben Leibchen oder wegen der omnipräsenten leichtbekleideten Tribünenluder, die bei jeder Übertragung auf keinem Fernsehschirm fehlen dürfen? Ich merke, ich schweife ab. Ich denke, zwischen Schleier und Bikini muss es doch noch einen Mittelweg geben. Ein schwarz-weisses Trikot mit der Nummer 13 hintendrauf? Warum nicht?
Was wollen Frauen eigentlich im Stadion?
Nach langem Nachdenken entschied ich mich schließlich gegen eine Kurzreise in den Iran. Obwohl das Angebot zunächst verlockend klang. Stadtrundfahrt, Stadionbesuch, und ein Spiel gegen einen sicher nicht uninteressanten Gegner vor einer Kulisse, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Und die wahrscheinlich einmalige Möglichkeit, dieses Land zu bereisen. „Na und!?“ meldet sich auf einmal eine freche Stimme in meinem Hinterkopf. „Willst Du überhaupt in dieses Land reisen?“ Und ich schenke der Stimme Gehör und denke noch einmal nach. Die letzten zwei Länderspiele habe ich dank unflexiblem Arbeitsverhältnis schon verpasst, allein das wäre schon ein Grund gewesen, die Elf, die seit meiner letzten Reise im Juni nicht mehr ganz dieselbe ist, mal wieder zu begleiten. Ich fing also an, mir Informationen bei Reisebüro, Auswärtigem Amt und anderen Quellen zusammenzusuchen. Wie ist das mit der Kleiderordnung? Und darf ich als Frau überhaupt ins Stadion? Ja, deutsche Fans bekämen eine Ausnahmegenehmigung erfuhr ich. Generell ist Frauen der Besuch des Stadions jedoch verboten, belegten meine Recherchen:
Als 1997 Autralien gegen Iran antrat, befand sich eine einzige Frau unter den über 120000 Zuschauern im Azadi Stadion. Eine italienische Journalistin hatte sich nach endlosen Verhandlungen den Weg ins Stadion erkämpft. Während der Qualifikation zur WM 2002 wurden erstmals nach der Revolution 1979 wieder Frauen ins Stadion eingelassen: ca. 50 irische weibliche Fans, die ihre Mannschaft zum Auswärtsspiel begleitet hatten, bekamen eine Sondergenehmigung, iranische Frauen waren und sind jedoch nach wie vor ausgeschlossen. Und ein Artikel vom August diesen Jahres berichtete über verschärfte Strafen für Verstöße von Frauen gegen die Kleiderordnung, wie z.B. das Tragen zu knapper Schleier, das eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten zur Folge haben kann.
Einen langen, untaillierten Mantel müsse ich anziehen, und einen Schleier, erfuhr ich also bei meinen Recherchen. Einen langen Mantel besitze ich nicht, schon gar nicht einen untaillierten. Als Schleier könnte man notfalls verschiedene Utensilien aus dem Kleiderschrank umfunktionieren, dachte ich. Die Deutschlandfahne jedoch, die ich mir als trauriges Souvenir aus Portugal mitgebracht hatte, hätte als Provokation empfunden werden können. Und in einigen Ländern sollte man sich mit Provokationen doch lieber in Acht nehmen.
Und schon befielen mich weitere Zweifel. Einerseits unterstütze ich natürlich vorbehaltlos die völkerverständigende Funktion eines solchen Spiels, und auch bin ich dafür, Bräuche und Sitten fremder Kulturen zu achten und als Besucher den nötigen Respekt entgegenzubringen. Da ich eine solche Achtung einem religiösen Fanatismus, deren frauenverachtende Grundsätze weit über die Kleiderordnung oder die Teilnahme an Sportveranstaltungen hinausgehen, nicht entgegenbringen kann, entschied ich mich also leicht wehmütig gegen die Reise und schaltete am Samstag um siebzehn Uhr pünktlich zu den Vorberichten das ZDF ein. Von einem begeisterten Empfang wurde dort berichtet, und sogar einige wenige iranische Frauen wurden von der Kamera eingefangen, die im Stadion das Spiel verfogten. Es handelte sich zwar nur um sehr vereinzelte Zuschauerinnen, anscheinend Angehörige von Mitarbeitern der deutschen Botschaft und einige Sportlerinnen, aber immerhin. Wer weiss, vielleicht ein Schritt, wenn auch ein winzig kleinerer in eine Richtung, die zumindest wir Westeuropäer als die richtige bezeichnen würden. Und vielleicht ist auch der Sport immer noch die beste Politik, und, was die Iran-Reise bewies, unser Bundestrainer auch sicher kein schlechter Botschafter.
Vor dem Spiel dann die vorgetragenen Suren, beobachtet von den das Stadion überblickenden Bildern der Religionsführer, darauf folgte die deutsche Nationalhymne, bei der der Kameraschwenk beabsichtigt oder unbeabsichtigt einen ganzen Fanblock einblendete, der dabei die rechte Hand zum Hitlergruß ausstreckte. Auch Bela Rethy schien etwas verwirrt, kündigte er doch gleich darauf die „irakische“ Nationalhymne an. Oder sollte ich selbst verwirrt gewesen sein und mich verhört haben?
Aber zurück zu den Frauen. Der Grund, warum Frauen nicht ins Stadion dürfen, hieß es, sei der, dass Frauen nicht öffentlich die unbekleideten Beine von Männern sehen dürften. Warum, das verstehe ich als einigermaßen emanzipierte Frau natürlich nicht. Klar kann ein Blick auf Michael Ballacks stramme (jedoch stets durch korrekt sitzende Stutzen verhüllte) Waden eine durchaus erotisierende Wirkung auslösen. Wenn ich jedoch im internationalen Sport etwas zu sagen hätte, würde ich mir andere Regeln und Verbote einfallen lassen. Zum Beispiel dürften sich Männer keine Beachvolleyballspiele mehr ansehen. Denn mal ehrlich, steht denn da der Sport im Vordergrund? Froh bin ich auch darüber, dass wir nicht gezwungen werden, uns den brasilianischen Sitten und Gebräuchen anzuschließen. Denn mal ehrlich, warum ist Brasilien denn nun tatsächlich so beliebt, wegen der überschätzten Jungs in gelben Leibchen oder wegen der omnipräsenten leichtbekleideten Tribünenluder, die bei jeder Übertragung auf keinem Fernsehschirm fehlen dürfen? Ich merke, ich schweife ab. Ich denke, zwischen Schleier und Bikini muss es doch noch einen Mittelweg geben. Ein schwarz-weisses Trikot mit der Nummer 13 hintendrauf? Warum nicht?

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