Bundesligamodus auf Standby
17. August: Eintracht Frankfurt - Hertha BSC Berlin 0:2

Die Sommerpause war wieder lang. Und ganz ehrlich gesagt war sie auch ganz schön. Lange Wochenenden, Samstagnachmittage zu Hause und auch der Alkoholkonsum pendelte sich auf ein vergleichsweise geringes Maß Äppler und das ein oder andere Gläschen Prosecco ein. Zwischendurch ein kurzer Ausflug nach Wien, und öffentliches EM-Gucken, aber irgendwie hatte ich den Fußballmodus in meinem Gehirn auf Standby geschaltet und fühlte mich überraschend wohl dabei.

Aber irgendwann, so Ende im Juli muss es gewesen sein, wurde ich plötzlich unruhig. Vorsichtig drückte ich mich am Samstagnachmittag gegen halb vier um diverse Sportsbars herum, vergeblich, denn die Fernsehschirme blieben schwarz und die Theken leer. Ab und an erreichten mich Nachrichten. Stimmen in meinem Hinterkopf oder vielleicht auch eher Stimmen aus dem Radio flüsterten mir Botschaften zu: Bellaid... Bajramovic... Liberopoulus... Laktattest.. Übergewicht... und ganz ganz langsam kam es wieder, das Fieber. Ich versuchte mich abzulenken, gab vor, mich für Olympia zu interessieren und verbrachte Tage und Nächte vor dem Fernseher, um mich mit nicht enden wollenden Übertragungen von Radrennen, Freistilschwimmen, Tischtennis und Synchronturmspringen zu unterhalten.

Und selbst an diesem Sonntag verbrachte ich noch Stunden vor der Glotze, um mich mit Britta Steffens über ihr zweites Gold zu freuen und mit Fabian Hambüchen zu leiden. Und fast glaubte ich selbst daran, dass mich diese ganze Olympiageschichte wirklich interessierte. Auch die obligatorischen Olympiagespräche sind ja eigentlich todlangweilig. Aber mit einem Einwurf à la "die sind doch eh alle gedoped" oder "wenn man bedenkt, dass China die Nummer eins im VOllstrecken der Todesstrafe ist" kann man zu jeder Konversation mühelos beitragen.

Schluss damit. Endlich!!!! Es geht wieder los, und endlich gibt es wieder etwas, das dem Wochenende einen Sinn verleiht: Die Bundesliga, hurra! Also flugs, trotz sommerlichen Temperaturen, den frisch gewaschenen Schal um den Hals und zur Feier des Tages schon zwei Stunden vor Anpfiff vor dem Stadion. Endlich gibt es wieder was zu reden, endlich sieht man wieder all die lieben Menschen, die man wochenlang vermisst hat. Und endlich gibt es wieder mal ein anständiges Bierchen am frühen Nachmittag! Und kurz vor Anpfiff endlich wieder die Gänsehaut, wenn das altbekannte Lieblingslied gesungen wird.. herrlich.

Aber ... moment mal. Schon gegen viertel nach fünf beschlich mich wieder dieses merkwürdige, schon fast vergessene Gefühl ... die anderen Stimmen machten sich plötzlich wieder breit, die mir zuflüsterten: "das wird doch wieder nix"... und "da geht ja jeder Pass ins Leere".. und "naja, zum Spass bin ich ja nicht hier".... etwas weiter entfernt, die Stimmen derjenigen, die ich nicht wirklich vermisst habe in der langen Sommerpause...: "Funkel raus!", höre ich vereinzelt, und, natürlich, das unvermeidliche "Caaaio!" Moment mal, denke ich wieder... und wünsche mir spätestens nach der sechzigsten Minute, dass die Qual doch bitte bald ein Ende haben möge. Von wegen bald. Bis Ende Mai ist noch lange hin. Und es wird weitergehen. In Köln, in Wolfsurg... und auch wenn ich tief in meinem Herzen weiß, dass alles wieder gut wird, so bin ich doch beunruhigt. Vielleicht ganz gut, dass das nächste Heimspiel erst in vier Wochen stattfindet. Das gibt mir Zeit zu vergessen, den Jungs Zeit, sich am Riemen zu reißen und sich zu fangen, und hoffentlich genug Zeit, um in der Zwischenzeit ein paar Auswärtspunkte zu sammeln.

Was bleibt? Zurück vor den Fernseher. Zurück nach Peking. Wo unsere Weltmeisterinnen im Halbfinale ausscheiden. Ein schwacher Trost...

 

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