Gute Zeiten Schlechte Zeiten mit Eintracht oder Goethe - Freitagabend ohne Happy End
26. Oktober 2007,Eintracht Frankfurt - Hannover 96 0:0

Was Johann von Goethe und unsere Eintracht gemeinsam haben!? Ganz einfach: Beide verstehen es bestens, uns einen langweiligen, wenn nicht gar ärgerlichen Freitagabend zu bescheren.

Kürzlich verspürte ich das Verlangen, mal wieder am kulturellen Leben der Stadt Frankfurt ein wenig teilzuhaben, und so verschlug es mich in das Bockenheimer Depot, in dem an jenem Abend Goethes "Iphigenie auf Tauris" gespielt wurde. Nun, Iphigenie wurde von einem schwarzen Mann gespielt, was mich irritierte, die Bühne lag meistens in einem dunklen Nebel, und nach 30 Minuten entschloss ich mich, in der Pause zu gehen. Die Veranstalter hatten damit wohl gerechnet, es gab keine Pause und ich blieb bis zum glücklichen Schluss, an dem Iphigenie sich irgendwie mit Thoas (?)versöhnte und nach Griechenland zurückkehren durfte.

Das glückliche Ende blieb uns am letzten Freitag Abend vorenthalten, und auch nach Griechenland durfte keiner verschwinden. Aber auch an diesem kalten Abend im Waldstadion, an dem ich dieses nicht im geringsten kurzweilige Spiel meiner Lieblingsmannschaft gegen Hannover 96 verfolgte, verspürte ich zum ersten Mal eben auch dieses Verlangen, vorzeitig den Ort des Geschehens zu verlassen. Es machte einfach keinen Spaß sich anzuschauen, wie dort unten auf dem Platz eigentlich gar nichts passierte. Der Schiri sah das wohl ähnlich und pfiff bereits in der neunundachzigsten Minute ab.

Aber es wiederstrebt mir eben zutiefst, vor dem Schlusspfiff zu gehen, und so harrte ich aus und las zum ersten Mal die Stadionzeitung von vorne bis hinten. Schließlich weiß man ja auch, auf was man sich einlässt. Eintracht gegen Hannover, das ist vielleicht so ein wenig wie Goethe. Genauso wie man natürlich das Genie Goethes anerkennt und ihn als den größten deutschen Dichter verehrt so besingen wir natürlich auch unsere Lieblingsmannschaft in der Regel in den höchsten Tönen. Aber wissen wir eben auch, dass sie uns nicht unbedingt einen unterhaltsamen Abend bescheren wird.

Nach einem solchen Abend, an dem nichts glückt, seine Mannschaft auszupfeifen, ist natürlich richtig dämlich, wo wir lange genug Anänger dieser launischen Mannschaft sind um zu wissen, dass es gute Zeiten und schlechte Zeiten gibt, und dass auf Regen auch wieder Sonnenschein folgt. Früher oder später. Und sehen wir die Dinge einmal realistisch, dann ist unsere Eintracht eben nicht für den filigransten und schönsten Fußball berühmt, na und? Es hätte ja auch ein ganz kleines bisschen glücklicher verlaufen können, und jetzt bediene ich mich wieder dem beliebten Spielerkonjunktiv II: "Macht der Ina das Tor, dann geht das Spiel ganz anders aus". Und dann sind alle glücklich. Aber der Ina macht das Tor an diesem Freitag nicht, ebensowenig wie Ama, und so ist heute eben keiner glücklich.

Und wer jetzt zum Abschluss noch ein Goethezitat erwartet, der kann lange warten.

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