| Franken im Borussenpark 14.11.2004 |
"Gegen
den modernen Fussball"...
...war auf einem fränkischen Transparent im Gästeblock zu lesen.
Ob der Club das wirklich so ernst hätte nehmen sollen....? Ich weiss
nicht! Aber jetzt erst mal von Anfang an! Mit drei wahren Clubfans machte
ich mich auf zum Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Für mich
nicht nur eine Bundesligaauswärtsspielpremiere, sondern auch noch eine
Autoanreisepremiere. Die Schals mussten raus auf der Autobahn, aus dem Fenster,
damit man erkannt wird auf der Straße, klar! Und schon überholen
wir hupend zahlreiche Autos mit Nürnberger Kennzeichen, Rot-Schwarz-Weiss
besticken Kissen auf der Hutablage und entsprechenden Fahnen. Aber, wie ich
schon während meiner 10jährigen Nürnberger Zeit manchmal feststellen
musste, gehört der Franke "an sich" nicht gerade zur temperamentvollsten
Spezies. Nur selten wurde zurückgehupt und gewunken, so wurde dieses
Spiel bald langweilig und alle freuten sich, fast 2 Stunden vor dem Anpfiff
das nagelneue Stadion auf der grünen Wiese bei Mönchengladbach zu
erreichen: Der Borussenpark! So war noch genug Zeit, das Bauwerk zu erkunden:
Groß ist er, der Borussenpark. Ein Fassungsvermögen von 66,000
Fans, erfahre ich und bin beeindruckt. Noch beeindruckter bin ich, als ich
erfahre, das dieses eines der billigsten Stadien überhaupt war. Nun,
es ist auch recht spartanisch ausgestattet, ein Ring aus Beton, (der vielleicht
als Stadionfertigbauteil in Serie gehen wird, wer weiss?), ein paar Treppen,
ausreichend grüne Sitzgelegenheiten im Innenraum, ja, sogar ein Dach,
das anscheinend alle außer den ersten (unseren) Sitzreihen vor Regen
und Hagel beschützt. Bier gibt es, Jever aus Borussenbechern und Currywurst
mit einer asiatisch anmutenden Süß-sauren Soße. Vielleicht
hätte ich mich doch bei einer der zahlreichen mobilen Bretzelverkäuferinnen
bedienen sollen.
Vom Spiel selbst gibt es nicht viel zu erzählen. Von zwei schwachen Teams hat eben das weniger schwache gewonnen. Aber zum Temperament der Franken habe ich noch eine Ergänzung. Auf der Straße haben sie alle ihre Kräfte gespart, anstatt diese für wildes Zuwinken sowieso Gleichgesinnter zu verschwenden. Keine Spur von fränkischem Phlegmatismus war im Stadion zu spüren. Von Anfang an übertonte der Club-Block die zahlenmäßig, aber nicht stimmvolumenmäßig überlegen waren. Und trotz des schwachen Spiels ließ der Enthusiasmus bis zum Schluss nicht nach. Das nenn ich Unterstützung. Auch wenn die Schmäh an Oliver Neuville doch etwas übertrieben und die Werferei von Zeugs während jeder seiner Ecken nicht wirklich notwendig war... Oder lag es mal wieder nur am Konjunktiv? Hätte Merk den Foul-Elfmeter nicht gegeben, wäre das 1:0 durch Neuville nicht gefallen und würde der Club eine Chance zum Führungstreffer gehabt haben, könnte das Endergebnis ganz anders ausgesehen haben....
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