Die neue Entspanntheit
8. Februar 2008 - Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld 2:1
Klar, da war Weihnachten und Silvester. Und dann gab es auch das eine
oder andere Hallenturnier. Und die Hessenwahl. Aber ganz ehrlich,
die Wochenenden waren nicht besonders spannend und manch eine Kneipe
machte am Samstagnachmittag gar nicht erst auf. Am Stammtisch diskutierte
man plötzlich darüber, ob man die Bundeswehreinsatz im Süden
Afghanistans einsetzen sollte und nicht mehr darüber, ob man
Weissenberger im Sturm einsetzen sollte oder so. Aber Stammtisch hin
oder her, eine Regierung haben wir trotz allem Wählen immer noch
nicht und Weihnachten ist auch lange her und interessiert für
die nächsten 11 Monate niemanden mehr.
Aber
dann kam plötzlich ein wenig Bewegung in die Winterpause und
ein Raunen ging durch Stammtische, Büros, und Internetforen:
FENIN. Und die große Frage, die uns alle beschäftigte,
war: Kommt Fenin?? Klar, das war eine spannende Frage, wenn ich auch
zugeben muss, dass ich mir selbst erst einmal mithilfe von Google
die weit wichtigere Frage beantworten musste: Wer ist Fenin?!
Also,
inzwischen wissen wir es natürlich alle: Martin Fenin, Stürmer
bis vor kurzem beim tschechischen FC Teplice, zwanzig Jahre jung,
und er machte 2007 bei der Junioren-WM in Kanada auf sich aufmerksam,
indem er nicht ganz unbeteiligt daran war, dass Tschechien ins Finale
kam. Und statt Angebote von Juve oder Arsenal anzunehmen, entschied
er sich, seine internationale Karriere hier am Main zu beginnen. Kluger,
sampathischer Junge.
Wenig
später, kurz nach Fenins Verpflichtung, wird es auch schon wieder
ruhig um ihn. Ein zweiter Name taucht auf, und wenn über ihn
geredet wird, sieht man glänzende Augen: Der Brasilianer Caio
soll angeblich in Verhandlung mit unserem Lieblingsverein sein. Oho,
sage ich ehrfürchtig, und recherchiere wieder heimlich bei Google.
Auch Caio landet also kurze Zeit später in Frankfurt, man sagt,
er habe noch nie unter 10 Grad celsius gespielt, aber was solls, er
ist Brasilianer und in seiner Heimat kennt und liebt man ihn.
Was
in all der Aufregung ein wenig unterging war die Tatsache, dass wir
nicht nur Verstärkung bekamen, sondern uns auch von unserem Japaner
Takahara verabschieden mussten, den wir doch längst ins Herz
geschlossen hatten. Der Abgang Michael Thurks war noch unauffälliger,
trotzdem wünscht F&T beiden an dieser Stelle viel Erfolg!
Ja,
und dann war es endlich soweit, am 2. Februar reisten unsere Jungs
vom Main an die Spree, um dort allen zu zeigen, dass man das Geld
genau richtig angelegt hat, und der Hattrick des jungen Tschechen
war in aller Munde und das Thema Nummer eins an diesem frohen Rückrundenstart.
Und
so war die Vorfreude besonders groß, als ich mich am Freitag
Abend auf den Weg zum Waldstadion machte, natürlich mit einem
mulmigen Gefühl wie immer, denn natürlich weiß auch
ich, dass man so ein Spiel wie in Berlin nicht jede Woche zu sehen
bekommt und dass man seine Euphorie und Träume etwas im Zaum
halten muss. Aber spätestens nach der 37. Minute, als Amanatidis
zum eins zu null traf, fühlte ich mich ungewohnt entspannt. Ich
sah meine EIntracht dort unten auf dem Rasen kicken, und machte mir
keine Sorgen. Ein Gefühl, dass sich neu und schön anfühlt.
Klar, irgendwann, es muss so in der letzten Viertelstunde gewesen
sein, wurde mir natürlich doch wieder ein kleines bisschen flau,
fingen doch die Arminen plötzlich an, ins Spiel einzusteigen,
und hätten durchaus noch den Ausgleich herbeiführen können.
Haben sie aber nicht. Statt dessen haben sie es irgendwie geschafft,
dass keiner ihrer Spieler vom Platz gestellt wurde, und mit vier mal
gelb waren sie eigentlich noch ganz gut bedient..
Ja,
und unsere Lieblingsmannschaft? Was war jetzt plötzlich los?
Was war das für eine Mannschaft, die da plötzlich selbstbewusst
auftritt und der man so richtig gerne zuschaut, weil da auf einmal
zwar nicht alles, aber doch sehr viel gelingt und man über niemanden
aus der Truppe den Kopf schütteln kann? Sind die Jungs in der
Winterpause etwa in einen Kessel gefüllt mit Zaubertrank gefallen?
Oder tut der Abschied von Albert Streit so gut, dass man plötzlich
wieder ein geschlossenes Team auf dem Rasen sieht und es so wirkt,
als trügen unsere Jungs wieder völlig zu Recht den Namen
"Eintracht"?
Klar,
noch immer ist Euphorie fehl am Platze, und der Kapitän stellt
nach dem Spiel noch einmal klar, dass selbstverständlich niemand
vom Uefa-Cup träumt, und dass nach wie vor das Ziel 45 Punkte
heißt. Dem junge Marco Russ dagegen merkt man seine Freude an,
und er gibt zwar zu, dass das Gegentor vermeidbar gewesen wäre,
aber stellt daraufhin entspannt fest: ".. aber so dramatisch
ist das nicht". Ist es auch nicht. Schließlich stehen wir
auf Platz sieben, und ich darf nach drei gewonnenen Spielen soviel
träumen wie ich will, und aus vollem Halse mitsingen, wenn auf
dem Heimweg in der Straßenbahn unsere Lieblingslieder angestimmt
werden und es wieder heißt: "Eintracht aus Frankfurt, du
schaffst es wieder, Deutscher Meister zu sein.............!"