Humorlos dem Saisonfinale entgegen!
7. Mai 08 - Eintracht Frankfurt - VFL Wolfsburg 2:3

Es gibt vieles, was man an einem lauen Frühsommermittwochabend machen kann. Auf der Terasse oder im Biergarten ein kühles Erfrischungsgetränk konsumieren und dabei vorbeiflanierende Spaziergänger beobachten. Oder eine Radtour am Main entlang. Oder, ist man dem Wetter nicht unbedingt angetan, eine Poduimsdiskussion zur Situation der Balkanstaaten besuchen. Oder mal wieder die Oma besuchen. Oder auch einfach mal wieder zu Hause bleiben, eine blutige aber herzzerreißende neue Folge von Emergency Room schauen, früh ins Bett gehen und sich mal wieder so richtig ausschlafen.

Auf alle Fälle hätte es genügend Alternativen gegeben, aber nein, irgendwie konnte ich doch wieder nicht alles und fand mich fast pünktlich gegen 20:00 auf meinem komfortablen Haupttribünenplatz ein. Die freudige Erregung oder Anspannung blieb an diesem Mittwoch aus. Während ich noch vor nicht allzulanger Zeit nie im Leben zu spät war, um aus voller Kehle "Im Herzen von Europa" mitzusingen, so bekam ich gestern Abend nicht einmal die Aufstellung mit und musste erst mal mühsam die elf auf dem Platz identifizieren. Aha, Mantzios spielt? Fenin sitzt auf der Bank? Hat wohl eine Denkpause verordnet bekommen? Noch bevor ich bei der Abwehr angekommen bin, führt der ungeliebte VFL eins zu null. Auch das noch! Aber nein, der Treffer zählt wohl nicht. Zumindest dachte ich das zuerst, blieb doch ein Gästejubel komplett aus. Oder? Nein, ein Blick nach links und ich sehe die sechsundsiebzig Angereisten fröhlich Fähnchen schwingen. Mist, war wohl doch ein reguläres Tor. Sechsundsiebzig Gäste. Beneidenswert. Kein interessierter Wolfsburger wird in der nächsten Saison um Uefacup-Tickets zittern müssen (nun, wir hoffen mal, dass es dazu nicht kommen wird). Wahrscheinlich werden sie den Mitarbeitern des Monats gratis ausgeteilt. So wie eben wahrscheinlich an diesem Mittwoch. Wahrscheinlich werden Probefahrten irgendeines tollen neuen Volkswagen für Auswärtsfahrtwillige angeboten.

Auch nach der frühen Führung der Gäste ging es nicht gerade erfreulich weiter. Die Vorstellung meines Lieblingsvereins fiel eher in die Kategorie "nicht wirklich unterhaltsam", und so widmete ich mich der Lektüre des Staionmagazins. Nachdem ich zwanzig Minuten lang nachdenklich und doch vergeblich den Witz im Comic auf der letzten Seite suchte, fand ich doch noch interessante Superlative, die mich von dem deprimierenden Spiel (wo kam denn plötzlich das 1:2 her?) ablenkten: Die Eintracht belegt immerhin den dritten Platz in der Finanztabell, gleich nach Bayern und Werder, das Stadionmagazin ist laut Stadionmagazin das zweitbeste der ganzen Bundesliga und, oho, jetzt wird es schon interessanter, auf der Fairplaytabelle stehen wir immerhin auch auf Platz zwei. All das tröstet doch über den inzwischen zweistelligen Tabellenplatz wirklich hinweg! Und gibt es da nicht auch noch so einen Fairplay-Strohhalm auf dem Weg in den internationalen NEIN, NEIN, Schluss jetzt endlich damit!!!!

Mit viel Geduld und Durchhaltevermögen bin ich auch in der zweiten Hälfte noch anwesend und wünsche mich plötzlich in den Stehblock, wo man feiert, singt und eine La Ola nach der anderen durchs Stadion läuft. Nun, hilft das? Mir nicht wirklich, irgendwie kann ich diesen lauwarmen Frühsommermittwochabend nur mit einer ordentlichen Portion Humorlosigkeit ertragen. Da kann selbst ich mir plötzlich die Laune nicht mehr damit schönreden, dass wir ja dieses Jahr mal endlich nicht zu zittern brauchen...

 

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