Positiv
denken!?
21. März 2009: Leverkusen - Eintracht Frankfurt
1-1
Bereits seit geraumer Zeit höre ich Stimmen in meinem Kopf. Das
ist nichts neues, und nichts besonderes. Wie Engelchen und Teufelchen
reden sie mir gute oder böse Dinge ein, und lassen mich positiv
oder negativ denken. Jeder kennt das: Das Glas ist halbvoll, das Glas
ist halbleer, ein Punkt gewonnen, zwei Punkte verloren. Und so geht
es beliebig weiter. "Scheißwetter!", sagt das Teufelchen
in mir, das optimistische Engelchen raunt mir dagegen zu: "Aber
es ist Ende März, bald blüht der Flieder und der Frühling
kommt bald!"
Doch
seit neuestem traue ich meinen Ohren nicht. Als wäre es nicht
genug, ständig zwischen der Entscheidung zwischen positivem und
negativem Denken hin- und hergerissen zu sein, mischt sich plötzlich
eine dritte Stimme ein. Diese Stimme klingt immer etwas mürrisch,
und behauptet von sich, die realistische Stimme zu sein. Während
ich versuche, mir eine Meinung über das Wetter zu bilden, erklärt
sie mir ruppig, es gäbe schließlich für jedes Wetter
die passende Kleidung. Und während ich versuche, mich über
das positive Stimmchen zu freuen, dass mich frohlocken lässt:
"Er hat mich geküsst", fällt sofort das Teufelchen
ins Wort und beschwört mich mit einem finsteren "Aber seine
Frau wird er nie verlassen!" - "Lasst mich doch in Ruhe!!"
möchte ich schreien, aber da ist sie wieder, die dritte Stimme,
die versucht, mir ganz ruhig zu erklären, dass man, um in der
Verheirateten-Liga mitspielen zu können, auch andere Voraussetzungen
mitbringen könnte, und ich solle mir doch nicht so hohe Ziele
setzen. Noch nicht. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn ich brav an
mir arbeite.
Und
dann kommt dieser Samstag, und auf dem Weg nach Düsseldorf höre
ich immer wieder "Mit einem Punkt nach Hause zu fahren, das wäre
schon schön!". War das die optimistische Stimme? Nach den
ersten 45 Minuten jedoch ist mir klar: Alle diese fürchterlichen,
ohrenbetäubenden Stimmen müssen jetzt endlich mal schweigen:
Denn auch gegen Leverkusen müsste man mal gewinnen dürfen,
genauso wie man auch im März schon mal schönes Wetter verlangen
kann. Und die 10000 Frankfurter Stimmen in der albernen LTU-Arena
sehen das genauso wie ich. Und deshalb habe ich mir auch nach dem
Spiel nicht mehr angeschaut, wie die ARD diese dritte, nervige Stimme
interviewt, die sich sicher wieder darüber freut, dass man ja
einen Punkt geholt hat, und dass man doch seine Ziele nicht so hoch
stecken darf, jeder nach seinen Möglichkeiten, und dass man eben
in gewissen Ligen nicht mitspielen darf! Und ich will nichts davon
hören, dass wir die stärkere Mannschaft waren, und uns viele
Chancen herausgearbeitet haben, und dass das doch eine gute Sache
ist, gegen eine Mannschaft wie Leverkusen, denn verdammt noch mal,
mindestens zwei Tore mehr hätten drin sein müssen! Und gegen
Cottbus und gegen Bayern, und gegen Bremen holen wir neun Punkte!
Sagt meine eigene, endlich mal ganz unbescheidene Stimme!
Ach ja, und da bekanntermaßen
das F&T Team auch zur Düsseldorfer Fortuna gewisse Sympathien
pflegt, sei an dieser Stelle ausgegebenem Anlass auch auf folgende
Initiative
hingewiesen: