Einfach fantastisch, aber leider zwei Punkte verschenkt...
|
Endlich ist sie vorbei, die lange heimspielfreie Zeit, das wurde aber auch allerhöchste Eisenbahn! Mit was haben wir uns wochenlang die Zeit vertrieben? Nach dem Hallenfußballmethadonprogramm sind wir endlosen Diskussionen gefolgt über die Verteilung von Fernsehgeldern, haben Geschichten gelesen über einen beleidigten Bayer, der von seinem ostwestfälisch-hessischen Gegenspieler eine Entschuldigung einfordert, und finstere Konsequenzen androht: während in der arabischen Welt ab sofort weder dänische Hot Dogs noch Abba Dill-Sill verkauft wird, werden die bayerischen Mitbürger vielleicht bald Äbbelwei und Frankfurter Würstchen boykottieren? Unvorstellbar, man macht sich kein Bild, was alles hätte passieren können, hätte nicht endlich die Rückrunde begonnen und hätte ich noch länger auf das erste lang ersehnte Heimspiel des Jahres warten müssen....... Nach dem Debakel von Leverkusen in der letzten Woche sind die Erwartungen natürlich hoch. Drei Punkte müssen her, das ist ganz klar. Aber bevor es losgeht, verabschieden wir uns noch von unserem sympathischen Arie van Lent, der uns in der vorigen Saison so viel Freude bereitet hat, und der ja nicht ganz unbeteiligt war auf dem steilen Weg zum Aufstieg. Zum Dank gibts noch ein oranjes Hemdchen, und ein paar 1a Frau-Antje Holzschuhe mit Adler. Auch wir sagen Danke, Arie, und alles Gute in Essen, auch wenn wir es uns verkneifen, dir auch noch einen Frankfurter Gouda mit auf den Weg zu geben. Ein wenig enttäuscht sehe ich eine Menge leere Plätze, während wir die Vorzüge unser Eintracht aus dem Herzen Europas zum Besten geben. Nur Dreißigtausend sind dabei, ob es am Wetter liegt oder am Gegner, mag ich nicht entscheiden. Aber was solls, auch dreißigtausend können einen ziemlichen Lärm machen. Und das tun sie auch, und die zunächst fehlende Aggression auf dem Platz wird ausgeglichen durch die Aggressionen auf den Rängen, von denen immer wieder Wörter in Richtung Gästeblock fliegen, die ich hier nicht wiederholen möchte. Ich überlege, ob es vielleicht eine traditionsreiche Fanfeindschaft gibt zwischen Berlinern und Frankfurtern? Oder liegt es an Marcelinhos albernem neuen Haarschnitt? Ich fürchte, den rot-schwarzen Irokesen hat er sich wahrscheinlich nicht aus Respekt vor den Farben der SGE zugelegt, sondern wie schon Klinsmanns Farbwissenschaftler sagen, weil rot so schön aggressiv macht!? Wir sehen auf alle Fälle eine viel zu harmlose Eintracht in der ersten Halbzeit, in der ein paar schöne Chancen, die leider Chancen bleiben. Das 0:1 fällt einfach unglücklich, fast wie in Zeitlupe sehe ich Oka mitsamt dem Ball rückwärts über die Torlinie rollen. Traurig versuche ich mich selbst zu trösten: haben wir nicht in den letzten Spielen wiederholt gesehen, dass eine starke erste Halbzeit zu keinem guten Ende führt? Dass die Jungs Schwierigkeiten haben, wenn sie sich zu früh verausgaben und dadurch eine Führung verschenken? Was, wenn vielleicht doch noch alles gut wird? Ab und zu habe ich recht: In der Pause nimmt sich Friedhelm seine Jungs vor, spornt sie an und verlangt mehr Mut und Aggression. Unsere folgsame Eintracht nimmt sich die Worte des Lehrers zu Herzen und bald macht auch schon Jones den Ausgleich. Munter geht es weiter, man rackert und rennt, das Spiel wird zunehmend aggressiver, und und es ist eine Freude zuzuschauen. Nun, was heisst Freude? Wenn man schönen Fußball sehen will, saubere Pässe, und ein harmonisches Zusammenspiel, und glasklare Torchancen, dann ist es eine wahre Freude. Will man ein paar Tore sehen und einen Heimsieg, dann wird der Stadionbesuch zwischenzeitlich zu einer wahren Tortur, wie zum Beispiel in der 81. Minute, als Rehmer den Ball an den Pfosten setzte, den wir eigentlich alle schon im Eckigen gesehen haben. Aber wir schließen uns einfach mal Friedhelm Funkel an, der zwar das Remis "nicht befriedigend, aber auch nicht frustrierend" findet. Und dem man seine Freude und seinen Stolz auf seine junge spritzige Mannschaft anmerkt, die er immer wieder mit den Worten "einfach fantastisch" beschreibt. Ja, mir hat's auch Spaß gemacht. Aber noch fantastischer fände ich es, wenn wir mit drei Punkten im Gepäck am Mittwoch aus Nürnberg wieder nach Hause reisten... |