Ein Punkt auf der grünen Wiese
31.03.07,
Borussia Mönchengladach - Eintracht Frankfurt 1:1
Ein paar Fakten vorneweg: Der
sogenannte Borussiapark erstreckt sich über eine Fläche von
insgesamt 209.072 m², inclusive Stadion, Trainingsplätzen
und einer bunten Hockeyarena. Begrenzt wird diese Fläche von 436.000
m² Parkplätzen. Nur zum Vergleich: dies entspricht so ungefähr
der dreifachen Fläche des Saarlandes. Mindestens. Jedenfalls kann
ich es mir nicht verkneifen, ein klein wenig beeindruckt zu sein, als
ich diese riesigen Parkflächen sehe, auf die wir von freundlichen
Ordnern geleitet werden. Toll, denke ich, eigentlich überzeugte
Nutzerin von öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist ja mal richtig
gut organisiert. Nun, diese Meinung revidiere ich natürlich nach
dem Spiel, als sich herausstellt, dass die 9.500 Autos, die sich über
die 436.000 m² erstrecken, alle auf die gleiche Ausfahrt geleitet
werden, und ich mich fühle wie im 40 km Autobahnurlaubsstau, weil
sich eine Stunde lang erst mal überhaupt nichts bewegt.
Das Gelände selbst befindet
sich auf der grünen Wiese, oder besser gesagt: auf dem braunen
Acker. Bis vor wenigen Jahren befand sich hier ein britisches Kasernengelände,
und vielleicht diente dieses ja auch als Vorbild dieser Arena, in der
es nicht nur ein Saarland voller Parkplätze, sondern auch noch
jede Menge Zäune, deren Gesamtlänge mindestens der der ehemaligen
Zonengrenze entspricht. Außerhalb dieser Zäune befindet sich
hauptsächleich Brachland, was die Vermutung nahelegt, dass entweder
nach dem Bau des Stadions das Geld nicht mehr für einen Landschaftsplaner
gereicht hat, oder dass man das ehemalige Militärgelände aus
Angst vor Minen oder Blindgängern großräumig abgesperrt
hat.
Nun aber genug zum Gladbacher
Umfeld. Schließlich hat nicht jede Stadt unseren Stadtwald und
das dazugehörige Stadion, und auch der gemeine Gladbachfan ist
sicher nicht glücklich darüber, seine Samstagnachmittage nicht
mehr auf dem Bökelberg verringen zu dürfen. Und ich muss sagen,
das fast 60.000 Zuschauer fassende Stadion gefällt mir von innen
dann auch gar nicht so schlecht. Vor allem die Tatsache, dass es trotz
des Tabellenplatzes nahezu voll besetzt ist, beeindruckt. Nur schade,
dass die Stadiontechnik konsequent versucht, die 60.000 zu übertönen,
indem sie in einer Lautstärke Stadionlieder zum Besten gibt, gegen
die keine Menschenmasse dieser Welt ankommen kann (außer vielleicht
eine Frankfurter Kurve).
Nachdem wir also noch vor Kurzer
Zeit die wiedererstarkten Rekordmeister geschlagen hatten, ging es ja
heute gegen den Tabellenletzten. Nun, es besteht nach wie vor keinen
Grund zur Euphorie, aber als Sotos in der elften Minute den Führungstreffer
erziehlte, macht sich schon wieder ein vorsichtiger Optimismus in mir
breit. Kyrgiakos, nicht immer elegant, aber immer da, wenn man ihn braucht,
ein Kerl, auf den man sich nicht nur hinten verlassen kann, sondern
der inzwischen schon genauso oft das Tor getroffen hat wie sein Landsmann.
Ein nicht besonders schön
anzuschauendes Spiel nahm dann mal wieder in der 89. Minute eine Wendung,
als der Borusse Insua glücklich für den Ausgleich sorgte.
Damit war die Partie jedoch keinesfalls beendet, immerhin waren zu diesem
Zeitpunkt noch 6 Minuten zu spielen. Sechs Minuten, in denen uns Sotos
Kyrgiakos wegen gelb-rot nicht mehr zur Verfügung stand, und außerdem
Streit, Takahara und Thurk bereits auf der Bank saßen. Und in
diesen aufgeheizten fünf Nachspielminuten wurde es noch zweimal
richtig heiß, als Heller und Fink jeweils noch einmal ganz nah
dran waren, unserer Eintracht doch noch zu 3 Punkten zu verhelfen.
Die Bilanz sah dann am Ende
nicht so gut aus. Jeweils einmal gelb für Nikolov und Kyrgiakos
wegen Zeitspiels. Was ist da los, fragte ich mich, denn dass sich Oka
bereits in der ersten Hälfte eine Oberschenkelzerrung zuzog, keine
Abstöße mehr selber ausführen konnte, und dafür
auch noch bestraft wurde, erfuhr ich erst nach dem Spiel. Nun, es bleibt
nur zu hoffen, dass er diese Verletzung ganz ganz schnell überwindet,
und er sich nicht zu Pröll und Zimmermann ins Krankenlager gesellen
muss. Nicht, dass ich unserem achtzehn Jahre jungen Pablo Alvarez nichts
zutraue, aber irgendwie fühle ich mich doch vor allem in dieser
heißen Phase der Saison sicherer, wenn der treue, Ruhe ausstrahlende,
souveräne Nikolov unseren Kasten hütet, zumindest solange,
bis Pröll sein Rippenproblem gelöst hat. Eine Torwartkrise
wäre das letzte, was wir jetzt brauchen können.
Und so kam es eben wieder,
wie es kommen musste: Anstatt den Vorsprung auf die Abstiegsplätze
zu vergrößern, bleibt alles beim alten und hoffen weiterhin,
dass wir dies bei den nächsten Spielen gegen Gegner aus dem unteren
Tabellendrittel nachholen können.
Nach dem Spiel gab's noch ein
Altbier mit Gladbacher Freunden. Schon wieder, hatte ich mich doch schon
in Nürnberg mit einem friedlichen Unentschieden unter Freunden
arrangiert. Nein, nahm ich mir vor, Fußball und Privates sollte
man einfach trennen. Und das nehme ich mir auch ganz fest vor für
das nächste Auswärtsspiel, das ich ja vielleicht mit meinem
Bielefelder Cousin anschauen werde. Der kannte schließlich beim
Hinspiel auch keine Verwandschaft...!