Gute Zeiten, Schlechte Zeiten
9. März 2008 - Eintracht Frankfurt - VfL Bochum 1:1

Es scheint doch etwas übertrieben, von schlechten Zeiten zu sprechen, wenn man am 23. Spieltag gegen Bochum einen Punkt holt und sich damit mit 33 Punkten auf Platz 9 wiederfindet. Denn damit sind wir genau da, wo wir uns am Anfang der Saison hingesehnt hatten: In das langweilige, hoannovereske Mittelfeld der ersten Bundesliga, in der man sich weder über den Abstieg noch über den Uefacup große Gedanken machen muss.

... wäre da eben nicht dieser grandiose Auftakt nach der Winterpause gewesen. Neue, teure Einkäufe, von denen einer gleich mit einem Hattrick loslegt... und eine Mannschaft, der man gerne zusieht und die uns viel verspricht. Und klar: wenn's gut läuft, könnte es doch auch NOCH besser laufen, und eigentlich wäre es doch schön, auch mal wieder Auswärtsfahrten ins europäische Ausland zu unternehmen. Jaja, lassen wir das. Denn wie gesagt, wir stehen genau da, wo wir hinwollten.

Und doch herrschte gestern nach dem Spiel eine Stimmung, die vielleicht in Nürnberg oder in Bielefeld begründet wäre. Aber hier? Bei uns in unserem schönen Waldstadion? OK, die Leistung des Schiedsrichters kann man kritisieren. Muss man auch, zumindest aus Frankfurter Sicht. Ob das Bochumer Tor ein reguläres war, konnte ich nicht beurteilen, da ich, wie viele andere auch, gerade auf den Videowürfel geschaut hatte. Aber mal ehrlich: die Mannschaft, die gestern in schwarzrot auf dem Rasen ihr bestes gab, war nicht wirklich eine Mannschaft, die man sich im Uefacup vorstellen würde....

Meine eigene Stimmung ließ auch zu wünschen übrig. Allerdings kam ich gar nicht dazu, mich über das Spiel oder den Schiedsrichter zu ärgern, wurde ich doch 90 Minuten lang von Sitznachbarn tormentiert. Dazu muss ich sagen, ich bin eigentlich nicht besonders zart besaitet, und auch wenn ich bei Liedern wie "Wir sind aus Frankfurt, wir sind aus Hessen,..." oder "Und wir füllen unser Schwimmbad mit dem Blut des OFC" nicht mitsinge, so gehört es eben zum normalen Fußball-Repertoire. Damit kann ich ganz gut leben. Das ununterbrochene Gebabbel fing harmlos mit den üblichen Kommentaren wie "Die spielen ja alle wie die Mädchen!" und dem üblichen "Kärle, Kärle, Kärle!" an. Dann wurde über einen längeren Zeitraum erörtert, dass Friedhelm Funkel heute mal wieder alles falsch gemacht hatte. Und überhaupt, dass man einen Mann wie Caio überhaupt nie hätte kaufen dürfen, bei den Laktatwerten. Ein Blick über die Schulter auf den Redner überzeugte mich, dass ich sehr froh bin, dass unser großer Redner nicht unser Trainer ist und es auch nie werden wird. Obwohl er natürlich, wie die anderen vielen kompetenten Anwärter auf Funkels Job, alles richtig machen würde.

Mit steigender Unzufriedenheit wurde mir im Zehn-Sekundentakt "DRECKSAU!!" ins Ohr geschrien. Ich selbst war wohl nicht gemeint, sondern wohl eher abwechselnd der Schiedsrichter, unsere Spieler, oder die Bochumer Fans oder Spieler. Und dann wünschte ich mir, ich hätte mir einen MP3- Spieler mitgebracht oder Petersilie oder irgendetwas anderes, was ich mir in die Ohren stecken könnte, um der Dummheit der Kerle zu entgehen. Denn nun spielte Fenin "wie ein Türke", "Der Albaner" sollte schnellstens ausgewechselt werden (das war, bevor das 1:0 fiel...), und der "Schiri ist ein Jude".

Und ärgern musste ich mich dann auch noch über mich selbst, dass ich versucht habe, meine Ohren zu verschließen um mich doch noch ein wenig auf das laue Spiel zu konzentrieren, anstatt den groben Herren hinter mir mal die Meinung zu pusten.

Ich glaube zwar, dass die Jungs, die auch schon beim "Anthony Sabini" Badesalz-Sketch mit ihrer rassistischen Meinung nicht hinterm Berg hielten, zum Glück eine Minderheit sind, aber selbst wenn es nur wenige sind, reichte das aus, um mir den Tag zu verderben.

Wäre ich heute zum ersten Mal in Frankfurt gewesen, hätte die Perle am Main bei mir nicht den besten Eindruck hinterlassen. Beim After-Spiel Bierchen am Europameisterkiosk in der Kaiserstraße wurden uns dann noch verschiedene Angebote gemacht, Drogen zu erwerben, von denen ich in meinem bisherigen Leben noch nicht mal gehört hatte. Frankfurt, der Moloch... aber zum Glück bin ich ja nicht erst seit gestern hier und zum Glüc weiß ich auch, dass ich mich schon bald wieder voller Vorfreude auf dem Weg zum nächsten Heimspiel machen werde. Vielleicht war gestern ja nur eine Ausnahme, und ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, mir ein neues Hobby suchen zu müssen. Das wäre ja auch schade. Vielleicht würde ich ja nächstes Jahr viele schöne Europapoalspiele verpassen.....

 

 

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