Alles kann, nichts muss
16. April 2008 - Eintracht Frankfurt - Bayern München 1:3

Es hätte so schön sein können, aber es musste ja mal wieder anders kommen. Und hätten wir wenigstens neulich gegen den Tabellenletzten und dann noch gegen die nicht gerade Weltklassehannoveraner jeweils drei Punkte eingefahren, dann wären wir ganz entspannt mit 48 Punkten gegen die verhassten Bayern angetreten, die Champions League (naja, OK, den Uefa Cup) im Auge und alle könnten uns mal. Und so? Haben wir das Saisonziel "45 + X" eben noch nicht erreicht und müssen einsehen, dass die Tabelle eben nicht lügt. Und dort stehen wir jetzt, nach dem 29. Spieltag auf Platz 8, wo wir hingehören, mit jeweils genügend Abstand nach oben und unten, so dass wir nach wie vor ganz unaufgeregt sein können bzw. sollten.

Und kommen die Bayern, dann erwartet man ja eigentlich nichts, zumindest gibt man das vor, nach dem alten Motto "Alles kann, nichts muss", das man ja eigentlich eher einer Online-Kontaktbörse oder einem Swingerclub zuordnen würde. Aber gegen die Bayern ist es das gleiche. Ist ja OK wenn wir verlieren, aber wenn es heiß hergehen würde, das wäre natürlich richtig geil....

Unaufgeregt und mit mittelmäßigen Erwartungen gehe auch ich wieder ins Stadion an diesem kalten Mittwochabend. Aufgeregt höchstens über all diese entfernten Bekannten, die sich in den letzten Tagen bei mir meldeten, meist mit dem gleichen Anliegen: "Sag mal, kannst du mir vielleicht noch zwei Karten gegen die Bayern besorgen? Aber nicht so teure...". Pft, die können mich alle mal, ich hatte zwar tatsächlich noch ne Karte übrig, aber die vergab ich dann lieber an meine Jugendliebe, der zwar auch mit vierzehn beim Mathenachhilfeunterricht schon nichts von mir wissen wollte, der aber, wie ich inzwischen erfahren hatte, zumindest Eintrachtfan ist und anscheinend das Waldstadion nicht nur einmal im Jahr betritt zu diesem großartigen Event, um das ja so viel Gedöns gemacht werden.

Die Bayern kommen. Na und?

Klar, eins muss ich zugeben. Mit meiner latenten Affinität zu Italienern schaue ich mir den smarten Luca Toni immer sehr gerne an, wenn auf jemanden das Adjektiv "lässig" passt, dann ja zu dem bayerischsten aller Italiener, dem die Münchner so viel zu verdanken haben. Lässig, wie er immer wieder den Ball wie selbstverständlich trifft, und natürlich besonders lässig, wie er sich nachher wie ein Kind darüber freut, und später mit seinem breiten Grinsen im Interview noch einmal darüber freut, wie toll er ist. Nun, es war eigentlich nicht meine Absicht, diesem Herrn an dieser Stelle einen ganzen Absatz zu widmen, denn an diesem Spieltag will ich von Italienern nichts hören oder sehen, und auch auf den Franzosen, den ich bei der WM noch ganz prima fand, könnte ich gut verzichten. Hat der sich vor zwei Jahren eigentlich auch schon so gerne fallen gelassen?

Nun, Italiener und Franzosen und Bavarier beiseite. Was ich heute sehen wollte, das waren Griechen. Nun, meinem Lieblingsgriechen begegnete ich vor dem Spiel, als ich mich mal wieder auf den letzten Drücker zu meinem Platz aufmachte, leider hieß dass, dass er, in zivil gekleidet, immer noch nicht auflaufen würde, aber dass er mir ein freundliches "Hallo" zuzwinkerte, sah ich als gutes Zeichen an. Aber (wie so oft) gute Zeichen am Arsch, der zweite Grieche, der immer rennt und ackert und dirigiert und alles gibt, zeigte uns wieder einmal den kleinen, aber feinen Unterschied. Während die Eintracht wieder mit ihrer Chancenverwertung zu kämpfen hat und trotz einer soliden ersten Halbzeit es nicht schafft zur Pause drei zu null zu führen, gewinnen die Bayern mit drei Chancen drei zu null.

Nun, man mag mich als blasphemisch beschimpfen und als Mädchen. Aber so ein ganz kleiner Luca Toni in der Mannschaft, das würde mir im Moment schon gut gefallen....

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