Gastbericht von Jochen
Der 27. November war ein
harter Tag. Zunächst ging es für Harilos und mich darum, mit unserem Schachverein
Brett vorm Kopp Frankfurt die Tabellenführung in der Oberliga Ost zu verteidigen.
Mit Erfolg, wenn alles gut läuft, wird Frankfurt nächstes Jahr einen neuen Zweitligaverein
haben, der nicht Eintracht heißt.
Dies (na gut, dies und unsere Trödelei) hatte
zur Folge, dass wir zu spät ins Waldstadion eintrafen. Na ja, wenn schon Fanboykott,
dann richtig! Wobei, zugegeben, mitbekommen hätte ich die Aktion schon gerne
im Stadion. Leider hatte ich am Samstag keine Gelegenheit, Fußball zu schauen
und wie der Boykott im Fernsehen rüberkommt. Allerdings nach dem, was ich nachher
im Internet recherchiert habe, erscheint mir dieses Mittel als relativ sinnlos.
Es haben wohl ohnehin nicht alle mitgemacht, außerdem wurde im Fernsehen wenig
bis gar nichts erwähnt. Dies unter Vorbehalt, da ich, wie erwähnt, selbst keine
Gelegenheit hatte zu schauen.
Meines Erachtens würden regelmäßige Demonstrationen,
wie zum Beispiel die kurz vor dem Konföderationen-Pokal in Frankfurt, mehr Aufmerksamkeit
auf sich ziehen. Die Fußballfans wissen selbst, wie sie unter Repressalien von
Polizei und Ordnern leiden, es geht darum, die Öffentlichkeit zu informieren.
Gerade gemeinsame Aktionen von Fans verschiedener Vereine würden zeigen, dass
Gewalt unter Fans zwar noch immer präsent sein mag (ein paar Idioten gibt es
halt immer), aber die Hooligan-Zeit der 70er und 80er gottlob vorbei ist.
Für
die Heimspiele in Frankfurt (natürlich auch woanders) könnte beispielsweise
initiiert werden, dass sich Anhänger beider Vereine drei Stunden vor Anpfiff
am Hauptbahnhof treffen und, mit entsprechenden Transparenten ausgestattet,
gemeinsam zum Stadion laufen. Ist im Vorfeld organisatorisch wohl etwas komplizierter,
weiß auch nicht, ob es überhaupt möglich ist. Für die Fans aber ist es am Spieltag
recht einfach machbar und sowas würde auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der
Öffentlichkeit auf sich ziehen.
Bis auf ein Stadionverbot für die zweite Halbzeit
in Hamburg im letzten Abstiegsjahr (weil ich gegen einen Zaun gepinkelt habe,
danke schön auch) bin ich zum Glück bisher von Repressalien verschont geblieben.
Mehr noch, beim Zweitligaspiel in Erfurt war ich über das Polizeiaufgebot recht
froh. Dennoch, nach allem, was ich über das Thema bisher gehört und gelesen
habe, sehe ich friedfertige Gegenwehr als nicht nur sinnvoll, sondern als auch
notwendig an. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass die letzten Absätze
meine eigene Meinung widerspiegeln und ich nicht als offizielles Sprachrohr
vom EFC Kommando Anton Hübler fungiere. Nicht, dass mir daraus noch ein Strick
gedreht wird
Zurück zum Sonntag. Es war ein ungewohntes, aber auch
faszinierendes Gefühl, den Weg zum Stadion erstmals nicht inmitten Menschenmassen
zu laufen und sich dabei der hell erleuchtenden Arena zu nähern, der Lärmpegel
immer höher steigend.
50 Meter vor dem Stadion dann Jubel, Musik Toooooor
für Eintracht Frankfurt… Teils erfreut, teils belämmert schauten wir uns an;
kurz zuvor noch erzählte mir Harilos von einem anderen Spiel, bei dem er 10
Minuten zu spät kam. Damals war zu dem Zeitpunkt bereits das einzige Tor eines
ansonsten trostlosen Gekickes gefallen. Doch heute würde es sicher anders werden.
Wurde es auch, leider nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt haben. War ich
nach der ersten Halbzeit noch äußerst optimistisch bezüglich der drei Punkte,
war ich am Ende heilfroh, als der Schiedsrichter das Spiel endlich abpfiff.
Ich hätte auch überhaupt nichts dagegen gehabt, hätte er dies schon 20 Minuten
früher getan, wäre aber wohl nicht ganz regelkonform gewesen.
Harilos und ich
machten uns direkt nach dem Spiel auf in die Batschkapp zum Konzert der Groben
Junggesellen. Auf dem Weg dahin großes Kino. Am Hauptbahnhof war uns eine hübsche
schwarze Frau behilflich, die Tür der S-Bahn zu öffnen (bitte Harilos fragen,
wie man daran scheitern kann). Als höflicher Mensch, der ich nun mal bin, bedankte
ich mich und fragte spaßeshalber, ob sie uns auch beim Ausstieg behilflich sein
könnte. Es entwickelte sich ein Gespräch; sie stammte aus Eritrea und wir unterhielten
uns auf Englisch. Als sie erzählte, dass sie an diesem Abend in der Kirche gewesen
sei und fragte, was ich für besser hielte, Fußball oder Kirche, schwante mir
nichts Gutes.
Ich behielt Recht. Den ganzen Rest der Fahrt bis zum Weißen Stein
wurde ich nach allen Regeln der Kunst missioniert. Harilos saß feixend gegenüber
und sah schweigend zu; gut, ich hätte es vermutlich auch nicht anders gemacht.
Tipp an alle Mädels, die sich von Typen belästigt fühlen: die Jesus-Nummer wirkt.
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich will mich hier keineswegs über religiöse
Menschen lustig machen, allein Dauervorträge dieser Art finde ich etwas anstrengend.
Gut, dass ich nicht in einem Zug von, sagen wir, München nach Hamburg saß.
Weiterer
Ausblick für unsere Eintracht: Drei Punkte in Lautern, ein Punkt gegen Dortmund
und/oder Gladbach, dann, gaaaanz wichtig, Weiterkommen im Pokal, da wäre die
Welt in Ordnung!
Jochen