Der Fluch aus Franken
5. April 2008 - Eintracht Frankfurt - 1.FC Nürnberg 1:3

"Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust..." Naja, OK, den guten alten Goethe zu zitieren wäre jetzt etwas übertrieben, denn das Herz schlägt natürlich nur für meinen Lieblingsverein, aber meine fast elf Jahre in Nürnberg haben bei mir eben nicht nur Sympathien zu den Bratwürsten, sondern auch zum fränkischen Volk und seinem Club wachsen lassen. Und so sah ich ihn in dieser Saison auch nur ungern im Tabellenkeller, und wünschte mir eigentlich eher mal Wolfsburg oder die Hertha oder so dorthin. Aber Nürnberg, das ist schließlich meine alte Heimat, und außerdem sind Spieler wie Mintal auch durchaus Sympathieträger. Längst hatte ich der schlechtesten Rückrundenmannschaft mal wieder einen Dreier gewünscht, und dass ich gestern für diese Wünsche bestraft werden sollte, war dann irgendwie fast vorhersehbar.

Noch bis vor gar nicht so langer Zeit war Nürnberg unser Lieblingsgegner. Die Franken konnten gegen uns einfach nichts holen. Aber letztes Jahr begann der Fluch sich zu wenden, und plötzlich gab es nicht nur Niederlagen, sondern richtige Klatschen, die von Nordbayern nach Südhessen ausgeteilt wurden, und ich hörte auf, mit meinen fränkischen Freunden über Fußball zu reden.

Gestern also, in einer Zeit, in der man in Frankfurt gerne von Europa redet, kam der Club zu Besuch, der Tabellenletzte. Statistik und Tabelle hin oder her, man empfängt Nürnberg mit Respekt, weiß man doch, dass die Mannschaft zu einigem fähig ist, oder zumindest vor gar nicht so langer Zeit einmal war! Auch unser Trainer Friedhelm Funkel stapelt vor dem Spiel mal wieder tief und lobt den Club in den Himmel und dass uns eine sehr schwere Aufgabe ins Haus steht.

Ein ganz kleines bisschen verunsichert saß ich also auf meinem Platz, beruhigte mich aber bereits in der dritten Minute, als unsere Nummer 6 für die frühe Führung sorgte. Pah, das wäre doch gelacht... Aber schon bald sah das ganze nicht mehr so eindeutig aus, und wäre ich ein außenstehender Beobachter gewesen, hätte ich mich vielleicht geirrt, wenn ich hätte raten müssen, welche der beiden Mannschaften denn mit dem Abstieg kämpft und welche in Richtung Uefacup schielt. Nein, die Nürnberger haben nicht wirklich meisterlich gespielt, aber sie waren uns tatsächlich streckenweise überlegen.

Und so kam die Unterbrechung nach einer knappen halben Stunde gar nicht so ungelegen, nachdem Nürnberger Dummköpfe wiederholt mit Feuerwerkskörpern geworfen hatten, die ohne weiteres auch mal einen Fotografen oder Spieler hätten treffen können. Warum allerdings erst nach dem dritten oder vierten Vorfall etwas passierte, fand ich etwas merkwürdig. Sind doch Sicherheitskräfte und Kameras überall verteilt, und wäre es doch ein leichtes, die Werfenden zu identifizieren und aus dem Stadion zu entfernen. Statt dessen gibt es erst einmal freundliche Durchsagen, in denen die Gäste höflichst gebeten werden, doch bitte nicht mit Feuerwerkskörpern oder anderen Gegenständen zu werfen. Eine solche Bitte hat wahrscheinlich genausoviel Wirkung als würde Bin Laden ein einem freundlichen Telefonat mit George Bush darum bitten, es wäre doch nett, wenn die amerikanischen Truppen vielleicht aus Afghanistan abgezogen werden könnten. Falls es nicht zu viele Umstände mache. Nun gut, schlechter Vergleich, und nicht dass ich hier falsch verstanden werde. Androhung von Krieg, Gewalt, Rache und Bestrafungen sind vielleicht nicht wirklich immer das beste, aber ich finde, ein handfestes Stadionverbot für diese sogenannten Fans wäre doch mal eine schöne abschreckende Maßnahme. Klar, einerseits sagt man ja gemeinhin, es sind ja immer nur einzelne Chaoten, die mit einem solchen Mist den Stadionfrieden stören, aber die Reaktion aus dem Gästeblock irritierte mich dann doch: Nachdem das Spiel unterbrochen wurde, hörten die Franken nicht auf, sich selber zu feiern.

Irgendwann ging es dann weiter mit dem Spiel. Die zweite und dritte Hälfte war dann leider nicht mehr sehr erfreulich. Heimlich wünschte ich mir dann, die Nürnberger mögen vielleicht noch einen klitzekleinen Feuerwerkskörper zünden, dann wäre das Spiel abgebrochen worden. Aber das hätte wahrscheinlich auch nichts genützt, denn liegt einmal ein Fluch auf einer solchen Begegnung, dann hilft auch keine Spielwiederholung was. Schicksal und Vorsehung kann man nicht beeinflussen. Und deshalb brauchen wir uns eigentlich auch keine Sorgen zu machen. Denn wenn das Schicksal entscheidet, uns gegen den Tabellenletzten verlieren zu lassen, so meint es es in Kürze sicher wieder gut mit uns, wenn es gegen den Tabellenersten geht. Wetten?

Nun, und die Nürnberger? Die werden wohl doch absteigen, auch mit drei Punkten aus Frankfurt. Und auch wenn ich heute etwas sauer auf die Freunde aus Franken bin, so weiß ich auch schon jetzt, dass sie mir im Mai dann auch wieder leidtun werden, wenn wir endlich mal richtig schön entspannt am letzten Spieltag unseren einstelligen Tabellenplatz genießen werden, während meine Freunde aus Nürnberg sich fragen müssen, was denn nun schiefgegangen ist.

 

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